mini|Mario Adorf auf der Berlinale 2019 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=1|Unterschrift Mario Adorf Mario Adorf (* 8. September 1930 in Zürich; † 8. April 2026 in Paris) war ein deutscher Schauspieler, Hörbuch- und Hörspielsprecher, Synchronsprecher sowie Autor. Insgesamt umfasst sein filmisches Schaffen mehr als 220 Film- und Fernsehproduktionen zwischen 1954 und 2023; daneben war Adorf auch ein profilierter Theaterschauspieler und schrieb mehrere Bücher.
Seinen Durchbruch hatte er 1957 mit dem Kriminalfilm Nachts, wenn der Teufel kam in der Rolle des von den Nationalsozialisten fälschlich zum Serienmörder erklärten Bruno Lüdke. In den 1960er Jahren spielte er in Winnetou, einigen Italowestern und weiteren internationalen Produktionen. Im Kino des Neuen Deutschen Films in den 1970er und 1980er Jahren trat er unter Regie von Volker Schlöndorff im Oscar-Gewinner Die Blechtrommel und in Die verlorene Ehre der Katharina Blum auf sowie unter Rainer Werner Fassbinder in Lola. 1997 spielte er eine Hauptrolle in Helmut Dietls Gesellschaftskomödie Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief, mit 3,2 Millionen Kinozuschauern der erfolgreichste deutsche Film des Jahres. Der Produzent Dieter Wedel besetzte ihn in den 1990er/2000er Jahren in Hauptrollen in mehreren TV-Mehrteilern, die hohe Einschaltquoten erreichten: Der große Bellheim, Der Schattenmann und Die Affäre Semmeling.
Leben Herkunft und Ausbildung Mario Adorf wurde in Zürich geboren, dem Geburtsort seiner Mutter, der Deutschen Alice Adorf (1905–1998). Seine Mutter wurde drei Monate nach seiner Geburt aus der Schweiz ausgewiesen und zog nach Mayen in der Eifel, woher ihr Vater stammte und wo sie als Kind gelebt hatte. Mario Adorfs Vater, den er erst mit 21 Jahren kennenlernte, war der Chirurg Matteo Menniti, der in Siderno in Süditalien eine Klinik leitete. Die Mutter, die als Röntgenassistentin in der Klinik gearbeitet und eine Liebesbeziehung mit ihm unterhalten hatte, war hochschwanger aus Italien in die Schweiz geflohen, um ihr Kind nicht in staatliche Obhut geben zu müssen. Nach der Ausweisung aus der Schweiz und dem Umzug nach Deutschland wuchs Mario Adorf in Mayen auf, wo seine Mutter als Näherin und Schneiderin arbeitete.
Als Adorf drei Jahre alt war, gab seine Mutter ihn in das örtliche Kinderheim der Borromäerinnen, da es ihr an Geld und Wohnraum mangelte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Heim geschlossen, und Adorf kehrte zur Mutter zurück. Er besuchte den Kindergarten der Borromäerinnen, die Volksschule und das städtische Realgymnasium in Mayen. Er war Mitglied der Hitlerjugend, besuchte 1944 einen Wehrertüchtigungslehrgang an der NS-Führerschule Erich Niejahr in Hermeskeil und wurde Anfang 1945 zum Volkssturm eingezogen. Nach dem Abitur studierte er ab 1950 Geisteswissenschaften (Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literaturwissenschaft, Historische Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft) an der Universität Mainz und betätigte sich in seiner Freizeit in einer studentischen Boxstaffel und auf einer Studentenbühne, wo er erste schauspielerische Erfahrung sammeln konnte. Daneben arbeitete er unter anderem als Eisenflechter und -bieger bei der Errichtung eines neuen Werkes der Schott AG, um sein Studium zu finanzieren. Adorf zog 1953 zur Fortsetzung des Studiums nach Zürich und arbeitete dort als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus. Er brach das Studium ab und absolvierte von 1953 bis 1956 eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München.Mario Adorf beim Deutschen Filmhaus, abgerufen am 9. April 2026.
Privates mini|Monique Faye und Mario Adorf, 2017 Mario Adorfs erste Ehefrau war die Schauspielerin Lis Verhoeven (1931–2019). Aus dieser Beziehung stammt die Tochter Stella Maria Adorf (* 1963), ebenfalls Schauspielerin. In zweiter Ehe war er seit 1985 bis zu seinem Tod mit Monique Faye verheiratet, die er 1968 an ihrem Geburtsort Saint-Tropez über die mit ihr befreundete Schauspielerin Brigitte Bardot kennengelernt hatte.
Adorf lebte in Campione d’Italia, später in München, Paris und Saint-Tropez. Auf die Frage, was er an seiner Wahlheimat Rom schätzt, wo er jahrzehntelang wohnte, antwortete Adorf in dem Dokumentarfilm Es hätte schlimmer kommen können in Bezug auf die 1960er Jahre: „Meine Vergangenheit. Das war natürlich damals diese Dolce-Vita-Zeit, sowohl vom Leben her, ein sehr leichtes Leben, wo man sehr gut leben konnte, mit wenig Geld auch. Eine sehr gut gelaunte Zeit auch.“
Auf die Frage nach seiner Identität antwortete Adorf, er fühle sich als „halber Italiener“. Es habe ihn in den Süden gezogen, und er habe „immer Italiener“ sein wollen. Er habe dann aber gemerkt, dass alles, was ihn an Italien interessierte, vor allem die Kunst, ihn nicht aus einem italienischen, sondern aus einem deutschen Lebensgefühl heraus interessiert habe. Zuletzt hob er öfter seine Wurzeln in der Eifel und in der rheinischen Mundart hervor.Mittagsecho, WDR-Hörfunk, 9. April 2026.In memoriam Mario Adorf, Wh. eines Interviews vom 5. Okt. 2015. Ö1, Im Gespräch mit Renata Schmidtkunz.https://oe1.orf.at/player/20260409/828736/1775761261000
Mario Adorf starb am 8. April 2026 nach kurzer Krankheit im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung. Am 2. Mai 2026 fand in der Münchner St. Michaelskirche eine Trauerfeier für ihn statt, an der unter anderem Senta Berger, Uschi Glas, Iris Berben, Axel Milberg, Veronica Ferres, Lilly Krug, David Dietl und Günter Netzer teilnahmen. Er wurde auf dem Meeresfriedhof in Saint-Tropez beigesetzt.
Karriere Adorf trat ab 1954 an den Münchner Kammerspielen auf und hatte dort von 1955 bis 1962 ein festes Engagement. Nach kleineren Filmrollen wurde er durch seine Darstellung des vom NS-Regime zum Serienmörder erklärten Bruno Lüdke in Nachts, wenn der Teufel kam einem größeren Kinopublikum bekannt., Die Zeit 28. August 2021 Rückblickend kritisierte Adorf, dass aus dem Film eine aus seiner Sicht zentrale Szene herausgeschnitten worden sei, die die Verbrechen der Filmfigur mit dem nationalsozialistischen Vernichtungsprogramm hätte konfrontieren können. Zu seinen frühen Filmrollen gehörten auch der Zuhälter in Das Mädchen Rosemarie (1958) und der Schachweltmeister in Schachnovelle (1960).
Auf lange Zeit war Adorf auf „Schurkenrollen“ festgelegt. So übernahm er in Winnetou – 1. Teil (1963) den Part von Winnetous bösartigem Gegenspieler Santer, der Winnetous Schwester Nscho-tschi (Marie Versini) erschießt. In einem Interview erklärte Adorf noch im Jahr 2013, bis heute würden ihn Menschen auf diese Rolle ansprechen und sagen, dass sie ihm diese „Missetat“ lange nicht verziehen hätten. In: Focus Online, 5. Dezember 2013, abgerufen am 9. April 2026. In der Kriminalkomödie Die Herren mit der weißen Weste (1970) gab er den Ganoven Bruno „Dandy“ Stiegler.
mini|hochkant=0.85|Mario Adorf, 1971 Nach Schurkenstücken und Komödien fand Adorf auch im Jungen Deutschen Film, dessen Regisseure die Repräsentanten des älteren deutschen Kinos zumeist ablehnten, seinen Platz und bewies dort erneut sein Talent im Charakterfach – etwa als zwielichtiger Kommissar in Die verlorene Ehre der Katharina Blum, Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinrich Böll (mit Angela Winkler in der weiblichen Titelrolle), und als Vater Matzerath in Schlöndorffs Günter-Grass-Verfilmung Die Blechtrommel (wiederum mit Winkler sowie mit David Bennent und Katharina Thalbach). 1978 war Adorf in dem politischen Episodenfilm Deutschland im Herbst zu sehen, und in einer ersten – unvollendeten und nie veröffentlichten – Fassung von Werner Herzogs Filmepos Fitzcarraldo übernahm er 1981 eine Hauptrolle neben Jason Robards und Mick Jagger. In dem im selben Jahr erschienenen Film Lola von Rainer Werner Fassbinder spielte er den Baulöwen Schuckert (an der Seite von Barbara Sukowa in der Titelrolle). In der Verfilmung des Jugendbuches Momo von Michael Ende war Adorf 1986 an der Seite von Radost Bokel der Maurer Nicola.
Erfolg hatte Adorf auch im internationalen Kino. Dort arbeitete er neben zahlreichen italienischen Produktionen – darunter das Filmdrama Die Ermordung Matteottis, in dem er 1973 den faschistischen Diktator Mussolini verkörperte – beispielsweise mit den Regisseuren Billy Wilder (Fedora, 1978), Claude Chabrol (Stille Tage in Clichy, 1990) und Bille August (Fräulein Smillas Gespür für Schnee, 1997). Sein schauspielerisches Repertoire drückte sich meist in Charakteren aus, die zwischen raubeinigen Knechten und Ganoven und eleganten Mafiosi oder Signori angesiedelt sind. Zu den markanten Arbeiten dieser Phase gehörte auch Roland Klicks Neo-Western Deadlock (1970), in dem Adorf einen knorrigen Einsiedler spielt.
Im deutschen Fernsehen spielte Adorf 1986 in einer Folge der Satire-Serie Kir Royal den Kölner Unternehmer Haffenloher und ließ in dieser Nebenrolle bereits ein neues Image erkennen, das ab den späten 1980er Jahren prägend für ihn wurde: die Figur des Patriarchen. Einen solchen stellte er wieder 1991 in Ex und hopp – Ein böses Spiel um Liebe, Geld und Bier dar, und der Regisseur Dieter Wedel besetzte ihn in mehreren TV-Mehrteilern, Der große Bellheim (1992), Der Schattenmann (1995) und Die Affäre Semmeling (2002), die allesamt hohe Einschaltquoten erzielten, jeweils in einer diesem Figurentypus entsprechenden Hauptrolle. 1997 war er der Besitzer eines Münchener Schickeria-Restaurants im erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres (3,2 Millionen Zuschauer), Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (nach einem Drehbuch von Helmut Dietl und Patrick Süskind, mit renommierten Darstellern wie Hannelore Hoger und Gudrun Landgrebe, aber auch mit zahlreichen jungen, die am Anfang ihrer Karriere standen, darunter Veronika Ferres, Joachim Król, Jan Josef Liefers, Martina Gedeck und Meret Becker). Ab Dezember 1996 war Adorf in der Titelrolle der Sat.1-Krimireihe Tresko als Kunstsachverständiger Joachim „Jo“ Tresko zu sehen, dessen Figur er und der Autor Peter Zingler zusammen entwickelten. Anfang 1997 beendete Adorf die Reihe, um sich um seine kranke Mutter kümmern zu können. Mehr als ein Jahrzehnt später stand er noch einmal als Der letzte Patriarch, als der norddeutsche Marzipanfabrikant Konrad Hansen, für ein zweiteiliges Familiendrama, das 2010 zu seinem 80. Geburtstag in der ARD gesendet wurde, in Hamburg, Lübeck, Schanghai und Singapur vor der Kamera, an seiner Seite Hannelore Elsner und Ursula Karven. Warum er diese Rolle übernommen hat, erklärte er so: „Hansen ist ein charmanter Kotzbrocken, der ganz schön hart sein kann. Aber er erkennt seine Fehler und lernt daraus. Das hat die Rolle für mich so interessant gemacht.“, rbb-online.de, 6. Juni 2020
mini|hochkant=0.85|Mario Adorf, 2005
Adorf bekannte im Jahr 2010, es sei sein größter Wunsch, in einer Verfilmung des Lebens von Karl Marx die Hauptrolle zu übernehmen. 2018 spielte er dann Marx in dem ZDF-Doku-Drama Karl Marx – der deutsche Prophet.
Im Jahr 2003 war Adorf ein Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie. 2007 gehörte er unter dem Vorsitz des US-amerikanischen Filmemachers Paul Schrader zur Jury der internationalen Filmfestspiele von Berlin. In: news.de (Abgerufen am 8. September 2010.)
Seit 2018 verleihen die Stadt Worms und die Nibelungenfestspiele Worms den Mario-Adorf-Preis, der an Schauspieler, Bühnenbildner, Regisseure oder andere Mitglieder der Nibelungenfestspiele geht, die sich durch außergewöhnliche künstlerische Leistung hervorheben. Adorf selbst gehörte zum Kuratorium der Festspiele und war Mitglied der Jury. Er initiierte 2002 die Festspiele und wirkte 2002 und 2003 als Schauspieler daran mit.