mini|Stadelheimer Straße 12 mini|Wachturm der JVA München (Stadelheimer Straße)

mini|Frauenabteilung und Jugendarrestanstalt, Schwarzenbergstraße 14

Die Justizvollzugsanstalt München (umgangssprachlich meist Stadelheim genannt) in der Stadelheimer Straße im Münchner Stadtteil Giesing gehört mit 14 ha Nutzfläche zu den größten Justizvollzugsanstalten in Deutschland.

Zahlen Es existieren fünf Gebäude (Nord-, Süd-, West-, Ostbau und Bauteil „N“), inklusive der offenen Vollzugsanstalt in der Leonrodstraße. Sie besitzen eine Gesamtkapazität von 1379 Haftplätzen, die in Notständen auf 2100 erweitert werden kann. Die höchste Auslastung der JVA-Gebäude bestand am 9. November 1993 mit 1969 Gefangenen. In Stadelheim werden größtenteils männliche Gefangene und junge Untersuchungsgefangene inhaftiert. Hinzu kommen der Jugendarrest mit 59 Plätzen, die Frauenabteilung und die mittlerweile geschlossene JVA Neudeck, die zusammen weitere 159 Gefangene aufnehmen konnten. Im Jahr 2001 betrug die durchschnittliche Belegung 1581 Inhaftierte und lag damit deutlich oberhalb der regulären, gesetzlich zugelassenen Häftlingskapazität. Im Jahr 2001 waren 596 Personen in der JVA Stadelheim beschäftigt, davon 506 Beamte und 90 Angestellte. Außerdem gibt es eine Kirche auf dem Gefängnisgelände. Der Tageshaft-Kostensatz pro Inhaftiertem betrug 2018 insgesamt 107,79 Euro. Pro Jahr finden bis zu drei Hochzeiten statt. Die durchschnittliche Verweildauer über alle Haftarten beträgt 101 Tage. Eine Einzelzelle ist etwa acht Quadratmeter groß. Im Raum befindet sich ein Bett, ein Schrank, ein Tisch, ein Regal, ein Waschbecken, ein Fernseher und in den meisten Bauteilen eine abgetrennte Toilette.

Außenstellen Der Jugend- und Frauenstrafvollzug findet seit 2009 in einem Neubau, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptgelände statt. Dort stehen Haftplätze für 150 Frauen, 46 männliche und 14 weibliche Jugendliche zur Verfügung. Das Gebäude, das im Rahmen des Public-Private-Partnership errichtet und betrieben wird (Auftrag für Planung, Bau, Finanzierung, Betrieb und die Unterhaltung der Ver- und Entsorgungsanlagen einschließlich der Energielieferung ist/war Aufgabe der privatwirtschaftlichen Vertragspartner). 3. b) Neubauvorhaben. Aufgerufen am 13. Februar 2011. Die Einweihung fand am 26. Mai 2009 statt. Einweihung JVA München (PDF; 47 kB). Aufgerufen am 13. Februar 2011. Grundstückseigentümer des großen Areals (Stadelheimer Straße 4 bis 6, ca. 8.850 m²) ist seit 8. Dezember 1994 der Freistaat Bayern (zuvor Bundeseigentum). Justizvollzugsanstalt München, Kurzbeschreibung. Aufgerufen am 13. Februar 2011. Für den Vollzug von Freigängern gibt es eine Außenstelle in der Leonrodstraße mit 20 Plätzen.Justizvollzug in Bayern:

Bis 2009 war der Strafvollzug für Frauen und Jugendliche in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Neudeck im Stadtteil Au untergebracht.

Geschichte Die dauernde Überbelegung der Münchner Gefängnisse Anger, Baaderstraße und Lilienberg sowie bauliche Mängel führten 1892 zu Überlegungen zur Errichtung eines neuen Zentralgefängnisses. So entstand 1894 auf dem ehemaligen Gut Stadelheimhttps://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/orte/1219009.html der sogenannte Nordbau als erster Bauabschnitt für 465 Gefangene. Sieben Jahre später, 1901, eröffnete der Südbau. Die erste Hinrichtung wurde am 26. April 1895 ausgeführt. Beide Bauten stehen heute unter Denkmalschutz. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Ernst Pöhner Gefängnisleiter; er wurde am 3. Mai 1919 zum Polizeipräsidenten von München ernannt.

Es wurden in München-Stadelheim mindestens 1049 Gefangene hingerichtet, wovon nur 13 auf die Zeit zwischen 1895 und 1927 entfallen, darunter Eugen Leviné († 1919). Der Großteil der Hinrichtungen wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 ausgeführt, als Stadelheim zusammen mit dem Untersuchungsgefängnis Stuttgart und dem Zuchthaus Bruchsal als „zentrale Hinrichtungsstätte für den Vollstreckungsbezirk VIII“ vorgesehen war; als zuständiger Scharfrichter fungierte Johann Reichhart. Unter den mindestens 1035 Getöteten dieser Zeit waren unter anderem Ernst Röhm († 1934) und die Mitglieder der Weißen Rose († 1943). Die hingerichteten Personen wurden teilweise auf dem benachbarten Friedhof am Perlacher Forst beerdigt.

Bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik Anfang Mai 1919 kam es im Gefängnis Stadelheim zu zahlreichen widerrechtlichen Tötungen durch die siegreiche weiße Soldateska. Nach dem Zeugnis von Ernst Toller, der in Stadelheim inhaftiert wurde, stand am Gefängnistor in weißer Kreideschrift zu lesen: „Hier wird aus Spartakistenblut Blut- und Leberwurst gemacht, hier werden die Roten kostenlos zu Tode befördert.“Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland, Rowohlt Taschenbuch Verlag (Reinbek) 1963, S. 126.

Eine Besonderheit ist, dass Kurt Eisner, sein Mörder Anton Graf von Arco auf Valley, Adolf Hitler und Ernst Röhm zu unterschiedlichen Zeiten alle in derselben Gefängniszelle (Zelle Nr. 474) eingesessen haben. Röhm wurde in dieser Zelle am Abend des 1. Juli 1934 ermordet.Winfried Martini: "Zelle 474", in: Der Monat 9 (Juni 1957), S. 180ff; Heinz Höhne: Mordsache Röhm. Hitlers Durchbruch zur totalen Macht, 1984, S. 294.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich hier ein Arbeitslager.

Trivia Ein „Stadelheimer“ ist in der Umgangssprache von München und Umgebung ein Vorbestrafter. Die JVA wird scherzhaft auch „Sankt Adelheim/St. Adelheim“ genannt.Stichwort St. Adelheim in: bayrisches-woerterbuch.de.Justizvollzugsanstalt Stadelheim, Abschnitt Historische Mauern, in: muenchen.de – das offizielle Stadtportal.

Besondere Vorkommnisse alternativtext=Eingangsbereich|mini|Eingangsbereich Am 22. August 1986 nahm ein Häftling einen Rechtsanwalt als Geisel, der im Besprechungszimmer der JVA auf einen Mandanten wartete. Der Anwalt konnte befreit werden, wurde jedoch durch eine selbstgebastelte Bombe des Geiselnehmers verletzt. Aufgrund ungenügender Sicherheitsmaßnahmen in der JVA erhielt er ein Schmerzensgeld vom Freistaat Bayern.

In einem Innenhof der JVA Stadelheim wurde 2010 eine kurze Szene der Folge Die Heilige der Fernseh-Kriminalreihe Tatort gedreht.

Am 17. Januar 2014 wurde die Gefängnispsychologin Kerstin S. wegen sexuellen Missbrauchs von Häftlingen und besonders schwerer Bestechlichkeit vom Amtsgericht München zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Gedenkstätte alternativtext=Gedenktafeln zur NS-Zeit vor dem Haupteingang|mini|Gedenktafeln zur NS-Zeit vor dem Haupteingang Eine Gedenkstätte für die Mitglieder der Weißen Rose, gestaltet durch den Bildhauer Wilhelm Breitsameter, wurde 1974 errichtet und kann von Gruppen nach Anmeldung besucht werden. Am 65. Jahrestag der Hinrichtung (22. Februar 2008) von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst in Stadelheim wurde die Gedenkstätte erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.Claudia Wessel: Ort des Terrors – Ort des Erinnerns. In: SZ vom 25. Februar 2008.

Mahnmal außerhalb der Mauern Seit dem 24. Juli 2020 erinnern drei Gedenktafeln vor der JVA Stadelheim an das Schicksal der Menschen, die während der NS-Zeit dort inhaftiert waren. Die Gedenksteine sollen an die 1.188 Menschen erinnern, die zwischen 1934 und 1945 hinter den Gefängnismauern hingerichtet wurden, seit Bestehen der JVA Stadelheim wurden insgesamt 1.399 Menschen hingerichtet. Auf Anregung der Stadt München sollte auch außerhalb der Mauern für die Bevölkerung ein Mahnmal geschaffen werden. Stadelheim sei eine der zentralen Hinrichtungsstätten des Deutschen Reiches gewesen.Susi Wimmer: Mahnmal außerhalb der Mauern. SZ.de, 24. Juli 2020 (abgerufen am 25. Juli 2020) Das Mahnmal außerhalb der Mauern wurde auf Anregung der Tochter des im Strafgefängnis München-Stadelheim inhaftierten Widerstandskämpfers Karl Delbeck initiiert und vom Bayerischen Justizministerium realisiert.

Lagerung der Guillotine Die Guillotine, mit der zwischen 1933 und 1945 die Häftlinge in der JVA Stadelheim hingerichtet wurden, galt lange als verschollen, bis Recherchen der „Bayernchronik“ und der „Abendschau“ des Bayerischen Rundfunks (BR) ergaben, dass sich das Fallbeil seit 1974 im Depot des Bayerischen Nationalmuseums befindet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Guillotine zuerst nach Straubing und dann in die JVA Regensburg gebracht worden. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach sich dagegen aus, die Guillotine in eine „beliebige Ausstellung“ zu integrieren.

In der Populärkultur Stadelheim kommt in dem Lied Schickeria der Spider Murphy Gang vor.

Prominente Insassen

Bis 1933 Anton Graf von Arco auf Valley (1897–1945), der Mörder Kurt Eisners Kurt Eisner (1867–1919), nach dem Januarstreik 1918 verhaftet, ab Sommer bis zum 14. Oktober 1918 in Stadelheim Adolf Hitler (1889–1945), vom 24. Juni bis 27. Juli 1922 wegen Landfriedensbruchs über einen Monat inhaftiert in Zelle 70, in der zuvor schon Kurt Eisner einsaß. Gustav Landauer (1870–1919), am 2. Mai 1919 hingerichtet Sonja Lerch (1882–1918), nach dem Januarstreik 1918 verhaftet, Suizid am 29. März 1918 Eugen Leviné (1883–1919), am 5. Juni 1919 hingerichtet Konrad Lotter, Anführer des Lotter-Putsches, war von Februar 1919 bis Anfang Mai 1919 inhaftiert Ludwig Quidde (1858–1941), am 20. Januar 1896 der versuchten Majestätsbeleidigung beschuldigt und zu drei Monaten Haft verurteilt Ludwig Thoma (1867–1921), 1906 eine sechswöchige Haftstrafe wegen Beleidigung der Sittlichkeitsvereine Ernst Toller (1893–1939), Schriftsteller und Dramatiker, Politiker und linkssozialistischer Revolutionär, inhaftiert 1919–1924

1933 bis 1945 Franz Amberger (1887–1943), österreichischer Widerstandskämpfer, am 12. Februar 1943 hingerichtet Franz Aschenberger (1898–1943), österreichischer Widerstandskämpfer, am 11. Mai 1943 hingerichtet Josef Axinger (1871–1944), deutsch-österreichischer Widerstandskämpfer (SPÖ), am 3. August 1944 hingerichtet Max Bär (1903–1944), österreichischer Widerstandskämpfer, am 24. Februar 1944 hingerichtet Franz Baumgartner (1917–1944), österreichischer Kriegsdienstverweigerer, am 19. Mai 1944 hingerichtet Karl Biack (1900–1944), österreichischer römisch-katholischer Polizeijurist, am 7. November 1944 hingerichtet Otto Binder (1904–1944), Mitglied der Hartwimmer-Olschewski-Gruppe, am 28. Juni 1944 hingerichtet Alois Brunner (1907–1943), österreichischer Widerstandskämpfer, Mitglied von Neu Beginnen, am 9. September 1943 hingerichtet Josefine Brunner (1909–1943), österreichische Widerstandskämpferin, am 9. September 1943 hingerichtet Viktor da Pont (1896–1944), österreichisches Mitglied der Uhrig-Römer-Gruppe, am 3. August 1944 hingerichtet Jules Fremont, Mitglied der Ceux de la Libération (CDLL), am 21. September 1943 hingerichtet Hermann Frieb (Neu Beginnen) (1909–1943), am 12. August 1943 hingerichtet René Gallais, Mitglied der Ceux de la Libération (CDLL), am 21. September 1943 hingerichtet Heinrich Gittler (1915–1943), österreichischer Widerstandskämpfer (KPÖ), am 15. Juli 1943 hingerichtet Johann Graber (1918–1944), österreichischer Soldat und Widerstandskämpfer, am 18. Februar 1944 hingerichtet Willi Graf (Weiße Rose) (1918–1943), am 12. Oktober 1943 hingerichtet Georg Gruber (1915–1944), österreichisches Mitglied der Uhrig-Römer-Gruppe, am 30. Juni 1944 hingerichtet Hans Haberl (1924–2016), Mitglied der Vierergruppe München, am 1. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit Ludwig Haiden, Alfred Höchstätter (1902–1944) und Josef Postl, österreichische Widerstandskämpfer, am 25. Januar 1944 hingerichtet Josef Haidinger (1898–1943), österreichischer Widerstandskämpfer, am 11. Mai 1943 hingerichtet Rudolf Hartl (1909–1943), österreichische Widerstandskämpfer (SPÖ), am 30. Juli 1943 hingerichtet Hans Hartwimmer, Mitglied der Hartwimmer-Olschewski-Gruppe, am 31. Oktober 1944 hingerichtet Hans Hayn (1896–1934), wegen Beteiligung am Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 erschossen