mini|Südliche Ansicht von Stift Heiligenkreuz im Wienerwald – Luftaufnahme (2010) Das Stift Heiligenkreuz ist eine Zisterzienser-Abtei in Heiligenkreuz im Wienerwald (Niederösterreich). Es besteht ohne Unterbrechung seit seiner Gründung im Jahr 1133 und ist damit – nach dem Stift Rein – das weltweit zweitälteste seit der Gründung durchgehend bestehende Zisterzienserkloster.Leopold Janauschek: Originum Cisterciensium. 1. Band, Verlag Alfred Hölder, Wien 1877, S. 36–37 (Abschnitt LXXXVIII „Sancta-Crux, Heiligenkreuz“, S. 129–130; gesamtes Buch auf nbn-resolving.de).
Stand Mai 2024 gehören dem Stift fast 100 Mönche an.Stift Heiligenkreuz meldet Höchststand an Mönchen. In: religion.ORF.at, 16. August 2017, abgerufen am 30. Mai 2022.Website Stift Heiligenkreuz. Abgerufen am 21. Mai 2024. Schwerpunkt ist die Pflege des klösterlichen Lebens, der Liturgie und des gregorianischen Chorals in lateinischer Sprache. Ein Teil der Mönche arbeitet in der Seelsorge in 18 inkorporierten Pfarren, andere sind als Wissenschaftler und Professoren an der Hochschule tätig.
Lage Das Stift Heiligenkreuz liegt in der Gemeinde Heiligenkreuz im Bezirk Baden, 15 Kilometer westlich von Wien.
Geschichte Siedlungsursprünge Das Dorf Heiligenkreuz entstand und entwickelte sich deutlich später als die Gründungsbauten des mittelalterlichen Klosters, die offensichtlich keine unmittelbaren Vorgänger hatten.
Nicht weit davon gab es aber eine urzeitliche Höhensiedlung, deren Siedlungsfläche heute „Marienwiese“ genannt wird und die den Flurnamen „Burgstall“ trägt. Sie heißt heute „Höhensiedlung Burgstall“, liegt oberhalb der „Cholerakapelle“ im Helenental und besitzt an ihrer Süd- und Südwestseite eine natürliche Befestigung, den Steilabsturz zur Schwechat. Die anderen Seiten des Siedlungsplateaus sind ebenfalls natürlich befestigt, durch eine bogenförmige Reihe von Felsklippen, außenseitig steiler und innenseitig flacher ansteigend. Man erkennt in flacheren Zwischenräumen künstliche Auffüllungen und zum Teil auch Wallanlagen. Die gesamte Siedlungsfläche konnte so mit verhältnismäßig geringem Aufwand nach außen hin gegen Angriffe abgeschottet und verteidigt werden. Dieses Castrum (befestigte Siedlung) wurde noch nicht archäologisch untersucht.
1988 „bargen“ Raubgräber 120 kg Rohkupferfladen, die auf ein Alter der Urnenfelderzeit (1200 bis 750 v. Chr.) schließen lassen, was durch Keramik-Artefakte bestätigt werden konnte. Der Fund weniger römischer Münzen aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts lässt Rückschlüsse auf eine Wiederbenutzung oder nur einen vorläufigen Besuch des alten Siedlungsplatzes in der Spätantike zu.
Die Siedlung Burgstall bei der Cholerakapelle gehört zu einer Gruppe urzeitlicher Höhensiedlungen, davon einige Castra, im südlichen Wienerwald, die ihre Bedeutung überwiegend der Verarbeitung von Buntmetallen zu verdanken hatten.
Die ehemalige Höhensiedlung Burgstall steht unter Denkmalschutz.
Klostergründung mini|Wappen des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz Das Kloster wurde 1133 von Leopold III. aus der Dynastie der Babenberger gestiftet und in der Folge von seinem Sohn und Nachfolger, Leopold IV. von Österreich, großzügig bedacht. Es zählt zu den 300 Klöstern, die noch zu Lebzeiten des hl. Bernhard von Clairvaux entstanden. Besiedelt wurde es vom Mutterkloster Morimond in Burgund, sein erster Abt war Gottschalk. Das reguläre Klosterleben soll nach traditioneller Überlieferung am 11. September 1133 begonnen haben.Erwin Reidinger, Rudolf Koch: Die Stiftskirche von Heiligenkreuz: Achsknick und Orientierungstage – Antworten aus der Gründungsplanung. In: Sancta Crux. 70, 2009, ISBN 978-3-902694-23-2, S. 37–103. Das Gründungsdatum ist allerdings nicht urkundlich belegt; die Stiftungsurkunde wurde erst um 1230 geschrieben und mit 1136, nicht 1133, datiert.Auf diesen Sachverhalt wies erstmals Oskar von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. Wien 1912, S. 270–282 hin. Die Urkunde ist gedruckt in: Heinrich Fichtenau, Erich Zöllner (Hrsg.): Urkundenbuch zur Geschichte der Babenberger in Österreich. Band 1, Wien 1950, S. 5–7.
In der Stiftungsurkunde ist das Land festgelegt, das dem Kloster vom Landesherrn übergeben wurde:
mini|Fassade der Stiftskirche, davor die Dreifaltigkeitssäule (2005) Im Anschluss wurden 15 Ritter aus der Umgebung als Zeugen benannt, die gemeinsam die vorstehend beschriebenen Grenzen abgeritten hatten:
Das in der Stiftungsurkunde festgelegte Klostergrundstück befindet sich in einem Gebiet, das im frühen 12. Jahrhundert als prekäre Ostgrenze des bayrischen Herzogtums galt. Um Rodungen und Wegebau voranzutreiben, lud man Zisterzienser ein, sich dort niederzulassen. Die ursprüngliche Landschenkung entspricht in etwa dem Gebiet der heutigen Gemeinde, einschließlich der zugehörigen Ortsrotte Preinsfeld. Hinzu kam das Gut Brunsfeld (Preinsfeld), das der Stifter zwischen 1133 und 1135 dem Anselm von Lachsendorf für das Stift kaufte.
Entwicklung im Mittelalter Diese erste Stiftung zeigte sich als wirtschaftliche Basis des Klosters und seiner ersten Mönchsgemeinschaft zu schwach. Die Mönche beschlossen deshalb um 1206, nach Westungarn auf den Grund des heutigen Schlosses Königshof weiterzuziehen, um nicht unter Hunger zu leiden.Hermann Watzl: Der Plan einer Verlegung der Cisterce Heiligenkreuz vom Wienerwald nach Westungarn in den Jahren 1206 bis 1209. in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 34, 1958–1960, S. 106–119 (). Nachdruck in: Hermann Watzl: „… in loco, qui nunc ad sanctam crucem vocatur …“ Quellen und Abhandlungen zur Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz. Heiligenkreuz 1987, S. 431–444. Daraufhin erhielt das Stift die heute Mönchhof und Podersdorf genannten Grangien von König Andreas II. von Ungarn.
Gut 100 Jahre wurde an den romanischen und gotischen Bauten der ersten Klosteranlage gebaut.
Die hochromanische Kirche mit Langhaus, Fassade, Querhaus und dem Ursprungschor konnte bereits 1187, nach etwa 50 Jahren Bautätigkeit, konsekriert werden, um am 31. Mai 1188 die wertvolle 23,5 cm große Kreuzreliquie zur Verehrung aufzunehmen, die an diesem Tag von Leopold V. dem Stift geschenkt wurde, nachdem dieser von seiner Jerusalem Pilgerreise zurückkam.
Es dauerte ungefähr noch einmal so lange, bis 1240 die gotischen Kloster- und Konventsgebäude, wie der Kapitelsaal, die Fraterie, das Refektorium, das Dormitorium und vor allem der Kreuzgang im Süden der Kirche zur Einweihung bereitstanden. Die längst eingezogene Gotik führte zum Abbruch des verhältnismäßig kleinen romanischen Ursprungschors und dessen Ersatz durch einen wesentlich größeren hochgotischen Hallenchor, der zusammen mit dem Brunnenhaus im Kreuzgang 1295 zur Einweihung fertiggestellt war. Gleichzeitig war die Bernardikapelle fertig.
Bis Ende des 13. Jahrhunderts war Stift Heiligenkreuz die Grablege praktisch aller Mitglieder aus den Geschlechtern Wildegg und Altenburg.
Neuzeit mini|Wiener Tor, Steinmetz Elias Hügel (2005) 1642, bereits im Barock, waren die neuen Konventsgebäude im Süden an den Kreuzgang und die Fraterie anschließend fertiggestellt. Das Datum 1667 steht für die Inbetriebnahme der Sakristei. Wenige Jahre danach wurde 1674 der barocke Kirchturm abgeschlossen.
1683 überfielen Türken das Kloster und steckten es in Brand. Beim Wiederaufbau unter Abt Clemens Scheffer wurde das Stift im Stil des Barock erweitert. So entstanden bis 1691 westlich der bisherigen Gebäude die „neuen“ Klostergebäude um den großen polygonalen Stiftshof.
1710 wurde der Ausbau der Annakapelle abgeschlossen, der man 1713 auf der anderen Seite des Kapitelsaals die Totenkapelle anfügte. 1730 wurde die Ausstattung der „alten Klosterpforte“ vollendet, der sich 1729 bis 1730 die Errichtung der DreifaltigkeitssäuleBild von Heiligenkreuz (Dreifaltigkeitssäule) und 1739 des Josefsbrunnens anschlossen.
Unter Joseph II. blieb das Stift 1783 von der Aufhebung verschont, weil die Mönche seit der Gegenreformation mit Pfarrseelsorge und Schulunterricht beschäftigt waren; diese Tätigkeitsfelder galten in der Aufklärung als legitim.
1802 wurde eine philosophisch-theologische Hauslehranstalt gegründet. Sie diente der Priesterausbildung für die Klöster Zwettl, Lilienfeld, Heiligenkreuz und Neukloster.
20. Jahrhundert bis heute Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich (1938) war die indirekte Zerstörung des monastischen Lebens durch den Bau einer Autobahntrasse direkt über das Kloster geplant. Diese Pläne konnten nach dem Zweiten Weltkrieg abgewendet werden und die Trasse der heutigen Wiener Außenring Autobahn führt nördlicher am Ort Heiligenkreuz vorbei. Gegen Kriegsende wurden die Glocken des Kirchturms als Rohmaterial zur Herstellung von Waffen beschlagnahmt. Auch die sowjetische Besatzung bedrohte das Klosterleben.
1976 wurde das Institutum Theologicum zur Hochschule erhoben; sie ist heute eine der größten Priesterausbildungsstätten des deutschsprachigen Raums. In Heiligenkreuz befindet sich auch das überdiözesane Priesterseminar Leopoldinum.Überdiözesanes Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz. Homepage auf leopoldinum.at.
Die Kreuzreliquie des Stiftes befindet sich in der 1983 neu erbauten Kreuzkapelle. Die Reliquien des Sohnes von Leopold III., des seligen Otto von Freising (1112–1158), Bischof von Freising (1138–1158), liegen in einem wertvollen Schrein im Sockel des Hochaltars. Außerdem wird im Hochaltar der Stiftskirche ein Teilstück der Dornenkrone Christi aufbewahrt.
Ein im Juni 1997 protokollarisch vorbereitetes Treffen zwischen dem Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche Alexius II., Papst Johannes Paul II. und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. im Stift Heiligenkreuz wurde kurzfristig durch das Veto des Heiligen Synod der Russisch-Orthodoxen Kirche blockiert. Die Begegnung wäre das erste Treffen der beiden Oberhäupter seit dem Morgenländischen Schisma von 1054 gewesen, das erst 2016 auf Kuba verwirklicht wurde.
Papst Benedikt XVI. erhob die Hochschule mit Datum vom 28. Jänner 2007, dem Fest des hl. Thomas von Aquin, zur Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz.Stift Heiligenkreuz zur Päpstlichen Hochschule erhoben. In: kath.net, 8. Februar 2007, abgerufen am 5. Oktober 2019. Am 9. September 2007 besuchte der Papst das Stift und die Hochschule.
Das Europainstitut für Cistercienserforschung (EUCist) ist seit 2007 eine Forschungs- und Lehrabteilung der Hochschule. Ebenso ist das Europäische Institut für Philosophie und Religion (EUPHRat) angesiedelt; derzeitige Leiterin (Stand 2026) ist Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz.
Am 15. Juni 2021 besuchten der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und seine Frau Kim Jung-sook das Stift Heiligenkreuz zum Abschluss ihres Staatsbesuches. Begleitet wurde das katholische Präsidentenpaar von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, seiner Frau Doris Schmidauer sowie Delegationsmitgliedern beider Staaten.
Am 9. Dezember 2023 löste eine islamistische Bombendrohung gegen Stift Heiligenkreuz einen Großeinsatz der Sicherheitskräfte und Ermittlungen des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung aus.
Seit Anfang 2024 arbeitet das Stift mit der aus dem US-amerikanischen Raum stammenden und umstrittenenKolja Unger: Katholisch-konservative „Hallow“-App: Beten mit Gwen Stefani, DLF, 14.04.2025 Gebets-App Hallow zusammen.
Ab 2023 fanden Gespräche über eine mögliche Übernahme des Klosters Säben statt. Seit September 2024 lebt Pater Kosmas Thielmann im Kloster und kümmert sich um die Pilgerseelsorge. Langfristig sollen weitere Mitbrüder folgen.