Mühlheim am Main ist eine Stadt mit rund 29.000 Einwohnern am südwestlichen Mainufer im Landkreis Offenbach in Hessen. Das Stadtgebiet hat eine Größe von 20,67 km² (mit Stadtteil-Gemarkungen).

Geografie Geografische Lage Die Stadt ist eine von 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Offenbach. Sie liegt im Rhein-Main-Gebiet südlich des Mains zwischen Offenbach am Main und Hanau in der historischen Region Maingau. Die Bieber mündet auf Mühlheimer Gemarkung in die Rodau und diese dann in den Main.

Auf der Mühlheimer Gemarkung bestand früher das Dorf Meielsheim, heute eine Wüstung.

Nachbargemeinden Mühlheim grenzt im Norden, entlang des Mains, an die Stadt Maintal (Main-Kinzig-Kreis), im Osten an die Stadt Hanau, im Süden an die Stadt Obertshausen (Landkreis Offenbach) sowie im Westen an die kreisfreie Stadt Offenbach.

Stadtgliederung mini|Ortskern von Dietesheim Mühlheim am Main besteht aus den Stadtteilen Mühlheim, Dietesheim und Lämmerspiel. Zum Stadtteil Mühlheim gehören neben Alt- und Innenstadt auch die Wohngebiete Markwald und Rote Warte.

Name mini|Brückenmühle

Der Name Mühlheim geht zurück auf die zehn Wassermühlen, die in früheren Zeiten an den Ufern der beiden Bäche Rodau und Bieber standen. Heutzutage ist mit der ehemaligen Brückenmühle nur noch eine der einstigen Mühlen vorhanden, wo auch die Mahleinrichtung in betriebsfähigem Zustand erhalten geblieben ist, so dass ein Museumsbetrieb möglich ist. Diese Mühle kann jedes Jahr am Pfingstmontag anlässlich des Deutschen Mühlentags besichtigt werden. Weitere Mühlen sind wohl als historische Gebäude erhalten geblieben, jedoch nicht mehr betriebsfähig.

Geschichte Mittelalter Kaiser Ludwig der Fromme schenkte im Jahre 815 Untermühlheim gemeinsam mit Obermühlheim (dem heutigen Seligenstadt) an Einhard,Karl Glöckner: Codex Laureshamensis: 01. Band – Einleitung Regesten Chronik. Darmstadt 1929, S. 299, 19 (Reg 3082): „Donatio Ludouuici I. pii Einhardo in Michlenstat“ Deutsche Übersetzung: Karl Josef Minst: Lorscher Codex: deutsch; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch, nach d. lat. Text d. Urschrift wiedergegeben von Lamey (1768–1770) und Glöckner (1929–1936). Band 1: Chronicon. Urkunden Nrn. 1–166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764–1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten. Lorsch 1966, S. 77 f.: Schenkung Ludwigs I. des Frommen an Einhard in Michelstadt „Im Namen unseres Herrn und Gottes, des Erlösers Jesu Christi. Ludwig, durch die göttlich waltende Vorsehung Kaiser und allezeit Mehrer des Reiches. Der kaiserlichen Erhabenheit geziemt es, die ihr getreulich Dienenden mit vielfältigen Gaben und hervorragenden Auszeichnungen zu ehren und zu erhöhen. Aus diesem Grunde folgen wir dem Brauche unserer Eltern, nämlich unserer königlichen Vorfahren, und es beliebt unserer Majestät, unseren getreuen Einhard durch die Verleihung von gewissen Vermögenswerten aus unserem Eigentum zu ehren und, unserer Freigebigkeit wegen, in seinen Besitz überzuführen. Und das durchaus nicht unverdient! Denn durch den Dienst seiner Treue und die Ergebenheit seines Gehorsams verdient es derjenige, in geziemender Weise unsere Gnade zu genießen, der sich bestrebt, mit allen seinen Kräften sich unserem Dienste zu widmen und unseren Befehlen getreulich zu gehorchen. Zur nutzbringenden Kenntnis diene daher allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und zukünftigen, daß wir unserem Getreuen Einhard und nicht weniger seiner Gemahlin Imma in deutschen Gauen einen Ort, welcher Michlinstat (Michelstadt im Odenwald) genannt wird und in einem Walde namens Odonewak liegt, geschenkt haben. In des Ortes Mitte steht eine kleine aus Holz erbaute Basilika. Sie hat einen Umschwung von Feld und Wald, der zum Orte gehört und sich nach allen Richtungen gleichmäßig im Halbmesser von zwei Meilen oder einer Doppelmeile ausdehnt. In diesem vermessenen Umkreis wohnen zur Zeit unsere 14 hörigen Knechte mit ihren Frauen und Kindern. Außerdem sind in diesem Orte noch 40 männliche und weibliche Leibeigene. Diesen Ort mit seinen Grenzgebieten, in seiner Gesamtheit und mit seinen Leibeigenen, vergaben wir. Nichtsdestoweniger schenken wir auch noch ein weiteres Dorf, nämlich Mulinheim (Mühlheim), im Moynecgowe (Maingau) am Main gelegen, welches einst Besitztum des Grafen Drogo gewesen war. Dieses hat eine kleine gemauerte Basilika. Im Dorfe sind 19 Hof reiten. Es wohnen in demselben augenblicklich 13 Knechte mit ihren Frauen und Kindern. In einem anderen gleichnamigen Dorf am selben Fluß, welches inferior Mulinheim (Untermühlheim) genannt wird, sind 4 Hofreiten und ebensoviele Knechte, die mit ihren Frauen und Kindern hier wohnen. Sie gehören zu dem oben genannten Dorf. Dieses, nämlich superior Mulinheim (Obermühlheim) mit jeglichem Zubehör, mit Leibeigenen, allem Anhang, wie oben beschrieben, mit Kirchen, Weilern, Wohnhäusern, Hörigen, Wäldern, Ländereien, Wiesen, Weiden, stehenden und fließenden Gewässern, Bauland und Brachland, mit allem, was darum und daran liegt, gewähren wir ganz und gar unserem vorgenannten Getreuen Einhard und seiner Gemahlin Imma durch diese unsere Schenkungsurkunde zu eigen. Vom heutigen Tage an und in Zukunft können sie mit den genannten Gütern und Orten und deren Zubehör nach Erbrecht und überhaupt in allem nach ihrem Gutdünken verfahren. Und keiner von den Gläubigen der heiligen Kirche Gottes oder unseren Getreuen versuche, von den beschriebenen und unseren Getreuen Einhard und seiner Gattin übergebenen Gütern etwas wegzunehmen oder sie in ihrem Werte zu mindern, sondern es sei ihnen gestattet, diese Liegenschaften in aller Ruhe innezuhaben und zu besitzen und wem sie wollen zu vererben. Und damit das Ansehen unserer Schenkung auch im Laufe der Jahre unverletzbar und unverrückbar auf ewig seine Dauer behalte und damit von allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und zukünftigen und auch von unseren Nachfahren das von uns Festgelegte in Wahrheit und mit Sicherheit geglaubt werde, haben wir diese Schenkungs-Urkunde unten eigenhändig unterschrieben und mit unserem Ringe siegeln lassen. Monogramm des gnädigsten Kaisers Ludwig. Ich, Helisachar, habe gegengezeichnet. Gegeben am 11. Januar (815), Im von Christo begnadeten ersten Jahre des Kaisertums Ludwigs, des gütigen und erhabenen Kaisers. In der siebten Indiktion. Geschehen in der Königspfalz von Aachen, im Namen Gottes, der uns beglücke. Amen.“ damals im fränkischen Maingau gelegen. Mühlheim und die früher selbständigen Orte Dietesheim und Lämmerspiel gehörten der Biebermark an, die umliegenden Wälder gehörten zum Wildbann Dreieich.

Im Mittelalter war die Kirche von Mühlheim lange Zeit Mutterkirche für die umliegenden Orte Bürgel, Offenbach, Bieber, Heusenstamm, Dietesheim und Lämmerspiel. Das geistliche Gericht für die der Mutterkirche angehörenden Filialgemeinden tagte damals ebenfalls in Mühlheim.

Mühlheim lag im Amt Steinheim, das zunächst den Herren von Eppstein gehörte und ab 1371 als Pfand je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Cronberg. 1425 verkaufte Gottfried von Eppstein das Amt Steinheim an das Kurfürstentum Mainz.

Neuzeit 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg (1609–1632) und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg (1612–1636), die mit ihm verbündet waren, damit aus.Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f. Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Mühlheim wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fiel und damit hessisch wurde. Die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit dem Beitritt zum napoleonischen Rheinbund ab 1806 Großherzogtum Hessen.

1819 erhielt Mühlheim nach der Aufteilung der Biebermark den heutigen Markwald.

Mühlheim gehörte ab 1821 zum Landratsbezirk Seligenstadt. Bereits zum 5. September 1832 wurde in einer weiteren Verwaltungsreform der Kreis Offenbach gebildet, dem der ehemalige Landratsbezirk Seligenstadt mit Mühlheim zugeschlagen wurde. Gerichtlich gehörte Mühlheim zunächst zum Landgericht Steinheim, das 1835 nach Seligenstadt verlegt und in Landgericht Seligenstadt umbezeichnet wurde. Anlässlich der umfassenden Neueinteilung der Gerichtsbezirke im rechtsrheinischen Teil des Großherzogtums 1853 wurde Mühlheim dem Landgericht Offenbach zugeteilt. Das Landgericht wurde 1879 durch das Amtsgericht Offenbach ersetzt.

1873 bekam Mühlheim einen Bahnhof an der damals neu eröffneten Strecke Bebra–Hanau–Frankfurt.

Mit dem Ende der Monarchie 1918 wurde das Großherzogtum Hessen zum Volksstaat Hessen mit der Landeshauptstadt Darmstadt.

miniatur|Gedenkinschrift für die jüdische Gemeinde Mühlheim im Tal der Gemeinden in Yad Vashem

Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus bestanden in Mühlheim am Main mehrere NS-Einrichtungen:

Ein Gemeinschaftslager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Pionierpark, das später auch durch die Wehrmacht genutzt wurde. Das Kreiserziehungsheim Mühlheim am Main Eine durch die Schutzstaffel genutzte Polizeiwache, in der vor Kriegsende noch politische Gegner durch die Schutzstaffel erschossen wurden. Ein Sitz eines SA-Sturms im alten Rathausgebäude Ein so genanntes „Franzosenlager“ und ein „Ostarbeiterlager“ mit bis zu 200 Insassen, welche durch die Schutzstaffel bewacht wurden. Eine Unterkunft für französische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene (in Dietesheim) Ein Lager für sowjetische und tschechische Zwangsarbeiter (in Lämmerspiel)

Im Kreiserziehungsheim Mühlheim am Main wurden Kinder und Jugendliche aus zerrütteten Familienverhältnissen und Waisen untergebracht. Viele wurden hier im Rahmen des Euthanasieprogramms zwangssterilisiert oder getötet. 1938 wurden Kinder aus der aufgelösten Anstalt Klein-Zimmern nach Mühlheim am Main verbracht. Die Heimleitung erzog die Kinder strikt im nationalsozialistischen Sinne. Unter anderem wurden ihnen aufgetragen sich an der Reichspogromnacht zu beteiligen. Heute ist in dem Gelände die III. Hessische Bereitschaftspolizeiabteilung und die Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung untergebracht.

Mühlheim hatte eine jüdische Gemeinde, die durch den Holocaust des NS-Staates vernichtet wurde.

Seit dem 1. April 1939, als im Rahmen der nationalsozialistischen Verwaltungsreform die Landgemeinde Mühlheim und das Dorf Dietesheim zur Stadt Mühlheim am Main zwangsvereinigt wurden, hat Mühlheim Stadtrechte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Mühlheim zur Amerikanischen Besatzungszone und dann an das neugebildete Land Groß-Hessen, das 1946 in Hessen umbenannt wurde und die US-amerikanisch besetzten Gebietsteile des vorherigen Volksstaates Hessen sowie der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau umfasste.

Seit 1949 ist Mühlheim am Main Sitz des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (früher Hessischer Gemeindetag).

Eingemeindungen Am 1. Januar 1977 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen per Gesetz die zuvor selbstständige Gemeinde Lämmerspiel eingemeindet. Ortsbezirke wurden in der Stadt Mühlheim am Main nicht gebildet.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Mühlheim von 1998 bis 2016 1998 – 26.124 1999 – 26.210 2000 – 26.082 2001 – 26.210 2002 – 26.396 2003 – 26.436 2004 – 26.557 2005 – 26.582 2006 – 26.625 2007 – 26.665 2008 – 26.708 2012 – 27.206 2014 – 27.753 2015 – 28.170 2016 – 28.130 2017 – 28.318 2018 – 28.403 2019 – 28.652 2020 – 28.534 Einwohnerentwicklung: Abb. ist nicht repräsentativ für Realentwicklungstatistik.hessen.de abruf am 30 Nov. 2021 als PDF

(jeweils zum 31. Dezember)

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