mini|Horncap Kühlschiffe in der Seefahrt sind Frachtschiffe, die für den Transport temperaturgeführter Güter eingerichtet sind. Typische Güter für ein Kühlschiff sind Früchte wie Bananen, Ananas, Kokosnüsse, Äpfel und Weintrauben, daneben auch Fisch und Fleisch. Fleisch war von 1880 bis etwa 1960 international das wichtigste Kühlgut.Peter Dittrich: 125 Jahre deutsche Kühlschifffahrt 1881–2006. Münster 2009, ISBN 978-3-86582-928-3.

1870: Anfänge der Kühlschiffe mini|Fleisch als Kühlladung zu Beginn der Kühlschifffahrt Fleischtransporte Frühe erfolgreiche Kühlfleisch-Transporte erfolgten mit Eis als Kältemittel. Anfangs wurde das Fleisch direkt im Eis verpackt. Später wurde die Fracht vom Eis getrennt und Kaltluft aus dem Eisraum mit Lüftern durch den Laderaum geführt. Die dritte Entwicklungsstufe verfügte über ein Kühlsystem aus Rohrschlangen, über die eine zirkulierende Salzsole als Kühlmittel die Ladungswärme zum Eisraum transportierte.Karl-Heinz Hochhaus: Deutsche Kühlschiffahrt (1902–1995). Reedereien, Kühlschiffe, Kühlgüter. Hausschild, Bremen 1996, ISBN 3-931785-11-4, S. 10. Diese Methoden waren jedoch nicht für lange Transporte wie etwa von Australien nach Europa geeignet, auf denen unterwegs auch kein Eis nachgebunkert werden konnte. Daher gab es mehrere anfangs vergebliche Versuche, Kühlmaschinen auf Schiffen einzusetzen.

Das erste mit Kältemaschinen ausgerüstete erfolgreiche Schiff war 1874 der französische Dampfer Frigorifique mit drei Methyl-Äther-Verdichter-Kältemaschinen von Charles Tellier (Ingenieur 1828–1913). Sie beförderte Ende 1876 – nach anderen Quellen 1877Die Viehzucht im Großbetrieb (Die Estancia). In: Herbert Wilhelmy, Wilhelm Rohmeder: Die La Plata-Länder. Westermann, Braunschweig 1963, S. 181f. – erstmals eine Ladung gekühltes Rindfleisch von Argentinien (Buenos Aires) nach Europa (Rouen, Frankreich). Zeitleiste des Kühltransports auf brinkster.com

1877 wurde von dem Dampfer Paraguay, ausgestattet mit Absorptionskälteanlagen von Ferdinand Carré, Fleisch als Tiefkühlladung (−27 bis −30 °C) von Buenos Aires nach Le Havre transportiert. Carré hatte zu der von ihm erfundenen Absorptionskälteanlage 1876 ein Patent angemeldet.

Das dritte Verfahren, die Luft-Kältemaschine von Bell-Colemann, wendete der schottischen Reeder Illwraith erstmals auf dem Dampfer Strathleven an und stellte die Funktionstauglichkeit 1879 auf einer Fahrt von Sydney nach London mit 40 t Hammelfleisch unter Beweis. Etwa zehn Jahre später setzten sich auf Kühlschiffen die Ammoniak-Verdichter von Linde durch. Sie wurden 1888 auf den englischen Kühlschiffen der White Star Linie und des Rotterdamschen Lloyd eingebaut.Karl-Heinz Hochhaus: Deutsche Kühlschiffahrt (1902–1995). Reedereien, Kühlschiffe, Kühlgüter. Hausschild, Bremen 1996, ISBN 3-931785-11-4, S. 11. Weitere Schiffe wurden in der Folge des nun wachsenden Fleischtransports von Südamerika und Australien ausgerüstet.

Alle diese Verfahren haben ihre Eignung zum Fleischtransport bewiesen. Heute werden in der Regel nur die Verdichter-Kältemaschinen eingesetzt, sehr effizient mit dem Kältemittel Ammoniak, das zwischenzeitlich verboten wurde, aber heute aufgrund der für die Ozonschicht schädlichen Frigen-Kältemittel wieder erlaubt ist. Das Fleisch wird vorgekühlt an Bord gebracht und wurde lange Zeit ohne Umluftventilatoren und Frischluftaustausch in hohen Laderäumen transportiert. Daher wurde diese Art der Kühlung als stille Kühlung bezeichnet.

mini|Beginn der Bananenschifffahrt, Pioniere

Bananen- und Fruchttransporte Die internationale Bananenschifffahrt entwickelte sich in Nordamerika und Europa zeitversetzt.

Nordamerika Es begann vor rund 200 Jahren in Amerika, als das Segelschiff Reyward 30 Stauden rote Bananen von Kuba nach New York brachte. Obwohl dadurch noch kein regelmäßiger Bananendienst begründet wurde, beherrschten die kubanischen Bananen in den nächsten Dekaden den sich langsam entwickelnden nordamerikanischen Markt. Sie wurden um 1850 von den Bananen aus Honduras, Jamaika und dem heutigen Panama abgelöst, die über Boston, New York und später New Orleans in die USA importiert wurden. auf: hochhaus-schiffsbetrieb.jimdo.com

Die Bananen waren Beiladung und wurden in der Regel als Stauden an Deck kleiner langsamer Segler mit 3–6 Knoten transportiert, je nach Wind und Dauer der Reise wurden 30 % bis 60 % vorzeitig reif und ins Meer geworfen. Trotzdem wurden vorwiegend hohe Gewinne erzielt und diese lockten weitere Händler an. Der amerikanische Bürgerkrieg unterbrach diesen Handel, der danach in eine stürmische Entwicklung überging. Ab 1877 transportierten Dampfer der englischen Atlas-Linie Bananen für Dow Baker von Jamaika nach New York. Inzwischen gab es in den USA über 100 kleine Fruchtgesellschaften und um 1884 sank der Preis für eine Staude Bananen von 1,5 $ auf 0,35 $.

Die Atlas-Linie wurde 1901 von der Hapag übernommen, zu dieser Zeit fuhren sieben Dampfer (15.000 BRT) ohne Kühleinrichtungen in diesem Dienst, bestehend aus den drei Linien Jamaica – New York, Haiti – New York und Mittelamerika – New York. 1903/1904 stellte die Hapag die zu Kühlschiffen umgebaute Sibiria und Sarnia in diesen Dienst ein. Die Bananenverschiffungen erfolgten aufgrund von Verträgen mit der United Fruit Company (UFC).

hochkant=1.2|mini|Die ehemalige Carl Schurz als Changuinola Die UFC begann im März 1903 mit der Venus (ex Santos II, Baujahr 1873), einem ehemaligen Hamburg-Süd-Schiff, Kühlversuche zum Bananentransport. Zu dieser Zeit gehörten die Schiffe dem Reeder A. Christensen, Kopenhagen. Sie wurden für diese Versuche gechartert und entsprechend umgebaut. Die dabei erzielten Ergebnisse waren so überzeugend, dass umgehend drei Kühlschiffe (San Jose, Limon, Esparta) in Belfast bestellt wurden. Das Erste, die San Jose, wurde im August 1904 abgeliefert und konnte in ihren Kühlräumen 45.000 Stauden Bananen laden.Mark H. Goldberg: Going Bananas. North American Maritime Books, 1993, . 1911 wollte die UFC den Atlas-Dienst übernehmen, die Hapag verkaufte nicht und fuhr daraufhin für die Konkurrenz, die Atlantic Fruit Company (AFC) und der ihr nahestehenden Hamburg-Columbien-Bananen-Actien-Gesellschaft. Sie bestellte zwei neue Kühlschiffe für diesen Dienst, die Emil L. Boas und Carl Schurz, die 1912 und 1913 abgeliefert wurden. Sie fuhren zwischen Port Limon/Santa Marta und New York. Ein mehrjähriger Rechtsstreit mit der UFC führte zur Aufgabe dieses Dienstes und zum Verkauf.Karl-Heinz Hochhaus: Deutsche Kühlschiffahrt (1902–1995). Reedereien, Kühlschiffe, Kühlgüter. Hausschild, Bremen 1996, ISBN 3-931785-11-4, S. 12. Die UFC, heute bekannt unter dem Namen Chiquita, ist eine der größten Fruchtgesellschaften der Welt. mini|Um 1920 ist New Orleans der größte Bananenhafen der Welt: rund 700 Schiffe vorwiegend von UFC mit jeweils 25.000 bis 50.000 Stauden werden mit Elevatoren entladen und ins Land weitertransportiert.

Europa In Portugal und Spanien waren Bananen bereits lange bekannt, hier entwickelten sich jedoch nur kleine regionale Märkte. In England wurden im 19. Jahrhundert vereinzelt Bananen von den Kanarischen Inseln und Madeira verkauft und ab 1880 wurden von der Forewood Shipping Line regelmäßig kleine Mengen Bananen in London angelandet. 1884 wurden in England 10.000 Stauden importiert. Ende 1890 erreichten Bananen von Minor Keith`s Plantagen in Costa Rica den englischen Hafen Liverpool über den Umweg New York. Aber es war ein Verlustgeschäft, da ein Großteil der Früchte bereits auf dem Schiff reiften. Die Belüftung der Laderäume genügte nicht, um die Reifewärme und Reifegase der Früchte abzuführen, denn gekühlt wurde noch nicht.

Bananen wurden bis zur Jahrhundertwende vorwiegend als Decksladung transportiert, da sich hier die Reifegase nicht konzentrieren konnten, sondern durch den Wind verteilt wurden. Erste Versuche mit „stillen Kühlung“ erwies sich für den Fruchttransport mit hohem Stoffwechsel (Bananen) als ungeeignet. Diese Erfahrungen machte die mit einem Kapital von 50.000 Pfund in London 1896 gegründete Jamaika Fruit Importing and Trading Company, um Bananen von Jamaika nach England zu exportieren.

Auf Grund der großen Entfernung wurden für wöchentliche Anlandungen vier gecharterte Schiffe wie die Port Pirie zu Kühlschiffen umgebaut, um die Fruchtatmung bei niedrigen Temperaturen zu reduzieren und eine längere Haltbarkeit und Transportdauer zu erreichen. Diese Schiffe führten insgesamt vier Reisen durch. Nach anfänglichen Problemen wie Ausfall der Kälteanlage, Explosionen des Luft-Ethylen Gemisches und tiefgefrorenen Bananen, erreichte die Port Pirie am 5. Mai 1897 London. Der Zustand der Bananenladung war ausgezeichnet und bewies, dass die Kühlschifffahrt als neue Transportmethode erfolgversprechend war.

Die 1901 gegründete Imperial Direct West India Mail Servic Company setzte den Erfolg der Bananen-Kühlschiffe fort. Das erste der vier Kühlschiffe dieser Gesellschaft, die Port MorantDuncan Haws: Merchant Fleets. No. 31: Elders & Fyffes and Geest. Uckfield 1996, ISBN 0-946378-31-2., landete am 18. März 1902 rund 18.000 Stauden Bananen, außerdem Orangen, Mangos, Ananas, Rum, 160 t Zucker, 14 Postsäcke und 35 Passagiere in England. Auch die folgenden Reisen zeigten, dass der Bananentransport über längere Seestrecken mit Hilfe der Kühlung kein Problem mehr darstellte, wenn außer der zusätzlichen Atmungswärme das ausgeatmete CO2, Ethylen und Wasser als weitere Stoffwechselprodukte aus dem Laderaum entfernt wurden. Im nächsten Schritt wurde von dem Fruchthändler Elders & Fyffes 1901 die Kühlschiffsreederei Fyffes Line mit einem Kapital von 150.000 Pfund gegründet und die Pionierarbeiten weitergeführt. Die Fyffes-Gruppe ist heute der größte Bananenimporteur in Europa.

Entwicklung in Deutschland – 1881: Frachter mit einigen Kühlräumen mini|Hamburg, Blick vom Land auf ein Kühlschiff, das Bananen mit drei Elevatoren löscht

Der Hamburger Reeder Rob. M. Sloman rüstete ab 1881 mindestens die drei Dampfer Catania, Sorrento und Marsala mit Kühlräumen aus. Alle frühen Segel- und Dampfkühlschiffe hatten nur wenige Kühlräume. Sie luden in Australien und Neuseeland Gefrierfleisch für London. Im November 1894 wurde das erste deutsche Vollkühlschiff, der Kühldampfer Severus an die älteste Hamburger Trampdampferreederei C. Andersen abgeliefert. Auch dieser Dampfer lud in Australien Fleisch für London. Ab Mai und Juli 1894 wurden die Hapag-Dampfer Prussia und Persia im Dienst Hamburg – New York eingesetzt. Sie hatten umfangreiche Einrichtungen für die Beförderung von lebendem Vieh und für den Transport von Gefrierfleisch. Die Hapag hatte große Pläne mit dem Gefrierfleisch-Import. Der Reichstag verabschiedete das Fleischbeschaugesetz, das im November 1894 in Kraft trat. Dieses enthielt auf Druck der deutschen Agrarlobby Bestimmungen, die den Import von Kühlfleisch, Gefrierfleisch und von lebenden Tieren für zwanzig Jahre unmöglich machten. Wegen der Entscheidung des Reichstages konnten die Kühlräume der insgesamt neun P-Dampfer nicht genutzt werden. Fleisch war bis zum Ersten Weltkrieg knapp und teuer. Die Entwicklung einer deutschen Kühlschiffsflotte wurde dadurch nachhaltig verhindert. Vor dem Krieg wurden ab 1903 gefrorener Fisch, ab 1906 Äpfel und ab 1912 Bananen auf deutschen Kühlschiffen eingeführt. Fruchtimporte konnten nur sehr langsam aufgebaut werden.

1903: Erste deutsche Bananen-Kühlschiffe