mini|Die Halbinsel Mani auf der Peloponnes, der „Insel des Pelops“ Die Mani () ist ein Landstrich im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes – genauer deren „Mittelfinger“. Die Mani beginnt südlich der Stadt Kalamata und endet an der Spitze des Mittelfingers (Kap Tenaro, auch Kap Matapan genannt). Das Kap liegt südlicher als Tunis und ist nach Tarifa (Spanien) der südlichste Festland-Punkt Europas. Die Hauptorte der Mani sind Areopoli und Gythio.

Lage und Gliederung mini|Lage der Gemeinden Dytiki Mani und Anatoliki Mani im Süden Griechenlands, bzw. der Peloponnes Die Mani liegt im äußersten Süden Griechenlands und bildet die mittlere Halbinsel des Peloponnes, gelegen zwischen dem Lakonischen und dem Messenischen Golf. Dabei ist die räumliche Abgrenzung nicht scharf.

Die Mani wird in drei Bereiche unterteilt: die äußere Mani (Éxo Mani) etwas nördlich der Linie Gythio–Areópoli fast bis nach Kalamata, die hauptsächlich in der nordwestlich gelegenen Präfektur Messenien liegt, die innere Mani (Méssa Mani) südlich von Areópoli auf der westlichen Seite, sowie die östliche Mani (Kato Mani) mit dem Hauptort Gythio. Die beiden letztgenannten Teile liegen in der südöstlichen Präfektur Lakonien, ebenso wie Areópoli. Der Zugang zur Mesa Mani wird durch die Ruinen des Passawas-Schlosses markiert, das den Zugang zur inneren Mani kontrollierte.Patrick Leigh Fermor: Mani. Reisen auf dem südlichen Peloponnes, Fischer, Frankfurt am Main 2012, S. 440

Auf der (politischen) Gemeindeebene findet sich seit der Reform von 2010 eine Zweiteilung, nämlich um Dytiki Mani und Anatoliki Mani, um die westliche und die östliche Mani.

Landschaft, Flora und Fauna mini|400px|Panorama über den Messenischen Golf, aufgenommen oberhalb der Ortschaft Pigi, Exo Mani. In der Bildmitte (Ebene am Meer) liegen die Orte Agios Nikolaos und Stoupa mini|Baum-Wolfsmilch und Macchia, aufgenommen oberhalb einer Bucht im Süden der Mani Die Landschaft ist stark vom Taygetos-Gebirge und dessen südlichsten Ausläufern geprägt, ebenso wie vom umgebenden Mittelmeer. Der höchste Gipfel der Mani und zugleich des Peloponnes ist der Profitis Ilias (auch Agios Elias genannt), der 2407 m über den Meeresspiegel aufragt. Eine Folge der großen Höhenunterschiede ist eine ausgeprägte Zertalung des von Brüchen zerhackten Gebirgskörpers und seines Vorlandes. Die mitunter reißenden Wasserläufe führen dennoch nur periodisch Wasser. Die Erosion löste das Gebirge weitgehend in einzelne Bergstöcke auf, deren Kette sich von Nordnordwest nach Südsüdost erstreckt, hinzu kommt das Quertal von Milea.

Der Nordteil weist einen schmalen Küstenstreifen und einen jähen Anstieg zur höheren Terrassenregion auf, der mittlere Bereich zwischen Neon Proastion und Agios Dimitrios besteht aus einer breiten, mitunter nach Osten ausgreifenden, vergleichsweise tief liegenden und ebenen Fläche, während der Südteil wieder einen schmalen Küstenstreifen vor dem deutlich höheren Bereich aufweist. Von Stoupa bis Agios Dimitrios bestehen recht ausgedehnte, flache Schwemmländer.

Die südliche Mani mit ihren zahlreichen endemischen Arten spielt im Netzwerk von Natura 2000 (Code GR2540008) eine wichtige Rolle. Das entsprechende Schutzgebiet umfasst eine Fläche von mehr als 535 km². Neben Landwirtschaftsflächen, Wäldern, Weiden, befinden sich im Gebiet mehr als 280 Dörfer und sonstige Siedlungen. Die meisten von ihnen sind allerdings verlassen.

Vorherrschend ist die Hartlaubvegetation, dann Weiden und Agrarland, insbesondere Olivenhaine, zudem in geringem Umfang Weinbaugebiete (unter 2 %). Im Norden hingegen, wo die natürlichen Bedingungen günstiger sind, besteht überwiegend eine Agrarlandschaft mit hohen Erträgen. Dort wurde mittels Trockenmauern, die bis zu 4 m hoch sein können, sowie Terrassen, schon früh eine Anpassung der Landschaft an die bäuerlichen Bedürfnisse in den häufig steilen Lagen erzielt. Die Wasserversorgung erfolgte überwiegend mittels Zisternen, die eine gewisse Sicherheit vor den zuweilen extremen Trockenphasen bieten. Dennoch musste 1961 die Bevölkerung mittels Schiffen mit Wasser versorgt werden. Fiel im April der Regen aus, führte dies zu Missernten, wie in den 1770er Jahren, als Getreide eingeführt werden musste, obwohl das Gebiet als autark galt. Durch menschliche Nutzung sind zudem die Wälder seit dem späten 19. Jahrhundert erheblich zurückgegangen, sie beschränken sich weitgehend auf den Norden. Dabei herrschte die Eichenart Quercus ithaburensis subsp. macrolepis vor, deren Eichelhüllen exportiert wurden, da sie zum Gerben genutzt wurden, dann die Kermeseiche; die Griechische Tanne hingegen kommt nur in höheren Lagen vor.Wagstaff, S. 76.

Entsprechend dem Naturraum, den die frühen Bauern bereits vorgefunden hatten, entwickelte sich die Nutzung in drei verschiedenen Zonen. Zum einen ist dies die östliche Küstenzone und die westliche Zone im Süden der Mani. Es zeigt ein „wildes“ Bild mit abgeholzten Bergen und sehr steilen Küsten. In den letzten Jahrzehnten ist es den Bewohnern gelungen, einige Olivenbäume anzupflanzen. Die Flora umfasst Arten von Sträuchern und Gestrüpp sowie Elemente der sand- und salzliebenden Vegetation. Schließlich werden in diesem Gebiet einige Johannisbrotbäume und Kaktusfeigen angebaut.

Das Gebiet zwischen Skoutari und Gythio ist hingegen recht fruchtbar. Dort bestehen Eichenwälder und eine allgemein üppige Vegetation. Vor allem um Mavrovounio werden Baumwolle, Getreide und Wassermelonen angebaut, außerdem Wein, Zitrusfrüchte und Oliven in großen Mengen geerntet. 1961 galt die Mani als eines der wichtigsten Olivenanbaugebiete Griechenlands, obwohl deren Anbau wohl erst wieder nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begann. Hingegen war die Olive im 15. Jahrhundert weit verbreitet.Wagstaff, S. 81.

Das nördlichste Gebiet ist ebenfalls sehr fruchtbar, vor allem in den Ebenen. Im Taygetos gibt es dichte Wälder mit reichlich Tannen und Kiefern. In diesem Gebiet, insbesondere in der subalpinen Zone, gibt es eine reiche Vegetation mit Buschwerk.

Die wichtigsten Tierarten sind die Vögel – wandernde Greifvögel und Sperlingsvögel. Sieben von einundzwanzig europäischen Arten, die sich ausschließlich im Mittelmeerraum fortpflanzen, brüten in diesem Gebiet. Die Bestände einiger Vogelarten sind allerdings zurückgegangen, was möglicherweise mit Straßenbau und Hausbau zusammenhängt.

Eine wichtige Säugetierart ist der Goldschakal, der allerdings häufig vergiftet wird. Dieser Canide wurde nicht in das Gesetz eingeschlossen, das das Vergiften von Füchsen und Wölfen seit 1980 verbietet. Wo keine Schakale existieren, vermehren sich die Bestände der Füchse.Giorgos Giannatos, Yiannis Marinos, Panagiota Maragou, Giorgos Catsadorakis: The status of the golden jackal (Canis aureus L.) in Greece, in: Belgian Journal of Zoology 135 (2005) 145–149 (academia.edu).

Der Bestand an Haustieren ist gleichfalls für peloponnesische Verhältnisse seit langer Zeit eher gering. So zählte man 1961 nur 17.880 Ziegen und 17.844 Schafe.Wagstaff, S. 78. Hingegen war Weidewirtschaft in der Antike sehr viel weiter verbreitet.

Geschichte Urgeschichte Neandertaler, mindestens 170.000 Jahre, vielleicht früher Homo sapiens Als älteste Fundstätte auf der Peloponnes und zugleich Griechenlands gilt mit rund 500.000 bis 400.000 JahrenEleni Panagopoulou, Vangelis Tourloukis, Nicholas Thompson, […] und Katerina Harvati: The Lower Palaeolithic site of Marathousa 1, Megalopolis, Greece: Overview of the evidence. In: Quaternary International. Band 497, 2018, S. 33–46, doi:10.1016/j.quaint.2018.06.031. Marathousa 1 bei Megalopoli.Vangelis Tourloukis, Nicholas Thompson, Eleni Panagopoulou, Domenico Giusti, George E. Konidaris, Panagiotis Karkanas, Katerina Harvati: Lithic artifacts and bone tools from the Lower Palaeolithic site Marathousa1, Megalopolis, Greece: Preliminary results, in: Quaternary International 497 (2018) 47–64 (). Die Homininen hielten sich an einem Seeufer auf. Neben einem Makaken fand man die Überreste von Elefanten, Flusspferden und Nashörnern, aber auch die einer ausgestorbenen Riesenhirschart.

In Höhle A der insgesamt fünf Apidima-Höhlen (A–E) in einer Steilwand wurden zwischen 1978 und 1985 ebenfalls Ausgrabungen vorgenommen. Fragmente zweier menschliche Schädel (Apidima 1 und 2)Abbildungen der Schädel: Enrico de Lazaro: Enigmatic Skull Found in Greece Suggests Early Homo sapiens Reached Europe 210,000 Years Ago, in: Science News, 11. Juli 2019 (online). wurden 2019 mittels virtueller Rekonstruktionen ihrer Schädelformen dem Homo sapiens und dem Neandertaler zugeordnet, wobei Apidima 1 auf ein Alter von 210.000 Jahren datiert wurde, der Neandertalerschädel Apidima 2 auf 170.000 Jahre.Katerina Harvati, Carolin Röding, Abel M. Bosman, Fotios A. Karakostis, Rainer Grün, Chris Stringer, Panagiotis Karkanas, Nicholas C. Thompson, Vassilis Koutoulidis, Lia A. Moulopoulos, Vassilis G. Gorgoulis, Mirsini Kouloukoussa: Apidima Cave fossils provide earliest evidence of Homo sapiens in Eurasia, in: Nature 571 (2019) 500–504, doi:10.1038/s41586-019-1376-z (Volltext). Allerdings wurden nach Veröffentlichung der Rekonstruktion des Homo-Sapiens-Schädels fachliche Zweifel publiziert, zumal die bisherigen Datierungsmethoden ein gewaltiges Altersspektrum von 300.000 bis 40.000 Jahren für Apidima 1 ergaben.Lizzy Wade: Skull fragment from Greek cave suggests modern humans were in Europe more than 200,000 years ago, in: sciencemag.org, 10. Juli 2019. Höhle A liegt nur 4 m über dem heutigen Meeresspiegel. mini|links|Eingang zur Kalamakia-Höhle mini|Artefakt aus der Kalamakia-Höhle Neandertalerfunde barg auch die an der Westküste der Mani, etwa 2,5 km nordwestlich von Areopoli gelegene Kalamakia-Höhle aus dem Mittelpaläolithikum, die etwa 10 m über dem heutigen Meeresspiegel liegt. Die Fundstätte ließ sich auf die Zeit zwischen 100.000 und nach 39.000 BP, ins Moustérien datieren. Die menschlichen Überreste bestanden in zehn Zähnen, einem Schädelfragment und drei weiteren postcranialen Elementen von mindestens acht Individuen. Zusammen mit den Funden von Lakonis (späte Neandertalerfunde)Katerina Harvati, Eleni Panagopoulou, Panagiotis Karkanas: First Neanderthal remains from Greece: the evidence from Lakonis, in: Journal of Human Evolution 45 (2003) 465–473. und Apidima gelten sie als Beleg für eine starke Neandertalerbesiedlung der Halbinsel. Die Rohmaterialien mussten von verhältnismäßig weit entfernten Stätten beschafft werden, so dass die Kerne fast gänzlich aufgebraucht wurden. Levalloisklingen sind sehr selten. Das milde Klima bot der Jagdbeute ein reiches Refugium, wie etwa Wildschweinen und Hirschen. Insgesamt ließen sich 17 größere Säugetierarten nachweisen, bei Weitem am häufigsten der Fuchs. Auch Schildkröten, vor allem Breitrand- und in geringerem Maße Griechische Landschildkröte, spielten eine Rolle.Katerina Harvati, Andreas Darlas, Shara E. Bailey, Thomas R. Rein, Sireen El Zaatari, Luca Fiorenza, Ottmar Kullmer, Eleni Psathi: New Neanderthal remains from Mani peninsula, Southern Greece: The Kalamakia Middle Paleolithic cave site, in: Journal of Human Evolution 64 (2013) 486–499.

Jungpaläolithikum und Mesolithikum