Die Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth, auch Speyerer Linie genannt, ist eine durchgehend zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Rheinland-Pfalz. Sie ist Teil des Liniennetzes der S-Bahn Rhein-Neckar, zudem zwischen Germersheim und Wörth (Rhein) Teil des Liniennetzes der Stadtbahn Karlsruhe.

Der erste Streckenabschnitt zwischen Schifferstadt und Speyer wurde 1847 eröffnet, die Verlängerung bis Germersheim 1864. Die Eröffnung des letzten Abschnittes nach Wörth am Rhein folgte 1876. Von 1906 bis 1914 diente sie dem Fernverkehr, der durch den Ersten Weltkrieg und die anschließende Rückgliederung von Elsaß-Lothringen zum Erliegen kam. Im Zeitraum von 2003 bis 2010 wurde die Strecke elektrifiziert.

Geschichte Anfänge und Entstehung des Abschnitts Schifferstadt–Germersheim Ursprünglich war geplant gewesen, innerhalb der Pfalz (Bayern) zuerst eine Bahnstrecke in Nord-Süd-Richtung in Betrieb zu nehmen. Jedoch entstand stattdessen zunächst im Zeitraum von 1847 bis 1849 die in Ost-West-Richtung verlaufende Pfälzische Ludwigsbahn von der Rheinschanze (ab 1853: Ludwigshafen) nach Bexbach, die hauptsächlich dem Kohletransport diente. Dabei erwog man anstatt einer Streckenführung zur Rheinschanzinsel, auf der damals lediglich die Stadt Mannheim eine linksrheinische Befestigungsanlage besaß, eine Führung nach Speyer, das damals die pfälzische Hauptstadt war. Diese Alternative wurde fallen gelassen, da bereits damals die Verkehrsströme in Richtung Mannheim tendierten. 1838 wurde jedoch festgelegt, dass Speyer über eine Stichstrecke an die Magistrale angebunden werden sollte.

Die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft eröffnete am 11. Juni 1847 zeitgleich mit dem Ludwigsbahn-Abschnitt Rheinschanze–Neustadt die in Schifferstadt abzweigende Stichstrecke nach Speyer.

In der Folgezeit liefen die Planungen für eine Nord-Süd-Verbindung. Dabei standen zwei Varianten zur Diskussion: Die eine sollte von Neustadt über Landau ins elsässisische Wissembourg und von dort aus weiter nach Strasbourg verlaufen. Die andere sah vor, die Stichstrecke nach Speyer über Germersheim und Lauterbourg bis nach Strasbourg zu führen. Die erste Variante setzte sich durch, da Frankreich zögerte und bei der erstgenannten Variante die damals dichtere Besiedlung der Region sich als Argument gegenüber einer Streckenführung entlang der Rheinebene durchsetzte.

Am 14. März 1864 erfolgte die insgesamt eine Million Gulden kostende Verlängerung der Stichstrecke bis nach Germersheim, nachdem zuvor die dortige Festung einen Weiterbau verzögert hatte.

Lückenschluss bis nach Wörth und weitere Entwicklung Noch im selben Jahr trat in Rülzheim ein Komitee zusammen, das für eine Verlängerung der Strecke bis nach Wörth plädierte. Ihm gehörten neben Vertretern aus Rülzheim solche aus Germersheim, Bellheim, Rheinzabern, Wörth und Maxau an. Dabei war zunächst unklar, ob die Stadt Germersheim westlich oder östlich umfahren werden sollte. Erstere Variante wäre länger und teurer ausgefallen. Der Deutsch-Französische Krieg verzögerte jedoch die Realisierung des Projektes.

Die Gemeinde Kandel, die seit 1864 über die Bahnstrecke von Winden nach Karlsruhe angebunden war, forderte eine Streckenführung über ihr Gebiet. Die Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen, zu der die Ludwigsbahn-Gesellschaft seit 1870 gehörte, erteilte dem am 20. November 1871 jedoch eine Absage, da eine solche Streckenführung einen Umweg erfordere, der die Bedeutung dieser Magistrale geschwächt hätte. Kandel gab zunächst jedoch noch nicht auf und ließ Denkschriften in ihrem Sinne verfassen. Dennoch setzte sich die Variante über Wörth durch. Diese wurde am 15. März 1874 genehmigt. Der Bau der Strecke verlief ohne größere Probleme, so dass sie am 25. Juli 1876 zusammen mit der Fortführung über Lauterbourg bis nach Strasbourg eröffnet wurde. Anders als beim Abschnitt Schifferstadt–Germersheim wurde der neu eröffnete Streckenabschnitt im Namen und auf Rechnung der Pfälzischen Maximiliansbahn-Gesellschaft betrieben.

Ab 1875 war der Abschnitt Schifferstadt–Speyer, ab 1906 auch die Strecke von Schifferstadt bis nach Lauterbourg zweigleisig befahrbar. Die Schnellzüge von Berlin nach Strasbourg, die bislang über Neustadt und die Pfälzische Maximiliansbahn verkehrten, liefen von nun an über Speyer und Germersheim, da dieser Fahrtweg kürzer war und dafür genügend Kapazität durch das neue Gleis vorhanden war.

Am 1. Januar 1909 ging die Strecke zusammen mit den übrigen innerhalb der Pfalz in das Eigentum der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen über.

Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Elsaß-Lothringen an Frankreich zurück, womit auch der Fernverkehr auf der Strecke endete, da die neu gegründete Deutsche Reichsbahn die Züge möglichst lange innerhalb des Reichsgebietes führen wollte. Stattdessen befuhren Fernzüge die Rheintalbahn. Die Reichsbahn teilte die Strecke 1922 der Reichsbahndirektion Ludwigshafen zu. Nach deren Auflösung 1936 kam die Strecke mit Ausnahme des Wörther Bahnhofs in die Zuständigkeit der Reichsbahndirektion Mainz. Aus letzterer ging nach dem Zweiten Weltkrieg die Bundesbahndirektion Mainz hervor. 1972 wurde diese ebenfalls aufgelöst, so dass die Strecke bis zur Bahnreform Teil der Bundesbahndirektion Karlsruhe war.

1964 wurde der Streckenabschnitt Schifferstadt–Speyer auf Selbstblock umgestellt,Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 16. Oktober 1964, Nr. 48. Bekanntmachung Nr. 506, S. 247. 1971 die Fernmeldefreileitung zwischen Speyer und Germersheim durch ein Fernmeldekabel ersetzt.Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 29. Januar 1971, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 24, S. 29.

Bis 1980 verkehrte ein Eilzugpaar zwischen Strasbourg und Ludwigshafen, das vor allem der Beförderung französischer Militärangehöriger diente. Mit der Einrichtung des S-Bahn-Betriebes zwischen Schifferstadt und Germersheim wurden die Strecke bis Germersheim elektrifiziert und die Bahnhöfe und Haltepunkte modernisiert. Seit Dezember 2010 werden zwischen Germersheim und Wörth sowie weiter nach Karlsruhe Fahrzeuge der Stadtbahn Karlsruhe eingesetzt.

Zwischen Germersheim und Wörth haben die Bahnsteige der bereits vor 2010 existierenden Bahnhöfe abweichend gegenüber sonstigen Stadtbahn-Bahnsteigen im Bereich des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) eine Länge von 160 m, damit die Pendlerzüge zum BASF-Werk Ludwigshafen dort halten können. Die übliche Bahnsteiglänge für eine Dreifach-Traktion beträgt 120 m. Während der Sommerferien 2007 wurden im kompletten Streckenabschnitt Germersheim–Wörth beide Richtungsgleise inklusive aller Schwellen vollständig ausgetauscht. Aufgrund von Munitionsfunden aus dem Zweiten Weltkrieg im Gleisbett in Höhe von Jockgrim verlängerten sich die Bauarbeiten um eine Woche. Während der Osterferien 2010 war die Strecke ebenfalls komplett gesperrt. Zu dieser Zeit wurden die Bahnsteige teilweise erneuert und mit der Elektrifizierung begonnen. Ferner war die Strecke vom 5. Juli 2010 bis zum 12. Dezember 2010 wegen der Bauarbeiten gesperrt.

Nur von kurzer Dauer war die Führung eines Intercity-Zugpaares Karlsruhe–Frankfurt in den Fahrplanjahren 2011 bis 2014 via SpeyerIntercity in Speyer, 8. Juli 2014 auf bahnbilder.de, abgerufen am 5. Januar 2023. und Worms, das sich insbesondere an Fern-Pendler richtete.IC Karlsruhe–Frankfurt auf fernbahn.de, abgerufen am 4. Januar 2023.IC Frankfurt–Karlsruhe auf fernbahn.de, abgerufen am 5. Januar 2023.

Im Jahr 2022 wurde die Strecke mit einem elektronischen Stellwerk ausgestattet, das die Altstellwerke in Wörth, Germersheim und Speyer ersetzte. In diesem Zusammenhang wurde die Streckenkapazität durch die Aufstellung zusätzlicher Blocksignale erhöht.

Chronik der Elektrifizierung 3. November 2003: Schifferstadt – Speyer 4. Oktober 2006: Speyer – Germersheim 30. November 2010: Germersheim – Wörth 11. Dezember 2011: Germersheim – Graben-Neudorf

Streckenverlauf Die rund 50 km lange Eisenbahnstrecke beginnt in Schifferstadt, wo sie (von Ludwigshafen aus gesehen) links von der Pfälzischen Ludwigsbahn abzweigt. Sie verläuft zunächst gradlinig südöstlich am Stadtrand von Schifferstadt entlang und durch den Speyerer Wald zwischen Schifferstadt und Speyer. Daraufhin erreicht sie das Stadtgebiet von Speyer, in dem sie zunächst nach einigen hundert Metern einen Knick nach Süden macht, indem die dort noch als Gleisanschluss; 6221: 187 321 bei WLC im Einsatz. In: Eisenbahn-Revue International 3/2018, S. 120. genutzte Bahnstrecke Heidelberg–Speyer in sie einmündet.

Noch im Stadtgebiet von Speyer macht sie einen erneuten Knick nach Südwesten, um fast gradlinig an der Gemeinde Römerberg vorbeizuführen, deren Bebauungsgebiet sie westlich begrenzt. Kurz vor Lingenfeld macht sie eine Linkskurve und verläuft dann in südlicher Richtung zwischen der Bebauung von Lingenfeld und dem Lingenfelder Altrhein. Auf diesem Weg gesellt sich von rechts in Gegenrichtung kommend die stillgelegte Bahnstrecke Germersheim–Landau zu ihr, die bis zum Erreichen von Germersheim linksseitig parallel zu ihr verläuft.

In Germersheim selbst ist ihr Verlauf ungewöhnlich: Hinter der Ausfahrt des Bahnhofs macht sie eine S-förmige Doppelkurve und verläuft östlich um die Altstadt herum, statt das Stadtgebiet von Germersheim direkt in südlicher Richtung zu durchschneiden (die Altstadt liegt weit genug östlich, so dass dies historisch betrachtet möglich gewesen wäre). Etwa bei der Hälfte des Weges nach Süden zweigt die bis dahin parallel verlaufende Bruhrainbahn links von ihr in Richtung Rhein ab. Die Speyerer Linie macht eine erneute S-Kurve und lässt so Germersheim hinter sich.

Danach erreicht sie den Germersheimer Stadtteil Sondernheim, an dessen südlichem Ende sie einen Knick nach Westen nach Bellheim macht. Dort ändert sie erneut ihre Fahrtrichtung nach Süden und läuft auf Rülzheim zu. Am nordwestlichen Ende des Dorfgebietes macht sie eine langgezogene S-Kurve und verläuft danach weiter südlich, durchschneidet Rheinzabern und Jockgrim, und mündet in Wörth am Rhein in die Bahnstrecke Winden–Karlsruhe ein. Sie nimmt mit der Bienwaldbahn ihre Fortsetzung Richtung Lauterbourg.

Betriebsstellen Schifferstadt mini|Bahnhof Schifferstadt: Die Speyerer Linie (links) zweigt von der Pfälzischen Ludwigsbahn (rechts) ab.

Der Bahnhof Schifferstadt ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth. Er befindet sich am nordwestlichen Stadtrand von Schifferstadt. Zeitgleich mit dem Ludwigsbahn-Abschnitt Rheinschanze–Neustadt wurde die Stichstrecke nach Speyer eröffnet, womit Schifferstadt der erste Eisenbahnknotenpunkt innerhalb der Pfalz wurde.

Schifferstadt Süd

Der Haltepunkt Schifferstadt Süd befindet sich am südlichen Stadtrand von Schifferstadt, bedient auch ein Schulzentrum und ging am 5. Dezember 1949 in Betrieb.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 2. Dezember 1949, Nr. 56. Bekanntmachung Nr. 703, S. 311.

Speyer Nord-West Der Haltepunkt Speyer Nord-West bindet die Stadtteile Speyer-Nord und Speyer-West an das Eisenbahnnetz an.

Speyer Hauptbahnhof mini|Speyer Hauptbahnhof

Von 1847 bis 1864 war der Speyerer Hauptbahnhof Endbahnhof der damaligen in Schifferstadt beginnenden Stichstrecke. Sein Empfangsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, weshalb er Ende der 1950er Jahre ein neues erhielt. Der frühere Güterschuppen ist noch erhalten und befindet sich südlich des Bahnhofsgebäudes. Für den Bahnbetrieb hat er jedoch trotz des nach wie vor stattfindenden Güterverkehrs keine Bedeutung mehr und wurde nach längerem Leerstand von „Denn’s Biomarkt“ renoviert und als Einkaufsmarkt genutzt.

Speyer Süd