Proveis ([]; italienisch: Proves) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Südtirol am Deutschnonsberg westlich von Bozen auf

Geographie mini|links|Blick auf Proveis Die Gemeinde Proveis befindet sich im Nonstal, genauer am Deutschnonsberg, wie der deutschsprachige Bereich des Tals genannt wird. Zusammen mit der Nachbargemeinde Laurein ragt Proveis als Südtiroler Sporn in das ansonsten italienischsprachige und größtenteils zum Trentino gehörende Nonstal hinein. Das Gemeindegebiet befindet sich im obersten Talabschnitt, wo das Hofmahdjoch () einen Übergang ins Ultental vermittelt. Das kleine Dorfzentrum liegt auf Höhe an der Südabdachung des Ilmenkamms der Ortler-Alpen. Dort erreicht das Gemeindegebiet an der Hochwart () seinen höchsten Punkt.

Geschichte Proveis wird 1274 als in Provesso, 1328 als in montanea Provesi, 1332 als de Provexio und 1524 als Proveis erwähnt.Einzelnachweise bei Hannes Obermair: Nonsberger Regesten. Das Archiv Unterweg-Perger in Proveis (1274–1777). In: «Der Schlern», Band 66 (1992), S. 587–600, Nr. 1, 3 und 4. Dazu Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Band 1, Bozen: Athesia, 1995, S. 337.

Ab 1850 wirkte in Proveis als kirchlicher Kooperator der aus dem Nachbardorf Laurein gebürtige Franz Xaver Mitterer, Exponent des „Deutschen Schutzvereins“.Allgemeine Deutsche Biographie, Band 52, 1906, S. 418–421.

Proveis gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam das Dorf 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Proveis wie auch die anderen Dörfer des Deutschnonsbergs der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen, wo es der Gemeinde Rumo zugeordnet wurde. Erst 1948 wurde Proveis als nun wieder eigenständige Gemeinde in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.Legge cost. n. 5 del 26/02/1948 (italienisch)

Bis 1998, als ein Tunnel unter dem Hofmahdjoch in das Ultental eröffnet wurde, waren Proveis und Laurein vom übrigen Südtirol aus für den Kraftverkehr nur über Trentiner Territorium erreichbar.

Politik Bürgermeister Bürgermeister seit 1952: Peter Pichler: 1952–1956 Engelbert Dallasega: 1956–1960 Josef Malleier: 1960–1969 Franz Mitterer: 1969–1985 Robert Gamper: 1985–1995 Sebastian Mairhofer: 1995–2010 Ulrich Gamper: seit 2010

Wappen Wappenbeschreibung; In Blau ein schwarzer Birkhahn auf goldenem Helmkissen mit Kleeblattecken.

Bevölkerung Proveis ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Deutsch 98,70 % 95,90 % 97,84 % 97,71 % 97,45 % Italienisch 1,30 % 3,75 % 2,16 % 2,29 % 2,55 % Ladinisch 0,00 % 0,34 % 0,00 % 0,00 % 0,00 %

Sehenswürdigkeiten und Bildung

Öffentliche Schule In der Gemeinde gibt es eine Grundschule für die deutsche Sprachgruppe.

Spitzenklöppelschule In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ergriff Franz Mitterer Maßnahmen gegen die kargen Lebensverhältnisse und gründete eine Klöppelschule für Mädchen sowie eine Korbflechtschule für Burschen als neue Einkommensquellen und Nebenverdienst für die lokale Bevölkerung. Die von Mitterer 1873 eingerichtete Klöppelschule wurde 1875 aufgelöst und 1876 als „Kaiserlich und königliche Spitzenarbeits-Schule“ neu eröffnet und entwickelte sich zu einer zur damaligen Zeit weitum bekannten, in Reiseführern empfohlenen und einflussreichen k. k. Fachschule. Proveis war beispielgebend für weitere in den Folgejahren vom Unterrichtsministerium teils direkt ins Leben gerufene, teils von diesem subventionierte Filialen: in Malé (1879), Lusern (1882/83), Dol-Otlica (1885), Predazzo (1885), Flitsch (1887), Calavino (1890, 1895 nach Tione verlegt), Cles (1891), Čepovan (1891) und Prettau (privat initiiert, ab 1894 staatlich subventioniert). Die am stärksten besuchte Schule war in Proveis (51 Schülerinnen). Nachdem die letzte Klöppellehrerin in den 1960er Jahren geheiratet hatte, schlossen sich die Tore der Klöppelschule. Seit 1996 wird das Handwerk von einer Verwandten der letzten Lehrerin wieder betrieben und auch in der Nachbargemeinde Ulten erneut in einer öffentlich geförderten Schule unterrichtet.

Literatur Klaus Altenstetter: Die Siedlungs- und Agrarverhältnisse von Laurein, Proveis und Rumo am Nonsberg (= Schlern-Schriften. Band 252). Innsbruck, Wagner 1968. Karin Valorz: Proveis 1949–1999: die sozioökonomische Entwicklung einer Berggemeinde am Deutschnonsberg. Brixen 1999 (Digitalisat).

Weblinks

Gemeinde Proveis

Einzelnachweise

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