mini|Parade des Ku-Klux-Klans 1928 in Washington, D.C. mini|Brennendes Kreuz als markantes Symbol des Klans (2005) mini|hochkant|Brennendes Kreuz in Ohio (1987)
Der Ku-Klux-Klan (KKK, ) ist ein von Demokraten gegründeter rassistischer und gewalttätiger Geheimbund mit protestantisch-nationalistischen Wurzeln, der vor allem in den Südstaaten der USA aktiv ist. Der Klan bestand von 1865 bis 1871 und von 1915 bis 1944 als einheitliche Organisation. Seit 1950 existieren unter diesem Namen wieder mehrere voneinander unabhängige Gruppen.
Ziel des Klans war nach der Gründung am 24. Dezember 1865 vor allem die Unterdrückung der Schwarzen. Seine Gewalttaten richteten sich zunächst gegen Schwarze und deren Beschützer sowie gegen die zahlreichen ehemaligen Nordstaatler, die vom Wiederaufbau des Südens (Reconstruction) nach dem Sezessionskrieg profitieren wollten. Es handelte sich um eine paramilitärische Gruppierung, die versuchte, ihre politischen Ziele mit Terror und Gewalt zu erreichen, und die um 1870 aufgelöst wurde. 1915 wurde der Klan als eine nativistische Massenorganisation neu gegründet. Mit bis zu vier Millionen Mitgliedern (1924) verfolgte dieser Klan eine Politik weißer Vorherrschaft insbesondere gegenüber Afroamerikanern, aber auch einen militanten Antikatholizismus und Antisemitismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich verschiedene, voneinander unabhängige Gruppen als Ku-Klux-Klan, die verschiedene Gewaltakte, von verbalen Einschüchterungsmaßnahmen über diverse körperliche Angriffe bis hin zur Ermordung tatsächlicher oder vermeintlicher Vertreter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, verübten.
Die Mitglieder des Klans, dessen Namensherkunft nicht vollständig geklärt ist, nennen sich selbst Knights of the Ku Klux Klan (Ritter des Ku-Klux-Klans). Das klandestine, geheimpolitische Netz der Organisation ist bei Mitgliedern unter dem Namen Invisible Empire (Unsichtbares Reich) bekannt. Es gibt enge Verbindungen des Klans zu anderen rassistischen Gruppierungen wie der World Church of the Creator, einer Glaubensgemeinschaft, die in der Vergangenheit u. a. durch die Verbreitung rassistischer Computerspiele über das Internet aufgefallen ist. In Kanada, Australien und mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, gibt es Zweigorganisationen des Klans (siehe Liste von Ku-Klux-Klan-Organisationen).
Etymologie Der Name Ku-Klux-Klan kommt laut der gängigen Überlieferung von ,G. Ward Hubbs: Searching for Freedom After the Civil War: Klansman, Carpetbagger, Scalawag, and Freedman. University of Alabama Press, 2015, ISBN 978-0-8173-1860-4, S. 47 f. dem griechischen Wort für „Kreis“ – das entsprechende englische Wort circle kann auch für einen geheimen Zusammenschluss, einen Zirkel von Eingeweihten, stehen. Die Mitbegründer des Ku-Klux-Klans, Calvin Jones und Richard Reed, unterbreiteten während der dritten Zusammenkunft den anderen vier Mitgliedern diesen Namensvorschlag, woraufhin einer von ihnen die Idee äußerte, Ku-Klux als Bezeichnung zu wählen. Das Wort Klan wurde demnach hinzugefügt, da es zum einen nahelag, einen Zirkel derart zu bezeichnen, und es sich zum anderen um eine Alliteration handelte, weswegen es zudem mit K geschrieben wurde. Nach einer anderen These ist der Name Ku-Klux-Klan lautmalerisch dem Geräusch beim Spannen eines Gewehrhahnes nachempfunden. Andere Theorien sehen in der Namensgebung einen Bezug zur Geheimgesellschaft Seven Confederate Knights, die von konföderierten Häftlingen im Unionsgefängnis auf Johnson’s Island etabliert worden war, sowie zur Studentenverbindung Kuklos Adelphon, die 1812 an der University of North Carolina at Chapel Hill gegründet worden war. Eine weitere Erklärung, die erstmals von dem mit dem Klan sympathisierenden Autorenpaar Romine geäußert wurde, sieht in der Mayagottheit Kukulkan den Ursprung für den Begriff. Laut dieser Hypothese seien viele der Einwohner des Gründungsortes Pulaski in den 1840er Jahren während des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs mit Legenden zu Kukulkan als Lichtgott und erfolgreichem Bekämpfer der Dunkelheit in Verbindung gekommen, worin die späteren Klanmitglieder meinten, ihren eigenen Kampf gegen befreite Sklaven, Carpetbagger und Scalawags wiederzuerkennen.
Geschichte Reconstruction-Ära mini|Kostüme des Ku-Klux-Klans mini|hochkant|Kopfbedeckung des Ku-Klux-Klan im Levine Museum of the New South, North Carolina mini|hochkant|Kutte des Ku-Klux-Klan im Levine Museum of the New South, North Carolina
Gründung Der ursprüngliche Ku-Klux-Klan wurde am 24. Dezember 1865 in Pulaski, Tennessee, gegründet. Die Gründer waren sechs Offiziere der im Sezessionskrieg unterlegenen Konföderation: Calvin E. Jones, John B. Kennedy, Frank O. McCord, John C. Lester, Richard R. Reed und James R. Crowe.
Dieser ursprüngliche Klan hatte keine politische Zielsetzung. Eine politische Dimension bekam der Klan erst, als man erkannte, dass sich ehemalige Sklaven von den nächtlichen maskierten Ausritten der Klanmitglieder einschüchtern ließen. Schon bald erhielt der Klan Zustrom aus dem ganzen Süden der USA, da die Südstaatler die von den Nordstaaten eingeführte Gleichstellung und Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen nicht akzeptieren wollten.
Die erste Generation des Klans war, anders als die Nachfolgenden, nicht antisemitisch orientiert und nahm auch Juden als Mitglieder auf, darunter den Arzt und späteren Pionier der Hydrotherapie in Amerika Simon Baruch.Rosengarten, Dale (Hg.), Rosengarten Theodore (Hg.), A Portion of the People: Three Hundred Years of Southern Jewish Life, Columbia 2002, S. 34.
Bundeskongress in Nashville 1867 Den Gründungsmitgliedern entglitt bald die Führung des Klans. Um die zahlreichen Ortsgruppen als gemeinsame Organisation zusammenzufassen und unter einheitliche Führung zu stellen, organisierte man Anfang 1867 in Nashville, Tennessee, einen Bundeskongress des KKK. Auf dieser Versammlung gab man sich eine Verfassung und wählte den Ex-Südstaatengeneral Nathan Bedford Forrest zum ersten Großen Hexenmeister (Grand Wizard) des Ku-Klux-Klans. Forrests Macht war aber mehr symbolisch, da die einzelnen Klangruppen weiterhin unabhängig voneinander operierten. In jener Zeit hatte der Klan etwa eine halbe Million aktive Mitglieder und unzählige Sympathisanten im gesamten Süden.
mini|hochkant|Mississippi-Ku-Klux-Mitglieder, die im September 1871 festgenommen wurden
Jener Klan der Rekonstruktionszeit hinderte die Schwarzen an der Wahrnehmung und Ausübung ihrer damals neu erworbenen Bürgerrechte. Das geschah durch Einschüchterung, Brandstiftung, körperliche Gewalt, Entführung und Mord. Außerdem beinhalteten viele Übergriffe des Klans sexuelle Gewalt gegen Frauen.Andreas Riffel: The Invisible Empire - der Ku Klux Klan von 1866 bis 1871 als Geheimgesellschaft. In: Frank Jacob (Hrsg.): Geheimgesellschaften - Kulturhistorische Sozialstudien. Königshausen u. Neumann, Würzburg 2013, S. 237–274. Der Klan richtete sich jedoch nicht bloß gegen die ehemaligen Sklaven, Opfer des Klans wurden auch die sogenannten scalawags (englisch für ein im Wachstum zurückgebliebenes Tier, im Südstaaten-Slang Name für Kollaborateure mit den Yankees, Kriegsgewinnler und Bürgerrechtsaktivisten), Mitglieder der Republikanischen Partei sowie der United States Army und ihrer Administration (vgl. carpetbaggers).
Auflösung 1871 Nach Erlass der sogenannten Ku-Klux-Acts, einer Gesetzesreihe, die die Terrorakte im Süden eindämmen sollte, und einem gescheiterten Versuch der Bundesführung, über Nathan Bedford Forrest die Klan-Mitglieder zur Räson zu bringen, löste jener den Klan 1871 offiziell auf. Doch bei der Auflösung wurde klar, wie gering die tatsächliche Macht des Großen Hexenmeisters war: Nur in Arkansas und Tennessee wurde seinem Befehl Folge geleistet, vor allem in Alabama, Georgia, Mississippi, North- und South Carolina stieg das Ausmaß der Gewaltdelikte dagegen sogar an.
Politische Bedeutung und tatsächliches Ende Der Klan verschwand erst allmählich, jedoch nicht aufgrund öffentlichen Druckes, sondern weil er im Grunde genommen mit dem Ende der Reconstruction und dem Inkrafttreten der Jim-Crow-Gesetze seine politischen Ziele erreicht und sich damit selbst überholt hatte: 1874 hatten die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten, zwei Jahre später war ihre Alleinherrschaft im Süden im Zuge des Kompromiss von 1877, welcher den Abzug des Bundesheeres aus den letzten noch besetzten (und damit dem Zugriff der Bundesjustiz unterliegenden) Bundesstaaten vereinbarte, de facto wiederhergestellt. 1935 schrieb W. E. B. Du Bois in Black Reconstruction in America, die Idee des Jim-Crow-Amerika von der weißen Vorherrschaft könne als „Faschismus“ betrachtet werden. Trotz allem wird die tatsächliche politische Macht des KKK der Rekonstruktionszeit heute oft überschätzt. Er war niemals auch nur annähernd in der Lage, die Vorkriegszustände wiederherzustellen, weder auf politischem Weg noch auf der Basis von Terrorübergriffen.
Ab dem 20. Jahrhundert Neugründung 1915 Am 8. Februar 1915 hatte in Los Angeles D. W. Griffiths epischer Film Die Geburt einer Nation Premiere. Die auf dem Buch The Clansmen von Thomas Dixon basierende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges und der Rekonstruktionsära war ein großer Erfolg; im ersten Jahr besuchten eine Million Zuschauer den Film, bis 1932 spielte er zehn Millionen Dollar ein. Der Film war nicht nur für die damalige Zeit ungewöhnlich lang (Spieldauer über zwei Stunden, je nach Abspielgeschwindigkeit sogar über drei Stunden) und gilt – noch heute – als innovativer Meilenstein der Filmgeschichte, er machte sich auch in bisher in der Filmbranche nicht gekanntem Ausmaß moderne Strategien des Marketing zunutze. So wurde der Film im Weißen Haus gezeigt, nachdem Griffith seinen ehemaligen Kommilitonen von der Johns Hopkins University, Präsident Woodrow Wilson, entsprechend „bearbeitet“ hatte, und Griffith sogar eigens mit einer Vorführcrew aus Kalifornien angereist war. Anschließend wurde Wilson mit einer glühend positiven Kritik des Films zitiert, von welcher er sich später distanzierte und bestritt, diese Worte je geäußert zu haben. Auch die Proteste der National Association for the Advancement of Colored People gegen den plump rassistischen Film wurden eher noch als Marketing-Instrument verwendet.
Die Wirkung des Films auf die Bevölkerung war so enorm, dass sich der Hass auf Schwarze verstärkte und der Klan wieder eine breite Unterstützung in den Südstaaten bekam. Man war der Meinung, dass den schwarzen Bestien Einhalt geboten werden müsse. Allerdings war der Film nicht losgelöst von anderen gesellschaftlichen Trends zu betrachten – die US-Präsidentschaftswahl 1912 hatte der gebürtige Südstaatler und Befürworter der Rassentrennung Woodrow Wilson gewonnen und die Entrechtung der afroamerikanischen Bevölkerung der Südstaaten hatte 1890 bis 1908 in zehn der elf ehemaligen konföderierten Staaten Eingang in die Verfassung gefunden. 1896 wurde vom Supreme Court of the United States im Fall Plessy vs. Ferguson die Rassentrennung unter der Maßgabe „separate but equal“ („getrennt aber gleich“) erlaubt. Dazu kam, dass Booker T. Washington als Anführer der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung erpicht darauf war, offenen Konflikt mit der weißen Mehrheit zu vermeiden (Kompromiss von Atlanta) und konfrontativere Stimmen wie W. E. B. Du Bois öffentlich noch kaum Beachtung fanden. Im amerikanischen Diskurs wurde diese Ära ab Mitte der 1950er Jahre als Nadir of American race relations (deutsch: „Tiefpunkt der ethnischen Beziehungen“) bezeichnet. Der Begriff geht auf den afroamerikanischen Historiker Rayford Logan zurück und umfasst den Zeitraum von 1880 bis 1930.Andrew Joseph Pegoda: Nadir of American race relations. In Jeffrey A. Johnson (Hrsg.): Reforming America: A Thematic Encyclopedia and Document Collection of the Progressive Era. ABC-CLIO, Santa Barbara 2017, ISBN 978-1-4408-3720-3, S. 75–77; hier: S. 75f.