Spiralcurriculum bezeichnet ein didaktisches Prinzip zur Anordnung von Lerninhalten, das maßgeblich 1960 durch den amerikanischen Entwicklungs-Kognitionspsychologen Jerome Bruner bestimmt wurde. Es ist ein curriculumsbezogenes didaktisches Prinzip, das Auswirkungen auf die Unterrichtsmethodik hat.
Grundidee Das Prinzip geht auf die Hypothese zurück, dass jedem Kind auf jeder Entwicklungsstufe jeder Lehrgegenstand in einer intellektuell ehrlichen Form gelehrt werden kann. Das bedeutet, dass prinzipiell alle relevanten Inhalte bereits im Grundschulalter unter Nutzung der didaktischen Reduktion von den Kindern erlernt werden können. Das Curriculum folgt damit nicht allein einer innerfachlichen Logik, sondern berücksichtigt auch entwicklungs- und lernpsychologische Gesichtspunkte, ordnet den Stoff nicht linear an, sondern in Form einer Spirale, so dass einzelne Themen im Laufe der Schuljahre mehrmals auf jeweils höherem Niveau und in differenzierterer Form wiederkehren.Wolfgang Schnotz: Pädagogische Psychologie kompakt: Mit Online-Materialien. Beltz 2011, ISBN 978-3-621-27773-0, S. 142. Aufgrund des hermeneutischen Zirkels kann allerdings auch innerfachliche Historizität als Leitbild ein spiralförmiges Vorgehen begründen.
Das Spiralprinzip findet nicht nur in allgemeinbildende Schulformen, sondern auch in der berufliche Bildung Anwendung. Es eignet sich insbesondere für Inhalte, in denen ein strukturgebundenes und Zusammenhänge herstellendes Arbeiten erforderlich ist. Dies ist bei Themen mit fächerübergreifendem und projektorientiertem Charakter der Fall, wie beispielsweise „Erneuerbare Energien“, sowie bei allen Lernformen, die über rechtliche Grundlagen nicht vollständig vorgeplant sind. Ein Beispiel für ein Spiralcurriculum, das die gesamte Oberstufe umfasst, liefert das Handbuch Psychologieunterricht von Inge Seiffge-Krenke.
Bedeutung für den Mathematikunterricht Die besondere Bedeutung des Spiralprinzips für den Mathematikunterricht wird im Rahmen der Mathematikdidaktik diskutiert. Durch Anwendung des Konzepts auf mathematische Inhalte sollen diese nicht in unzusammenhängende Gebiete zerfallen, sondern die Lernenden können Beziehungslinien zwischen den jeweiligen Einzelthemen erkennen und erhalten eine Orientierung in der Stofffülle.
Siehe auch
Lernspirale
Literatur Wolfgang Schnotz: Pädagogische Psychologie kompakt: Mit Online-Materialien. Beltz 2011, ISBN 978-3-621-27773-0, S. 142 ()
Einzelnachweise
Kategorie:Lehrplan Kategorie:Pädagogische Psychologie