Eidetik (von , Bild) ist die Wissenschaft des Gesehenen. Der Begriff ist abgeleitet von Eidos.Georgi Schischkoff (Hrsg.): Wörterbuch der Philosophie. 22. Aufl. Kröner, Stuttgart 1991, Lemma Eidetik.

Beschreibung Philosophie In der Philosophie, insbesondere in der Phänomenologie seit Edmund Husserl, ist Eidetik Denklehre: Die Lehre vom begrifflich allgemeinen Wesen, von den idealen Bedeutungen als eine anschaubare Gegebenheit. Zur phänomenologischen Methode gehört ebenfalls die eidetische Reduktion.

Psychologie Die psychologische Lehre der Eidetik begründete Viktor Urbantschitsch (1847–1921), Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Universität Wien, mit seiner Veröffentlichung im Jahre 1907. Diese Grundlage wurde weiterentwickelt von Oswald Kroh (1887–1955) um die Fähigkeit, das Gesehene bildhaft-anschaulich wieder vor sich zu sehen als Anschauungsbilder; sie sind bei Jugendlichen eine normale Erscheinung; erhalten bleiben sie selten, vorwiegend bei künstlerischen Naturen. Sie wurde 1927 untersucht von Erich Rudolf Jaensch (1883–1940).Wilhelm Hehlmann: Wörterbuch der Psychologie. 4. Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 1965, Lemma Eidetik.

In der Psychologie bezeichnet Eidetik eine spezielle Qualität des Vorstellungsvermögens. Die Vorstellungen eines Eidetikers können so realistisch wie Wahrnehmungen sein, wobei er – im Gegensatz zum halluzinativen Erlebnis – weiß, dass seine Vorstellungen keine Wahrnehmungen sind. Differentialdiagnostisch sollten eidetische Vorstellungen von Halluzinationen abgegrenzt werden: Eine Wahrnehmung ohne eine äußere Wahrnehmungsquelle wäre demnach eine Halluzination.

Siehe auch Eidetische Reduktion Eidetisches Gedächtnis Highly Superior Autobiographical Memory Synästhesie

Literatur Wolfram Brüne: Eidetische Phänomene und ihre willkürliche Beeinflußbarkeit.. Henn, Ratingen 1965. Wilhelm Hehlmann: Wörterbuch der Psychologie. 4. Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 1965. Viktor Urbantschitsch: Über subjektive optische Anschauungsbilder. Deuticke, Leipzig 1907. Werner Traxel: Kritische Untersuchungen zur Eidetik. Habil.-Schrift d. Philos. Fakultät Marburg 1959. (auch: Archiv für die gesamte Psychologie. Band 114, 1962, S. 143–172) Yoshimitso Kato: Zur Definition des eidetischen Anschauungsbildes. In: Journal of the Faculty of Letters, The University of Tokyo, Aesthestics. Band 19, 1994, S. 75–91 (PDF).

Einzelnachweise

Kategorie:Sehen