mini|hochkant=1.8|Blick auf Longyearbyen im Juli 2011 mini|hochkant=1.8|Longyearbyen aus Nordwesten mini|hochkant=1.8|Blick über Longyearbyen ins Adventdalen, 19. September 2006

Longyearbyen ist der größte Ort und das Verwaltungszentrum der von Norwegen verwalteten Inselgruppe Spitzbergen () im arktischen Eismeer und einer der nördlichsten Orte der Erde. Es liegt auf der gleichnamigen Hauptinsel Spitzbergen am Adventfjorden.

Longyearbyen wurde 1906 vom US-amerikanischen Unternehmer John Munroe Longyear als Bergarbeiterstadt gegründet. Im Jahr 1943 wurde der Ort im Zuge des Unternehmens Sizilien von der deutschen Kriegsmarine zerstört, um die Versorgung alliierter Schiffe Richtung Murmansk durch Wegnahme der Häfen und Bergwerksanlagen zu erschweren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese wieder aufgebaut.

Longyearbyen lebt vor allem vom Tourismus und der Forschung. Unter anderem befinden sich dort eine Außenstelle des norwegischen Polarinstitutes (NPI) und das UNIS, ein Projekt norwegischer Universitäten, sowie das Svalbard Global Seed Vault, ein Langzeit-Lager für Saatgut.

Longyearbyen verfügt über eine moderne Infrastruktur mit diversen Geschäften, Kneipen, Restaurants, Kindergärten, einer Schule, einem Schwimmbad, einem Kino, einer Tankstelle und einem Hafen. Das Straßennetz ist nur etwa 40 Kilometer lang und stellt keine Verbindung zu einem der anderen Orte auf Spitzbergen her. Schneemobile und Boote sind daher die Hauptfortbewegungsmittel.

Longyearbyen ist für die meisten Touristen das Eingangstor nach Spitzbergen und hat daher ein relativ gutes Hotel- und Gastronomieangebot. Die Stadt wird als Startpunkt für Ausflüge und Exkursionen in die Umgebung genutzt, wie z. B. für Wanderungen auf den Hausberg mit Blick über die Stadt und den Fjord. Im Winter werden Touren mit Schneemobilen und Hundeschlitten angeboten.

Zum Flughafen Longyearbyen gibt es regelmäßige Flugverbindungen ab Oslo und Tromsø mit der Fluggesellschaft SAS Scandinavian Airlines (und zeitweise auch von Norwegian Air Shuttle), die Flugzeit ab Oslo beträgt 3:05 Stunden, ab Tromsø ca. 80 Minuten.

Geografie mini|Longyeardalen

Longyearbyen liegt im Longyeardalen (Longyear-Tal) und auf beiden Seiten des Longyearelva (Longyear-Fluss) am nordöstlichen Ausgang des Adventdalen, einem Seitental des Isfjord. Die Ortschaft ist in verschiedene Quartiere aufgeteilt, die vorwiegend von der Topografie, insbesondere dem Fluss, bestimmt werden. Die Büros des Sysselmesters (Verwalter von Spitzbergen) und von Telenor finden sich in Skjæringa, die Quartiere am Ufer werden von der Zentrale der Store Norske Spitsbergen Kulkompani und dem Universitätszentrum auf Svalbard dominiert.

Die zweite größere Siedlung auf Svalbard, Barentsburg, befindet sich etwa 55 Kilometer weiter westlich nahe der Mündung des Isfjord.

Geologie Longyearbyen liegt im Longyeardalen, einem typischen U-Tal mit steilen Hängen und flachem Grund. Das Tal wurde während der letzten Eiszeit durch einen Gletscher gebildet. Das Longyeardalen wird noch immer durch einen Gletscher, den Longyearbreen, abgeschlossen. Auch auf Svalbard sind die Gletscher im Rückgang, besonders in den letzten hundert Jahren. Die Berge um Longyearbyen sind typische Plateauberge mit fast ebenen Gipfelplateaus aus erosionsbeständigem Gestein.

Gegen den Fjord zu ist ein deutliches Delta sichtbar, das sich aus dem Geschiebe des Flusses gebildet hat. Die Erde ist in großen Teilen von den Auswaschungen der Kohleminen schwarz gefärbt. Die Kohle, der Longyearbyen seine Existenz verdankt, ist in leicht abfallenden Flözen (2°–5°) zwischen den Gesteinsschichten der Berge eingelassen.

Biologie Pflanzen mini|Die „Svalbardvalmue“ ist offiziell die „Staatspflanze“ Svalbards

Longyearbyen liegt an einem Fjord nahe der Westküste von Spitzbergen. Dies ist die klimatisch wärmste Region Svalbards. Hier findet sich eine große Zahl seltener oder vom Aussterben bedrohter Arten. Die biologische Vielfalt ist, verglichen mit anderen arktischen Regionen, sehr groß.Dagmar Hagen, Tommy Prestø: Biologisk mangfold – temarapport som grunnlag for arealplan for Longyearbyen planområde. Norsk institutt for naturforskning, 2007. Eine Untersuchung der Biodiversität in Longyearbyen wurde 2007 vom Norwegischen Institut für Naturforschung durchgeführt. Von den in Longyearbyen registrierten Arten sind 178 entweder auf der Nationalen Roten Liste oder in der Kategorie 3 (d. h. es gibt nur noch 1–4 bekannte Vorkommen auf Svalbard). Die meisten der bedrohten Arten sind Pilze (100 Arten), Flechten (44 Arten), Moose und Gefäßpflanzen.

Obwohl die Landschaft und Vegetation von Svalbard vorwiegend das Ergebnis geologischer Prozesse, des Klimas und der natürlichen Selektion ist, hatte auch der Mensch Einfluss auf die Topografie und die Vegetation in und um Longyearbyen. Die menschliche Aktivität führt zu einem erhöhten Nährstoffeintrag in die Natur. Die damit erhöhte Stickstoffzufuhr ermöglicht eine grünere Pflanzendecke, insbesondere das Wachstum des Grases.

Während des Projektes „Longyearbyen grüner“ wurde in den 1990er Jahren großflächig Gras angesät, das teilweise einheimische Pflanzen verdrängte. Seit dem Svalbard Environmental Act aus dem Jahr 2002 ist es verboten, fremde Tiere und fremde Flora, die in der Lage sind, sich selbst zu verbreiten, nach Svalbard zu importieren.

Vögel und Säugetiere In Longyearbyens Umgebung gibt es Svalbard-Rentiere, Svalbard-Gänse und Polarfüchse. In Longyearbyen sind drei Fuchsbaue bekannt, in Bjørndalen, Nybyen und hinter der Kirche. In den ersten zwei werden regelmäßig Füchse mit Jungtieren gesichtet, während die Baue hinter der Kirche seit den 1980er Jahren nicht mehr bewohnt zu sein scheinen. Die Fuchsjagd, vorwiegend mit Fallen, ist zeitweise erlaubt, jedoch nicht in Longyearbyen selbst. Eisbären sind in der Gegend von Longyearbyen selten, aber die Gefahr einer Begegnung besteht immer. Deshalb ist es nicht erlaubt, die Stadt ohne eine Waffe zu verlassen.

Im klaren Wasser und in den Feuchtgebieten befinden sich die Brut- und Lebensräume der Vögel.

Klima mini|Longyearbyen, 15. April 2008 um 3 Uhr morgens mini|Longyearbyen in der Polarnacht

Lokale Tiefdruckgebiete und warme Atlantikströmungen wie der Golfstrom sorgen dafür, dass das Klima auf Svalbard milder ist als an den meisten Orten auf demselben Breitengrad. Die Jahresdurchschnittstemperatur in Longyearbyen ist −6,7 °C, aber die klimatischen Bedingungen sind auch innerhalb der Inselgruppe teilweise sehr unterschiedlich. Die Vegetationszeit (Temperatur über 5 °C) für die Pflanzen ist mit 70 Tagen pro Jahr relativ kurz. Im Winter ist durch teilweise starke Winde der Windchill-Effekt bei tiefen Temperaturen deutlich spürbar. Nebel ist ein typisches Phänomen im Sommer. Longyearbyen hat weniger Niederschlag als die trockensten Regionen Norwegens. Die Wetterstation am Flughafen Longyearbyen misst mit 190 mm die geringste jährliche Niederschlagsmenge Norwegens.

Die Fjorde auf der Westseite Spitzbergens sind oftmals auch während des Winters eisfrei. Die meisten Niederschläge auf Svalbard bringen die Ostwinde von der Barentssee. Daher fällt im Südosten der Inselgruppe dreimal so viel Regen wie in Longyearbyen. Longyearbyen befindet sich auf Permafrostboden, der bis 100 m tief gefroren ist, wovon im Sommer höchstens der oberste Meter auftaut. Der Permafrost erfordert es auch, dass alle Gebäude in Longyearbyen auf Pfählen errichtet sind, damit durch die Wärmeabstrahlung der Gebäude der gefrorene Boden nicht taut und es zu strukturellen Schäden an der Bausubstanz kommt.

Die Lebensbedingungen in Longyearbyen werden besonders durch die lange Polarnacht und die Mitternachtssonne geprägt. In Longyearbyen dauert die Mitternachtssonne vom 20. April bis zum 23. August, während die Polarnacht vom 26. Oktober bis zum 15. Februar dauert. Von Ende November bis Mitte Januar ist die Polarnacht absolut, wird jedoch zeitweise von Polarlichtern erhellt.

Wie für arktisches Klima üblich, kann das Wetter sehr schnell umschlagen. Temperaturstürze um 15 oder mehr Grad in wenigen Stunden sind keine Seltenheit. Auch auf plötzlich eintretende Schneestürme sollte man vorbereitet sein.

Am 24. Juli 2020 wurde in Longyearbyen eine Temperatur von 21,7 °C gemessen. Dies ist die höchste Temperatur, seit Beginn der Aufzeichnungen, die dort bisher gemessen wurde. Im Juni 2024 wurde mit einer Durchschnittstemperatur von 6,1 °C ein neuer Juni-Temperaturrekord gemessen.

Gesellschaft Religion mini|Die erste Kirche in Longyearbyen, August 1925 mini|Svalbards Kirche im Sommer

In Longyearbyen befindet sich die einzige evangelische Kirche der Inselgruppe. Die Kirche wurde am 28. August 1921 geweiht, nach einer Bauzeit von nur 50 Tagen. Der offizielle Name der Kirche lautet Vår frelsers kirke på Spitsbergen (etwa: Die Kirche unseres Erlösers auf Spitzbergen). Sie wurde von der Store Norske Spitsbergen Kulkompani und der Indremisjonsselskapet gestiftet. Die Kirche wurde während der deutschen Angriffe auf Longyearbyen im Jahr 1943 zerstört und 1958 wieder aufgebaut.

Die Kirche Svalbards ist die nördlichste Kirche der Welt. 2003 besuchten durchschnittlich 69 Personen die Gottesdienste, darunter viele Touristen.

Die Kirche von Svalbard hat eine besondere Stellung unter den Kirchen Norwegens, weil sie nicht von der Norwegischen Kirche und der Gemeinde betrieben wird. Die Kirche Longyearbyens gehört dem StaatSie ist allerdings nicht die einzige mit diesem Status. und wird durch die Polarabteilung im Justiz- und Polizeidepartement finanziert. Das Gebäude wird von der Staatsbygg finanziert. Der Bischof von Nord-Hålogaland ist für die Aufsicht und die Personalpolitik zuständig, aber alle anderen Belange werden vom Justiz- und Polizeidepartement geregelt. Da die Gesetze Norwegens nicht auf Svalbard zutreffen,Das norwegische Zivil- und Strafrecht findet in Svalbard Anwendung, alle übrigen Gesetze Norwegens haben hier keine Wirkung. gilt dies auch für die Kirchengesetze.Kirchengesetz, Artikel 39: Das Gesetz gilt nicht für Svalbard. Der norwegische König ist berechtigt, Bestimmungen über die Ausübung der Religion und anderer geistlicher Dienste zu erlassen.

Die Kirche von Svalbard ist für alle Christen auf der Inselgruppe zuständig, also sowohl Katholiken, Protestanten als auch die russisch-orthodoxen Christen, die vorwiegend in der russischen Bergbausiedlung Barentsburg zu Hause sind.

Kindergarten Longyearbyen hat drei ordentliche Kindergärten und einen Familienkindergarten. Im Jahr 2004 besuchten insgesamt 103 Kinder diese Einrichtungen. Sie werden vom Kinder- und Familiendepartement geführt, im Gegensatz zu denen auf dem Festland, die Beiträge von den Gemeinden erhalten. Das Departement hat festgelegt, dass das Kinderfürsorgegesetz aus dem Jahr 2005 (das ebenfalls auf Svalbard keine Gültigkeit besitzt) auch hier so gut wie möglich umgesetzt werden soll.

Ausbildung Bereits während der ersten Jahre der Store Norske Spitsbergen Kulkompani wurde in Longyearbyen unterrichtet. Bis 1919 wurden zwischen fünf und zehn Kinder ausgebildet. Im Herbst 1920 wurde in einem kleinen Raum eine Schule eingerichtet. Ein Lehrer unterrichtete acht Schüler auf 12 m². Als 1921 die erste Kirche gebaut wurde, diente sie auch als Schulzimmer und die Unterrichtsfläche vergrößerte sich auf 20 m².

Als in den Jahren 1942–1945 die Bevölkerung von Spitzbergen evakuiert wurde, wurde damit auch die Schule verlegt und der Unterricht fand in einer Burg in Großbritannien statt. Als nach dem Krieg die Leute zurückkehrten, war die Schule genauso wie der Rest der Stadt niedergebrannt. Die Schule wurde dann in einem Provisorium eingerichtet. Im Jahr 1951 bekam die Schule zwei Räume im neuen Gemeindeversammlungsgebäude. Im Jahr 1971 wurde im Ortsteil Haugen, in der Mitte des Longyeartales, ein neues Schulhaus eröffnet. Im Jahr 1976 ging die Verantwortung für die Schule von der Store Norske Spitsbergen Kulkompani an den Staat über.