Mylodon ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der Mylodontidae, die große, bodenlebende Faultiere umfasst. Sie gehört mit einer Gesamtlänge von 3 bis 4 m zu den bekanntesten und größten Vertretern der Gruppe. Nachgewiesen ist die Gattung vor allem im südlichen Teil Südamerikas. Die ältesten Funde datieren wahrscheinlich in das Unterpleistozän. Der größte Teil der Fossilreste stammt jedoch aus der Zeit des Oberpleistozäns. Eine der wichtigsten Fundstellen dieser Phase findet sich mit der Cueva del Milodón im südlichen Chile. Kurz darauf, vor etwa 10.000 Jahren, starb Mylodon aus. Zu diesem Zeitpunkt trat die Faultiergattung gemeinsam mit den ersten menschlichen Besiedlern Amerikas auf. Es existieren aber kaum Hinweise darauf, dass sie verstärkt vom Menschen bejagt wurde.

Von Mylodon sind nicht nur Knochen- und Gebissreste, sondern auch verschiedenes Weichteilgewebe wie Haut und Fell sowie Nahrungsreste in Form von versteinerten Kotballen überliefert. Als herausragendes Kennzeichen kann der bei Mylodon stark verlängerte und gegenüber anderen großen Mylodonten deutlich schmalere Schädel herausgestellt werden, der vorn einen vollständig geschlossenen Nasenbogen aufwies. Weitere Unterscheidungsmerkmale betreffen die Struktur des vorderen Gebisses.

Die Tiere lebten ausschließlich bodenbewohnend. Ein dichtes Fell mit langen Haaren lässt sich als Anpassung an ein Leben unter kalten Klimabedingungen interpretieren, wie sie in der ausgehenden letzten Kaltzeit im südlichen Südamerika vorgeherrscht haben. Damit korrespondiert auch eine überwiegend auf Gräser basierte Ernährung in dieser Region. Die weite Verbreitung von Mylodon bis in die Pamparegion und einige Merkmale am Schädel zeigen jedoch auf, dass die Tiere eine weitaus größere ökologische Bandbreite besaßen und auch mit wärmeren Temperaturbedingungen und möglicherweise auch einer gemischten Pflanzenkost zurechtkamen. Die Tiere fielen teilweise größeren Beutegreifern zum Opfer.

Die Gattung wurde im Jahr 1840 wissenschaftlich eingeführt, in der Regel ist nur eine Art anerkannt. Das Typusmaterial stammt aus dem Gebiet der Pampa, wo es von Charles Darwin während seiner Reise mit der Beagle aufgesammelt worden war. Im Laufe der Forschungsgeschichte kam es zu Verwechslungen und Gleichsetzungen mit anderen großen Bodenfaultieren wie Glossotherium und Paramylodon, was erst in den 1920er Jahren gelöst werden konnte. Zudem gehörte Mylodon zu den ersten ausgestorbenen Faultieren, an denen genetische Untersuchungen zur Klärung der stammesgeschichtlichen Beziehungen vorgenommen wurden.

Merkmale Körpergröße Mylodon war ein großer Vertreter der Mylodontidae. Seine Gesamtlänge betrug schätzungsweise rund 3 bis 4 m. Anhand der Schädelausmaße wird ein Gewicht zwischen 1 und 2 t vermutet mit einer annähernden Schätzung von 1,65 t. Damit wies Mylodon etwa die Größe verwandter Formen wie Glossotherium oder Paramylodon auf, war aber deutlich kleiner als das riesenhafte Lestodon. Im Körperbau entsprachen die Tiere weitgehend den anderen großen bodenlebenden Faultieren.

Schädel- und Gebissmerkmale Vor allem im Schädelbau wich Mylodon deutlich von anderen verwandten Formen ab. Seine Länge variierte nach Untersuchung von zehn mehr oder weniger gut überlieferten Exemplaren zwischen 59,0 und 71,5 cm, was deutlich länger ist als bei Glossotherium oder Lestodon. Am Hirnschädel war er zwischen 16,5 und 22,5 cm breit, im vorderen Nasenbereich zwischen 11,3 und 15,5 cm. Die Höhe betrug entsprechend am hinteren Schädel 14,0 bis 19,0 cm und am vorderen 15,0 bis 23,5 cm. Der Schädel war dadurch langgestreckt und schmal, im Gegensatz zu Glossotherium und Lestodon, die einen kurzen und sehr breiten Schädel aufwiesen. Die außerordentliche Länge des Schädels von Mylodon wurde vor allem durch Streckungen im rostralen Abschnitt erreicht. In Aufsicht von oben verschmälerte sich das Rostrum nach vorn. Hier findet sich auch der bedeutendste Unterschied zu den meisten anderen Vertretern der Mylodontidae: Das Nasenbein war lang und schmal sowie im vorderen Bereich nach unten gewölbt. Am vorderen Ende verband es sich mit dem über einen Fortsatz verlängerten Mittelkieferknochen, der wiederum mit dem Oberkiefer fusionierte. Dadurch entstand ein bei ausgewachsenen Individuen vollständig geschlossener Nasenbogen, der bei anderen Faultieren weitgehend unbekannt ist. Im Vergleich dazu zeigten die Schädel von Glossotherium und Lestodon, aber auch von Paramylodon einen von oben gesehen verbreiterten Nasenbereich, der eher kurz war und in Seitensicht deutlich abgeschnitten wirkte, der Mittelkieferknochen hatte hier keinen Kontakt zum Nasenbein. Das Schädeldach verlief bei Mylodon weitgehend gerade, lediglich oberhalb der Orbita konnte eine leichte Eindellung auftreten. Am Scheitelbein setzten deutliche Temporallinien an, die aber keinen Scheitelkamm bildeten. Der Jochbogen war schlank, der vordere Ansatz begann oberhalb des dritten und vierten Backenzahns. Er bildete mit dem hinteren Bogenansatz keinen festen Schluss. Wie üblich bei Faultieren bestand der vordere Bogenansatz aus drei Fortsätzen: einem aufsteigenden, einem horizontalen und einem absteigenden, von denen der erstere am längsten war. Der hintere Bogenansatz formte eine dreieckige Platte. Das Hinterhauptsbein knickte in einem Winkel von 120° vom Schädeldach ab. Die Unterseiten der Hinterhauptsgelenke saßen etwa auf Höhe der Kauebene. In der Ansicht von hinten zeigte sich das Hinterhauptsbein nahezu kreisrund und nicht so gedrückt wie bei Glossotherium und Lestodon. Auf der Schädelunterseite wies der Gaumen eine schmale und nach vorn mehr oder weniger dreieckig orientierte Form auf. Charakteristisch waren hier zahlreiche kleine Knochenöffnungen. Die Glenoidgrube, in der das Gelenk des Unterkiefers einrastet, entsprach mit ihrer schwachen Ausprägung der anderer Mylodonten, wodurch aber insgesamt eine freie Rotationsmöglichkeit bestand.

mini|Unterkiefer von Mylodon Der Unterkiefer variierte in seiner Länge zwischen 42,0 und 48,0 cm, gemessen an drei Fossilfunden. Er war langgestreckt, deutlicher als bei Glossotherium und Lestodon, da sich bei Mylodon vor allem der Bereich vor den Zähnen gedehnt hatte. Der horizontale Knochenkörper nahm nach hinten kontinuierlich an Höhe zu, unterhalb des letzten Backenzahns betrug sie etwa 10,5 bis 12,7 cm. Die Symphyse am vorderen Ende zur Gelenkung der beiden Unterkieferhälften wurde rund 12,4 cm lang. Hier stieg die Unterkante des Unterkieferkörpers schräg auf, so dass das vordere Ende der Symphyse oberhalb der Kauebene der Zähne lag. Die Symphyse zog wie bei anderen Faultieren nach vorn aus, sie endete leicht abgerundet. Entsprechend dem Rostrum des Schädels war die Symphyse bei Mylodon schmal und nicht so breit wie bei Glossotherium und Lestodon. Kurz hinter der Symphyse öffnete sich das Foramen mandibulae. Der aufsteigende Ast setzte hinter dem letzten Backenzahn an und bildete einen Winkel von 140° zur Kauebene. Der Kronenfortsatz erhob sich teilweise bis zu 20 cm. Dagegen saß der Gelenkfortsatz tiefer, etwa auf Höhe der Kauebene, wodurch sich eine niedrige Schädel-Unterkiefer-Verbindung ergab. Der Winkelfortsatz am hinteren Unterkieferende zeichnete sich deutlich ab. Teils kippte er nach unten ab und lag unterhalb der Unterkante des horizontalen Knochenkörpers. Die Oberseite des Winkelfortsatzes erreichte nicht die Kauebene.

Das für die Faultiere typische Gebiss weicht stark von dem der anderen Höheren Säugetiere ab und besteht in der Regel oben aus fünf und unten aus vier Zähnen je Kieferbogen, insgesamt also aus 18 Zähnen. Bei den Mylodonten zeigte sich der jeweils erste Zahn häufig als eckzahnförmig (caniniform) in seiner Gestalt, während die hinteren Zähne eher molarenartig (molariform) wirkten. Innerhalb der Faultiere kann diese Gebissstruktur als ursprünglich bezeichnet werden. Mylodon wies dahingehend als Besonderheit auf, dass der obere eckzahnartige Zahn einer jeden Reihe vollständig zurückgebildet war und hier nur die molarenartigen vier hinteren Zähne vorkamen. In der unteren Zahnreihe war der vordere caniniforme Zahn in einen molariformen umgestaltet. Das Gebiss setzte sich somit aus insgesamt 16 Zähnen zusammen. Dies erinnert ein wenig an Paramylodon, bei dem die oberen eckzahnförmigen Zähne ebenfalls fehlten, die unteren aber ihre auffallend spitze Form beibehalten hatten. Abweichend davon wiesen Glossotherium und Lestodon das ursprüngliche Faultiergebiss auf. Als Charakteristikum der Mylodonten kann die flache, lappenartige und weitgehend eingedellte Struktur der molariformen Zähne hervorgehoben werden, die sich dadurch deutlich von der der Megatheriidae und Megalonychidae mit ihren zwei quergestellten erhabenen Leisten je Zahn unterscheidet. Die Form der Zähne war bei Mylodon insgesamt einfacher gestaltet. Sie hatten in der Oberkieferzahnreihe einen eher runden bis ovalen, in der Unterkieferzahnreihe einen eher rautenförmigen Umriss. Die typisch komplexere zweilappige Gestaltung der molarenartigen Zähne von Glossotherium und Lestodon, hervorgerufen durch eine zentrale Einschnürung, kam bei Mylodon nur am unteren hintersten Zahn vor. Allgemein standen die Zahnreihen nach vorn divergierend zueinander, zudem waren die Zähne sehr hochkronig (hypsodont). Die obere Zahnreihe erstreckte sich über eine Länge von 10,9 bis 13,3 cm, die untere war zwischen 12,0 und 15,0 cm lang.

Körperskelett mini|hochkant|Vorderbein von Mylodon