mini|hochkant|Peter Härtling im 80. Lebensjahr (2013) Peter Härtling (* 13. November 1933 in Chemnitz; † 10. Juli 2017 in Rüsselsheim am Main) war ein deutscher Schriftsteller, Herausgeber und Journalist.

Leben mini|hochkant|Peter Härtling (2011 beim Kinder- und Jugendprogramm des Internationalen Literaturfestivals Berlin)

Peter Härtling verbrachte seine Kindheit zunächst in Hartmannsdorf bei Chemnitz, wo sein Vater eine Rechtsanwaltskanzlei unterhielt. Während des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Olmütz in Nordmähren, wo Härtlings Vater als Anwalt vielen Einwohnern half, die mit dem deutschen Besatzungsregime Probleme hatten. Härtling beschreibt in dem Buch "Nachgetragene Liebe", wie er in dieser Zeit unter den Einfluss der NS-Jungvolks geriet, wodurch erhebliche Spannungen mit seinen Eltern entstanden. Gegen Ende des Kriegs floh die Familie vor der Roten Armee nach Zwettl in Niederösterreich. Im Juni 1945 starb der Vater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.Internetseite von P. Härtling, abgerufen am 1. Oktober 2011. Nach dem Krieg übersiedelte Härtling nach Nürtingen, besuchte dort das Max-Planck-Gymnasium und wurde Volontär bei der Nürtinger Zeitung. 1946 nahm sich seine Mutter das Leben. Deren Vergewaltigung durch russische Soldaten hatte Härtling 1945 mitansehen müssen.Mitleid für das eigene »Kind in mir«.

1948 lernte er in Nürtingen den Bildhauer Fritz Ruoff kennen, der zu seinem Mentor wurde. 1959 heiratete er die Psychologin Mechthild Maier. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder.Ilka Scheidgen: Peter Härtling zum 80sten Geburtstag – Ein Porträt. (PDF)

1954/1955 war Härtling Redakteur bei der Heidenheimer Zeitung, von 1956 bis 1962 bei der Deutschen Zeitung und von 1962 bis 1964 bei der Zeitschrift Der Monat, deren Mitherausgeber er daraufhin bis zum Jahr 1970 war. In den 1960er Jahren beteiligte sich Härtling an Wahlkämpfen für die SPD, später wandte er sich von ihr ab und unterstützte die Friedensbewegung.Vor 80 Jahren wurde der Dichter Peter Härtling geboren. Christian Lindner im Deutschlandradio Kultur vom 13. November 2013, abgerufen am 13. November 2013.

Härtling war 1967 als Cheflektor und von 1968 bis Ende 1973 in der Geschäftsleitung des S. Fischer Verlags in Frankfurt am Main tätig. Seit 1974 arbeitete er als freier Schriftsteller. Im Wintersemester 1983/84 hielt Härtling die Frankfurter Poetik-Vorlesungen, in deren Verlauf die Erzählung Der spanische Soldat nach einer Fotografie von Robert Capa entstand. Von 1985 bis 1991 war er Mitglied der Synode der EKD.

Von 1998 bis 2006 war Härtling Präsident der Hölderlin-Gesellschaft. Er war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz,Mitgliedseintrag von bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 11. Oktober 2017. der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste Berlin und des PEN-Zentrums Deutschland. Ihm wurden darüber hinaus viele Literaturpreise und Auszeichnungen anderer Art zuteil, wie z. B. im Jahr 2004 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Nürtingen, in der auch ein privates Gymnasium nach ihm benannt wurde. Rund 20 Schulen wurden bislang nach ihm benannt. Ab 2012 war Härtling ehrenamtlich als „Botschafter“ für die Deutsche Lungenstiftung tätig.

Peter Härtling lebte von 1973 bis zu seinem Tod im hessischen Mörfelden-Walldorf.

Wirken mini|hochkant|Arbeitszimmer von Schriftsteller Peter Härtling in seinem Wohnhaus in Mörfelden-Walldorf (März 2019) Peter Härtling widmete einen großen Teil seines literarischen Werkes – sowohl in der Lyrik als auch in der Prosa – der Aufarbeitung der Geschichte und der eigenen Vergangenheit. Der autobiografische Roman Zwettl (1973) beschäftigt sich mit der Zeit in Niederösterreich nach der Flucht der Familie vor der Roten Armee. In Nachgetragene Liebe (1980) verarbeitet Härtling seine Erinnerungen an den früh verstorbenen Vater, zu dem er ein schwieriges Verhältnis hatte. In seinem 1990 erschienenen mit Mein Roman bezeichneten Buch Herzwand beschreibt der Autor – ausgelöst durch eine Herzuntersuchung in einer Klinik – seinen Lebensweg von der Ankunft als Flüchtlingskind in Nürtingen über die Förderung in Schule und Ausbildungszeit bis zum Mitwirken an den Auseinandersetzungen um die Startbahn West des Frankfurter Flughafens.Peter Härtling: Herzwand – Mein Roman. Luchterhand, Hamburg 1990, ISBN 3-630-86737-5.

Thematisch prägend ist in Härtlings Gedichten, Essays und Kritiken auch die Heimat, die er in Württemberg gefunden hat.

Den Hintergrund für einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bilden die Literatur und die Musik der Romantik. Härtling bereitete die Lebensgeschichten der Schriftsteller Friedrich Hölderlin, Wilhelm Waiblinger und E. T. A. Hoffmann sowie der Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann in Romanbiografien auf. Mit Niembsch (= Nikolaus Lenau) leistete er einen frühen Beitrag zur Postmoderne.Markus Bücker: Kontrafakturen der Moderne. Erinnerung als Intertextualität in der frühen Postmoderne (1964/1981). Philologie und Kulturgeschichte Band 1. Aisthesis, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8498-1074-0. Dem Liederzyklus Winterreise von Schubert kam eine besondere Bedeutung für Härtling zu, so dass er 1988 mit Der Wanderer ein eigenes Buch dazu veröffentlichte.

Kinderbücher Nachdem Härtling 1969 eine Laudatio auf den tschechischen Kinderbuchautor Jan Procházka gehalten hatte, begann er 1970, selbst Bücher für Kinder zu schreiben. Seine Kinder- und Jugendbücher behandeln meist soziale Probleme, die Kinder betreffen. In Das war der Hirbel (1973) geht es um ein geistig behindertes Heimkind und die damit verbundene gesellschaftliche Ausgrenzung,Heike Rundnagel: , 7/2006, online über agprim.uni-siegen.de Oma (1975) thematisiert das Altern und den Tod, Theo haut ab (1977) das Ausreißen von zu Hause und von den Eltern. In Ben liebt Anna (1979) verliebt sich ein deutscher Schüler in eine aus Oberschlesien stammende Mitschülerin, ein Spätaussiedlermädchen.

Hörfunk Peter Härtling war langjähriger Moderator der Sendung Literatur im Kreuzverhör in hr2, dem Kulturprogramm des Hessischen Rundfunks. Von Januar 2016 bis zu seinem Tod moderierte er monatlich Das kleine Literaturquiz.

Werke mini|hochkant|Autogramm von Peter Härtling Gedichte poeme und songs. Bechtle, Esslingen 1953. Yamins Stationen. Bechtle, Esslingen 1955. In Zeilen zuhaus. Vom Abenteuer des Gedichts, des Gedichteschreibens und Gedichtelesens. Neske, Pfullingen 1957. Unter den Brunnen. Bechtle, Esslingen 1958. Spielgeist Spiegelgeist. Goverts, Stuttgart 1962. Neue Gedichte. herausgegeben von Hans Dieter Schäfer. Bläschke, Darmstadt 1972. Anreden. Gedichte aus den Jahren 1972–1977. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1977. Vorwarnung. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1983. Die Mörsinger Pappel. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1987. Ausgewählte Gedichte – 1953–1979. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1979. Die Gedichte – 1953–1987. Luchterhand, Frankfurt am Main 1989. Jürgen Brodwolf und Peter Härtling: Zwanzig Transparentblätter / Fünfzehn Gedichte. Radius, Stuttgart 1989. Peter Härtling und Arnulf Rainer: Engel – gibt’s die? 28 Gedichte und 30 Übermalungen. Radius, Stuttgart 1992. Das Land, das ich erdachte – Gedichte 1990–1993. Radius, Stuttgart 1993. Horizonttheater. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997. Versuch, mit meinem Sohn zu reden – Gedichte. Radius, Stuttgart 1999. Ein Balkon aus Papier. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000. kommen – gehen – bleiben. Gedichte. Radius, Stuttgart 2003. Schattenwürfe – Gedichte 2005. Radius, Stuttgart 2005.

Romane, Erzählungen, Autobiografisches Im Schein des Kometen. Die Geschichte einer Opposition. Goverts, Stuttgart 1959. Niembsch oder Der Stillstand. Eine Suite, Goverts, Stuttgart 1964. Janek. Porträt einer Erinnerung, Goverts, Stuttgart 1966. Das Familienfest oder Das Ende der Geschichte. Goverts, Stuttgart 1969. Ein Abend eine Nacht ein Morgen. Eine Geschichte, Luchterhand, Neuwied/Berlin 1971. Zwettl, Nachprüfung einer Erinnerung. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1973. Eine Frau. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1974, ISBN 978-3-423-12921-3. Hölderlin. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1976. Hubert oder Die Rückkehr nach Casablanca. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1978. Nachgetragene Liebe. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1980. Sammlung Luchterhand, 1991, ISBN 3-630-61357-8. Der wiederholte Unfall. Erzählungen mit einem Nachwort des Autors. Reclam, Stuttgart 1980. Die dreifache Maria. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1982. Das Windrad. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1983. Felix Guttmann. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1985. Brief an meine Kinder. Radius, Stuttgart 1986. Waiblingers Augen. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1987. Die kleine Welle. Vier Geschichten zur Schöpfungsgeschichte. Radius, Stuttgart 1987. Der Wanderer. Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1988. Herzwand. Mein Roman, Luchterhand, Hamburg/Zürich 1990. Brief an meine Kinder. Erweitert um einen zweiten Brief. Luchterhand, Hamburg/Zürich 1991. Schubert. Luchterhand, Hamburg/Zürich 1992 Božena. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994. Schumanns Schatten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996. Große, kleine Schwester. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998. Hoffmann oder Die vielfältige Liebe. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001. Leben lernen. Erinnerungen, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003. Die Lebenslinie. Eine Erfahrung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, zuletzt dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-13535-1. O’Bär an Enkel Samuel. Eine Erzählung mit fünf Briefen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008.

Tage mit Echo. Zwei Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04572-7. 80. Versuch einer Summe. Radius, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-87173-957-6. Verdi. Ein Roman in neun Fantasien. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04808-7. Der Gedankenspieler. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, ISBN 978-3-462-05177-3.

Dramatik Gilles. Ein Kostümstück aus der Revolution. Goverts, Stuttgart 1970. Melchinger Winterreise. Stationen für die Erinnerung. Radius, Stuttgart 1998. Uraufführung 1998, Theater Lindenhof Melchingen.

Kinderbücher ... und das ist die ganze Familie. Tagesläufe mit Kindern. Georg Bitter, Recklinghausen 1970. Das war der Hirbel. Beltz & Gelberg, Weinheim 1973. Zum laut und leise Lesen. Geschichten und Gedichte für Kinder, Luchterhand, Darmstadt/Neuwied 1975. Oma. Beltz & Gelberg, Weinheim 1975. Theo haut ab. Beltz & Gelberg, Weinheim 1977. Ben liebt Anna. Beltz & Gelberg, Weinheim 1979. Sofie macht Geschichten. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1980. Alter John. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1981. Jakob hinter der blauen Tür. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1983. Krücke. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1986 (unter dem Titel Krücke 1993 verfilmt). Geschichten für Kinder. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1988. Fränze. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1989. Peter Härtling für Kinder. Der bunte Hund – Sonderheft. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1989 Mit Clara sind wir sechs. Von den Scheurers, die sich alle Mühe geben, eine Familie zu sein. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1991 Fundevögel: Geschichten zum Wieder- und Wiederlesen. Für Kinder von neun bis neunzig. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter Härtling. Radius, Stuttgart 1991. Erzählbuch. Geschichten, Gedichte, Texte, Proben, Auswahl von Hans-Joachim Gelberg. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1992 Lena auf dem Dach. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1993. Jette. Erzählbuch. Geschichten, Gedichte, Texte, Proben. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1995. Tante Tilli macht Theater. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 1997. Johann Wolfgang von Goethe: »Ich bin so guter Dinge«. Goethe für Kinder. Ausgewählt von Peter Härtling. Insel, Frankfurt am Main 1998 Reise gegen den Wind. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2000 Romane für Kinder in drei Bänden. Beltz & Gelberg, Weinheim 2003 Paul das Hauskind. Beltz & Gelberg, Weinheim 2010.