Kimi-Matias Räikkönen [] (* 17. Oktober 1979 in Espoo) ist ein ehemaliger finnischer Automobilrennfahrer. Er fuhr von 2001 bis 2009 sowie von 2012 bis 2021 in der Formel 1, sein größter Erfolg war der Gewinn des Weltmeistertitels im Jahr 2007 für Ferrari. Von 2020 bis 2022 hielt er den Rekord der meisten bestrittenen Rennen, zuletzt 349, bis er 2022 von Fernando Alonso überboten wurde. In diesen ging er bei 21 Rennen als Sieger hervor, zudem erzielte Räikkönen 46 schnellste Rennrunden.
In seiner Formel-1-Pause 2010/2011 fuhr Räikkönen in der Rallye-Weltmeisterschaft und bestritt dort insgesamt 21 Rallyes.
Räikkönen ist nicht zuletzt durch sein mediales Auftreten als zumeist schweigsamer, kühl wirkender und eher introvertierter Sportler bekannt; daher stammt auch sein Spitzname Iceman, den er sich selbst – z. B. als Tattoo auf seinem linken Unterarm und lackiert auf seinem Helm – zu eigen machte.
Karriere Kartsport (1988–1998) Räikkönen begann 1988 im Alter von neun Jahren mit dem Motorsport und startete zunächst im Kartsport in den finnischen Junioren-Klassen, wo er mehrere Siege einfuhr. 1991 gewann er die finnische Kartmeisterschaft der Minis, ein Jahr später gelang ihm dies in der Klasse Raket Junior. Sein erster großer Erfolg war 1994 der zweite Platz im finnischen Raket-Kart-Cup. 1995 gelang Räikkönen sein erster Sieg in der finnischen Kartmeisterschaft der Klasse A, die er 1997 und 1998 für sich entschied.
Formel Renault (1999–2000) Danach wechselte er in den Formelsport und startete 1999 bei vier Rennen der britischen Formel Renault. Die anschließende Winterserie der britischen Formel Renault beendete der Finne als Erster und startete im Jahr 2000 in der britischen Formel Renault, die er mit sieben von zehn gewonnenen Rennen für sich entschied. Nachdem Räikkönen in seinen beiden ersten Rennen im Formel Renault 2.0 Eurocup zwei Siege hatte verbuchen können, lud ihn Formel-1-Teamchef Peter Sauber, der noch eines seiner beiden Cockpits für die Saison 2001 zu besetzen hatte, im Winter 2000/01 zu Testfahrten nach Mugello ein. Räikkönen, der bisher bei 23 Monoposto-Rennen gestartet war, ließ dabei erfahrenere Mitbewerber um das Formel-1-Cockpit hinter sich. Kurze Zeit später verkündete das Sauber-Team die offizielle Verpflichtung Räikkönens für die Saison 2001, was für großes öffentliches Erstaunen sorgte. Sauber wurde für seine Risikobereitschaft heftig kritisiert und die FIA gestand dem jungen Finnen die Superlizenz zunächst nur für vier Rennen auf Probe zu.
Formel 1 (2001–2009) Sauber (2001) Räikkönens Formel-1-Karriere begann damit beim Großen Preis von Australien am 4. März 2001 auf dem Albert Park Circuit in Melbourne. Er erzielte gleich in seinem ersten Rennen als Sechster eine Platzierung in den Punkterängen. Räikkönen beendete seine erste Formel-1-Saison mit insgesamt neun Punkten als Zehnter der Gesamtwertung und trug zum besten Teamergebnis in der Geschichte des Sauber-Teams bei, das mit 21 Punkten Platz vier der Konstrukteure erreichte.
Räikkönens Debütsaison war zugleich die letzte des zweifachen finnischen Weltmeisters Mika Häkkinen, der ihn bei seinem Arbeitgeber McLaren als seinen Nachfolger empfahl. Das britische Team ging auf die Empfehlung ein und kaufte Räikkönen aus seinem Sauber-Vertrag heraus, um ihn für die Saison 2002 an der Seite David Coulthards verpflichten zu können. Damit zog man Räikkönen seinem Teamkollegen Nick Heidfeld vor, der bereits seit einigen Jahren von McLaren unterstützt worden war.
McLaren (2002–2006) 2002 hochkant|mini|links|McLaren-Pilot Räikkönen, 2002 In seinem ersten Rennen für das McLaren-Team errang Räikkönen als Dritter seinen ersten Podest-Platz und fuhr seine erste schnellste Rennrunde. Im weiteren Verlauf der Saison schieden beide McLaren-Piloten häufig durch technische Defekte aus, in Frankreich gewann Räikkönen jedoch beinahe sein erstes Rennen. Kurz vor Schluss lag er vor Weltmeister Michael Schumacher in Führung, rutschte jedoch in der Adelaide-Haarnadel auf einem Ölfleck aus und musste Schumacher passieren lassen. Am Saisonende war er mit 24 Punkten Sechster der Fahrerweltmeisterschaft – direkt hinter seinem Teamkollegen Coulthard mit 41 Punkten.
2003 In die Saison 2003 gingen Räikkönen und McLaren wenig optimistisch, da das Team mit einer Weiterentwicklung des Vorjahresmodells antreten musste und bereits 2002 im Kampf um Platz zwei der Konstrukteursweltmeisterschaft von Williams überholt worden war. Doch Räikkönen gewann bereits beim zweiten Lauf in Malaysia auf dem Sepang International Circuit sein erstes Formel-1-Rennen. Auch beim anschließenden chaotischen Regenrennen zwei Wochen später in Brasilien wurde Räikkönen nach dem Rennabbruch in der 54. Runde zunächst als Sieger gewertet und gefeiert. Später musste die Rennleitung jedoch einen Fehler eingestehen und Räikkönen verlor seinen Sieg an den zunächst zweitplatzierten Giancarlo Fisichella im Jordan. Die Tendenz der unerwarteten Wettbewerbsfähigkeit bestätigte sich allerdings auch im weiteren Verlauf der Saison, an deren Ende Räikkönen zwar keinen weiteren Sieg hatte verbuchen können, aber dennoch mit insgesamt zehn Podestplatzierungen und nur zwei Punkten Rückstand überraschend Vizeweltmeister hinter Ferrari-Pilot Michael Schumacher wurde. Dabei hatte Räikkönen bis zum letzten Rennen Chancen auf den Titelgewinn.
2004 In der Saison 2004 litt der McLaren MP4-19 unter Kühlungsproblemen. Räikkönen und Coulthard schieden durch zahlreiche Motorschäden und andere technische Defekte aus. Erst mit der verbesserten Version, dem MP4-19B, folgten weitere Podestplätze sowie Räikkönens zweiter Grand-Prix-Sieg in Belgien. Räikkönen wurde 2004 mit 45 Punkten Siebter der Fahrerweltmeisterschaft und das McLaren-Team mit 69 Punkten Fünfter in der Konstrukteursmeisterschaft. Damit lag Räikkönen erneut vor seinem Teamkollegen Coulthard, der McLaren zum Ende der Saison verließ.
2005 mini|Vize-Weltmeister 2005 im McLaren MP4-20 Mercedes 3.0 V10 In der Saison 2005 zeigte sich der neue McLaren MP4-20 im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert. Räikkönen ließ seinem neuen Teamkollegen Juan Pablo Montoya im internen Fahrerduell keine Chance, musste sich jedoch dem späteren Weltmeister Fernando Alonso im Renault geschlagen geben. Räikkönen hatte zwar mit seinem MP4-20 das schnellste Fahrzeug der Saison 2005, das allerdings im Gegensatz zum Renault nach wie vor Probleme mit der Zuverlässigkeit hatte. So schied Räikkönen in drei Rennen der Saison in Führung liegend wegen technischer Defekte aus – beim Großen Preis von Europa sogar in der letzten Runde, nachdem seine Radaufhängung als Folge eines Bremsplatten gebrochen war. Weitere Rennen beendete er nach Strafversetzungen in der Startaufstellung, die er wegen Motorschäden erhalten hatte, nach Aufholjagden nur mit den Plätzen zwei bis vier.
In Japan startete Räikkönen von Startplatz 17, überholte Gegner wie Michael Schumacher und Alonso und in der letzten Runde den bis dahin führenden Fisichella und gewann das Rennen. Räikkönen wurde in der Endabrechnung zum zweiten Mal Vizeweltmeister und hatte dabei 21 Punkte Rückstand auf Alonso, der wie Räikkönen sieben Siege errungen hatte.
2006 hochkant|mini|links|Räikkönen bei Testfahrten im MP4-21 von 2006 Für die Saison 2006 stand Räikkönen weiterhin bei McLaren unter Vertrag und war wie im Vorjahr schneller als sein Teamkollege Montoya. Nachdem Montoya und Räikkönen beim Großen Preis der USA bereits in der zweiten Kurve kollidiert und ausgeschieden waren, verließ der Kolumbianer überraschend das Team und wechselte in die amerikanische NASCAR-Serie. Räikkönens neuer Teamkollege wurde der bisherige Testpilot Pedro de la Rosa, der Montoya verletzungsbedingt schon einmal im Vorjahr vertreten hatte.
Räikkönen kam sechsmal aufs Podium, fuhr dreimal auf die Pole-Position, gewann aber kein Rennen. Beim Großen Preis von Monaco musste er an zweiter Stelle liegend mit defektem Hitzeschild aufgeben, in Ungarn kollidierte er in Führung liegend beim Überrunden mit Vitantonio Liuzzi und beim Großen Preis von Kanada brachten ihn zwei verpatzte Boxenstopps um die Siegchance. Auch in China lag er auf dem zweiten Platz, bis ein Elektronikdefekt sein Rennen beendete. Sein Saisonhöhepunkt blieb das erste Rennen in Bahrain, wo er vom 22. und letzten Startplatz noch auf den dritten Platz vorfuhr. Er wurde am Saisonende Fünfter der Fahrerweltmeisterschaft mit 65 Punkten. Für McLaren war es die erste sieglose Saison seit 1996.
Beim Großen Preis von Italien in Monza wurde offiziell bekannt gegeben, dass Räikkönen in der Saison 2007 der Nachfolger von Michael Schumacher bei Ferrari werden und ein Jahresgehalt von rund 22 Millionen Euro verdienen soll. Sein neuer Teamkollege wurde der Brasilianer Felipe Massa. Schon am Anfang seiner McLaren-Mercedes-Ära wurden immer wieder Wechselgerüchte zu Ferrari von der Presse eingeräumt, die sich aber erst im Spätsommer 2006 bestätigten. Räikkönens Platz bei McLaren nahm Alonso ein, neuer Teamkollege des damaligen Weltmeisters wurde der damalige GP2-Meister Lewis Hamilton.
Ferrari (2007–2009) 2007 mini|hochkant|Sieg in Silverstone: Ferrari-Pilot Räikkönen, 2007 Seinen ersten Sieg für Ferrari feierte Räikkönen gleich beim ersten Rennen 2007 in Australien, nachdem er im Qualifying die Pole-Position erreicht hatte. Er ist der erste Ferrari-Fahrer seit Nigel Mansell, der bei seinem ersten Rennen für die Scuderia gewann, und der erste Fahrer seit Juan Manuel Fangio im Jahr 1956, der in diesem von der Pole-Position gestartet ist. Beim zweiten Rennen in Malaysia wurde Räikkönen hinter Alonso und Hamilton Dritter. Beim Großen Preis von Bahrain wurde er ebenfalls Dritter und in Spanien fiel er nach einem Kabelbruch an der Lichtmaschine aus. In Monaco erreichte er den achten Platz, da er sich im zweiten Qualifying einen Fahrfehler leistete und von Platz 16 starten musste. Bei den Nordamerikarennen fuhr er den fünften Platz in Kanada und Platz vier beim Rennen in Indianapolis ein. Beim Großen Preis von Frankreich gewann Räikkönen vor seinem Teamkollegen Massa. In Silverstone beim Großen Preis von Großbritannien gewann er erneut und feierte damit seinen dritten Saisonsieg. Es war das fünfte Mal in Folge, dass Räikkönen in Silverstone auf dem Podium stand.
Beim Europa-Grand-Prix auf dem Nürburgring schied er an dritter Stelle liegend aus, nachdem er im Qualifying die Pole-Position geholt hatte. Beim Großen Preis von Ungarn lieferte er sich ein das ganze Rennen andauerndes Duell mit Hamilton und wurde 0,715 Sekunden hinter dem McLaren-Piloten Zweiter. Beim Großen Preis der Türkei wurde er erneut Zweiter, knapp hinter seinem Teamkollegen Massa. Bei seinem ersten Italien-Grand-Prix für Ferrari wurde er Dritter, nachdem er im Qualifikationstraining einen Unfall mit 300 km/h unverletzt überstanden hatte und das Rennen mit dem Ersatzauto hatte bestreiten müssen. Beim Großen Preis von Belgien holte Räikkönen seinen vierten Saisonsieg. In Fuji fuhr er nach einem äußerst schwierigen Rennen mit vielen Unfällen auf Platz drei. Da Hamilton das Rennen gewann und seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 17 Punkte gegenüber Räikkönen ausbaute, wurden dem Finnen nur noch theoretische Chancen auf den Weltmeistertitel eingeräumt. Beim 16. WM-Lauf in China erzielte Räikkönen seinen fünften Saisonsieg. Mit diesem Ergebnis vermochte er seinen Rückstand auf den WM-Führenden Lewis Hamilton – von dessen Ausfall er profitierte – bei noch einem ausstehenden Rennen auf sieben Punkte zu verkürzen.
mini|links|Weltmeister im Ferrari F2007