mini|300px|Oberndorf Oberndorf am Neckar ist eine Stadt am oberen Neckar im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg.

Geographie mini|Oberndorf am Neckar, Tuchberg Oberndorf am Neckar liegt im Oberen Neckartal, am Fuße des Kleinen Heubergs, zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb in 450 bis .

Schutzgebiete

Teile des Oberndorfer Stadtgebiets entlang des Neckars gehören zum insgesamt rund 2203 Hektar großen FFH-Gebiet 7620-343 Neckartal zwischen Rottweil und Sulz. In dieses europaweit bedeutsame Schutzgebiet sind die Naturschutzgebiete Brandhalde (9,9 Hektar), Mittlere Bollerhalde (3,1 Hektar) und Kälberhalde (4,1 Hektar) eingegliedert.

Nachbargemeinden Die Stadt Oberndorf grenzt im Norden an Dornhan, Sulz am Neckar und Vöhringen, im Osten an Rosenfeld (Zollernalbkreis), im Süden an Epfendorf und Bösingen und im Westen an Schramberg, Fluorn-Winzeln und Alpirsbach (Landkreis Freudenstadt).

Stadtgliederung mini|Unterstadt mini|Hochmössingen Zu Oberndorf am Neckar gehören die Stadtteile Aistaig, Altoberndorf, Beffendorf, Bochingen, Boll, Hochmössingen und Oberndorf am Neckar.

Mit Ausnahme von Oberndorf am Neckar sind in den Stadtteilen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem eingerichtet.

Zum Stadtteil Aistaig gehören das Dorf Aistaig, das Gehöft Herrenwald und der Wohnplatz Rötelhof. Zum Stadtteil Altoberndorf gehören das Dorf Altoberndorf, das Gehöft Boller Berg und die Wohnplätze Dollau, Grüner Berg, Hegelberg, Höhingen und Irslenbach. Zum Stadtteil Beffendorf gehören das Dorf Beffendorf und das Gehöft Oberaichhof. Zum Stadtteil Bochingen gehören das Dorf Bochingen und die Höfe Einfeld und Unterer Schlatthof. Zum Stadtteil Boll gehören das Dorf Boll und das Gehöft Oberer Schlatthof. Zum Stadtteil Hochmössingen gehört das Dorf Hochmössingen über Oberndorf. Zum Stadtteil Oberndorf am Neckar gehören die Stadt Oberndorf am Neckar, die Orte Lindenhof, Neckarvorstadt und Webertal, das Gehöft Staatsdomäne Unteraichhof und die Wohnplätze An der Aistaiger Straße, Fischweiher, Grundhäuser, Nestelwasen und Stockbrunnen. Im Stadtteil Aistaig liegen die abgegangenen Ortschaften Burg und Denkenhausen und im Stadtteil Oberndorf am Neckar liegen die abgegangenen Ortschaften Lautenbach und Reute und der Burgstall Waseneck.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 475–479

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Erste Siedlungsspuren auf dem Gebiet Oberndorfs lassen sich bereits für den Zeitraum um 3000–1800 v. Chr. nachweisen. Bei Beffendorf finden sich hier Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit. Siedlungsspuren der Hallstattzeit auf dem Scheibenbühl bei Altoberndorf datieren aus der Zeit um 800–400 v. Chr. Um 200 v. Chr. existierte eine keltische Siedlung in Oberndorf. Spuren der Kelten aus den Jahren 100 v. Chr.–1 v. Chr. stellen auch Kultstätten (Viereckschanzen) im Eichwald bei Oberndorf und in der Flur Burgstall bei Boll dar.

Als 70 n. Chr. die Römer in das Gebiet des oberen Neckars vorstießen, begann der Bau von Straßen vom Kastell Rottweil zu den Kastellen Sulz und Waldmössingen. Teilstücke dieser Straßen sind bei Bochingen und Hochmössingen erhalten. In diesem Bereich sind auch römische Gutshöfe (darunter die Villa rustica in Bochingen) aus der Zeit um 100–200 n. Chr. erhalten, ebenso wie Einzelfunde dieser Zeit aus Aistaig, Beffendorf und Oberndorf. Ab 260 n. Chr. drangen die Alamannen über den Limes in das Gebiet vor. Ihre Spuren finden sich vor allem ab 600 n. Chr. in alamannischen Urdörfern und fränkischen Ausbausiedlungen in Aistaig, Altoberndorf, Beffendorf, Hochmössingen und Oberndorf. Auch wurden Reihengräber mit reichen Beigaben entdeckt.

Mittelalter Erste urkundliche Erwähnung 782 Die erste urkundliche Erwähnung Oberndorfs entstammt einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen: „actum Obarindorf villa publice“ aus dem Jahr 782. Die Schenkung, die die Orte Brittheim und Bickelsberg betraf, fand vermutlich auf dem Oberndorfer Königshof im Tal statt, zu dem auch die 1810 abgebrochene Remigiuskirche gehörte.

Bischof Salomon von Konstanz erhielt um 900 den Oberndorfer Königshof mit Taufkirche (St. Remigius) und gab ihn an das Kloster St. Gallen, dessen Abt er war, weiter. Diese Schenkung wurde 912 von König Konrad I. erstmals und 948 von König Otto I. erneut bestätigt.

Um 1100 übergab St. Gallen den Klosterbesitz am oberen Neckar als Schenkenlehen an die Herzöge von Zähringen. Als die Herzöge von Teck sich 1187 von den Zähringern abspalteten, erhielten sie den Besitz am oberen Neckar.

Stadtgründung Die Oberndorfer Stadtgründung geschah dann um 1250 durch Herzog Ludwig von Teck auf der Kalktuffplatte links des Neckars (1246 wird ein Zöllner genannt, 1251 ein ehemaliger Schultheiß, 1254 Bürger). 1264 wurde das neu gegründete Frauenkloster im Tal in den Orden der Augustiner-Eremitinnen aufgenommen, 1272 erhielt das Dominikanerinnenkloster bei der Michaelskapelle von Herzog Ludwig von Teck Privilegien. Im Jahre 1295 wurde erstmals das Geschlecht der Maier von Waseneck genannt. Sie waren mit dem Bau und der Verwaltung der Burg Waseneck bei Altoberndorf als Wohnsitz der Oberndorfer Teck-Linie sowie des Gutshofs (Unteraichhof) beauftragt. 1298 kam es zu Kämpfen zwischen Graf Albert von Hohenberg und Herzog Otto von Baiern bei Oberndorf und Leinstetten, in deren Verlauf Graf Albert, der Minnesänger, fiel. 1300 bestätigte Herzog Hermann von Teck der Stadt Oberndorf ihre alten Rechte und Freiheiten.

Reichsacht 1346 In den Thronstreitigkeiten zwischen Kaiser Ludwig der Bayer und dem neu gewählten König Karl IV. verschworen sich 1346 18 Adelige in Oberndorf gegen den Kaiser. Die Stadt kam in die Reichsacht, woraus sie König Karl 1348 wieder löste.

Nach dem Tod Herzog Hermanns von Teck, dem letzten der Oberndorfer Linie 1363, fiel die Burg Waseneck mit den vier Dörfern Altoberndorf, Beffendorf, Bochingen und Waldmössingen an seine Tochter Beatrix und deren Sohn Herzog Konrad von Urslingen. Herzog Friedrich von Teck (Owener Linie) konnte dagegen die Stadt behaupten. 1371 erwarb Herzog Friedrich von Teck von Konrad von Urslingen die Burg Waseneck mit den vier dazugehörigen Dörfern und drei Jahre später verkaufte er die Herrschaft Oberndorf an Graf Rudolf III. von Hohenberg, der vom Abt von St. Gallen mit der Stadt belehnt wurde.

In österreichischem Besitz 1381 schließlich verkaufte Graf Rudolf von Hohenberg seine ganze Grafschaft – darunter die Herrschaft Oberndorf – für 66.000 Gulden an Herzog Leopold von Österreich. 1384 bis 1409 hielt Markgraf Bernhard von Baden, der mit Margarethe, der Tochter des Grafen Rudolf von Hohenberg verheiratet war, Oberndorf und Waseneck als Pfand. Herzog Leopold von Österreich verpfändete zudem 1392 die vier Herrschaftsdörfer an die Grafen von Sulz. Sie kamen erst 1462 wieder zu der Stadt.

Im Jahre 1410 wurde die Stadt von Friedrich XII. von Zollern und dessen Helfern belagert. Die Grafen von Württemberg hielten Oberndorf und Waseneck von 1416 bis 1462 als Pfand.

Die ganze Stadt einschließlich der Michaelskirche brannte 1445 bis auf neun Häuser ab.

Frühere Neuzeit Das Adelsgeschlecht von Zimmern 1462 ging die Herrschaft Oberndorf als Pfand an die Freiherren (seit 1538 Grafen) von Zimmern. Johann Werner von Zimmern wurde 1488 vom Kaiser geächtet und verlor die Pfandschaft Oberndorf, die den Grafen von Werdenberg zugesprochen wurde. Acht Jahre später entriss Veit Werner von Zimmern die Stadt mit Hilfe der Rottweiler durch einen Überfall den Werdenbergern. Auf dem Reichstag von Augsburg 1504 wird Oberndorf endgültig den Zimmern zugesprochen und blieb ihnen bis 1594. Im Bauernkrieg 1525 versuchte Thomas Maier von Vogelsberg, der Anführer des Bauernhaufens vorm Wald, vergeblich, die Oberndorfer gegen ihre Herren aufzuwiegeln. 1540 machte in der Landenberger Fehde Christoph von Landenberg die Gegend unsicher und zündete Beffendorf und Hochmössingen an.

Von 1548 bis 1563 ist Graf Froben Christoph von Zimmern, Verfasser der berühmten Zimmerischen Chronik, Stadtherr von Oberndorf. 1559 wurde das Frauenkloster im Tal mit Augustinermönchen besetzt.

Erneut in österreichischem Besitz Die Zimmernsche Pfandschaft endete 1594. Nach dem Tod des Grafen Wilhelm von Zimmern, dem letzten seines Geschlechts, fiel Oberndorf an das Haus Österreich. Im Jahr darauf huldigten die Bürger der Stadt Rudolf II. als dem Erzherzog von Österreich.Königlich statistisch-topographisches Bureau: Beschreibung des Oberamts Oberndorf. H. Lindemann, Stuttgart 1868, S. 162. Von 1609 bis 1618 hielt Markgraf Karl von Burgau, ein Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich, Oberndorf als Lehen. Zu einer weitgehenden Zerstörung der Stadt kam es bei einem Brand 1612. 30 Häuser, darunter das Rathaus, wurden völlig zerstört.

Im Dreißigjährigen Krieg war von 1632 bis 1634 die Grafschaft Hohenberg von Schweden und Württembergern besetzt. 1635 herrschte eine Pestwelle am oberen Neckar, wodurch Oberndorf einen großen Teil seiner Bevölkerung verlor und 1636 nur noch 96 Bürger und 11 Witwen zählte. Bis Kriegsende musste die Stadt Kontributionen nach dem Hohentwiel, Breisach, Rottweil und Albeck leisten.

1652 bestätigte Erzherzog Ferdinand von Österreich der Stadt ihre alten Rechte und Freiheiten, in den folgenden Jahren von 1657 bis 1764 hatten die Freiherren von Hohenberg – illegitime Nachkommen des Markgrafen Karl von Burgau – die Herrschaft Oberndorf als Pfand inne.

Im Pfälzischen Krieg musste die Stadt 1688 und 1689 Kontributionen an die Franzosen leisten und erhielt später wiederholt Einquartierungen. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg litt die Stadt sehr unter Einquartierungen. Friedrich Wilhelm von Hohenberg verunglückte 1726 tödlich nach einem Gelage im Pfarrhaus. Die Pfandschaft ging an seine Witwe Maria Charlotta, einer Geborenen von Gleispach († 1764) über. Zwischen 1740 und 1748 wurde die Stadt im Österreichischen Erbfolgekrieg erneut mit Requisitionen und Einquartierungen beschwert.

Nach dem Tod Maria Charlotta von Hohenbergs 1764 hielten die Freiherren von Pflummern die Herrschaft Oberndorf als Pfand bis 1782. Johann Franz Meinrad von Pflummern ließ in dieser Zeit ein neues Amtshaus (Pfalz) bauen.

Von 1772 bis 1779 erbauten die Augustiner ein neues Kloster samt Kirche.

Beim Großen Stadtbrand 1780 brannten 87 Häuser ab, darunter Rathaus, Schulhaus, Pfarrhaus, Kirchturm und Dominikanerinnenkloster.

Ab 1796, während der Französischen Revolutionskriege hatte die Stadt Requisitionen und Einquartierungen zu erdulden. Der französische General Vandamme zog 1799 auf dem Rückzug durch Oberndorf, das dabei geplündert wurde.

19. Jahrhundert Oberndorf wird württembergische Oberamtsstadt Durch den Frieden von Pressburg 1805 gelangte die vorderösterreichische Grafschaft Hohenberg an das Kurfürstentum Württemberg, die Herrschaft Oberndorf wurde im Jahr darauf durch das nunmehrige Königreich Württemberg in Besitz genommen. Es erfolgte die Aufhebung des Augustiner- und Dominikanerinnenklosters. Zu jener Zeit hatte die Stadt 1043 Einwohner und wurde zunächst dem Oberamt Rottweil unterstellt. 1810 wurde Oberndorf selbst eine württembergische Oberamtsstadt. Das neue Oberamt Oberndorf umfasste neben der Stadt 27 weitere Orte. 1811 ließ König Friedrich von Württemberg im ehemaligen Augustinerkloster die Königlich Württembergische Gewehrfabrik einrichten.

Um 1820 bildete sich in Oberndorf eine Evangelische Gemeinde. 1823 entstand die Lateinschule; die Realschule kam 1861 hinzu. Wilhelm Brandecker erwarb 1837 den zwei Jahre zuvor in Sulz gegründeten Schwarzwälder Boten und verlegte ihn in seine Heimatstadt Oberndorf. Bei einem neuerlichen Stadtbrand im Jahre 1842 wurden 35 Häuser in der Altstadt zerstört.