mini|Fassaden am Schlossplatz
Schwetzingen () ist eine Stadt im Nordwesten Baden-Württembergs, etwa 10 Kilometer westlich von Heidelberg und 15 Kilometer südöstlich von Mannheim. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Schwetzingen bildet mit den Gemeinden Oftersheim und Plankstadt ein durchgängig bebautes Siedlungsgebiet.
Bemerkenswert ist ihre weitgehend erhaltene barocke Schlossanlage inklusive Schlossgarten. Des Weiteren ist Schwetzingen ein Teil der Burgenstraße, einer 1954 gegründeten Ferienstraße von Mannheim nach Prag. Zum Stadtgebiet gehören keine weiteren Ortschaften.
Schwetzingen ist eine der fünf größten Städte des Rhein-Neckar-Kreises, ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden und seit dem 1. April 1993 Große Kreisstadt. Diesen Status erreichte der Ort durch reines Wachstum und ohne Eingemeindungen bzw. Zusammenlegung mit anderen Gemeinden.
Geographie Lage und Naturraum mini|Leimbach Schwetzingen liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar in der Oberrheinischen Tiefebene, östlich des Rheins und westlich des Odenwalds. Durch die Stadt fließt der Leimbach, der unweit westlich von Schwetzingen bei Brühl in den Rhein mündet.
Die Gemarkung erstreckt sich über 2163 Hektar. Davon sind 33,3 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 27,2 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 35,7 Prozent sind bewaldet.
Raumplanung Schwetzingen bildet das Mittelzentrum für den südwestlichen Rhein-Neckar-Kreis mit einem Einzugsgebiet von über 110.000 Einwohnern im Bereich des Oberzentrums Mannheim der Region Rhein-Neckar. Zum Mittelbereich Schwetzingen gehören die Städte Schwetzingen und Hockenheim sowie die Gemeinden Altlußheim, Brühl, Ketsch, Neulußheim, Oftersheim, Plankstadt und Reilingen des Rhein-Neckar-Kreises.
Stadtgliederung und Einwohnerverteilung Bis 2010 war Schwetzingen in die fünf Stadtgebiete Kernstadt, Oststadt, Südstadt, Schälzig und Hirschacker gegliedert. Mit Beschluss vom 19. Mai 2010 erweiterte der Gemeinderat die Unterteilung um die Einheiten Kleines Feld und Nordstadt, die von der Kernstadt abgespalten wurden.Schwetzinger Zeitung vom 21. Mai 2010 „Alte Schwächen ausgemerzt“ Westlich des Ortskerns von Brühl besitzt Schwetzingen ferner mit den Schwetzinger Rheinwiesen eine unbebaute Exklave in den Rheinauen. Sie ist Teil des Landschafts- und Naturschutzgebietes Schwetzinger Rheinwiesen/Edinger Ried.
Stadtteil Einwohner Räumliche Lage Kernstadt 5353 Enthält das Schloss und erstreckt sich östlich bis zur Bahnstrecke Mannheim–Rastatt. Südstadt 2408 Wird durch die barocke Achse der Carl-Theodor-Straße von der Kernstadt abgeteilt. Grenzt im Süden direkt an Oftersheim. Oststadt 2617 Grenzt an der Bahnstrecke Mannheim–Rastatt an die Kernstadt sowie im Nordosten an Plankstadt. Nordstadt 3458 Grenzt an der Grenzhöfer und Rathenaustraße an die Kernstadt und erstreckt sich nordwärts bis zur neuen Umgehungsstrecke der B 535. Hirschacker 2257 Der nördlichste Stadtteil. Grenzt an der B 535 an die Nordstadt sowie im Norden stellenweise direkt an Mannheim-Rheinau und Brühl. Kleines Feld 2011 Liegt westlich der alten Trassenführung der B 36 und der Lindenstraße. Schälzig 3984 Erstreckt sich südlich der Zähringerstraße und westlich der Markgrafenstraße bis an die B 291 und den Hardtwald.Schwetzinger Zeitung vom 21. Mai 2010 „Alte Schwächen ausgemerzt“ Im Südosten grenzt der Schälzig an das Oftersheimer Wohngebiet Nord-West.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Schwetzingen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Mannheim, Plankstadt, Oftersheim, Hockenheim, Ketsch und Brühl. Alle außer Mannheim gehören zum Rhein-Neckar-Kreis.
Das Stadtgebiet ist mit der südlichen Nachbargemeinde Oftersheim vollständig zusammengewachsen. Auch Plankstadt im Osten grenzt stellenweise direkt an Schwetzingen. In der Agglomeration der Stadt Schwetzingen leben somit über 44.500 Einwohner. Die drei Gemeinden besitzen daher auch dieselbe Postleitzahl (68723).
Geschichte mini|Die Mittelachse des Schlossplatzes; im Hintergrund das Schloss mini|Die Nordseite des Schlossplatzes; in der Mitte das so genannte Palais „Hirsch“ mini|Denkmal der Spargelfrau auf dem Schlossplatz
Bis zum 18. Jahrhundert Siedlungsspuren auf Schwetzinger Gebiet existieren ab der Jungsteinzeit, darunter viele Bandkeramik-Funde. Der heutige Ort Schwetzingen wurde erstmals am 21. Dezember 766 im Lorscher Codex als „Suezzingen“ erwähnt. Funde von frühmittelalterlichen Gräbern zeigen, dass die so benannte Siedlung schon in das erste Drittel des 6. Jahrhunderts n. Chr. zurückgehen dürfte und es sich vermutlich um eine fränkische Gründung handelte.Ursula Koch: Schwetzingen im Lobdengau – die ersten fränkischen Siedler am unteren Neckar. In: Niklot Krohn, Ursula Koch (Hrsg.): Grosso Modo. Quellen und Funde aus Spätantike und Mittelalter. Festschrift für Gerhard Fingerlin (= Forschungen zu Spätantike und Mittelalter. Band 1). Verlag Bernhard Albert Greiner, Weinstadt 2012, ISBN 978-3-86705-069-2, S. 51–62. In einem Dokument aus dem Jahr 803 wird „Suezzingen Superiore“ genannt (so viel wie „Oberschwetzingen“). Ursprünglich gab es zwei Siedlungen, Ober- und Unterschwetzingen, die erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts zu einem Dorf zusammenwuchsen. Gehörte das Gebiet anfangs zum Bistum Worms, so gelangte es bereits im 12. Jahrhundert unter die Herrschaft der Pfalzgrafen. Aus dem Jahr 1439 stammt die erste bekannte Einwohnerzahl: 230 Seelen.
Das Schwetzinger Wasserschloss wird erstmals 1350 erwähnt, als der Pfalzgraf bei Rhein Rudolf II. das Wohnrecht im Schloss erhielt. Im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzer Erbfolgekrieg wurde das Schloss zerstört und von Kurfürst Johann Wilhelm bzw. dessen Vorgänger wieder aufgebaut. Ab 1720 diente es Kurfürst Carl Philipp nach seinem Auszug aus Heidelberg zunächst zeitweise als Ausweichresidenz; ab 1742 ließ es sein Nachfolger Karl Theodor zur Sommerresidenz ausbauen. 1750 wurde die „Neuen Stadt“ mit Schlossplatz geplant und angelegt, die das Ober- und Unterdorf miteinander verband. 1752 eröffnete das Schlosstheater.
1759 erhielt Schwetzingen das Marktrecht und wurde im 18. Jahrhundert im Barockstil ausgebaut.
19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1803 fiel der Ort infolge des Reichsdeputationshauptschlusses mit der gesamten rechtsrheinischen Kurpfalz an Baden und wurde zum Amtssitz erhoben. 1833 erhielt die Gemeinde durch Großherzog Leopold die Stadtrechte. Ab 1850 setzte die Industrialisierung ein. Schwetzingen wurde unter anderem Sitz von Zigarren- und Konservenfabriken. Auch der Spargelanbau gewann an Bedeutung.
1924 wurden das Bezirksamt Schwetzingen aufgehoben und sein Gebiet mit dem Bezirksamt Mannheim vereinigt, aus welchem 1938 der Landkreis Mannheim entstand. 1931 erhielt die Stadt Schwetzingen einen erheblichen Gebietszuwachs durch Aufteilung der Schwetzinger Hardt.
Im Zuge der Kreisreform wurde der Landkreis Mannheim zum 1. Januar 1973 aufgelöst und die Stadt Schwetzingen dem neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreis zugeordnet. Im Jahr 1992 überschritt die Einwohnerzahl die 20.000-Grenze. Daraufhin stellte die Stadt Schwetzingen den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung zum 1. April 1993 beschloss.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1726 420 1784 1.784 1800 2.090 1850 2.900 1855 fast 3.100 1858 3.192 1. Dezember 1871 3.862 1. Dezember 1880¹ 4.649 1. Dezember 1890¹ 5.116 1. Dezember 1900¹ 6.432 1. Dezember 1910¹ 7.876 8. Oktober 1919¹ 9.146 16. Juni 1925¹ 9.341 16. Juni 1933¹ 10.016 Jahr Einwohner 17. Mai 1939¹ 10.983 Dezember 1945¹ 11.129 13. September 1950¹ 14.068 6. Juni 1961¹ 14.992 27. Mai 1970¹ 16.508 31. Dezember 1975 18.296 31. Dezember 1980 18.384 25. Mai 1987¹ 17.729 31. Dezember 1990 19.098 31. Dezember 1995 21.872 31. Dezember 2000 22.267 31. Dezember 2005 22.345 31. Dezember 2010 21.789 31. Dezember 2015 22.335 31. Dezember 2020 21.577 ¹ Volkszählungsergebnis
Religionen links|mini|St. Pankratius mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche
Schwetzingen gehörte anfangs zum Bistum Worms. Wie in der gesamten Kurpfalz wurde auch in Schwetzingen die Reformation eingeführt, und zwar das reformierte Bekenntnis. Dennoch gab es weiterhin auch Katholiken, so dass die Kirche am Ort, die St. Pankratiuskirche, ab 1698 simultan verwendet wurde. Als im Rahmen der Kirchenteilung in der Kurpfalz 1707 die Kirche den Katholiken übergeben wurde, mussten sich die Reformierten zunächst mit einer Notkirche begnügen. Auch die inzwischen entstandene lutherische Gemeinde hatte eine Notkirche. Doch konnten sich die Reformierten 1785 eine eigene Kirche bauen, die Ende des 19. Jahrhunderts vergrößert wurde. Nach dem Übergang an Baden vereinigten sich die beiden protestantischen Gemeinden zu einer unierten Kirchengemeinde. Gehörte die Gemeinde zunächst zum Kirchenbezirk Oberheidelberg, so wurde Schwetzingen später Sitz eines eigenen Kirchenbezirks, der 2008 im Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz aufging. Die Pfarreien Bonhoeffergemeinde (Hirschacker und teilw. Nordstadt), Luthergemeinde (Innenstadt nördlich Carl-Theodor-Straße und teilw. Nordstadt), Melanchthongemeinde (Innenstadt südlich Carl-Theodor-Straße und Oststadt) und Noah-Gemeinde (Schälzig) wurden zum 1. Januar 2013 zur Gesamtkirchengemeinde Schwetzingen fusioniert.
Die Katholiken erhielten – wie bereits erwähnt – ab 1707 die Kirche St. Pankratius, die damals einzige des Ortes. Die Pfarrgemeinde gehörte zunächst noch zum Bistum Worms und wurde 1821/27 Teil des neu gegründeten Erzbistums Freiburg, wo sie dem Dekanat Heidelberg zugeordnet wurde. 1958 wurde in der Oststadt Schwetzingens die Kirche St. Maria errichtet. Später entstand noch die Kirche St. Josef in Hirschacker. 1960 wurde Schwetzingen Sitz eines eigenen Dekanats für die Gemeinden Edingen, Neckarhausen, Oftersheim, Plankstadt, Schwetzingen, Hockenheim, Ketsch, Neulußheim, Reilingen und Brühl, das jedoch bereits 1976 wieder aufgelöst wurde. Seither gehören die Pfarrgemeinden der Stadt zum Dekanat Wiesloch. Die Pfarrgemeinde St. Pankratius bildet mit der Filialgemeinde St. Maria und der Predigtstelle St. Josef in Hirschacker zusammen die Seelsorgeeinheit Schwetzingens.
In Schwetzingen befindet sich der Sitz des Kirchenkreises Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Neben den beiden in Deutschland vorherrschenden Glaubensrichtungen gibt es in Schwetzingen auch freikirchliche Gemeinden, und zwar eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche und das Christliche Centrum Schwetzingen, Evangelische Freikirche, kurz CCS genannt. Weiter gibt es die Evangelische Gemeinschaft, die 1849 aus dem „Evangelischen Verein für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses“ hervorging sowie eine Landeskirchliche Gemeinschaft. Darüber hinaus gibt es auch eine Neuapostolische Kirche und einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas.
mini|Haupteingang Stadtfriedhof