mini|hochkant=1.2|Weibliche Masturbation: Stimulation der Vulva mini|hochkant=1.2|Männliche Masturbation: Stimulation von Penis und Hodensack

Masturbation (auch Onanie, Selbstbefriedigung oder Solo-SexSilvia Plahl: Solo-Sex – Masturbation als Selbstfürsorge. SWR Kultur, 16. April 2024, abgerufen am 4. August 2025.) bezeichnet eine Stimulation der eigenen äußeren Geschlechtsorgane zum Erlangen von sexuellem Lustgewinn. Die Masturbation erfolgt meist manuell, es können jedoch auch verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Sie führt in den meisten Fällen zum Orgasmus, muss aber nicht notwendigerweise darauf abzielen. Sie kann beispielsweise als Bestandteil des sexuellen Vorspiels allein der Steigerung der sexuellen Erregung dienen.

Etymologie und alternative Bezeichnungen Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen Verb masturbari (masturbieren), dessen Wortherkunft unsicher ist. Mögliche Erklärungen sind eine Zusammenziehung von manibus turbari bzw. manu turbari (sich mit den Händen / mit der Hand reizen) oder von manu stuprare (sich mit der Hand schänden),Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Akademie-Verlag, Berlin 1989, 2. Auflage 1993; weshalb in älterer Literatur auch die Form Manustupration erscheint. Belege im klassischen Latein gibt es für diese Form nicht.

Eine alternative Bezeichnung für Masturbation ist Onanie, abgeleitet von der biblischen Gestalt Onan; dieser führte jedoch einen Coitus interruptus aus, um die Zeugung eines ihm unerwünschten Kindes zu vermeiden . Danach wurden Menschen, die masturbierten, auch Onanisten genannt.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche vulgärsprachliche BezeichnungenVgl. etwa Ernest Bornemann: Sex im Volksmund. Der obszöne Wortschatz der Deutschen. Band 1: Wörterbuch von A–Z. Rowohlt, Reinbek 1991, ISBN 3-499-16329-2, Nr. 25. wie „wichsen“ oder bei Männern „sich einen runterholen“. Jugendliche haben u. a. durch die „Liberalisierung der Jugendsexualität“ ein breites sexualsprachliches Vokabular und laut Claus Buddeberg gegenüber der Vulgärsprache weit weniger Vorbehalte als Erwachsene.

Formen Im häufigsten Fall handelt es sich bei der Masturbation um eine geschlechtliche Selbstbefriedigung, also eine Form der Autosexualität. Neben der häufigsten Form der Masturbation durch die Benutzung der Hand als Stimulationswerkzeug gibt es auch verschiedene Sexspielzeuge und Masturbationshilfen, die zur Unterstützung der Masturbation eingesetzt werden können.

Die häufigsten Formen sexueller Aktivität sind zum einen die Masturbation und zum anderen der Geschlechtsverkehr. Die Masturbation ist auch als gemeinsam mit einem Partner ausgeübte Sexualpraktik beliebt, da bei vielen Menschen durch die Beobachtung des masturbierenden Partners die sexuelle Erregung gesteigert wird. Sie ist oft Teil des Pettings und stellt eine Möglichkeit des „Safer Sex“ dar. Im weiteren Sinne kann auch die manuelle Befriedigung einer anderen Person (sogenannter Handjob) zur Masturbation gerechnet werden.

Gesundheitliche Aspekte Masturbation als solche verursacht keine gesundheitlichen Schäden, University of Pennsylvania Office of Health Education. sondern wird im westlichen Kulturkreis heute eher als wichtiger Bestandteil der sexuellen Gesundheit angesehen.

Männliche Masturbation mit Ejakulation schützt vor sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten, da dadurch die Harnröhre gereinigt wird, ein primärer Infektionsort für Krankheiten.

Masturbation wird als störend für andere Personen oder als Zeichen einer psychischen Störung gewertet, wenn sie öffentlich oder zwanghaft ausgeübt und zur Sucht wird. University of Pennsylvania Office of Health Education. 8. Absatz: “… About the only time masturbation can be harmful is when it becomes compulsive. Compulsive masturbation, like all other compulsive behaviors, is a sign of an emotional problem and needs to be addressed by a mental health specialist.”M. C. Quadland: Compulsive sexual behavior: Definition of a problem and an approach to treatment. In: Journal of Sex and Marital Therapy. 1985, Band 11, S. 121–132.E. Coleman: The obsessive–compulsive model for describing compulsive sexual behavior. In: American Journal of Preventive Psychiatry & Neurology. 1990, Band 2, S. 9–14. Vom psychologischen Standpunkt aus ist Suchtverhalten in jedem Lebensbereich mit Risiken und möglichen Gefährdungen der eigenen Person oder anderer verbunden, daher auch im Hinblick auf die Selbstbefriedigung.

Einige Studien an Männern haben Belege gefunden, dass regelmäßige Ejakulationen Prostatabeschwerden vorbeugen können.G. G. Giles u. a.: Sexual Factors and Prostate Cancer. In: BJU International. Band 92, Nr. 3, 2003, S. 211–216. PMID 14678395.M. D. Leitzmann: Ejaculation Frequency and Subsequent Risk of Prostate Cancer. In: Journal of the American Medical Association. (JAMA) Band 291, Nr. 13, 2004, S. 1578–1586, PMID 15069045. Dieser Zusammenhang wird in anderen Studien jedoch nicht bestätigt.S. J. Jacobsen u. a.: Frequency of Sexual Activity and Prostatic Health: Fact or Fairy Tale? In: Urology. Band 61, Nr. 2, 2003, S. 348–353, PMID 12597946.

Selten leiden Männer nach jedem Samenerguss, egal ob durch Masturbation oder Geschlechtsverkehr hervorgerufen, unter Symptomen des Postorgasmic Illness Syndroms. Betroffene versuchen entsprechend, Ejakulationen zu vermeiden, um den Symptomen auszuweichen.

Techniken, Häufigkeit und Statistiken In verschiedenen Studien geben ca. 90 Prozent der Männer und ca. 86 Prozent der Frauen an, regelmäßig zu masturbieren. Es gibt auch Männer und Frauen, die darüber keine Auskunft geben möchten. Rechnet man eine angenommene Dunkelziffer hinzu, lässt sich generell sagen, dass nahezu alle Männer und ein Großteil der Frauen ab der Pubertät unabhängig vom Alter regelmäßig masturbieren, mit sinkender Tendenz ab dem 50. Lebensjahr.Psychology Today – Michael Castleman: How Common Is Masturbation, Really? Auf: psychologytoday.com vom 30. März 2009; zuletzt abgerufen am 3. Mai 2021.

Viele entdecken die Masturbation bereits in der frühen Pubertät, einige erst später und manche schon als Kleinkind. Jungen masturbieren gemäß mehreren Studien im Durchschnitt mit ungefähr elf bis zwölf Jahren zum ersten Mal; Mädchen masturbieren meist erst ab den späten Teenagerjahren regelmäßig. In der Pubertät ist der Anteil regelmäßig masturbierender Jungen sehr hoch und liegt bei den männlichen 15-jährigen Jugendlichen bei nahe 100 %.Silja Matthiesen, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [BZgA] (Hrsg.): Jugendsexualität im Internetzeitalter. Eine qualitative Studie zu sozialen und sexuellen Beziehungen von Jugendlichen (= Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung. Band 37). BZgA, Köln 2013, ISBN 978-3-942816-39-7, S. 234 mit (). Die Häufigkeit beträgt dabei meist mehrmals die Woche bis mehrmals täglich; der Durchschnitt liegt bei etwa acht- bis neunmal die Woche. Besonders in der Pubertät und vor allem bei männlichen Jugendlichen sind Gruppenmasturbation und wechselseitige Masturbation nicht selten, hingegen masturbieren sie nur selten an öffentlichen Orten.W. Stangl: [Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik Masturbation]. In: Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

Im Erwachsenenalter hängt die Häufigkeit unter anderem vom Alter, von der Einstellung zur Sexualität und vom Beziehungsstatus ab, von der Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und vom Grad der dabei erlebten Befriedigung. Menschen im Erwachsenenalter masturbieren im Durchschnitt zwischen ein paar Mal im Monat bis ein paar Mal in der Woche, wobei Männer deutlich öfter als Frauen masturbieren.

Grundsätzlich ziehen es 67 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer vor, abends zu masturbieren, gefolgt von mitten am Tag und nachts. Von beiden Geschlechtern wird eine liegende Position favorisiert. Der häufigste Ort ist bei beiden Geschlechtern das Bett. Mit Zunahme des Pornografiekonsums werden auch Orte wie Schreibtischstuhl, Arbeitsplatz, Umkleidekabine oder Toilette häufiger genutzt.Geständnisse von Arbeitsplatz-Masturbatoren. Auf: vice.com; abgerufen am 5. November 2019.

Masturbiert wird auf ganz unterschiedliche Weise. Mit den Händen und Fingern oder mit Hilfsmitteln werden die eigenen erogenen Zonen stimuliert. Dabei können Gleitmittel die Reizung verbessern. Seit der Erfindung des Vibrators gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein großer Markt für Masturbationshilfsmittel wie Vibratoren und Dildos, Masturbatoren und Sexpuppen.

Durch optische und akustische Reize, die Erinnerung an solche, durch Fantasien oder durch das Betrachten erotischer oder pornografischer Bilder oder Filme können die bei der Selbstbefriedigung empfundenen Lustgefühle gesteigert werden. Vermehrt verbreitet sich der Konsum von Pornografie, bei Männern jedoch stärker als bei Frauen. Mit der erhöhten Masturbations-Häufigkeit in der Pubertät ist auch der Pornografiekonsum in diesem Altersabschnitt überdurchschnittlich hoch; auch hier ist der Konsum von Pornografie bei Jungen signifikant stärker als bei Mädchen. 2009 ergab eine Umfrage, dass 85 Prozent der 15-jährigen Jungen und 71 Prozent der 15-jährigen Mädchen mindestens einmal Kontakt mit Pornografie hatten.Dr. Sommer Studie: Liebe Körper Sexualität. Bauer Media Group, München 2009. Im Durchschnitt beginnt der erste Kontakt zur Pornografie mit 14 Jahren, mit sinkender Tendenz: So gaben 14- und 15-jährige Jungen an, dass sie beim Erstkontakt im Durchschnitt 12,7 Jahre alt waren, bei den 16–17-Jährigen lag das Alter bei 14,1 Jahren, bei den 18–20-Jährigen bei 14,9 Jahren. 2017 ergab eine Umfrage unter deutschen Jugendlichen, dass 21 Prozent aller männlichen Jugendlichen täglich Pornografie konsumieren, bei den gleichaltrigen Mädchen waren es sechs Prozent. In der gleichen Umfrage gaben 71 Prozent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen an, mindestens wöchentlich Pornografie zu konsumieren.

Männliche Masturbation mini|thumbtime=0:00.5|Masturbation mit zwei Händen, eine am Penisschaft und an der Eichel, die andere an der Peniswurzel. Deutlich erkennbar sind die Muskelkontraktionen während des männlichen Orgasmus, die die Ejakulation bewirken.

Männer masturbieren üblicherweise durch Stimulation des Penis durch Bewegung der Vorhaut über den Penis und insbesondere die Eichel oder durch Streichen der Hand über das Glied oder beides.Roger R. Hock: Human Sexuality. 3. Auflage. Pearson, Upper Saddle River (NJ) 2012, ISBN 978-0-205-22743-3. Manche legen die zweite Hand an die Peniswurzel. Wesentlich seltener ist die Selbstbefriedigung durch das Reiben des Penis gegen einen weichen Gegenstand, etwa Matratze oder Kissen. Auch anale und urethrale Selbstbefriedigung sind selten.Alfred C. Kinsey, Wardell Baxter Pomeroy, Clyde E. Martin: Sexual Behavior in the Human Male. W. B. Saunders, Philadelphia 1948. Gelenkigen Männern ist auch die orale Selbstbefriedigung – Autofellatio genannt – möglich. Der Kinsey-Report nennt einen Anteil von 0,2 bis 0,3 % der männlichen Bevölkerung, der dazu in der Lage ist. Hingegen ist die Zahl der Männer, die dies wenigstens ausprobiert haben, wesentlich höher; auch ist dies ein nicht seltener Bestandteil masturbatorischer Traum-Phantasien. Kinsey vermutete hier einen animalischen Hintergrund, denn bei Primaten ist Autofellatio eine normale Form der sexuellen Betätigung.

Die Masturbation beim Mann endet fast immer mit einer Ejakulation. Die meisten Männer ejakulieren dabei nach weniger als zwei Minuten – teils sogar nach zehn bis zwanzig Sekunden –, einige zögern den Orgasmus zur Steigerung der Lust deutlich hinaus, in Extremfällen bis zu über eine Stunde.

Üblicherweise erfolgt bei Männern die Masturbation unter starker Beteiligung erotischer Phantasien. Zunehmend ist zugleich ein steigender Konsum von Pornografie zu beobachten.