mini|hochkant|Innere des Libeskind-Baus mini|hochkant|Ausstellung Das Jüdische Museum Berlin (JMB) im Berliner Ortsteil Kreuzberg ist eines der größten jüdischen Museen Europas. Es wurde im September 2001 als Stiftung öffentlichen Rechts eröffnet. Mit seinen Ausstellungen und weiteren Angeboten vermittelt es die Geschichte der Juden in Deutschland und jüdische Kultur bis zur Gegenwart.

Das Museum besteht heute aus einem Ensemble von drei Gebäuden. In der Lindenstraße stehen das barocke Kollegienhaus sowie ein zickzackförmiger Neubau des Architekten Daniel Libeskind. Auf der gegenüberliegenden Seite der Lindenstraße befindet sich seit 2012 die „W. Michael Blumenthal Akademie“ in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle. In der Akademie befinden sich das Archiv, die Bibliothek, die Museumspädagogik sowie ANOHA, die 2021 eröffnete „Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin“.

Das Museum zählt zu den meistbesuchten Museen Deutschlands. Ab der Eröffnung 2001 bis 2015 kamen 10 Millionen Besucher. Täglich sind es rund 2000 Besucher, jährlich etwa 700.000. Seit 2021 ist der Eintritt in die Dauerausstellung kostenlos.

Die Dauerausstellung Jüdische Geschichte und Gegenwart in Deutschland wurde 2020 geöffnet. Sie vermittelt einen Überblick über 1700 Jahre deutsch-jüdischer Geschichte, Kultur und Gegenwart in Deutschland.

Geschichte mini|hochkant|Ehemaliges Jüdisches Museum in der Oranienburger Straße 31

Am 24. Januar 1933,Jüdisches Museum. In: Vossische Zeitung, Nr. 42, 25. Januar 1933 sechs Tage vor der „Machtergreifung“ des NS-Regimes, wurde Berlins erstes Jüdisches Museum in der Oranienburger Straße 31 in Berlin-Mitte eröffnet. Unter der Leitung von Karl Schwarz entstand damit direkt neben der Neuen Synagoge das weltweit erste Jüdische Museum, das neben Kunstwerken und historischen Zeugnissen der jüdischen Vergangenheit auch jüdische Kunst der Moderne sammelte und ausstellte. Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, 2011 Die Kunstsammlung wurde als Beitrag zur deutschen Kunstgeschichte verstanden. Als eine der letzten Ausstellungen wurde eine Retrospektive über Alexander und Ernst Oppler gezeigt.Katharina Rauschenberger: Jüdische Tradition im Kaiserreich und in der Weimarer Republik: zur Geschichte des jüdischen Museumswesens in Deutschland. Hahnsche Buchhandlung, 2002, S. 160.

Am 10. November 1938 wurden während der Novemberpogrome das Museum durch die Geheime Staatspolizei geschlossen und das Museumsinventar beschlagnahmt. Heute befinden sich Teile dieser Kunstsammlung im Skirball Cultural Center in Los Angeles und im Israel-Museum in Jerusalem. Zum 300. Jahrestag der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im Jahr 1971 entstand anlässlich der Ausstellung Leistung und Schicksal des Berlin Museums im Gebäude des alten Kammergerichts die Idee einer Neugründung des Museums. Aus der Jüdischen Abteilung des ehemaligen Berlin-Museums für Berliner Geschichte entstand das neue Jüdische Museum.

Daniel Libeskind gewann 1989 mit seinem Entwurf den ersten Preis eines Architektenwettbewerbs für die Erweiterung des Berlin-Museums. 1992 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Während der Bauphase gab es heftige Diskussionen über die Nutzung des Neubaus und die Stellung der Jüdischen Abteilung. Am 1. Juni 1994 wurde Amnon Barzel zum Direktor des Jüdischen Museums, das zunächst weiter nur Teil des Berlin Museums war, berufen. Er setzte sich für dessen rechtliche Eigenständigkeit ein.Dominik Bartmann: Zur Geschichte des Berlin Museums 1981–1995. In: Jahrbuch 1999 Stadtmuseum Berlin. Berlin 1999, S. 156 f. Im Dezember 1997 folgte ihm W. Michael Blumenthal, der ebenfalls auf der Gründung eines eigenständigen jüdischen Museums im Altbau und im Neubau des Berlin-Museums bestand.

Am 1. Januar 1999 wurde das Jüdische Museum als Einrichtung des Landes Berlin gegründet. Schon zu diesem Zeitpunkt war der noch leere Neubau für Besucher geöffnet; er wurde mit dem Deutschen Architekturpreis 1999 gewürdigt. Unter der Leitung des neuseeländischen Projektdirektors Ken Gorbey wurde die Dauerausstellung des Jüdischen Museums in 18 Monaten entwickelt. Gorbey hatte bereits als Projektleiter und Ausstellungsdesigner des neuseeländischen Nationalmuseums Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa Gelegenheit, seine progressiven Konzepte der Museumsgestaltung und -pädagogik zu erproben. Bei seiner Arbeit in Berlin unterstützte Gorbey der neuseeländische Schriftsteller und Museumsleiter Nigel Cox. Gemeinsam setzten sie Ideen eines dynamischen, interaktiven Museumskonzepts um, das Elemente des Geschichtenerzählens und 'magischen Theaters' (Inszenierungen zum Nacherleben und -empfinden) ebenso einbezog wie Multiperspektiven der Wahrnehmung und Interpretation, und der Diskussionsangebote, Bedeutung im Dialog auszuhandeln und zu bestimmen.

Nach der Gala-Eröffnung am 9. September 2001 war das Museum am 13. September 2001 für das Publikum zugänglich. Wegen der Terroranschläge am 11. September 2001 wurde der ursprünglich geplante Eröffnungstermin um zwei Tage verschoben.

Der 14. Deutsche Bundestag verabschiedete 2001 das Gesetz zur Errichtung einer Stiftung Jüdisches Museum Berlin. Als bundesunmittelbare Stiftung ist das Museum eine eigenständige juristische Person des öffentlichen Rechts und Bestandteil der mittelbaren Staatsverwaltung des Bundes.

Administration Stiftungsrat Der Stiftungsrat des Jüdischen Museums Berlin besteht laut Stiftungsgesetz aus sieben bis zwölf Mitgliedern. Dies sind derzeit (Stand 2025):

Wolfram Weimer – Staatsminister, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Vertreter des Bundes Daniel Botmann – Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland Klaus Mangold, Geschäftsführer der Mangold Consulting GmbH Michael Müller – Regierender Bürgermeister von Berlin a. D. Annette Widmann-Mauz – Staatsministerin a. D. Michel Friedman – Jurist, Publizist, Philosoph Otto Fricke – Rechtsanwalt Katrin Adt – Leiterin Interne Revision, Mercedes-Benz Group AG Yfaat Weiss – Direktorin des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

Stellvertretende Mitglieder: Maria Bering – Ständige Vertreterin des Leitenden Beamten beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Falk Goworek – Unterabteilungsleiter, Bundesministerium der Finanzen, Vertreter(in) des Bundes Milena Rosenzweig-Winter – Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Andreas Audretsch, Mitglied des Bundestages Daniela Schadt – Journalistin Peter Raue – Rechtsanwalt und Partner, Raue PartmbB Dunja Hayali – Journalistin und Fernsehmoderatorin Thomas May – Generalsekretär des Wissenschaftsrats Dörte Dinger – Staatssekretärin, Chefin des Bundespräsidialamtes

Ehemalige Mitglieder des Stiftungsrats sind u. a. Götz Aly, Hella Dunger-Löper, Monika Grütters, Gerda Hasselfeldt, Salomon Korn, Hartmut Koschyk, Klaus Lederer, Bernd Neumann, André Schmitz, Stephan Steinlein und Johanna Wanka.

Direktoren 1997–2014: W. Michael Blumenthal 2014–2019: Peter Schäfer seit 1. April 2020: Hetty Berg

Zur Leitung des Museums gehören außerdem die Vermittlungs- und Digitaldirektorin Barbara Thiele, der Verwaltungsdirektor Lars Bahners und die Sammlungs- und Ausstellungsdirektorin Julia Friedrich.

Architektur und Gebäude mini|Luftansicht des zickzackförmigen Libeskind-Baus mit Kollegienhaus, 2008 Das Jüdische Museum Berlin besteht im Wesentlichen aus zwei Gebäuden, dem barocken Altbau des Kollegienhauses und dem Neubau im Stil des Dekonstruktivismus von Daniel Libeskind. Beide Häuser haben keine oberirdisch sichtbare Verbindung; sie sind durch das Untergeschoss miteinander verbunden.

Oberirdisch an den Altbau ist ein weiterer Neubau angeschlossen, der als Gruppeneingang und Gruppengarderobe dient und auch einen Zugang zum Garten bietet. Von der Lindenstraße aus gesehen ist dieser Bau durch das große Hoftor verdeckt.

Im September 2007 eröffnete das Museum den neuen Glashof, der nach einem Entwurf von Daniel Libeskind entstand. Das Glasdach überspannt den Innenhof des barocken Altbaus.

Seit Ende 2012 wird das Ensemble durch die gegenüberliegende Akademie des Jüdischen Museums Berlin in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle ergänzt. Hier sind Teile der Verwaltung und andere Abteilungen untergebracht.

Kollegienhaus Das Kollegienhaus wurde 1735 nach Plänen von Philipp Gerlach gebaut und beherbergte früher das preußische Kammergericht. Als dieses 1913 in den Neubau am Kleistpark verlegt wurde, brachte man hier das Berliner Konsistorium unter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde es bis auf die Außenmauern zerstört. Zunächst war die vollständige Niederlegung für eine Autobahntangente (geplante A 106) vorgesehen. Erst 1963 bis 1969 erfolgte der Wiederaufbau. Bevor das Jüdische Museum das Haus bezog, war es bis 1993 Sitz des stadtgeschichtlichen Berlin Museums.

Heute sind im Altbau der Eingangsbereich mit Sicherheitskontrolle, Kasse, Information, Garderobe, Museumsshop und Restaurant sowie Sonderausstellungsräume, ein Auditorium und Büros untergebracht. Über dem Eingang ist im Giebel das Wappen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. zu sehen.

Nach einem 2005 errichteten Gruppeneingang bildet der Glashof nach dem Entwurf Sukkah (hebräisch für ‚Laubhütte‘) von Daniel Libeskind seit September 2007 die zweite bauliche Erweiterung des Museums. Ein Glasdach überspannt den 670 m² großen Innenhof des U-förmigen barocken Altbaus, dem ehemaligen Kollegienhaus, und wird von vier freistehenden Stützenbündeln aus Stahl getragen. Mit diesem Entwurf bezieht sich Libeskind auf das jüdische Laubhüttenfest Sukkot, einem frühen Erntedankfest, das seit der Zeit des Exils in Erinnerung daran gefeiert wird, dass die Israeliten während der Wüstenwanderung in Hütten gelebt haben. Das Glasdach ist nur an wenigen Punkten mit dem Altbau konstruktiv verbunden, der Anschluss erfolgt durch eine abgesetzte, niedrigere gläserne Fuge. Neun Scheibentypen, die je zweimal gespiegelt zueinander in die Fronten eingebaut sind, erzeugen ein lebhaftes Relief der großen Oberfläche. Mit dem Glashof verfügt das Museum über einen Aufenthaltsbereich und Veranstaltungsraum für rund 500 Personen.

Libeskind-Bau mini|Libeskind-Bau, 2026 Die Architektur des zickzackförmigen Neubaus, dessen Eröffnung am 23. Januar 1999 erfolgte,Christine Richter: zeichnet sich durch eine Titan-Zink-Fassade, ungewöhnlich geformte Fenster, viele spitze Winkel in den Wänden, geneigte Böden und grauen Sichtbeton aus. Durch den Eingangsbereich im Altbau gelangen Besucher über eine schwarze Schiefertreppe ins Untergeschoss des Neubaus und von dort aus zur Hauptausstellung des Museums sowie kleineren temporären Ausstellungen.

Achsen Nach dem Betreten des Neubaus trifft man zunächst auf drei sich kreuzende schiefe „Achsen“: die „Achse der Kontinuität“, die an einer hohen, zur Dauerausstellung führenden Treppe endet, die „Achse des Exils“ und die „Achse des Holocaust“.

„Holocaust-Turm“ Die „Achse des Holocaust“ endet am „Holocaust-Turm“. Dies ist ein dunkler, kalter, hoher Gedenkraum, in den nur durch eine Spalte in der Decke Tageslicht eindringt. Auf die meisten Menschen wirkt dieser Raum beklemmend und unfassbar. Der Raum hat jedoch nur symbolische Bedeutung und ist nicht etwa der Nachbau einer Gaskammer, wie viele Besucher denken. In etwa zweieinhalb Metern Höhe gibt es eine für Wartungsarbeiten angebrachte Leiter im Turm, die bis zur Decke führt. Nach Meinung mancher Besucher dient diese als Rettungsweg oder als Symbol für das Unerreichbare.

„Voids“