mini|Cesare Pavese Cesare Pavese (* 9. September 1908 in Santo Stefano Belbo; † 27. August 1950 in Turin) war ein italienischer Schriftsteller, Übersetzer und Vertreter des Neorealismus.Pavese. In: dtv-Lexikon. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, Band 16, S. 329.

Leben

Cesare Pavese war der Sohn des Justizbeamtens Eugenio PaveseCesare Pavese: Der Teufel auf de Hügeln. Fischer, Frankfurt am Main 1988, biografischer Hinweis, S. 2. und wuchs als Kind in Santo Stefano Belbo, einem kleinen Dorf der Langhe (Provinz Cuneo), auf. Cesares Schwester Maria war sechs Jahre älter.Paul Huber: Gefangen im Kerker des eigenen Ich. (PDF; 9,4 MB) In: National-Zeitung am Wochenende. Nr. 341 vom 1. November 1975, S. 1 und 6, abgerufen am 29. Dezember 2025. Der Vater starb 1914 an einem Hirntumor. Wegen einer Erkrankung seiner Schwester konnte Cesare nicht die Grundschule in Turin beginnen, sondern ging ein Jahr lang in S. Stefano zur Schule. Danach absolvierte er die Grundschule im Turiner Privatinstitut Trombetta auf der Via Garibaldi.Davide Lajolo: Kadenz des Leidens. Leben und Werk des Cesare Pavese. Claassen, Hamburg 1964, S. 15.

Den Großteil der Jugendzeit verbrachte Pavese in Turin, wo er am Liceo Massimo d’Azeglio das Abitur ablegte. Am Liceo begegnete er Augusto Monti, seinem Lehrer und späteren Freund. Durch diese Verbindung gewann Pavese früh Kontakte zu antifaschistischen Kreisen und lernte u. a. Leone Ginzburg, Piero Gobetti und Giulio Einaudi kennen.

Ab 1927 studierte Pavese Anglistik in Turin. Das Studium beendete er 1930 mit einer Promotion über den amerikanischen Dichter Walt Whitman.Nachwort von Klaus Bochmann. In: Cesare Pavese: Die Verbannung. Verlag Volk und Welt, Ost-Berlin 1972, S. 134. Danach begann eine intensive Phase schriftstellerischer und übersetzerischer Tätigkeiten. Seit 1930 schrieb Pavese Beiträge über die amerikanische Literatur für die Zeitschrift La Cultura. 1934 übernahm er die Stelle von Ginzburg in der Redaktion von La Cultura, da dieser und weitere Mitglieder der antifaschistischen Gruppe Giustizia e Libertà verhaftet worden waren.

Von 1928 bis 1935 entstanden die Gedichte, die 1936 unter dem Titel Lavorare stanca erschienen. Pavese war Mitglied der faschistischen Partei, da er sich davon Hilfe bei einer angestrebten Karriere im Schuldienst erwartete.Steffen Richter: „Macht nicht zu viel Aufhebens“ Die Welt, 6. September 2008, abgerufen am 15. April 2021 Weil er eine Frau deckte, die unter seiner Adresse Post von Widerständlern erhielt, wurde er 1935 für einige Monate nach Brancaleone in Kalabrien verbannt. In dieser Zeit begann er mit dem literarischen Tagebuch Das Handwerk des Lebens (Il mestiere di vivere), das er bis zu seinem Tod fortführte. Seit 1938 arbeitete Pavese in einer festen Anstellung für das Turiner Verlagshaus Einaudi und übernahm 1943 die Leitung der römischen Filiale des Verlags.

Während des Zweiten Weltkrieges lebte Pavese bei der Familie seiner Schwester auf dem Land. Er schloss mit dem jungen Schriftsteller Italo Calvino Freundschaft und war der erste, der als verantwortlicher Lektor dessen Werke las. Später bezeichnete der inzwischen berühmte Calvino ihn als „meinen idealen Leser“. Nach dem Krieg zog Pavese zunächst nach Serralunga di Crea, später nach Rom, Mailand und schließlich nach Turin. Pavese gewann 1950 den Literaturpreis Premio Strega für Der schöne Sommer (La bella estate). In einfühlsamen Erzählungen und Kurzromanen hat er unter anderem die dörfliche Welt Piemonts beschrieben. Pavese übersetzte während des Krieges Nietzsches Der Wille zur Macht.

In der Nachkriegszeit trat Pavese 1945 der Kommunistischen Partei Italiens bei.

In der Nacht vom 27. zum 28. August 1950 nahm sich Cesare Pavese in einem Hotelzimmer in Turin mit Barbituraten das Leben.

Werk

Cesare Pavese blieb zeitlebens dem Schauplatz seiner Kindheit, dem Ort Santo Stefano Belbo, verbunden, was sich in seinem Werk an der Dialektik von Kindheit und Erwachsenwerden sowie Land- und Stadtleben nachvollziehen lässt. Diese Motive sowie der Aspekt, dass sich für Pavese die Heimat als eine angeborene, ursprüngliche Identität darstellt, prägen sein Leben und Werk wesentlich. Im Roman Paesi tuoi (1941), das erste bedeutende Erzählwerk Paveses, wird der für Pavese typische Zusammenstoß von Stadt und Land thematisiert, der bereits in der Gedichtsammlung Lavorare stanca (1936) auftauchte. Kontrastiert wird von ihm das naturnahe Landleben und das in der Stadt, was angsterregend und anstrengend erscheint. Das Ländliche wird dabei mit Symbolen einer archaischen und mythischen Welt ausgestattet. Il diavolo sulle colline veranschaulicht das Stadt- und Landleben anhand dreier Jugendlicher, die in den Milieus und Landschaften Turins erwachsen werden.

Ein weiterer Aspekt seines Werks ist die problematische Beziehung zu Frauen: Pavese empfindet die Beziehung zu Frauen und das gemeinsame Leben mit ihnen nach mehreren enttäuschenden Erlebnissen als zunehmend unerträglich und zeichnet diese Empfindung und sein Frauenbild in seinen Erzählungen und Romanen nach. Exemplarisch für die Unmöglichkeit des menschlichen Zusammenlebens steht die Erzählung Viaggio di nozze (Hochzeitsreise). Gegenstand der Erzählung ist das problematische Verhältnis eines jungen Ehepaares, bei dem es dem Mann nicht gelingt, sich aus seiner egozentrischen Isolierung einen Weg zu seiner Frau zu bahnen. Bezeichnend dafür ist ein Satz aus Paveses Tagebuch, geschrieben im September 1946: „Sie sind ein feindliches Volk, die Frauen – wie das deutsche Volk.“ Pavese hielt sich selbst für 'potenzkrank'.Vgl. die Einträge vom 27.09.37 und 25.12.37 in Paveses Tagebüchern "Il Mestiere di vivere", Turin 1990.

Zitate

Auszeichnungen 1950: Premio Strega

Veröffentlichungen mini|Cesare Paveses Unterschrift Prosa Paesi tuoi. Roman. Einaudi, Turin 1941. Deutsche Ausgabe: Der Genosse. Unter Bauern. Am Strand. Aus dem Italienischen von Arianna Giachi. Claassen, Hamburg und Düsseldorf 1970, ISBN 3-546-47391-4. La Spiaggia. Erzählung. Lettre d’oggio, Rom 1942. Deutsche Ausgabe: Der Genosse. Unter Bauern. Am Strand. Aus dem Italienischen von Arianna Giachi. Claassen, Hamburg und Düsseldorf 1970, ISBN 3-546-47391-4. Feria d’agosto. Erzählungen. Einaudi, Turin 1945. Il compagno. Roman. Einaudi, Turin 1947. Deutsche Ausgabe: Der Genosse. Aus dem Italienischen von Arianna Giachi. Claassen, Hamburg und Düsseldorf 1970, ISBN 3-546-47391-4. Rezension.Arne-Wigand Baganz: Der Genosse. In: versalia.de, abgerufen am 3. Januar 2026. Dialoghi con Leucò. 27 Dialoge. Einaudi, Turin 1947. Deutsche Ausgabe: Gespräche mit Leuko. Aus dem Italienischen übersetzt von Catharina Gelpke. Mit einer Einführung von Alessandro Pellegrini. Claassen, Hamburg 1958, Rezension.Arne-Wigand Baganz: Gespräche mit Leuko. In: versalia.de, abgerufen am 3. Januar 2026. Prima che il gallo canti. Zwei Erzählungen. Einaudi, Turin 1948, Rezension. Erste Erzählung: Il carcere. Geschrieben vom 27. November 1938 bis 16. April 1939. Deutsche Ausgabe: Die Verbannung. Aus dem Italienischen übersetzt von Arianna Giachi. Suhrkamp 1963, Frankfurt am Main 1963. Lizenzausgabe: Die Verbannung. Mit einem Nachwort von Klaus Bochmann. Aus dem Italienischen übersetzt von Arianna Giachi. Verlag Volk und Welt, Ost-Berlin 1972. Zweite Erzählung: La casa in collina. Deutsche Neuausgabe: Das Haus auf der Höhe. Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug. Rotpunktverlag, Zürich 2018, ISBN 978-3-85869-782-0, Rezensionen.Perlentaucher, abgerufen am 3. Januar 2026. La bella estate. Tre romanzi. Drei Romane. Einaudi, Turin 1949. Erster Roman: La bella estate. (1940). Deutsche Ausgabe: Der schöne Sommer. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Birnbaum. Claassen, Hamburg 1964. Zweiter Roman: Il diavolo sulle colline. (1948). Deutsche Ausgabe: Der Teufel auf den Hügeln. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Birnbaum. Claassen, Hamburg 1964. Dritter Roman: Tra donne sole. (1949). Deutsche Ausgabe: Die einsamen Frauen. Aus dem Italienischen übersetzt von Catharina Gelpke. Claassen, Hamburg 1960, 2. Auflage 1965. Lizenzausgabe: Die einsamen Frauen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1965. Lizenzausgabe: Der schöne Sommer. Die einsamen Frauen. Der Teufel auf den Hügeln. Verlag Volk und Welt, Berlin 1966. Deutscher Sammelband: Die Turiner Romane. Claassen, Düsseldorf 1984, ISBN 978-3-546-47398-9. Deutsche Neuübersetzung: Der schöne Sommer. Drei Romane. Mit einem Essay von Natalia Ginzburg. Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug. Rotpunktverlag, Zürich 2021, ISBN 978-3-85869-903-9. La luna e i falò. Giulio Einaudi, Turin 1950.Widmung: For C. Ripeness is all (Nach der Ausgabe von 1954 eingefügt.) Deutsche Ausgabe: Junger Mond. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Birnbaum. Claassen, Hamburg 1954. Lizenzausgabe: Junger Mond. (= Bibliothek Suhrkamp, Band 111.) Suhrkamp, Frankfurt am Main 1963. Deutsche Neuübersetzung: Der Mond und die Feuer. Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug. Rotpunkt, Zürich 2016, ISBN 978-3-85869-715-8. Taschenbuchausgabe: Der Mond und die Feuer. Neu übersetzt von Maja Pflug. Mit einem Nachwort von Paola Traverso. Diogenes Taschenbuch, Zürich 2018. Fuoco grande. Roman. In Zusammenarbeit mit Bianca Garufi.Vita beim Atlantisverlag,, abgerufen am 4. Januar 2026. Einaudi, Turin 1959, Posthum. Deutsche Ausgabe: Großes Feuer. Roman. Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug. Atlantisverlag, Zürich 2022, ISBN 978-3-7152-5014-4, Rezension.Maike Albath: Italienisches Melodram. In: Deutschlandfunk vom 9. Januar 2023, abgerufen am 4. Januar 2025. Racconti. Gesammelte Erzählungen. Einaudi, Turin 1960. Deutsche Ausgabe: Sämtliche Erzählungen. Band 1: Die Nacht von San Rocco. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Birnbaum. Claassen, Hildesheim 1992, ISBN 978-3-546-00009-3. Band 2: Die Wiese der Toten. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Birnbaum. Claassen, Hildesheim 1992, ISBN 978-3-546-00010-9. Ciau Masino. Einaudi, Turin, 1969, Posthum. Andere Tage, andere Spiele. Episodenroman. Aus dem Italienischen übersetzt von Julius Brogk. Claassen, Düsseldorf 1975, ISBN 978-3-546-47392-7.

Lyrik Lavorare stanca. Solaria, Florenz 1936. Neuausgabe: Lavorare stanca. Einaudi, Turin 1941. La terra e la morte. 1947. Verrà la morte e avrà i tuoi occhi. Zwei Gedichtzyklen. Einaudi, Turin 1951. Auswahlband: Gedichte. Aus dem Italienischen übersetzt von Urs Oberlin. Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Urs Oberlin. Claassen, Hamburg 1962. Sammelband: Hunger nach Einsamkeit. Sämtliche Gedichte. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-596-10552-6.

Essays Il mestiere del poeta. 1934. Il mito. 1950. Sammelband: Il mito. Herausgegeben von Marcello Veneziani. Vallecchi, Florenz 2023, ISBN 978-8-82520372-1. La letteratura americana e altri saggi. Einaudi, Turin 1951. Deutsche Ausgabe: Schriften zur Literatur: Die Entdeckung Amerikas. Literatur und Gesellschaft. Der Mythos. Mit einem Vorwort von Italo Calvino. Aus dem Italienischen übersetzt von Erna Koppen und Erwin Koppen. Claassen, Düsseldorf 1977, ISBN 978-3-546-47394-1.

Tagebuch Il mestiere di vivere. Einaudi, Turin 1952. Deutsche Ausgabe: Das Handwerk des Lebens. Tagebuch 1935–1950. Aus dem Italienischen übersetzt von Charlotte Bierbaum. Mit einem Nachwort von Charlotte Bierbaum. Claassen, Hamburg 1956. Lizenzausgabe: Das Handwerk des Lebens. Tagebuch 1935–1950. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1963. Neuausgabe: Das Handwerk des Lebens. Tagebuch 1935–1950. Aus dem Italienischen übersetzt von Maja Pflug. Claassen, Düsseldorf 1988.

Übersetzungen

In chronologischer Reihenfolge:

Sinclair Lewis: Il nostro signor Wrenn. Storia di un gentiluomo romantico. (Originaltitel: Our Mr. Wrenn.) Bemporad, Florenz 1931. Herman Melville: Moby Dick o La balena. (Originaltitel: Moby-Dick.) Frassinelli, Turin 1932. Sherwood Anderson: Riso nero. (Originaltitel: Dark Laughter.) Frassinelli, Turin 1932.