Der Sperber (Accipiter nisus) ist ein Greifvogel und gehört zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen und fast doppelt so schwer. In der Jägersprache werden die Männchen Sprinz genannt (während bei allen anderen Greifvögeln für das Männchen die Bezeichnung Terzel verwendet wird).
Sperber sind eng an den Wald gebunden, brüten heute in vielen Teilen Europas aber auch in städtischen Grünanlagen. Sie ernähren sich überwiegend von kleinen und mittelgroßen Vögeln bis zur Größe einer Taube. Nach einem starken, durch das Insektizid DDT verursachten Rückgang in Europa nach 1950 hat sich der Bestand ab etwa 1975 wieder erholt und nimmt vielerorts noch immer zu.
Name Der Name des Sperbers ist ein Kompositum aus zwei althochdeutschen Substantiven: („Sperling“) und („Aar, Adler“). Althochdeutsch und davon und bezeichnet also gewissermaßen einen „Sperlingsadler“,Karl Otto Sauerbeck: ‚Herr Heinrich saß am Vogelherd‘. Beobachtungen zur mittelalterlichen Vogeljagd und deren Symbolik. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 57–79, hier: S. 74 („Spatzen fressender Kleinraubvogel“).„Sperber“, in: also einen „Sperlinge fressenden Adler“.
Beschreibung mini|Sperber im Flug mini|Vordergrund: adultes WeibchenDahinter: adultes MännchenHinten rechts: Vogel im Jugendkleid mini|Bauch-Ansicht mit (nach einem Regenschauer zum Trocknen) aufgefächertem GefiederDas Großgefieder weist in allen Kleidern eine deutliche Bänderung auf weißem bis beigebraunem, bei Jungvögeln auf gelblichem Grund auf. Die Beine sind gelb, ebenso die Wachshaut des Schnabels. Die Iris ist bei Jungvögeln hellgelb, bei adulten Weibchen dunkelgelb und bei Männchen meist orange. Der Schnabel ist schwarz, an der Basis blaugrau. Sperber sind typische Vertreter der überwiegend Wald bewohnenden Gattung Accipiter (Habichte und Sperber). Weibchen sind mit 35–41 cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 67 bis 80 cmLars Svensson, Peter J. Grant, Killian Mullarney, Dan Zetterström: Der neue Kosmos Vogelführer. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-440-07720-9, S. 92. knapp größer als ein Turmfalke und reichen in der Größe an kleine Habicht-Männchen heran.Urs N. Glutz von Blotzheim, K. M. Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 4: Falconiformes. AULA-Verlag, Wiesbaden 1993/2001, ISBN 3-923527-00-4, S. 416. Sperber-Männchen sind mit 29–34 cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 58 bis 65 cm deutlich kleiner. Die Flügel sind relativ kurz, breit und an ihren Spitzen gerundet, der Stoß ist verhältnismäßig lang. Diese Merkmale ermöglichen keine extremen Fluggeschwindigkeiten, jedoch eine hohe Wendigkeit auf engem Raum. Beine und Zehen zeigen deutliche Anpassungen an die Jagd auf kleine und schnelle Singvögel. Die Beine sind vergleichsweise lang und sehr dünn. Die Mittelzehe ist stark verlängert, alle Zehen haben ausgeprägte Haltebeeren, die beim Greifen ein lückenloses Schließen ermöglichen und so auch noch einzelne Federn festhalten können. Die Krallen sind lang und sehr spitz.
Sperber zeigen einen sehr deutlichen Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Färbung. Ausgefärbte (adulte) Sperbermännchen sind auf der Oberseite graublau. Die Unterseite ist weiß und fein quer gebändert („gesperbert“). Diese Bänderung ist am Rumpf zu einem individuell in Breite und Ausdehnung sehr stark variierenden Anteil orangerot. Manche Männchen sind auf der Rumpfunterseite fast einfarbig orange, bei anderen Vögeln ist die Querbänderung nur an den Flanken deutlich orange und am übrigen Rumpf braun. Der Hals zeigt eine feine senkrechte Strichelung, die ähnlich wie die Rumpfzeichnung variiert; im Extremfall ist der Hals ebenfalls einfarbig rotorange. Weibchen sind weniger farbenprächtig als die Männchen. Sie sind auf der Oberseite schiefergraubraun, die Unterseitenbänderung kann an den Flanken ebenfalls zu hohen Anteilen orange sein; diese Orangezeichnung ist jedoch nur in Ausnahmefällen so ausgedehnt wie bei Männchen. Männchen haben eine orange-rote Iris, die bei alten Exemplaren tiefrot werden kann, Weibchen haben dagegen eine gelbe Iris.
Jungvögel sind bis zur ersten Mauser oberseits bräunlich, alle Deckfedern sind hell braunbeige gerandet. Die Unterseite ist weiß mit einer Querbänderung, die breiter und oft tropfen- oder herzförmig ausgeprägt ist.
Der Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Körpergröße und des Körpergewichts ist bei dieser Art extrem. Der Unterschied ist so groß, dass es bezüglich der Körpermaße zwischen den Geschlechtern keinen Überschneidungsbereich gibt. Zum Beispiel haben adulte Männchen der Nominatform A. nisus nisus aus Deutschland eine Flügellänge von 192 bis 209 mm, im Mittel 199 mm, Weibchen messen 223–247 mm, im Mittel 234 mm. Adulte Männchen wiegen 105–165 g, im Mittel 137 g, Weibchen 192–290 g, im Mittel 234 g. Männchen erreichen also nur etwa 60 % des Körpergewichts der Weibchen. Sperber gehören zu den kleinsten Vertretern der Gattung Accipiter, männliche Sperber gehören zu den kleinsten in Mitteleuropa brütenden Greifvögeln.
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen in Mitteleuropa in erster Linie mit dem Habicht. Bei sitzenden Vögeln ist die Unterscheidung meistens einfach, Habichte sind viel größer und kräftiger, dies fällt insbesondere bei Betrachtung der Beine und des Kopfes auf. Habichte zeigen nie Orange auf Brust und Bauch und haben einen deutlichen, weißlichen Überaugenstreif, der bei Sperbern nur angedeutet ist. Die Augen des Sperbers sind proportional wesentlich größer und damit auffälliger als beim Habicht.
Schwieriger ist die Unterscheidung fliegender Vögel. Die Körperproportionen von Sperber und Habicht sind sehr ähnlich, auf größere Entfernung ist daher insbesondere eine Unterscheidung gleitender oder segelnder Vögel oft nicht möglich. Bei einigermaßen guten Sichtbedingungen sind jedoch auch im Flug der wesentlich massivere Körper und die proportional längeren Flügel des Habichts erkennbar. Bei aktiv fliegenden Individuen lässt auch die Flügelschlagfrequenz oft eine Artbestimmung zu: diese ist bei Sperbern etwa doppelt so hoch wie beim Habicht.
Lautäußerungen thumb|Rufe des Sperbers (Audiodatei) mini|Video: Sitzende und badende Sperber Sperber rufen, verglichen mit anderen Vertretern der Gattung, nur selten und nur im Brutrevier. Bei Störungen ertönt ein kurzes, schnell gereihtes „ki-ki-ki-ki“.Sperber Stimmbeispiel Kontaktrufe zwischen den Brutvögeln zum Beispiel bei der Beuteübergabe klingen wie „kik…kik…kik“. Beide Rufe sind nicht sehr auffallend und nur über eine Entfernung von etwa 50 m hörbar. Vergleichsweise am auffälligsten sind die Bettelrufe der ausgeflogenen Jungvögel, sie klingen ähnlich wie die junger Habichte wie „kiäh-kiäh“, sind jedoch höher und viel weniger kräftig und weittragend.
mini|Verbreitung des Sperbers:
Verbreitung und Lebensraum Die Verbreitung des Sperbers umfasst weite Teile der Paläarktis von den Kanarischen Inseln und Irland nach Osten bis Kamtschatka und Japan. Er besiedelt hier überwiegend die borealen und boreomontanen Nadelwälder. Das Vorkommen der Art wird im größten Teil ihres Areals nach Norden wie nach Süden durch die Verbreitung dieser Nadelwälder begrenzt. Nur in Mittel- und Westeuropa sowie im westlichen Mittelmeergebiet, wo andere, Laubwälder bewohnende kleine Vertreter der Gattung Accipiter fehlen, besiedelt er auch Laubwälder der gemäßigten Zone sowie die mediterranen Hartlaubwälder. In den letzten Jahrzehnten zeigt auch diese Greifvogelart eine starke Tendenz zur Verstädterung und bewohnt nun auch Parks, Friedhöfe und ähnliche Grünanlagen in vielen Städten Europas.
Unterarten Zurzeit werden sieben Unterarten anerkannt; davon haben vier nur sehr kleine Areale:IOC World bird list Hoatzin, New World vultures, Secretarybird, raptors
A. n. nisus (, 1758): Nominatform; fast ganz Europa von Irland bis zum Ural, weiter nach Osten bis Mittel- und Ostsibirien. A. n. nisosimilis (, 1833): fließender Übergang zwischen dieser Unterart und der Nominatform; Mittel- und Ostsibirien; heller und größer als Nominatform. A. n. melaschistos , 1869: Gebirge im südlichen Zentralasien nach Westen bis zum Kaschmir; dunkler, auf der Unterseite intensiver gezeichnet und deutlich größer als Nominatform. A. n. granti , 1890: Madeira und Kanarische Inseln; dunkler und erheblich kleiner als Nominatform. A. n. punicus , 1897: Nordafrika, Maghreb nach Süden bis zum Hohen Atlas und Saharaatlas; etwas heller und größer als Nominatform. A. n. wolterstorffi , 1901: Korsika und Sardinien; noch dunkler und auf der Unterseite dichter gebändert als A. n. granti und ebenso klein. A. n. dementjevi , 1958: Alaigebirge bis Tian Shan Gebirge.
Wanderungen Je nach geographischer Lage sind Sperber Standvögel bis Langstreckenzieher. In Europa nimmt die Zugneigung von Südwesten nach Nordosten zu. Die Sperber Großbritanniens sind Standvögel. Aus Mitteleuropa zieht ein Teil, vor allem der diesjährigen Sperber, im Spätsommer und Herbst nach Südwesten. Vollständig geräumt wird im Winter das mittlere und nördliche Skandinavien sowie fast ganz Russland. Die Winterquartiere der mitteleuropäischen Zieher liegen in West- und Südwesteuropa, maximal reichen sie bis Nordafrika. Die Sperber aus dem Osten und Norden Europas überwintern vor allem in Mitteleuropa, ziehen zum Teil aber auch bis Süd-Frankreich und Italien. Der Wegzug erfolgt in Mitteleuropa vor allem von September bis November, der Wegzuggipfel liegt im Oktober. Der Heimzug beginnt Ende Februar und dauert bis Anfang Mai; die meisten mitteleuropäischen Sperber kehren im Laufe des März in ihre Brutgebiete zurück. Die Sperber Osteuropas und Asiens überwintern je nach Breitengrad in Nordostafrika, im Nahen und Mittleren Osten sowie im Süden Asiens.
Jagdweise und Ernährung mini|Männlicher Sperber verzehrt eine Taube. Sperber jagen ihre Beutetiere – überwiegend kleine Vögel – in deckungsreichen Landschaften, meist aus dem bodennahen Flug oder vom Ansitz aus in einem kurzen, schnellen Verfolgungsflug im bodennahen Luftraum, aber auch in allen Schichten der Vegetation bis in die Baumkronen. Dabei werden natürliche Strukturen wie Hecken, Bäume, im Siedlungsraum auch Häuser sehr geschickt für einen gedeckten Anflug genutzt. Sperber sind bei der Jagd außerordentlich wendig; sie können die Flugrichtung fast im 90°-Winkel wechseln und sich in der Luft beinahe auf der Stelle um 180° drehen. Für das menschliche Auge sind diese Manöver oft nicht mehr auflösbar und erinnern zum Teil an Querschläger. Vögel werden häufig bis in Sträucher und Hecken hinein oder in geschlossene Räume verfolgt. An klassisch gebauten Futterhäuschen für Singvögel wurden schon häufig Sperber beobachtet, die bei der Jagd durch das Futterhaus flogen. Seltener werden aus dem hohen Kreisen heraus im Sturzflug Vögel im freien Luftraum oder in Bodennähe angejagt.
Die Beute wird mit den Füßen (Fängen) gegriffen und getötet, die Krallen werden dabei so lange in die Beute gebohrt, bis diese aufhört sich zu bewegen. Im Zusammenwirken mit den relativ langen Beinen ermöglicht diese Tötungsmethode dem Sperber die Nutzung von vergleichsweise sehr großen und wehrhaften Beutetieren.
Sperber ernähren sich in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet fast ausschließlich von kleinen Vögeln. Gelegentlich werden auch kleine Säugetiere wie Mäuse oder Fledermäuse, kleine Reptilien und Wirbellose erbeutet. Männchen schlagen in Mitteleuropa überwiegend Vögel von Meisen-, Finken- und Sperlingsgröße, maximal etwa bis zur Größe einer Amsel; Weibchen können auch noch Vögel von der Größe eines Eichelhähers oder, in seltenen Fällen, einer Ringeltaube überwältigen.
Fortpflanzung mini|Ein Sperber im Jugendkleid thumb|Kralle des Sperbers mini|Eier des Sperbers (Sammlung Naturkundemuseum Toulouse) Sperber sind im zweiten Kalenderjahr, also im Alter von etwa 12 Monaten, geschlechtsreif. Während der Fortpflanzungszeit führen sie eine monogame Saisonehe, Bigamie ist in seltenen Fällen nachgewiesen worden.