mini|Verwaltungsgliederung der Stadt Kevelaermini|Rathaus Die Wallfahrtsstadt Kevelaer (Aussprache: [], mit Dehnungs-e; kleverländisch Kääwel oder Kääweler) liegt am unteren linken Niederrhein im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Kevelaer ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal. Die Stadt ist besonders als einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte Deutschlands bekannt. Seit dem 4. Juli 2024 darf sich Kevelaer offiziell „Staatlich anerkannter Kurort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ nennen.
Geographie Räumliche Lage mini|Typische Hausgiebel (Hauptstraße) mini|links|Lage von Kevelaer (Ortsteil) in der Stadt Kevelaer mini|Häuserzeile am Kapellenplatz mini|Haus Stassen
Die Stadt Kevelaer liegt in der niederrheinischen Tiefebene, im Zentrum des Kreises Kleve. Die Gewässer Niers, Dondert, Kervenheimer Mühlenfleuth und Issumer Fleuth fließen durch das Stadtgebiet. Die Umgebung ist eingebettet in eine Donkenlandschaft, was sich auch in den Namen der Ortsteile Winnekendonk, Kervendonk, Kolvendonk und Grotendonk widerspiegelt.
Stadtgebiet Räumlich ist das Stadtgebiet in die folgenden sechs Stadtteile beziehungsweise Ortschaften gegliedert: Kervenheim mit Kervendonk (namensgebender Ort des bis 1969 bestehenden Amtes Kervenheim) Kevelaer (vormals Stadt Kevelaer im Amt Kevelaer) Kleinkevelaer (Amt Kevelaer) Twisteden (Amt Kevelaer) Wetten (Amt Kevelaer) Winnekendonk (vormals Hauptort des Amtes Kervenheim)
Wappen der eingemeindeten Gemeinden 90pxKevelaer bis 197390pxKervendonk90pxKervenheim90pxKleinkevelaer 90pxTwisteden90pxWetten90pxWinnekendonk90pxAmt Kervenheim
Nachbargemeinden/-städte Die Stadt Kevelaer grenzt im Norden an die Gemeinde Weeze, im Osten an die Gemeinden Uedem und Sonsbeck (Kreis Wesel), im Süden an die Stadt Geldern, sowie im Westen an die Gemeinde Bergen (Limburg, NL).
Geschichte Frühzeit und Spätmittelalter Die ersten Zeugnisse für das Vorhandensein einer Siedlung im Stadtgebiet Kevelaers gehen bis in die ältere Eisenzeit zurück (etwa 800 v. Chr.). Sedimente einer vorzeitlichen Brunnenanlage sowie Urnenfunde deuten darauf hin. Eine erste schriftliche Nachricht über die Bewohner dieses Raums gibt der römische Feldherr Julius Caesar in seiner Beschreibung des Gallischen Krieges (58–51 v. Chr.). Er nennt sie Menapier und meint damit einen Volksstamm im belgischen Gallien, der sich von der Nordsee bis an den Rhein ansiedelte.
Die Gründung des Ortes erfolgte in der Merowingerzeit, wie Reste von Grabfunden belegen, die in den 1960er Jahren gefunden wurden. Sie stammen aus dem mittleren Drittel des 6. Jahrhunderts.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 326–327. – Funde im Museum Kevelaer. Circa 450 m westlich davon wurden nahe der heutigen Antonius-Kirche bei Ausgrabungen Scherben des 9. Jahrhunderts gefunden, die die Lage der ersten Siedlung anzeigen.Funde im Rheinischen Landesmuseum Bonn, Inv. Nr. 84.0736-0739.
Urkundlich wird Kevelaer erstmals am 10. Mai 1300 erwähnt. Bei dieser Urkunde handelt es sich um eine Verkaufsurkunde über einen Bauernhof. Zu dieser Zeit bestand Kevelaer aus Bauernhöfen und Katen und befand sich zu großen Teilen im Besitz des Stiftes Xanten und des Klosters Graefenthal. Die Bauerschaften Kevelaer und Wetten bildeten einen Gerichtsbezirk und gehörten im Spätmittelalter zum Niederamt Geldern der Grafschaft Geldern. Am 19. März 1339 wurde die Grafschaft zum Herzogtum erhoben. Die heutigen Gemeinden Kervenheim und Winnekendonk gehörten zu diesem Zeitpunkt dem Herzogtum Kleve an.
Spanische Niederlande (Generalstaaten) Durch den Vertrag von Venlo vom 12. September 1543 wurde das Herzogtum Geldern in seiner damaligen Form aufgehoben und zu einer der 17 Provinzen der Spanischen Niederlande erklärt. 1559 erfolgte eine Bistumsreform durch Margarethe von Parma, wodurch die Bauerschaften Kevelaer, Twisteden und Wetten, die bis dahin zum Erzbistum Köln gehörten, dem neuen Bistum Roermond unterstellt wurden. Winnekendonk und Kervenheim verblieben im Erzbistum Köln.
In den Jahren 1578 und 1633 verbreitete sich die Pest am Niederrhein, wovon auch Kevelaer betroffen war. Im Krieg um die Vorherrschaft in den Spanischen Niederlanden marschierten niederländische Truppen in die Stadt Geldern ein und plünderten die umliegenden Dörfer Kevelaer, Twisteden und Wetten. Zudem wurde die Ausübung der katholischen Religion verboten. 1586 wurde die Pfarrkirche des unbesetzten, im Herzogtum Kleve gelegenen Winnekendonk von Spaniern geschändet.
Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden mini|hochkant|Statue Hendrick Busmann in der Busmannstraße von Erika Rutert, aufgestellt 1989
1614, wenige Jahre vor dem Dreißigjährigen Krieg, fiel das Herzogtum Kleve an das protestantische Kurbrandenburg. Mitten durch das heutige Stadtgebiet verlief eine neue Staatsgrenze. Kervenheim und Winnekendonk gehörten nun zum protestantischen Brandenburg, und Kevelaer, Twisteden und Wetten gehörten zu den katholischen Spanischen Niederlanden. Ende Juli 1635 zogen zunächst niederländische, dann spanische und kroatische Reitertruppen durch Kevelaer. Die kroatischen Söldner stürmten am 1. August die Schanze in Kevelaer und töteten 100 Dorfbewohner. An dieses Ereignis erinnern die Kroatenstraße und das sogenannte Kroatenkreuz in Kevelaer.
mini|hochkant|Wallfahrtsbildchen mit dem ältesten Ortsplan Kevelaers Das wohl wichtigste Datum für die Geschichte Kevelaers ist der 1. Juni 1642. Der geldrische Händler Hendrick Busmann hörte der Legende nach kurz vor Weihnachten 1641 an der Kreuzung der alten Handelsstraßen Amsterdam–Köln und Münster–Brüssel dreimal den geheimnisvollen Ausruf: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!“. Am 1. Juni 1642 weihte der Pfarrer von Kevelaer ein Bildstöckchen an der Wegkreuzung und setzte einen Kupferstich der Gottesmutter Maria „Consolatrix Afflictorum“ (Trösterin der Betrübten) von Luxemburg ein. Damit beginnt die Geschichte der Wallfahrt in Kevelaer (siehe unten).
Durch den 1648 geschlossenen Westfälischen Frieden wurde die Situation für die Bevölkerung in Kevelaer und Umgebung allerdings nicht ruhiger und besser, da sie immer wieder Opfer von Plünderungen wurde. Mit Ausbruch des Holländischen Krieges 1672 wurden Kevelaer, Twisteden und Wetten sowie Kervenheim und Winnekendonk von französischen, kölnischen und münsterschen Truppen besetzt und waren wiederholt von Raubzügen der Franzosen betroffen. Im Jahr 1689 wurde die Pfarrkirche in Winnekendonk erneut geplündert und abgebrannt, ebenso wurden etwa 90 Häuser und Bauernhöfe in Kervenheim und Winnekendonk vernichtet. Einige Jahre später, während des Spanischen Erbfolgekriegs 1702, stürmten französische Truppen Kevelaer, wobei Häuser geplündert und zerstört sowie bis zu 80 Bürger getötet wurden.
Im folgenden Jahr 1703 belagerten preußische Truppen die Festung Geldern. Die Belagerung dauerte circa ein Jahr an, bis Geldern kapitulierte. Neben Kervenheim und Winnekendonk, die schon zu Preußen gehörten, fielen mit dem Frieden von Utrecht 1713 auch Kevelaer, Twisteden und Wetten an Preußen. Kirchlich unterstand Kevelaer weiterhin dem Bistum Roermond, das zu dieser Zeit österreichisch wurde.
Französische Besatzung (Koalitionskriege) Im April 1792 begann der Erste Koalitionskrieg gegen Frankreich, an dem auch Preußen teilnahm. Im Zuge des Krieges wurden Kevelaer und Kervenheim noch im Dezember desselben Jahres durch französische Truppen besetzt. Das Gnadenbild versteckte man zum Schutz vor den Besatzern in der St.-Antonius-Pfarrkirche. Die Franzosen erpressten vom 1647 gegründeten Kloster der Oratorianer beziehungsweise der Bevölkerung circa 100 Pfund Fleisch und 200 Pfund Brot, kurz darauf nahmen sie die Patres als Geiseln. Zu ihrer Auslösung wurden etwa 3000 bis 4000 Taler gezahlt.
Nach einer kurzen Aufhebung der Besatzung marschierten französische Truppen 1794 erneut in das Rheinland ein und konnten diesmal die französische Staatsgrenze bis zum Rhein ausweiten. Durch den Frieden von Basel im Jahr 1795 wurde das gesamte linksrheinische Gebiet mit Kevelaer französisch. Schnell wurden dabei in der Franzosenzeit französische Strukturen im Rheinland aufgebaut. Kevelaer gehörte zum Arrondissement de Clèves im Département de la Roer. Drei Jahre später entstand die Mairie (später Bürgermeisterei) Kevelaer, zu der die Gemeinden Kevelaer, Kleinkevelaer, Twisteden und Wetten gehörten.
Im selben Jahr wurden Prozessionen im Freien verboten und sämtliche Kreuze an Wegen und Kirchen entfernt, was verständlicherweise einen schweren Schlag für den Wallfahrtsort Kevelaer darstellte. 1801 wurde das Bistum Roermond aufgelöst und Kevelaer dem Bistum Aachen zugeordnet. Im Sommer des folgenden Jahres wurden durch Konsularbeschluss alle Klöster aufgelöst, auch das Oratorianerkloster in Kevelaer. Infolge der von den Franzosen betriebenen Säkularisation befanden sich die Gnaden- und Kerzenkapelle von 1802 bis 1806 in staatlichem Besitz.
Vormärz (Preußen) Mit dem Ende der Herrschaft Napoleons wurde Kevelaer 1814/1815 durch die Entscheidungen auf dem Wiener Kongress wieder preußisch und gehörte dem neuen Clevischen Bezirk im Generalgouvernement Niederrhein an. Durch den Ausbruch des Tambora von 1815 kam es zu verheerenden Regenfällen, bei denen die Niers über die Ufer trat. Die schrecklichen Folgen waren Missernten und Hungersnöte, von denen Kevelaer nicht verschont blieb.
1816 wurde der Regierungsbezirk Kleve geschaffen. Kevelaer, im Kreis Geldern gelegen, war weiterhin eine Bürgermeisterei, die die Ortschaften Kevelaer, Twisteden und Wetten umfasste, und gehörte bis 1975 zum Kreis Geldern. Kervenheim und Winnekendonk, die seit 1969 zur Stadt Kevelaer gehören, bildeten die Bürgermeisterei Kervenheim. 1821 wurde Kevelaer nach 20 Jahren im Bistum Aachen erneut einem anderen Bistum unterstellt. Seither gehört es zum Bistum Münster.
In Kevelaer, wo eine niederfränkische Mundart gesprochen wird, löste dann ein Beschluss des Bischofs von Münster und der preußischen Herrschaft Unmut aus. Predigten und Schulunterricht mussten ab sofort auf Hochdeutsch gehalten werden. Ebenso wurden neue Gebetbücher in deutscher Sprache gedruckt. Für die Menschen in Kevelaer war das damals eine kaum verständliche Sprache. Bis heute wird in Kevelaer noch von einigen Altersgruppierungen das Kevelaerer Platt gesprochen.
1822 wurde nach nur sechs Jahren der Regierungsbezirk Kleve aufgelöst und dem Regierungsbezirk Düsseldorf angeschlossen. Im selben Jahr wurde auch eine Armenkommission für die Bürgermeisterei Kevelaer gegründet, welche die ersten Grundzüge des heutigen Sozialwesens trug.
In den 1820er Jahren wurden Wallfahrten, vor allem aber solche mit Übernachtungen, durch den Bischof von Münster und die preußische Herrschaft verboten. Dieses Verbot, das die Kevelaerer zum wiederholten Male beträchtlich traf, wurde erst um 1840 aufgehoben.
Märzrevolution 1831 wurde Kevelaer vom späteren Kaiser Wilhelm I. und zwei Jahre später, 1833, vom preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. besucht. Nach dem Besuch des Kronprinzen wurden die Verbote gegenüber der Wallfahrt etwas gelockert. Zwölf Jahre später suchte der Kronprinz, dann jedoch als König von Preußen, den Wallfahrtsort erneut auf. 1848 trat die nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 vom König oktroyierte Preußische Verfassung in Kraft. Kevelaer selber wurde von der Märzrevolution kaum tangiert. Es ist nur bekannt, dass sich in Kervenheim einige Übergriffe auf Besitzer und deren Eigentum ereignet haben sollen.
Drei Jahre nach der Revision der Verfassung wurde 1853 in Winnekendonk ein Rathaus am heutigen Alten Markt gebaut. Mit dem Bau übernahm Winnekendonk die Verwaltung der Bürgermeisterei Kervenheim. Ebenso wurde in den 1850er Jahren mit dem Bau einer Eisenbahnanbindung und Eisenbahnstation begonnen, deren Bauarbeiten 1863 abgeschlossen wurden.
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