mini|297px|Dossenheim von Westen mini|Luftaufnahme von Dossenheim mini|Dossenheim Luftbild von Westen

Dossenheim () ist eine Gemeinde an der Badischen Bergstraße mit rund 12.000 Einwohnern. Sie gehört zum Rhein-Neckar-Kreis und liegt 5 km nördlich von Heidelberg und 20 km östlich von Mannheim und ist Teil der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Dossenheim wird in der lokalen Mundart Dossene genannt.

Geographie Lage Dossenheim liegt an der Badischen Bergstraße am Fuß des Odenwaldes in der Metropolregion Rhein-Neckar. Im Westen der Gemarkung beginnt die Oberrheinische Tiefebene. Der zum Ort gehörende Weiler Schwabenheim liegt außerdem am Neckar. Die Berge des Odenwaldes im Osten sind durch drei Bäche und ihre Täler zerschnitten.

Flächennutzung Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 1416 Hektar. Davon sind 17,2 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 32,3 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 44,2 Prozent sind bewaldet. In den letzten Jahren und Jahrzehnten veränderte sich die Waldfläche kaum, die Siedlungsfläche dehnte sich dagegen, vor allem auf Kosten der Landwirtschaftsfläche, unregelmäßig aus.Conzelmann 1966, S. 148.

Natur und Gewässer Beim Weiler Schwabenheim überwindet eine Neckarschleuse eine Höhendifferenz von 8,7 Metern. Hier endet der Seitenkanal Wieblingen, welcher parallel zum Altneckar verläuft. Dieser ist Teil des rund 550 ha großen Natur- und Landschaftsschutzgebiets Unterer Neckar. des Sportangler-Verein Schriesheim Vom Odenwald her kommen Mühl-, Brenken- und Mantelbach, diese sind allerdings innerhalb des Siedlungsgebiets zum Großteil verdolt. Im Westen der Gemarkung fließen sie in den Rombach, welcher wiederum in den Kanzelbach mündet. Dieser erreicht schließlich bei Ladenburg den Neckar.

Der Ölberg ist, wie andere Berge in Dossenheim auch, geprägt von durch Gesteinsabbau entstandenen Terrassen, Felswänden und Schutthalden. Die vielfältige Biotopstruktur bietet Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten und steht daher seit 1998 unter Naturschutz. (pdf) Das Waldgebiet auf dem Ölberg ist als Schonwald eingestuft. Die Gemarkung östlich der B 3 ist Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald. Fast alle unbebauten Flächen des Naturparks gehören zum Landschaftsschutzgebiet Bergstraße-Mitte.Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören außer Dossenheim selbst der etwa drei Kilometer weiter westlich liegende Weiler Schwabenheim und der Wohnplatz Zum Weißen Stein. Die amtliche Kreis- und Gemeindebeschreibung nennt weiterhin die in Dossenheim aufgegangenen Wohnplätze OEG-Bahngebäude und Bärenstein.Eintrag zu Dossenheim bei LEO BW Im Gemeindegebiet lag die 801 erwähnte abgegangene Ortschaft Bernhardteshusen, die möglicherweise mit dem 1298 erwähnten Wilre identisch ist.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 348–350. Ebenfalls abgegangen ist das erstmals 767 urkundlich belegte Dorf Hillenbach, welches südlich von Dossenheim am Höllenbach lag.Peter Sinn: Zur Landschaft und Geschichte von Heidelberg-Handschuhsheim. verlag regionalkultur, 2012, S. 155–157.

Geologie mini|Ein Porphyrbrocken im Steinbruch Leferenz Auf den Bergen im Osten Dossenheims liegt eine teilweise über 150 Meter mächtige Schicht aus Rhyolith (auch Quarzporphyr),Conzelmann 1966, S. 159. die Teil der Schriesheim-Formation ist und in den Steinbrüchen des Ortes über Jahrzehnte abgebaut wurde. Entstanden ist der Dossenheim-Quarzporphyr im Perm vor etwa 290 Millionen Jahren, als es in der Region noch regen Vulkanismus gab. Daraus resultieren auch größere Granitvorkommen, die allerdings kaum abgebaut wurden. An den Hängen des Odenwaldes findet man zudem Löss sowie vor allem im Osten der Gemarkung den in der Region weit verbreiteten Sandstein.

In der Umgebung Dossenheims gab es auch einige Silberfunde, beispielsweise in Schriesheim und Hirschberg. Für eine weitergehende Beschreibung des Bergbaus in der Region, siehe auch: Liste von Bergwerken im Odenwald.

Nachbarorte Dossenheim liegt direkt nördlich der Großstadt Heidelberg, mit der es direkt durch die Bundesstraße 3, sowie per Schiene durch die Bahnstrecke Weinheim–Heidelberg („OEG“) verbunden ist. Die Gemarkungsgrenze liegt nahe dem Siedlungsgebiet Dossenheims. Das Zentrum Heidelbergs (Altstadt) ist etwa fünf Kilometer weit entfernt. Die größte Stadt der Region, Mannheim, liegt etwa 20 Kilometer entfernt. Außer an Heidelberg grenzt Dossenheim an folgende Orte: Im Südwesten an Edingen-Neckarhausen (liegt gegenüber Schwabenheim, auf der anderen Neckarseite), im Westen an Ladenburg und im Norden an Schriesheim.

Klima Dossenheim gehört, ähnlich wie Heidelberg, mit der geschützten Lage im Oberrheingraben zum wärmsten Gebiet Deutschlands. Zu großen Teilen wird das Wetter durch die Zufuhr maritimer Luftmassen aus Westen bestimmt. Die Hänge des Odenwaldes begünstigen die Wolkenbildung, was dazu beiträgt, dass es das ganze Jahr über deutliche Niederschläge gibt.Climate-data Eine Klimastation in Heidelberg maß zwischen den Jahren 1971 und 2000 eine Niederschlagsmenge von etwa 745 mm pro Jahr, sowie eine Durchschnittstemperatur von 11,1 °C. Der wärmste Monat ist der Juli (20,1 °C), der kälteste der Januar (2,5 °C).www.klimadiagramme.de

Geschichte Frühe Besiedlung Die Bergstraße ist sehr altes Siedlungsgebiet. Auf der Gemarkung von Dossenheim weisen Funde auf die Anwesenheit von Menschen bereits zur Altsteinzeit hin. Menschliche Besiedlung ist durch Ackergerät und Bestattungen spätestens für die Jungsteinzeit nachgewiesen. Jüngere Funde aus Bronze- und Hallstattzeit sowie aus der Zeit der Kelten und der Germanen belegen eine gewisse Siedlungskontinuität auf Dossenheimer Gebiet. Spätestens zur Zeit der Römer entwickelte sich die von Norden nach Süden am Gebirgsfuß verlaufende platea montium, die heutige Bergstraße. Am Weg zum Schwabenheimer Hof wurden die Fundamente einer Villa rustica gefunden, die sich dort im Hinterland des Limes und im Schutz des Neuenheimer Kastells befand. Das nahe Ladenburg war als Lopodunum ein wichtiger römischer Verwaltungssitz. Nach dem Rückzug der Römer nahmen die Alamannen ab dem 3. Jahrhundert die vormals römischen Gebiete am Rhein ein. Von ihnen gibt es nur wenige Siedlungsspuren.Conzelmann 1966, S. 11–14.

Fränkische Siedlungsgründung der Merowingerzeit Mit den Franken ab dem Ende des 5. Jahrhunderts beginnt dann die sich bis in die Gegenwart fortsetzende Geschichte des heutigen Dossenheim. Zu den Funden der Merowingerzeit zählt der Dossenheimer Schädel einer um 520 bestatteten Frau, der im Kindesalter künstlich verlängert wurde.Conzelmann 1966, S. 15/16. Der älteste Siedlungskern von Dossenheim liegt am Ausgang des Mühltals, auf dem angehäuften Schuttkegel von Brenkenbach und Mühlbach, wo die Siedlung geschützt und am Wasser lag. Von hier aus konnte man auch bei Gefahrensituationen schnell in den Wald fliehen, der natürlich zusätzlich als wichtige Nahrungsquelle diente. Die umliegenden Hänge boten sich außerdem gut für den Weinanbau an.Conzelmann 1966, S. 18. Den topographischen Gegebenheiten bildete sich die Siedlung als Haufendorf aus.Conzelmann 1966, S. 11–16.

Zugehörigkeit zum Kloster Lorsch mini|Die Ersterwähnung Dossenheims (766) im Lorscher Codex Die erste Nennung der Siedlung findet sich zum Jahr 766 im Lorscher Codex, als der Verkauf eines Weinbergs in Dossenheim durch den Mönch Segwin an das Kloster Lorsch beurkundet wurde. Der Name des Ortes variierte in Urkunden bis in die frühe Neuzeit. Schreibweisen sind Tossenheim (786), Dohssenheim (1033), Dussinheim (1206), Tussenheim (1273), Dosanaw (1504) usw. Die Forschung ist uneins, ob sich der Ortsname auf einen Personennamen mit -heim („Heim des Dosso“) oder auf eine alte Bezeichnung für Kiefern („Dossen“) bezieht.Conzelmann 1966, S. 17/18. Zwischen 766 und 877 wurden insgesamt 41 Besitzübergänge in Dossenheim an Lorsch beurkundet, darunter 23 Weinberge. Die umliegenden Orte Schwabenheim, Handschuhsheim, Ladenburg und Schriesheim wurden ebenfalls um 760 erstmals urkundlich erwähnt.Conzelmann 1966, S. 19. Das 763 erstmals erwähnte Schwabenheim umfasste im Hochmittelalter nur noch eine einzelne Hofsiedlung.

794 wurde auch erstmals eine „Basilica“ (Kirche) erwähnt. Sie befand sich wahrscheinlich am Standort der heutigen evangelischen Kirche.Conzelmann 1966, S. 45.

Herrschaft Schauenburg Das 764 gegründete Kloster Lorsch entwickelte sich bis zum hohen Mittelalter zu einer bedeutenden Territorialherrschaft am Neckar. Innerhalb des Klosterbesitzes zählte Dossenheim zur Herrschaft Schauenburg, deren Herrensitz sich auf der oberhalb des Ortes am Südwesthang des Ölbergs liegenden Schauenburg befand. Es ist außerdem gut möglich, dass die Kronenburg ein früherer Herrschaftssitz war; die genaue Situation zu dieser Zeit ist allerdings größtenteils ungeklärt, wahrscheinlich existierten beide Burgen eine Zeitlang parallel.Heimatverein Dossenheim 2005, S. 154. Eine weitere Burg auf Dossenheimer Gemarkung ist die Burg Schwabeck. Die Burg lag am Neckar, etwa bei der heutigen Schleuse Schwabenheim. Überreste findet man kaum, sie wurde im 16. Jahrhundert durch Hochwasser und Eisgang zerstört.Heimatverein Dossenheim 2005, S. 164.

Die Herrschaft Schauenburg umfasste die Orte Dossenheim und Handschuhsheim sowie zeitweise Seckenheim und Neuenheim. Die Burg Schauenberg und das dortige Adelsgeschlecht wurden um 1100 erstmals urkundlich erwähnt. Wenig später, um 1130, gelangte die Oberlehenshoheit von Lorsch an das Bistum Speyer, welches zu diesem Zeitpunkt eine starke Auseinandersetzung mit Lorsch hatte.Heimatverein Dossenheim 2005, S. 158. Die Schauenburg musste gegen Geleitgeld dafür sorgen, dass Reisende und Kaufleute das Schauenburger Gebiet sicher durchqueren konnten; die Schauenburger waren somit keine Raubritter.Heimatverein Dossenheim 2005, S. 159. Die Familie von Schauenberg stellte mit Siegfried von Speyer einen Speyrer Bischof und konnte durch Heirat von Gerhard von Schauenburg mit einer Tochter von Boppo (V.) von Lauffen um 1216 bis 1219 ihren Besitz um einen Teil des Lauffener Erbes bedeutend erweitern. Sie besaß nicht nur Besitz am Oberrhein, sondern auch in anderen Regionen, wie zum Beispiel im heutigen Bayern. Die Familie starb jedoch schon im späten 13. Jahrhundert aus.Conzelmann 1966, S. 23–25.

Im Spannungsfeld von Kurmainz und Kurpfalz Die Erben der Schauenburg, die Herren von Magenheim, verkauften die Burg 1303 an die Pfalzgrafen von Heidelberg. Bischof Siboto von Speyer vergab das Lehen jedoch 1320 an Kurmainz, was eine lange Zeit der Rivalität zwischen Kurmainz und der Kurpfalz zur Folge hatte. Kurmainz rückte deutlich näher an die Kurpfalz heran, so lag zwischen der Residenzstadt Heidelberg und dem Mainzer Gebiet nur noch das Dörfchen Neuenheim, weshalb sich die Kurpfalz später stark bedroht sah. Sie akzeptierte die Zugehörigkeit zu Mainz nicht und gliederte das Gebiet in ihre eigene Verwaltung ein. Dossenheim sollte somit vom Oberamt Heidelberg aus verwaltet werden,Conzelmann 1966, S. 41/42. und gerichtlich von Schriesheim aus, denn es lag dem Beschluss nach im Zent Schriesheim.Conzelmann 1966, S. 27/28/43. Auf die wirkliche Verwaltung zu dieser Zeit hatte diese Einordnung keinen Einfluss, Kurmainz hatte eine eigene Verwaltung. Dossenheim wurde zum Amt Schauenburg gezählt, welches von der Schauenburg mit ihrem Zubehör gebildet wurde. Friedrich der Siegreiche drang 1460 gewaltsam in die Mainzer Exklave ein und eroberte die Herrschaft Schauenburg einige Tage später. Die Schauenburg wurde zerstört, der halbe Ort Dossenheim niedergebrannt, Handschuhsheim geplündert.Conzelmann 1966, S. 28/29. Das Amt Schauenburg wurde damit aufgelöst und Dossenheim wurde wirklich von den genannten Stellen aus verwaltet. Zunächst blieb Dossenheim auch bei der Kurpfalz.