mini|Die Großmutter im Kreise ihrer Enkel (unbekannter Künstler, um 1860)

Großeltern bezeichnet die 2. Vorfahrengeneration einer Person: die Eltern von Vater und Mutter, zwei Großmütter und zwei Großväter, auch Großmama und Großpapa oder Oma und Opa genannt, verniedlichend Omi und Opi:

Die Person ihrerseits ist ein Enkelkind (regional: Großkind) dieser Großeltern, zwischen ihnen liegt ein Abstand von 2 Generationen (kenntlich gemacht durch die Vorsilbe Groß-). Rechtlich gesehen sind Großeltern Verwandte zweiten Grades (zwei „vermittelnde Geburten“). Sobald eine Person eigene Kinder und Kindeskinder (Enkel) hat, ist sie selber ein Großelternteil. Die Großeltern werden in vater- und in mutterseitig unterschieden (patrilaterale und matrilaterale Verwandtschaft).

Alle Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel einer Person sind in direkter, „gerader Linie“ miteinander verwandt, weil die einen von den anderen biologisch abstammen (Blutsverwandtschaft), oder weil sie rechtlich anerkannt wurden (Adoption, Vaterschaftsanerkennung, Geburt nach fremder Eizellspende).

Neben den genetisch verwandten Großeltern gibt es auch Stiefgroßeltern und soziale Großeltern, beispielsweise die Pflegeeltern eines Elternteils, oder ein in Freundeskreis oder Nachbarschaft selbst ausgesuchter Nenn-Opa oder eine Nenn-Oma (Wahlverwandtschaft), oder eine berufliche „Leihoma“ als Betreuerin (siehe unten zur sozialen Großelternschaft). Ein Stiefgroßvater oder eine Stiefgroßmutter kann der Stiefelternteil eines Elternteils sein oder ein Elternteil eines Stiefelternteils oder ein Stiefelternteil eines Stiefelternteils.

Eine Person hat weniger als 4 Großeltern, wenn ihre Eltern (Halb-)Geschwister sind (siehe auch Geschwisterheirat, Ahnenschwund) – oder mehr als 4 im Falle einer Adoption, weil es dann neben den biologischen noch andere rechtliche Großeltern gibt.

Die Eltern der Großeltern sind die Urgroßeltern (siehe Generationsbezeichnungen), die Geschwister von Oma oder Opa sind Großtanten und Großonkel. Andere Kinder der vier Großeltern sind Onkel und Tanten, Geschwister der eigenen Eltern.

mini|hochkant=1.4| Abfolge von drei Generationen auf einer traditionellen Ahnentafel

Bezeichnungen mini|Die Sängerin Charmiane Neville mit ihrem Enkel (Konzert in New Orleans 2009)

Die Worte Großvater und Großmutter sind Entsprechungen zum französischen grand père und grand mère; sie haben die früheren Bezeichnungen Ahne, Ahnl oder Ähnl verdrängt, die im alpinen deutschen Sprachraum noch üblich sind. Im süddeutschen Sprachraum ist Omama und Opapa gebräuchlich, auf Luxemburgisch Boma und Bopa. Mit dem „O“ oder dem „A“ (Ä) als Abkürzung für ehemals alder, elder, older sind der „ältere“ Papa und die „ältere“ Mama gemeint.

Im Schweizerdeutschen waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Grossmueter und Grossvatter am gebräuchlichsten (Schweizer Schreibweise mit Doppel-s), im Bernbiet wurde der Großvater als Grosätti und Groosatt bezeichnet. Heute werden Grossmami oder Grosi und Grosspapi häufiger gebraucht als früher. Durch den Einfluss aus Deutschland sind Oma und Opa auf dem Vormarsch. In Graubünden und im Süden des Kantons St. Gallen, wo früher Rätoromanisch gesprochen wurde, werden nach wie vor die Großmütter als Aani oder Naani und die Großväter als Eni oder Neni bezeichnet.

Im Niederdeutschen sind auch die Bezeichnungen Ellermutter (Eldermutter) für die Großmutter sowie Eldervater für den Großvater üblich. Ellermutter wurde auch außerhalb des niederdeutschen Sprachraums durch das Grimmsche Märchen Der Teufel mit den drei goldenen Haaren bekannt.

In manchen Sprachen, beispielsweise dem Hochchinesischen, Dänischen und Schwedischen, gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für die Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits. In Dänemark und Schweden heißen die Mutter und der Vater der Mutter mormor (Muttermutter; Mutter der Mutter) bzw. morfar (Muttervater; Vater der Mutter), die Mutter und der Vater des Vaters farmor (Vatermutter; Mutter des Vaters) bzw. farfar (Vatervater; Vater des Vaters).

Soziale Großelternschaft

Die Benennung als Oma oder Opa benutzen Kinder bisweilen auch umgangssprachlich für nicht verwandte ältere Personen (Nenn-Oma oder Nenn-Opa als Wahlverwandtschaft). Eine „Leihoma“ ist eine ältere Frau, die gegen Bezahlung zeitweilig Kinder anderer Familien betreut und mit ihnen Aktivitäten ausübt, wie es normalerweise eine Großmutter tut (siehe auch Pflegeeltern); zu ihrer Vermittlung gibt es Leihoma-Agenturen. Die österreichische Fernsehserie Der Leihopa erzählte bereits in den 1980ern Geschichten einer Omaagentur. Vor allem für rein ehrenamtlich Tätige ist auch die Bezeichnung Patenoma/Patenopa (Patengroßeltern) verbreitet.

Soziale Rolle von Großeltern mini| Ein Landwirt mit seinem Enkelkind (Pro­pa­ganda­bild der DDR 1957, Bundesarchiv)

Untersuchungen zeigten verschiedene Formen der Großelternschaft auf, die vom Geschlecht der Großeltern, von der räumlichen Distanz, vom Alter der Enkelkinder, von Krisensituationen wie etwa einer Scheidung der Eltern sowie von der Einstellung der Eltern zu den Großeltern abhängen.

Engagement bei der Betreuung der Enkel Großeltern spielen bei der Erziehung und Beaufsichtigung der Enkel in vielen Kulturen eine wichtige Rolle. Da in den Industrienationen eine längere Lebenszeit von Individuen sowie ein Geburtenrückgang und damit ein zunehmender Anteil älterer Personen an der Gesamtbevölkerung zu beobachten ist, ist die Untersuchung der Rolle von Großeltern bei der Kindererziehung zunehmend von Interesse. Tendenziell bieten Großeltern mütterlicherseits größere Unterstützung, und ein geringer geografischer Abstand geht meist mit größerer Unterstützung durch die Großeltern einher. Mehrere Studien belegen eine positive Wirkung der Betreuung durch Großeltern auf den Spracherwerb der Enkel.

Großeltern leisten insbesondere in Krisenzeiten wie Arbeitslosigkeit, Unfällen oder chronischer Krankheit wichtige Unterstützung durch praktische Hilfe und emotionale Zuwendung. Stehen Eltern nicht mehr zur Erziehung ihrer Kinder zur Verfügung, sind unten den verwandten Pflegeeltern am häufigsten Großeltern zu finden.Ursula Adam, Tanja Mühling u. a.: Enkelkinderbetreuung. Facetten einer wichtigen intergenerationalen Leistung. Budrich, Opladen u. a. 2014, ISBN 978-3-8474-0179-7, S. 108. mini|links|Oma spielt mit ihrem Enkel Besonders Alleinerziehenden stehen Großeltern zur Seite. Daten des Survey of Health Ageing and Retirement 2010 aus 16 Staaten belegen, dass Alleinerziehende von ihren Eltern eine zeitlich intensivere Unterstützung bei der Kinderbetreuung erhalten als Elternpaare.Ursula Adam, Tanja Mühling u. a.: Enkelkinderbetreuung. Facetten einer wichtigen intergenerationalen Leistung. Budrich, Opladen u. a. 2014, ISBN 978-3-8474-0179-7, S. 192–193. Auch in der Unterstützung von Eltern behinderter Kinder gilt die Rolle der Großeltern als sehr wichtig. In Einzelfällen wird bezüglich der Großeltern von behinderten Kinder festgestellt, dass die Eltern den Einfluss der Großeltern als Einmischung oder als allzu große Besorgtheit empfinden oder meinen, die Großeltern würden den Schwierigkeiten der Eltern zu wenig Verständnis entgegenbringen. Die Gesellschaft biete Großeltern oft wenig Hilfe bei der Erfüllung ihrer Rolle.

Vorwiegend sind es Großeltern aus der Mittel- und Oberschicht, die sich in dieser Form als „aktive Großeltern“ engagieren.Ines Possemeyer: Enkel und Großeltern. In: GEO Magazin, 2, 2009, S. 127. Zitiert nach: Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts 2018 hängt die Häufigkeit des Kontakts zu den Eltern auch vom Alter und vom Familienstand ab: Jüngere Großeltern haben häufiger mindestens wöchentliche Kontakte zu ihren Enkeln als ältere (Großeltern im Alter von 40 bis 54 Jahren: 84 %; 55- bis 69-jährige Großeltern: 79 %; ältere: 61 %) und Großeltern in Paarbeziehungen sehen ihre Enkel häufiger als alleinstehende Großeltern, wobei dies vor allem auf Großväter zutrifft.

Deutschland Laut 2002 veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA), betreut fast jeder fünfte Deutsche im Alter zwischen 40 und 85 Jahren regelmäßig seine Enkelkinder. (Siehe hierzu auch: Elternhauserziehung in Deutschland#Elternhaussituation.)

Als Großelternzeit steht berufstätigen Großeltern unter bestimmten Umständen ein gesetzlicher Anspruch auf Arbeitsfreistellung zur Betreuung der Enkel zu.

Eine Betreuung durch Großeltern wird durch das Jugendamt nicht, oder nur eingeschränkt, unterstützt; die Kosten der Betreuung können aber samt Fahrtkosten unter Umständen steuerlich als Kinderbetreuungskosten geltend gemacht werden. Betreuen Großeltern (oder eine andere Person) ein Kind unter drei Jahren, das keine Tageseinrichtung besucht und nicht im Rahmen einer Kindertagespflege betreut wird, so haben die Eltern – innerhalb bestimmter zeitlicher Grenzen – Anspruch auf das Betreuungsgeld.

Innerhalb der Familie unterstützt die ältere Generation die nachfolgenden Generationen durch Betreuung der Enkel und durch Schenkungen.Martin Kohli: Alter und Altern der Gesellschaft, S. 11–24 in: S. Mau, N. Schöneck (Hrsg.): Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Springer VS, 2012. S. 20. In der Mittelschicht beteiligen sich Großeltern teils auch der Finanzierung der Bildung für ihre Enkel, etwa an den Kosten für Privatschulen, Auslandsaufenthalte oder Exzellenzuniversitäten.

Seit der Kindschaftsrechtsreform vom 1. Juli 1998 haben Großeltern aufgrund von BGB ein Recht auf Umgang mit den Enkelkindern, sofern gerichtlich festgestellt wird, dass dies dem Kindeswohl dient. Es wird davon ausgegangen, dass es gut und für das Kind förderlich ist, wenn bestehende zwischenmenschliche Beziehungen fortgesetzt werden, und es besteht eine gesetzliche Vermutung, dass der Umgang des Kinds mit den eigenen Eltern dem Kindeswohl dient. Diese Vermutung kann jedoch widerlegt sein, wenn das Kind aufgrund bestehender Konflikte zwischen Eltern und Großeltern in einen erheblichen Loyalitätskonflikt gerät. So stellte der BGH 2017 in einem Urteil fest: „Der Umgang der Großeltern mit dem Kind dient regelmäßig nicht seinem Wohl, wenn die – einen solchen Umgang ablehnenden – Eltern und die Großeltern so zerstritten sind, dass das Kind bei einem Umgang in einen Loyalitätskonflikt geriete“.BGH Urteil vom 12. Juli 2017 - XII ZB 350/16 Der Koalitionsvertrag für die 20. Legislaturperiode sieht vor, Kindern ein eigenes Recht auf Umgang mit den Großeltern und Geschwistern zu geben.

Schweiz Einer Umfrage aus der Schweiz zufolge liegt der Umfang des familiären Arbeitsvolumens von Großeltern bei ungefähr 100 Millionen Stunden jährlich und liegt damit deutlich über jenem aller Schweizer Primarlehrkräfte.„Grosselterliche Leistungen von erheblicher volkswirtschaftlich Bedeutung: das Arbeitsvolumen entspricht etwa dem Erwerbsvolumen der Post- und Fernmeldeberufe und liegt deutlich über jenem aller PrimarlehrerInnen in der Schweiz. Bewertet mit einem bescheidenen Stundensatz von 20 Franken ergibt sich ein Wert von 2 Mrd. Franken.“ Die Beziehungen sind geprägt durch „Kameradschaftlichkeit, gemeinsame emotional befriedigende Aktivitäten und freiwillige gegenseitige Hilfeleistungen“.

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