mini|Hernándo Cortés-Porträt aus dem 18. Jahrhundert nach dem Porträt des Eroberers an Paolo Giovio, das seit dem 16. Jahrhundert als Vorbild für viele seiner Darstellungen diente rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image
Hernán Cortés de Monroy y Pizarro Altamirano, seit 1529 1. Marqués del Valle de Oaxaca – der Vorname wird mitunter mit Hernando oder Fernando angegeben, der Nachname auch mit Cortez wiedergegeben – (* 1485 in Medellín; † 2. Dezember 1547 in Castilleja de la Cuesta) war ein spanischer Konquistador. Mit Hilfe seiner indianischen Verbündeten eroberte er das Aztekenreich und dessen Hauptstadt Tenochtitlan. In den Jahren von 1521 bis 1530 war Hernán Cortés Generalgouverneur von Neuspanien.
Leben Werdegang bis 1518 mini|400px|Genealogie von Cortés und Pizarro Cortés entstammte dem niederen spanischen Adel (Hidalgo). Er war über seine Mutter mit Francisco Pizarro, dem Eroberer Perus, entfernt verwandt.Peter Bigorajski: Die Eroberung Mexikos Seine Familie war nicht wohlhabend. Cortés studierte bereits mit 14 Jahren an der Universität Salamanca Rechtswissenschaft. Nach zwei Jahren brach er sein Studium ab und kehrte nach Medellín zurück. Zwei Jahre in Salamanca und seine späteren Erfahrungen als Notar brachten ihm die kastilische Rechtsordnung nahe. Anschließend trat er in den Kriegsdienst und schiffte sich 1504 nach Westindien ein, wo er bei einem Verwandten arbeitete, dem Statthalter von Hispaniola, Nicolás de Ovando.Cortés, Hernán: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 323.
Im Jahre 1511 begleitete er den Statthalter Don Diego Velázquez nach Kuba und wurde auf Grund seiner Tüchtigkeit dessen Sekretär, als dieser Gouverneur von Kuba geworden war. Cortés ließ sich von seinem Gönner Velázquez auf Kuba ein Repartimiento in Cuavanacan am Río Duaba zuteilen. Dort ließ er die ansässigen Taínos nach Gold suchen und erwarb ein beträchtliches Vermögen. Er arbeitete auch als Notar, verdiente Geld mit der Viehzucht und berechnete den königlichen Anteil der kubanischen Goldproduktion. Andere Kolonisten nahmen ihn nicht ernst, da er sich noch durch keine Eroberung hervorgetan hatte. Als der Gouverneur Diego Velázquez 1515 die Hauptstadt Kubas von Baracoa nach Santiago verlegte, begleitete ihn Cortés und wurde als Alcalde Oberbefehlshaber und Friedensrichter der Stadt.Felix Hinz: motecuhzoma.de/Baracoa Trotzdem hatte er immer wieder Differenzen mit dem Statthalter. Für kurze Zeit ließ Velázquez seinen Sekretär sogar ins Gefängnis werfen, weil dieser Catalina Suárez nicht heiraten wollte, der er die Ehe versprochen hatte. Cortés brach aus dem Gefängnis aus, wurde jedoch erneut gefangen genommen. Schließlich heiratete er unter dem Druck des Gouverneurs Catalina und versöhnte sich mit ihm und der Familie seiner Frau. Die Ehe blieb kinderlos.Peter Bigorajski: Die Eroberung Mexikos
Eroberung Mexikos
Befehlshaber der Expedition mini|Malinche und Hernán Cortés. Altmexikanische Bilderhandschrift der Tlaxcalteken aus dem 16. Jahrhundert (Lienzo de Tlaxcala).
Zweimal versuchte Velázquez, seinen Machtbereich zu erweitern, und schickte Expeditionen unter Francisco Hernández de Córdoba und Juan de Grijalva an die unbekannte Küste Mittelamerikas. Dadurch erfuhr er vom Goldreichtum des Landes. So rüstete er eine dritte Expedition aus und setzte Cortés als Kommandanten ein. Doch Freunde warnten Velázquez vor dem Ehrgeiz des Hernán Cortés. So nahm er seinen Auftrag zurück, doch Cortés hatte in anderen kubanischen Häfen bereits Männer angeworben und Schiffe gekauft. Mit der Flottille von 11 Schiffen, neben dem Flaggschiff des Konquistadors mit dem Namen Santa Maria de la Concepción drei weitere Karavellen und sieben kleinere Brigantinen sowie einer Mannschaft von 670 Mann, zumeist junge Männer aus Spanien, Genua, Neapel, Portugal und Frankreich, segelte er am 18. Februar 1519 von Havanna zu der neu entdeckten Küste.
Auf der Insel Cozumel gelang es, den Spanier Gerónimo de Aguilar aus den Händen der Maya zu befreien. Er war acht Jahre zuvor an der Küste gestrandet und hatte bei den Maya als Sklave gelebt und ihre Sprache erlernt.Cortés, Hernán: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 38.Jerónimo de Aguilar y Gonzálo Guerrero: dos actitudes frente a la historia. (spanisch). Cortés umfuhr die östliche Spitze von Yucatán, segelte in nördlicher Richtung an der Küste entlang und in den Fluss Tabasco. Als er in der Nähe der Stadt Potonchán an Land gehen wollte, um Trinkwasser aufzunehmen, ließen die Maya die Landung nicht zu. So nahmen die Spanier die Stadt mit Gewalt. Darauf unterwarfen sich die Maya Cortés und dem König von Spanien und erklärten sich bereit, Tribut zu zahlen. Am 15. März 1519 übergab Tabscoob, der ranghöchste Fürst der Maya in Potonchán 20 Sklavinnen an Cortés. Eine dieser Sklavinnen, Malinche, von den Spaniern Doña Marina genannt, diente gemeinsam mit Gerónimo de Aguilar als Dolmetscherin und wurde zu seiner wichtigsten Beraterin, später auch Geliebte und Mutter seines ersten Sohns, Martín (geboren wohl 1523).Carmen Wurm: Doña Marina, la Malinche. Eine historische Figur und ihre literarische Rezeption. Vervuert. Frankfurt am Main 1996, ISBN 978-3-96456-698-0, S. 19 und 30 (abgerufen über De Gruyter Online).
Landung und Koloniegründung mini|Cortés versenkt seine Schiffe. Kupferstich von Karel Donatus van Beecq (1638–1722). mini|Aztekengebiet vor der Ankunft des Spaniers im Jahr 1519 Cortés setzte seine Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und landete am 21. April 1519 bei San Juan de Ulúa. Moctezuma erfuhr von der Landung der Spanier und sandte ihnen eine Delegation seiner engsten Vertrauten. Er gab ihnen Geschenke aus Gold und Edelsteinen, Kleidung und prächtigem Federschmuck mit. Nie zuvor erhielten unbekannte Besucher so viele und hochwertige Gaben. Cortés’ Wunsch, ihn in Tenochtitlán besuchen zu dürfen, lehnte Moctezuma jedoch ab. Mit seinen großzügigen Goldgeschenken wollte er die Fremden besänftigen und sie dazu bewegen, das Land zu verlassen, bewirkte jedoch das Gegenteil. Jetzt war Cortés klar, dass dieses Land nicht arm, sondern sehr reich war.
Um die Unabhängigkeit vom Statthalter in Kuba zu erlangen, gründete Cortés im Namen des Königs und unter königlicher Autorität eine selbstständige Kolonie nach dem Vorbild der spanischen Korporationen. Er gab ihr den Namen Villa Rica de la Vera Cruz (Veracruz) und sandte dem spanischen König Karl I. (spanisch: Carlos I., später als Karl V. auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) ein Rechtfertigungsschreiben mit den Geschenken der Azteken. Die Schiffe ließ er zerstören, nachdem Segel, Anker, Kompasse und alle weiteren beweglichen Teile an Land geschafft worden waren.Cortés, Hernán: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 87. So nahm er sich und seinen Leuten bewusst die Möglichkeit zur Rückkehr. Mit der Zerstörung seiner Schiffe setzte Cortés alles auf eine Karte. Er widersetzte sich den Befehlen von Velázquez und verschuldete sich für das Unternehmen hoch. Wenn er gescheitert wäre, hätte man ihn als Verräter in Ketten nach Spanien gebracht oder gleich auf Kuba abgeurteilt. Nur mit einem Erfolg konnte er sich gegen Velázquez wehren, seine Gläubiger befriedigen und vor dem König als Held erscheinen.
In Veracruz ließ Cortés eine kleine Truppe unter dem Kommando von Juan de Escalante zurück. Die meisten dieser Männer waren für den bevorstehenden Marsch nach Tenochtitlán zu alt, krank oder bei den ersten Gefechten in Tabasco verwundet worden und noch nicht genesen.
Wichtige Informationen über Land und Leute sowie eine Einladung nach Cempoala erhielt Cortés von dem „Dicken Kaziken“ der Totonaken. Die Totonaken waren wenige Jahre zuvor von den Azteken unterworfen worden. Die Indianer beklagten sich bei ihm über Moctezuma und die erdrückende Last der Tributzahlungen. Der Kazike gewährte dem Konquistador einen tiefen Einblick in die politischen Verhältnisse des Landes. Durch seine Dolmetscherin Malinche erfuhr Cortés, dass das Aztekenreich kein klar umrissenes Staatsgebiet besaß. Es gab keine einheitliche Sprache, obwohl Nahuatl fast überall verstanden wurde, keine einheitliche Verwaltung, kein einheitliches Rechtssystem und kein stehendes Heer. Nur die gewaltige militärische Macht der Azteken hielt den Vielvölkerstaat zusammen.Hanns J. Prem: Die Azteken-Geschichte-Kultur-Religion. Verlag C. H. Beck, ISBN 3-406-45835-1, S. 19. Da das Heer nur für Kriegszüge aufgestellt wurde, fehlte eine militärische Sicherung des Reiches fast vollständig.Hanns J. Prem: Die Azteken-Geschichte-Kultur-Religion. Verlag C. H. Beck, ISBN 3-406-45835-1, S. 22. Hatten die Azteken ein Volk unterworfen, mussten die Kaziken Tribut an die Herrscher in Tenochtitlán in Form von Edelmetallen, Kunsthandwerk, Nahrungsmitteln und auch Menschen zahlen. Diese wurden von den Azteken versklavt oder auf Altären den Göttern geopfert. Wurden die Tributforderungen nicht erfüllt, löste dies einen weiteren Kriegszug aus.Hanns J. Prem: Die Azteken-Geschichte-Kultur-Religion. Verlag C. H. Beck, ISBN 3-406-45835-1, S. 39. So wuchs mit jedem Sieg der Azteken die Zahl ihrer Feinde.
Von Cortés erhofften sich die Totonaken ihre Freiheit und baten ihn um militärischen Beistand gegen die Azteken.Gerhard Paleczny: Der Untergang des Aztekenreiches und die Folgen im 16. Jahrhundert, Grin Verlag, S. 13. Cortés versprach, sie vor den Azteken zu schützen, und veranlasste den Kaziken, die zufällig anwesenden aztekischen Tributeintreiber gefangen zu nehmen. Er drängte die Totonaken, ihr erzwungenes Bündnis mit den Azteken aufzukündigen. Den Tributeintreibern verhalf er heimlich zur Flucht, um sie als Boten für seine Nachrichten an Moctezuma zu benutzen. Sie berichteten ihrem Herrscher, dass Cortés sein Freund und Alliierter sein wollte. Den Totonaken hingegen versprach Cortés Schutz und Waffenhilfe bei einem Angriff der Azteken. Die Totonaken berichteten Cortés auch von der tiefen Feindschaft der Tlaxcalteken zu den Azteken. Sie hatten sich viele Jahre den Azteken widersetzt und keinen Tribut gezahlt. Obwohl die Tlaxcalteken nur noch eine kleine Enklave in dem riesigen aztekischen Reich besaßen und auf ein überschaubares Gebiet begrenzt waren, hatten sie in vielen Schlachten ihre Kampfkraft gezeigt. Cortés hatte die Absicht, mit diesem Volk ein Bündnis einzugehen.
Marsch nach Tenochtitlán mini|hochkant=2|Cortés’ Eroberungszug durch Mexiko 1519 nach Tenochtitlán
Am 16. August 1519 brach Cortés mit rund 300 Soldaten, darunter Reiter, Armbrustschützen und Arkebusieren auf. Zudem verfügte der Tross über mehrere Kanonen und wurde von mehreren tausend Totonaken begleitet, die neben Kriegern auch Träger für den Transport der schweren Waffen stellten.