mini|296px|Ortsansicht Leutesdorf mini|Leutesdorf mini|Wahrzeichen von Leutesdorf ist das Zolltor mit dem barocken Rundturm

Leutesdorf ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Hönningen an.

Geographie Leutesdorf liegt unmittelbar nordwestlich des Neuwieder Beckens am rechten Ufer des Mittelrheins gegenüber der Stadt Andernach an den Hängen des Rheinischen Schiefergebirges. Die Ortschaft erstreckt sich auf einem höchstens etwa 500 m breiten Abschnitt und verjüngt sich gemeinsam mit dem Rheintal nach Süden hin. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rhein-Westerwald. Der im Rheintal gelegene Westen wird naturräumlich zur Andernacher Pforte gezählt und der gesamte Norden zum Rhein-Wied-Rücken. Dort erreicht es mit nahe der nördlichen Grenze seinen höchsten Punkt. Zu Leutesdorf gehören die Wohnplätze Haus Haselberg, Hubertusburg, Jakobshof, Kloster Johannesburg, Marienburg und Windhausen. Die Marienburg und das Kloster Johannesburg liegen jedoch innerhalb des Ortes. Im Norden liegt die Rheininsel Hammersteiner Werth, deren südlicher Teil zum Gemeindegebiet gehört.

Regelmäßig werden Teile des Orts bei Hochwasser überschwemmt. Davon ist das Unterdorf besonders stark betroffen. Zeitweise steht das Wasser dann in der ersten Etage der direkt am Rhein gelegenen Häuser. Leutesdorf ist das älteste und größte Weindorf am unteren Mittelrhein. Bereits im 6. Jahrhundert wurde hier an den Hängen des Rheins Wein angebaut. Bekannt ist Leutesdorf auch wegen seines Brombeerweines.

Geschichte Ortsgeschichte 588 erster Nachweis für Weinbau in Leutesdorf: Venantius Fortunatus erwähnt die Rebhänge von Leutesdorf in seinem Reisegedicht De navigio suo (Über seine Schiffsreise) über seine Moselfahrt von Metz nach Andernach mit dem Franken­könig Childebert II.Venantius Fortunatus, Carmen X 9 (ed. Friedrich Leo, MGH Auctores Antiquissimi 4.1, Berlin 1881, S. 242–244.), hier Verse 63–67 (ed. Leo S. 243). Deutsche Übersetzung und reichhaltiger Kommentar bei Paul Dräger: Zwei Moselfahrten des Venantius Fortunatus (carmina 6,8 und 10,9). In: Kurtrierisches Jahrbuch, Band 39, Trier 1999, S. 67–88, hier besonders S. 81 und 83–87. am 1. Juli 868 wurde Leutesdorf erstmals urkundlich unter dem Namen „Liuduuinesthorp“ erwähnt, nämlich als König Ludwig der Deutsche den Fronhof in Leutesdorf an die Fürstabtei Herford in Westfalen schenkte.Regesta imperii, Urkunde Ludwigs des Deutschen von 868; auf: (9. August 2013). Vom 13. Jahrhundert bis zum Ende der männlichen Erbfolge um 1460 starker Einfluss der Vögte von Leutesdorf. 1419 kam Leutesdorf nach dem Aussterben der Hammersteiner Burggrafen an das kurtrierische Amt Hammerstein. 1543 kam der Fronhof in Besitz des Klosters Marienstatt. 1597 wurde Leutesdorf Mitglied der Linzer Union. 1618 wurde die Zenn (der Zehnthof) durch den kurtrierischen Schultheiß Kuno Schmitz erbaut. Er diente u. a. den Trierer Kurfürsten als Wohnsitz bei ihren Jagdaufenthalten. Im Dreißigjährigen Krieg erhielt Leutesdorf eine Zollstätte; das 1638 erbaute Zolltor besteht noch heute und dient als Wohnhaus. 1646/47 Bau der Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz (auf Initiative von Johannes Rieden). In der Krypta gibt es eine Nachbildung des Heiligen Grabes. 1750 Bau der Marienburg am Rheinufer durch den kurtrierischen Hofrat Ernst Anton Sohler. 1803 gelangte Leutesdorf in den Besitz des Fürsten von Nassau-Usingen und gehörte von 1806 an zum Herzogtum Nassau. 1810 wurde der Fronhof privates Weingut. Ab 1815 gehörte Leutesdorf zur preußischen Rheinprovinz.

Der Ortsname wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von „Liuduuinesthorp“ und „Liudwinesthorp“ (Volksfreunddorf) 868 über „Ludesdorp“ (1333) zu „Leudesdorf“ (1665). Seit Ende des 19. Jahrhunderts heißt der Ort Leutesdorf. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch (1993: 80 %).

Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Leutesdorf, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.200 1835 1.390 1871 1.598 1905 1.800 1939 2.042 1950 2.432 1961 2.396 Jahr Einwohner 1970 2.311 1987 2.047 1997 2.005 2005 1.904 2011 1.860 2017 1.739

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Leutesdorf besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Gesamt 2024 5 11 16 Sitze 2019 7 9 16 Sitze 2014 6 10 16 Sitze 2009 6 10 16 Sitze 2004 4 12 16 Sitze

Bürgermeister Markus Konitzer (CDU) wurde am 8. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Leutesdorf. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 68,8 % gegen seinen Vorgänger durchgesetzt.

Konitzers Vorgänger Heinz-Willi Heisterkamp (SPD) hatte das Amt am 19. August 2019 von Volker Berg (CDU) übernommen, der nach zehn Jahren im Amt nicht erneut kandidiert hatte.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Unter dem Namen Weinkul-Tour wurde 2003 in Leutesdorf ein 3,2 km langer Wanderweg mit 33 Thementafeln zum Thema Wein eingerichtet, der aus einem Weinlehrpfad aus dem Jahr 1989 hervorging.

Museum mini|Geräte für den Weinbau Seit dem 15. Mai 2011 befindet sich ein kleines Dorfmuseum in einer zum Gemeindezentrum umgebauten ehemaligen Schnapsbrennerei in der Nähe des Rheins. Es bietet einen guten Einblick in die Geschichte des Weinanbaus und zeigt viele Gerätschaften und Dokumente aus vergangener Zeit und auch Einblicke in die Arbeiten der heute noch bestehenden 14 Nachbarschaften.

Nachbarschaften mini|Rheinstrasse in Leutesdorf, 2023 In Leutesdorf gibt es 14 Nachbarschaften, wie sie auch in vielen Orten am Mittelrhein zu finden sind. Die Ursprünge reichen bis in das Mittelalter. Namentlich genannte Nachbarschaften sind durch ihre Nachbarschaftsbücher aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. In Leutesdorf sind diese Bücher meist jüngeren Datums, es sind aber Vorgängerbücher vermerkt, die verbrannt oder unbrauchbar geworden sind. Die Nachbarschaften benannten sich nach Straßen, Kirchen, Heiligenhäuschen oder in neuerer Zeit nach Gemarkungen. In den Büchern werden Geburten, Todesfälle, Katastrophen oder andere Vorkommnisse im Dorf festgehalten.

Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke um 1870 kam es zu Neugründungen von Nachbarschaften oberhalb der Bahnlinie. Die letzte Neugründung ist die Nachbarschaft „Hochkreuz“ 1991.

Die Aufgaben der Nachbarschaften sind in den Satzungen festgehalten. Dazu gehörten früher unter anderem die Hilfe bei Katastrophen, Geburt, Sterbefällen, das Waschen der Toten, Anfertigen des Totenhemdes, Gestellung von Sargträgern. Manche Nachbarschaften hatten auch eigene Kleidervorschriften.

Der Vorstand einer Nachbarschaft ist der „Amtmann“, ihm zur Seite stehen Beisitzer, Schriftführer und Kassenwart.

Klosterhöfe und Klöster mini|Fronhof am Rheinufer Der älteste Klosterhof ist ein Fronhof, dessen Ursprünge lückenlos bis in das 9. Jahrhundert nachgewiesen sind.

Der Fronhof war bis in das 16. Jahrhundert Verwaltungszentrum für 30 Hofstellen am Rhein und im Westerwald, die überwiegend den für das Stift Herford auch aus liturgischen Gründen wichtigen Wein herstellten. Heute stehen auf dem Grundstück das mit seiner Barockfassade dem Rhein zugewandte im Kern romanische Haupthaus das alte Kelter- und das Vogtshaus, deren dendrochronologische Datierung vorerst bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht. Unter dem Mauerputz an der Rheinseite liegen drei Biforienfenster; das ehemalige Erdgeschoss mit vier Eingangstoren wurde in der Marienstätter Zeit zum Kellergeschoss und nachdem im 18. Jh. mehrere Hochwasser eine Renovierung notwendig machten, mit Bauschutt vom Abbruch des Dachgeschosses verfüllt und in der Sockelzone verstärkt. In allen Häusern und im Hof finden seit der Restaurierung 1980 verschiedene Veranstaltungen mit internationalen Kunstausstellungen, Konzerten, Vorträgen, Tanztheater und Performances statt. Da sich ein Weihwasserbecken in Würfelkapitellform im Hof bei Kanalarbeiten fand, sollte die Nutzung als frühmittelalterliche Eigenkirche „duas casas dominicatas cum ecclesias“, wie es in der Schenkungsurkunde Ludwigs des Deutschen an die Fürstabtei Herford heißt, weiter untersucht werden. Im mitgenannten „Aruemberge in angeresgowe gelegen“ hat sich die Kirche erhalten, trotz Besitzerwechsel an Kurtrier. Eine Schatzsage zum Fronhof ist aufgezeichnet. mini|Die Zinn oder Zehnthof Die Zinn (Zenn oder Zehnthof) wurde Anfang des Dreißigjährigen Krieges vom kurtrierischen Schultheiß Kuno Schmitz erbaut. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde der Gebäudekomplex 2013 bis 2015 zur Jugendherberge Kloster Leutesdorf umgebaut.JH Leutesdorf auf diejugendherbergen.de, abgerufen am 15. Februar 2023. mini|Christkönigshaus Weitere klösterliche Einrichtungen sind das Christkönigshaus – Mutterhaus der Johannesmissionare und die Johannesburg – Mutterhaus der Johannesschwestern. Das Christkönigshaus steht neben der Heilig-Kreuz-Kirche und die Johannesburg in der Bungert-Allee. Der Nonnenhof, erstmals erwähnt 1138, gehörte zur Abtei Sankt Thomas in Andernach. Heute ist er renoviert und befindet sich in Privatbesitz.

Zolltor mini|links|Hochwassermarken am Zolltor

Das Zolltor wurde 1547 erbaut. 1690 wurde es vom kurtrierischen Hofbaumeister Johann Christoph Sebastiani im Barockstil umgestaltet.

Der Leutesdorfer Zoll wird erstmals am 24. Januar 1309 erwähnt. Kaiser Heinrich VII. überließ dem Aachener Geldverleiher Bartholomäus den Leutesdorfer Zoll zur Begleichung seiner Schulden. Im April 1309 kaufte er ihn wieder zurück. Nach dem Tod Heinrichs 1313 wird vereinbart, dass der Kölner Erzbischof jährlich 200 Pfund Turonenser Königsgroschen als Entschädigung für den von ihm angerichteten Schaden am Leutesdorfer Zoll zu entrichten hat.

Von da an finden sich 300 Jahre lang keine geschichtlichen Eintragungen mehr über den Leutesdorfer Zoll. Im Jahr 1616 wird in Hammerstein ein neuer Zoll errichtet, der wird aber wegen des Dreißigjährigen Krieges nach Leutesdorf verlegt. Erstmals 1638 tauchen in Taufbüchern wieder Leutesdorfer Zöllner auf. Ende 1688 war der Zoll nicht mehr besetzt. 1690 lässt der Kurfürst das Zollgebäude instand setzen, was mehrere Rechnungen belegen.

Dass die Zöllner sehr wohlhabend gewesen sein müssen, beweisen die vier herrschaftlichen Häuser, die sich an das Zolltor nordwärts anschließen. Sie tragen in Mauerankern die Zahlen 1687, 1770 und 1780. Die Zöllner, Beseher und Nachgänger erbauten sie auf eigene Rechnung und sie gingen bei ihrem Tod auf die Nachfolger über. 1805 wurde der Leutesdorfer Zoll aufgehoben.

Heute, nach einer aufwändigen Renovierung, ist das Zolltor bewohnt. Bei den Renovierungsarbeiten wurde im Keller eine gusseiserne Ofenplatte mit dem Wappen des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck gefunden. Auf der Südseite sind Hochwassermarken aus verschiedenen Jahrhunderten. Neben dem Schlussstein ist eine kleine Statue des Dorfheiligen Sankt Laurentius.

Weitere Bauwerke mini|links|Marienburg Rheinansicht mini|hochkant|Pfarrkirche St. Laurentius

Zu den Sehenswürdigkeiten von Leutesdorf zählt die gesamte Rheinfront. Geht man von Süden kommend durch die August-Bungert-Allee, die von alten Platanen gesäumt wird, kommt man an dem mit ionischen Stilelementen verzierten Bungert-Haus vorbei. Gleich daneben ist die Johannesburg. Sie ist das Mutterhaus des Ordens der Johannesschwestern von Maria Königin. Daran anschließend ist das Hotel Leyscher Hof mit seiner wunderschönen Rheinterrasse. Geht man jetzt weiter durch das Zolltor von 1638, gelangt man in die Rheinstraße, wo alte Fachwerkhäuser und ehemalige Klosterhöfe stehen. Bekannt ist die Rheinfront aus der Fernsehserie MS Franziska.

Die am Ortsende Richtung Hammerstein stehende Wallfahrtskirche Heiligkreuz mit der Nachbildung des Heiligen Grabes und der nahe liegenden Ölbergkapelle mit dem Grab von Johannes Haw ist ebenfalls sehenswert.