mini|hochkant=1.3|Luftaufnahme des Flughafens
Der Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ war von 1974 bis zum 8. November 2020 ein internationaler Verkehrsflughafen im Berliner Ortsteil Tegel. Der Flughafen wurde am 5. Mai 2021 entwidmet, nachdem der gesamte Verkehr zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg verlagert worden war. Nur der Nordteil besteht noch als militärischer Hubschrauberlandeplatz.
In den letzten Jahren vor seiner Stilllegung startete oder landete in Tegel zwischen 6 und 23 Uhr durchschnittlich alle zwei Minuten ein Flugzeug, wobei jährlich 22 Millionen Fluggäste abgefertigt wurden.23–6 Uhr Nachtflugverbot mit ca. 10.000 Flugbewegungen, 190000−10.000 = 180000 Bewegungen/Jahr/17 Stunden/Tag/365 Tage/Jahr = 30 Bewegungen/Stunde Gemessen am Passagieraufkommen im Juni 2019 lag der Flughafen an vierter Stelle in Deutschland (hinter Frankfurt, München und Düsseldorf)ADV-Monatsstatistik 06/2019. (PDF; 364 kB) Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, abgerufen am 15. August 2019. und an 28. Stelle im europäischen Vergleich (siehe: Liste der größten Flughäfen in Europa, Angaben für 2019).
Seit 2022 befindet sich dort eine Flüchtlingsunterkunft, die inzwischen mit tausenden von Personen das größte Notaufnahmelager Europas ist. Es bestehen Planungen für dauerhafte Unterkünfte auf einem nahen Areal der Bundeswehr.
Eigentumsverhältnisse Betreiber des Flughafens war die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH (BFG), eine Tochtergesellschaft der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Im Zuge der geplanten Fertigstellung des Ausbaus des Flughafens Schönefeld zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sollte der Flughafen Tegel als letzter Berliner Verkehrsflughafen ursprünglich am Abend des 2. Juni 2012 geschlossen werden. Nach zahlreichen Verschiebungen der Eröffnung des BER, die letztlich am 31. Oktober 2020 erfolgte, blieb der Flughafen Tegel bis zum Ablauf des 8. November 2020 in Betrieb. Der Flughafen wurde am 5. Mai 2021 entwidmet – sechs Monate nach Inbetriebnahme des BER. Von den 461 Hektar des Flughafengeländes gehörten 302 der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (= 66 %) und 159 dem Land Berlin (= 34 %).Nachnutzung Flughafen Tegel. Grundlagenermittlung. (PDF; 14,2 MB) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Broschüre. Bis zur Fertigstellung des neuen Regierungsflughafens am BER soll der Hubschrauber-Flugbetrieb der Bundeswehr bis 2029 von Tegel Nord aus fortgeführt werden. Der Bundeswehrstandort soll bis 2040 genutzt werden.Hubschrauber bleiben in Tegel. In: taz, 28. Oktober 2025.
Lage und Verkehrsanbindung mini|hochkant=1.7|Lage der aktiven und ehemaligen Berliner Flughäfen
Der Flughafen Tegel liegt elf Kilometer nordwestlich des Berliner Stadtkerns im Ortsteil Tegel des Bezirks Reinickendorf, . Die Hauptzufahrt zu den Flughafenanlagen Tegel-Süd, über die der gesamte zivile Luftverkehr abgewickelt wurde, lag jedoch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Mit der Schließung des Flughafens wurden die Buslinien TXL und X9 eingestellt. Die Linie 109 fährt seit dem 8. November 2020 bis „Urban Tech Republic“. Von der nahegelegenen Bundesautobahn 111 gibt es einen Zubringer; die Autobahn selbst wird nördlich davon durch einen Straßentunnel neben dem Rollfeld geführt.
Der Flughafen besitzt keine Anbindung an den schienengebundenen Personenverkehr, er sollte über eine 2,7 Kilometer lange U-Bahn-Anbindung als Linie U5 mit dem Bahnhof Jungfernheide an das Stadtzentrum angebunden werden. Die Trassierung befindet sich seit 1965 in den fortgeschriebenen Flächennutzungsplänen (FNP). 700 m der Trasse wurden bis 1980 in Tunnelbauweise fertiggestellt und 450 m davon seit dem 14. Juli 2003 als Übungsanlage der Berliner Feuerwehr genutzt. 1995 wurde eine geplante Verlängerung der U-Bahn weiter nach Norden bis zum Rathaus Reinickendorf und damit ein Anschluss an die Linie U8 in den Verkehrsplanungen geführt.Planung U-Bahnanbindung Flughafen Tegel 1995, nicht mehr Teil der heutigen Planung.
mini|Eine Boeing 767-300ER der MIAT in Berlin-Tegel mini|Airbus A320 von Air Berlin, der zwischenzeitlich größten Fluggesellschaft auf dem Flughafen Tegel
Die Strecke kann auch als Straßenbahn ausgeführt werden, so wird es im Nahverkehrsplan Berlin 2019–2023Nahverkehrsplan 2019–2023 (PDF) dargestellt. Aufgrund der Entscheidung, den Flughafen Tegel zu schließen, wurden die U-Bahn-Planungen nicht weiter vorangetrieben.
Geschichte
Vorgeschichte Das Flughafengelände war ursprünglich ein Teil der Jungfernheide und diente den Preußen-Königen als Jagdrevier. Später wurde es vom preußischen Militär als Artillerie-Schießplatz genutzt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dort das 1. Preußische Luftschiffer-Bataillon aufgestellt, das mit verschiedenen Luftschiff-Konstruktionen experimentierte. Auf dem Gelände, das auch als Luftschiffhafen Reinickendorf bezeichnet wurde, existierte ab 1906 eine erste Luftschiffhalle.1907: 50 m, 2800 m³ second configuration Versuchsluftschiff in Parseval shed at Berlin-Reinickendorf; und auf EarlyAviator.com. Hier wurden unter anderem Luftschiffe der Typen Groß-Basenach und Parseval erprobt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde dieses Bataillon zur Luftschiffer-Ersatz-Abteilung umgestaltet, die von nun an der Ausbildung von Feldluftschiffertruppen diente und Gefechtsfeldaufklärung mit Hilfe eines Fesselballons lehrte. Ab dem 20. August 1914 begann man, einen Neubau des Luftschiffhafens mit Hangar vorzubereiten..
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war dem Deutschen Reich aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags ein Wiederaufbau von Luftstreitkräften verboten. Deshalb wurde die Entwicklung von Luftschiffen in Tegel eingestellt und die Luftschiffhalle abgebrochen.
Am 27. September 1930 wurde der Raketenschießplatz Tegel unter der Leitung von Rudolf Nebel eröffnet. Die Versuche mit flüssigkeitsbetriebenen Raketen und Flugkörpern, an denen auch Wernher von Braun beteiligt war, wurden nach den ersten Erfolgen unter Geheimhaltung zunächst hier, später in Kummersdorf-Gut und ab 1936 in Peenemünde weitergeführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände als Truppenübungsplatz von Flak-Regimentern der Luftwaffe genutzt. Zur Erinnerung an die damaligen Raketenpioniere befanden sich in der Haupthalle des heutigen Flughafens Reliefporträts von Rudolf Nebel, Hermann Oberth und Wernher von Braun,Kunst auf dem Flughafen Tegel. In: frankkoebsch.wordpress.com, abgerufen am 11. Oktober 2014. die 2018 entfernt wurden.Das Gelände des Raketenflugplatz Berlin In: raketenflugplatz-berlin.de, abgerufen am 13. November 2022.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Tegeler Gelände von Bombenkratern durch alliierte Luftangriffe übersät und die dort stehenden Gebäude weitgehend zerstört. Noch immer sind Blindgänger und Munitionsreste im Boden verteilt.Katrin Schoelkopf: Blindgänger in Tegel werden im Frühjahr geräumt. In: Berliner Morgenpost, 22. Januar 2009. Ursprünglich hatte die Bezirksverwaltung geplant, auf einem Teil des Geländes eine Kleingarten-Wohnsiedlung einzurichten, um die Wohnungsnot zu lindern.
Luftbrücke
Während der sowjetischen Blockade West-Berlins richtete die französische Besatzungsmacht zusammen mit US-amerikanischen Spezialisten und deutschen Arbeitskräften zur Unterstützung der Berliner Luftbrücke in 90 Tagen einen neuen Flugplatz ein. Auf dem Gelände in Tegel wurde sechs Wochen nach dem Beginn der Blockade ab dem 5. August 1948 mit dem Bau der damals längsten Start- und Landebahn Europas mit einer Länge von 2428 m begonnen; die notwendigen Gebäude und Hallen wurden zunächst als Provisorien mit einfachsten Mitteln errichtet. Am 5. November 1948 landete mit einer Douglas C-54 das erste Flugzeug auf dem erst Anfang Dezember offiziell eingeweihten Flughafen. Der Flugbetrieb erfolgte weitgehend mit amerikanischen und britischen Flugzeugen, da die französischen Luftstreitkräfte nicht über eine ausreichende Anzahl an Transportflugzeugen verfügten und zudem im Indochinakrieg gebunden waren. Am 16. Dezember 1948 wurden die beiden Sendetürme des unter der Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration stehenden und vom Berliner Rundfunk genutzten Radiosenders Sender Tegel von französischen Truppen gesprengt, da sie den Flugbetrieb beeinträchtigten.Ann Tusa, John Tusa: The Berlin Blockade. Coronet Books, Auflage 1989, 557 S., ISBN 0-340-50068-9..
Am 21. Dezember 1948 wurde das Dorf Stolpe (Hohen Neuendorf) im französischen Sektor von den Sowjets besetzt; als offizieller Grund wurde die Vergeltung für die Sprengung von Funkmasten in der sowjetischen Zone durch die französische Militäradministration angegeben, die sich im Anflugbereich von Tegel befanden.
Aufbau des zivilen Luftverkehrs Der gesonderte Besatzungsstatus Berlins während der Zeit des Kalten Kriegs bewirkte, dass die Flughäfen auf dem Gebiet der westlichen Sektoren Berlins, dem späteren West-Berlin, ausschließlich von Fluggesellschaften aus den Staaten der drei westlichen Besatzungsmächte (USA, Großbritannien, Frankreich) angeflogen werden durften. Für den Überflug der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, wurden eigens gesonderte Luftkorridore eingerichtet, an die sich die alliierten Piloten streng zu halten hatten. Ferner durfte die Flugzeugbesatzung von Berlinflügen anfangs ebenfalls ausschließlich aus Bürgern dieser Staaten bestehen.Monthly Timetable Booklets for Berlin Tempelhof and Berlin Tegel Airports. Berlin Airport Company, West-Berlin, verschiedene Ausgaben April 1968 – Oktober 1990. Zumindest seit Mitte der 1960er Jahre beschäftigten die Fluggesellschaften dann auch einheimisches Personal, allerdings beschränkt auf Flugbegleiter.
Den ersten regelmäßigen Linienflug nach Tegel nahm Air France ab dem 2. Januar 1960 in den Flugplan auf. Dies war der Beginn des zivilen Flugverkehrs in Tegel. Zuvor wurde bereits Tempelhof bedient; bei diesem Flughafen stellte jedoch die verhältnismäßig kurze Start- und Landebahn für die neu aufkommenden Strahlflugzeuge ein Problem dar.Special Report on Air France’s 25th Anniversary at Berlin Tegel. March 1985 Monthly Timetable Booklet for Berlin Tempelhof and Berlin Tegel Airports. Berlin Airport Company, West-Berlin 1985.
Am 14. September 1961 – in einer durch den Mauerbau einen Monat zuvor sehr angespannten Phase des Kalten Krieges – landeten zwei F-84F Thunderstreak des Jagdbombergeschwaders 32 der Bundeswehr nach einem Irrflug über das Gebiet der DDR auf dem Tegeler Flughafen.
PanAm begann im Mai 1964 als zweite Fluggesellschaft mit regelmäßigen Linienflügen, zunächst dreimal wöchentlich zum New Yorker Flughafen John F. Kennedy.Hot route in the Cold War. In: Time, 3. Juli 1964. Als Flugzeugtyp wurden Boeing 707 und Douglas DC-8 eingesetzt, die von Tempelhof aus wegen der zu kurzen Start- und Landebahn keine Transatlantikflüge durchführen konnten. Die Verbindung wurde im Oktober 1971 eingestellt.June 1964 and October 1971 Monthly Timetable Booklets for Berlin Tempelhof and Berlin Tegel Airports. Berlin Airport Company, West-Berlin, 1964 und 1971.
Wandel zum wichtigsten Flughafen Berlins mini|Ursprüngliche Planung für die Erweiterung des Gebäudes und Lage des geplanten U-Bahnhofs mini|Das Terminalgebäude und der Tower von Gerkan, Marg und Partner