Die Waldenburg ist die Ruine einer Höhenburg in der Nähe der Stadt Attendorn in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie ist das älteste bekannte Bauwerk im Kreis Olpe und gilt als Keimzelle der kommunalen Selbstverwaltung in der Region. Im 17. Jahrhundert entstand dort die nur kurze Zeit bestehende Kommende Waldenburg des Deutschen Ordens. Die Burgruine liegt heute im Naturschutzgebiet Waldenburg.
Lage mini|Luftaufnahme (2014) mini|Blick ins Biggetal
Die Burgruine liegt auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Bergsporn auf 370 Metern unmittelbar an der Biggetalsperre im Sauerland. Östlich der Burganlage verläuft das ansteigende Seitental, welches im Bereich der Burg von Nordost in südwestliche Richtung, später in südliche Richtung abknickt. An der Nordwestseite verläuft von Westen kommend, dann in einer Schleife nordöstlich verlaufend, danach in nordwestliche Richtung um den Dünekenberg, das herumführende Tal der Bigge.
Beschreibung der Burg mini|Rekonstruktion der Waldenburg nach Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 59/89 ff.
Die Zuwegung zur Burg erfolgte früher aus dem Bremgetal über Bürberg oder durch einen Hohlweg, welcher aus dem Biggetal (265 Meter) herauf und durch das Seitental von Südwesten in die Burg führte. Über drei tiefe Abschnittsgräben im Abstand von je 100 m, welche den Bergkamm in Querrichtung abriegelten, gelangte man vermutlich über Zugbrücken in die eigentliche Burg. Nach den alten Beschreibungen und Urkunden müssen zwischen diesen Gräben noch Wirtschafts- und/oder Wohngebäude gestanden haben. Von der Burg aus konnte man weit das obere Biggetal und Listertal sowie auf den Worbscheid, Erbscheid, den Höhenzug des Ebbegebirges und insbesondere die von Meinerzhagen kommende und über Elspe in Richtung Wormbach führende Heidenstraße in Teilstücken überblicken. Der direkte Blick in die damals mauerumwehrte Stadt Attendorn wird durch den Dünnekenberg versperrt. Auch zur 3 km entfernten Burg Schnellenberg besteht wegen des dazwischenliegenden Rappelsberges keine Sichtverbindung. Möglicherweise hat dies beim Anlegen der Stadt und der Burg aus strategischen Gründen eine Rolle gespielt. Zu Füßen der Burg lagen die später erbaute Waldenburger Kapelle und das Forsthaus Waldenburg.
In unmittelbarer Nähe der Waldenburg führte die mit doppeltem Graben und Wall gesicherte Grenze der Herrschaft Bilstein vorbei. Nach einem Protokoll vom 13. Juni 1778 führten „die Richter, Scheffen und Vorsteher auf dem Höhenweg bei dem Ausschuß sich fanden, wurde der Zug obig Bürberg über den Windhagen hinaus bis auf den Dahl an die Waldenburger Waldung, woselbst dem Ausschuß der Branntwein zur Labung gereicht wurde, continuiert und so fort längst die Waldenburger Berge herauf bis auf den sogenannten Keller, von dort durch den Rappelsberg ohnweit des Galgens, also daß dieser Galgen etwa 40 Schritt linker Hand blieben, woselbst ein Marquetender aus Attendorn, Franz Zeppenfeld, mit Weck stunde, und ihme solche zum Wahrzeichen abgekaufet wurde, weiter die Legelmicke herunter, woselbst 3 Bäume geplacket, demnächst längs den Thiergarten obig den Baumhoff heraus bis an das Leimer Seiffen, dieses Seiffen herunter bis an den Biggefluß, fort diesen Biggefluß nach längst die Dähmer Felder und längst das Haus Ahausen bis auf die Ahauser Brücke, allwohe mitten auf der Brücke die Amts Bilsteinische Fahne geschwenket und von dem Ausschuß das Gewehr losgeschossen wurde. Wie nun durch die Tageshitze und Ersteigung der Berge der Zug abgemattet war, wurde von der Ahauser Brücke marschieret nach Kirchhelden, woselbst zu übernachten, und, weilen morgen Sonntag, der Messe beizuwohnen, Rasttag gemacht wurde“.Kreisarchiv Olpe, Akte Nr. 1294, Bl. 1–50.
Die Burg selber bestand aus einem Wohngebäude neben dem großen Turm, welches nordwestlich zur Seite des Biggetals lag. Auf der gegenüberliegenden Seite lagen die Stallungen und Scheunen und zwischen den vorgenannten Gebäuden, den nordöstlichen Abschluss bildend, das Back- und Brauhaus. Zwischen Turm und Stall gab es das Torhaus, was den Innenhof mit den anderen Gebäuden umschloss.
Bei einer Inventarisierung im Jahre 1638 sind nachstehende Räumlichkeiten aufgelistet worden. Große Stube mit Nebenkammer und Küche mit Stübchen für die Küchenmagd. Neben dem Wohngebäude lag das Back- und Brauhaus Gegenüber über dem Burghof lag der Stall mit 13 Kühen, 4 Rindern, 1 Ochsen, 4 Schweinen und 25 Ziegen. Daneben lag der Pferdestall für 3 Pferde, der den Übergang zur Scheune bildete. In der Scheune wurden Wagen und Karren sowie Ackergeräte aufbewahrt. Neben dem großen Turm lag das Torhäuschen, in dem sich die Schreibstube und zwei weitere Kammern befanden. Im Obergeschoss des Wohnhauses befand sich die Uhrwerkskammer, in der die Burg- und Hofuhr aufgestellt war. Daneben lag eine Schlafkammer und weiter der große Saal, welcher vermutlich die gesamte Hausbreite einnahm. Vor dem Saal befand sich das Treppenhaus, welches ins Dachgeschoss führte. Hier lag die Knechtkammer, der übrige freie Raum wurde als sogenannter kleiner Kornboden genutzt. Im obersten Dachgeschoss (Spitzboden) speicherte man das Korn, hängte Hasen- und Rehfelle zum Trocknen auf und stellte den Webstuhl im Sommer ab. In einem kleinen Giebelkämmerchen vor dem Kornboden war ein Platz für ein Bett, welches dem Verwalter gehörte. Im Keller lagen das 3-ohmige Fass mit Bier und eine Futterkiste mit dazugehörigen Scheffeln.
Geschichte Ezzonen und Grafen von Zütphen (bis 1120) mini|Ruine Waldenburg, Blick nach Süd-West Die Waldenburg muss spätestens im 10. Jahrhundert errichtet worden sein. Die gleichnamige Grafschaft wurde vermutlich von Kaiser Otto II. an seinen Schwiegersohn Graf Ezzo von Lothringen, der seine Tochter Mathilde heiratete, als Eigengut der Ezzonen verliehen.Josef Brunabend: Attendorn Schnellenberg, Waldenburg und Ewig. Ein Beitrag zur Geschichte Westfalens. Aschendorff, Münster, 2. Aufl. 1958, S. 247. Später ging die Herrschaft an den erstgeborenen Sohn Ludolf, zugleich Vogt der Abtei Brauweiler über, der durch seine Ehe zudem Graf von Zutphen wurde.
Aus der Ehe Liudolfs mit Mathilde von Zütphen gingen als Kinder hervor: Heinrich († nach 31. Oktober 1031), Konrad (Kuno) und Adelheid. Da Konrad 1053 verstarb, wurde seine Schwester Adelheid Erbin ihres Bruders, und somit Besitzerin der Waldenburg. Sie heiratete Gottschalk von Zutphen, († 1063), Graf im Agradingau, Emsgau, Hettergau, von Twente in Westfalen, sowie ab 1046 Graf im nördlichen Hamaland mit der Hauptstadt Zutphen.genealogie-mittelalter; bei Gottschalk de Zutphen ist er ein Sohn von Hermann II., Graf von Werl, bei graafschap-middeleeuwen ein Sohn von Graf Hermann II. in Westfalen. Dieser Ehe entsprangen drei Söhne, von denen Otto II. von Zutphen (* 1050) als Zweitgeborenem das Erbe der Mutter und damit auch die Waldenburg zugesprochen wurde. Der erste Sohn Ottos, Heinrich I. Graf von Zutphen, Vogt von Corvey (* 1080), war 1114 am Aufstand gegen Kaiser Heinrich V. beteiligt. Er starb um 1120; mit ihm endete die männliche Linie der Grafen von Zutphen. Das Erbe fiel an seine Schwester Emmengard: Die Burg Waldenburg mit der Grafschaft kam als mütterliches Erbe der Großmutter an ihre Schwester Judith von Zutphen.
Grafen von Ravensberg (1120–1234) und von Sayn (1235–1248) Judith von Zutphen heiratete Hermann I. von Ravensberg und Calvelage. Aus dieser Verbindung ging Otto I. von Ravensberg († 1170) hervor, welcher sich als erster Graf von Ravensberg nannte. Er war des Öfteren bei Hofe des Herzogs Heinrich des Löwen. Otto I. heiratete Oda von Zütphen, Tochter des Grafen Otto II., welche Erbin der Vogtei Corvey war.
Der Sohn aus der Verbindung Otto I. und Oda von Zütphen war Hermann II., Graf zu Ravensberg. Dieser Hermann wurde 1176 in einer Urkunde, in der Abt Uffo von Grafschaft den Einwohnern von Attendorn das Recht auf eine eigene Wahl ihres Pfarrers verleiht, genannt. Die Urkunde wurde bezeugt von dem Grafen Hermann von Ravensberg und sechs Ministerialen, welche in der Umgebung von Attendorn, Ewich, Hespecke, Ennest usw. wohnten und als Burgmänner auf der Waldenburg dienten.Albert K. Hömberg: Heimatchronik des Kreises Olpe, S. 38; Albert K. Hömberg: Grundlagen und Entwicklung der mittelalterlichen Landesorganisation im Gebiet des heutigen Kreises Olpe; Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 8/478. Dieser ging zu den Gegnern Heinrichs des Löwen über und geriet damit besonders gegen Lippe. Gegen Tecklenburg erlitt er eine schwere Niederlage und verlor dadurch viele bischöfliche Lehen und Rechte.
Nach der Erbteilung von 1226 wurde sein Sohn Ludwig († 1249) Graf von Ravensberg-Bielefeld, dessen Bruder Otto II. erhielt Vlotho. Die Ravensberger waren noch 1231 im Besitz des Haupthofes Drolshagen und somit der Waldenburg, was aus einer Sühne mit den Grafen von Tecklenburg hervorgeht. Bereits 1235 wurde jedoch Graf Heinrich von Sayn als der genannt, der das Kloster Drolshagen in ein Zisterzienserkloster umwandelte.Albert K. Hömberg: Heimatchronik des Kreises Olpe, S. 38.
Nach dem Tode des Grafen Heinrich von Sayn im Jahre 1247 fiel die Herrschaft Waldenburg als einst von den Grafen erworbenes Gut an seine Witwe, die Gräfin Mechtild. Diese verkaufte die Herrschaft und das „castrum“ Waldenburg mit den zugehörigen Gütern Drolshagen (mit Ausnahme des dort von ihr und ihrem verstorbenen Manne gestifteten Klosters Drolshagen), Meinerzhagen (mit Ausnahme dessen, was der Abt Convent zu Deutz an dem Walde Grisim hat) und den Wald Ebbegebirge (mit Vorbehalt der Rechte Anderer in demselben) am 13. Januar 1248 an den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden.Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 9/598.Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen, Band 1: Urkunden von 799 bis 1300 (= Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalens, Band 2). A. L. Ritter, Arnsberg 1839, Nr. 248, S. 308.
Erzbischöfe von Köln (1248–1305) mini|Kapelle WaldenburgDer Erzbischof von Köln setzte Amtmänner ein, die das Gebiet mit den Kirchspielen Attendorn, Olpe, Wenden, Drolshagen, Elspe, Lenhausen, Valbert und Bilstein von der Waldenburg aus verwaltete, die erste Form der kommunalen Selbstverwaltung in der Region. Als Amtmänner nachgewiesen sind: 1258 Johannes de Hurte (von Hörde) 1259 Arnold von Elberfeld 1289 Konrad von Elberfeld, Sohn des Arnold Amtmann auf Waldenburg 1300 Johann I. von Plettenberg
In der Schlacht von Worringen 1288 traten die Grafen von Jülich, Berg und Mark unter der Führung von Herzog Johann I. von Brabant dem Erzbischof Siegfried von Westerburg entgegen und konnten die kölnische Vormachtstellung brechen. Die Auswirkungen für Westfalen waren entscheidend, die alten Widersacher hatten nunmehr die Vorherrschaft gewonnen, auch über die Waldenburg. In einem Sühnevertrag 1289 verzichtete der Erzbischof auf alle Ansprüche, insbesondere auf Entschädigung für erlittene Verluste. Zudem musste er Waldenburg pfandweise dem Grafen Adolf von Berg überlassen, der die Burg an Eberhard von der Mark weiterverpfändete. Durch diese Situation ließ der Erzbischof durch seinen Landmarschall Johann I. von Plettenberg die Burg Schnellenberg instand setzen, um von dort gegebenenfalls Ausfälle in die Mark unternehmen zu können. Daraufhin verstärkte der märkische Drost Rutger von Altena die Waldenburg, der Graf verband sich mit den Herren von Bilstein. Das Gebiet der Stadt Attendorn wurde daraufhin mit zahlreichen Fehden zwischen dem Erzbischof und dem Grafen von der Mark überzogen.Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, Heft 182, S. 35. Erzbischof Siegfried versprach den Bürgern von Attendorn am 23. Februar 1295, dass ihnen von seinem Marschall in Westfalen und den anderen Amtsleuten niemals Schaden zugeführt werden solle, weil sie ihm beim Bau des Schlosses Schnellenberg behilflich gewesen seien.Johann Suibert Seibertz: Urkunden, Nr. 1102; Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe, 75/61.