mini|hochkant|Mihrāb in der Aljafería, Saragossa mini|hochkant|Mihrāb in der Mezquita-Catedral de Córdoba Mihrāb (, Plural: ) ist die islamische Gebetsnische in Moscheen, welche die Gebetsrichtung () anzeigt. mini|hochkant|Mihrāb in der Bunten Moschee in Tetovo Die Etymologie des Begriffs ist nicht abschließend geklärt. Die Wurzel hat im Stamm III die Bedeutung „kämpfen“ und im Stamm IV „Krieg führen“. Als Nomen davon abgeleitet sind „Krieg“ und „Lanze“. wird von einigen Wissenschaftlern (Lane, Goldziher) als „Kampfplatz“, im Sinne des ğihād an-nafs (d. h. Kampf gegen die eigene Trieb-Seele, Unzulänglichkeit) gedeutet. Einige vermuten auch ein Lehnwort aus dem Altäthiopischen (Dillmann) oder dem Hebräischen (Beer, Daiches) mit einem diffusen Bezug auf Bauwerke.

Gebrauch des Wortes im Arabischen In vor- bzw. frühislamischer Zeit wurde das Wort in verschiedenen Richtungen gedeutet, zum Beispiel als Palast, wie in folgenden Koranzitaten: bzw. Paläste Der Koran gebraucht mihrāb auch im Sinne von „Tempel“, zum Beispiel und (beide sind häufig als Inschriften auf zu finden), sowie .

Daneben findet man die Bedeutungen Nische, Vertiefung, Balkon, Galerie, wichtiger Teil bzw. spezieller Platz in einem Palast oder einer Kammer, höchster, erster bzw. wichtigster Platz, Raum zwischen zwei Säulen und Begräbnisstätte. Heute bezeichnet das Wort nahezu ausschließlich die Gebetsnische in der Moschee, selten auch „Heiligtum“.

Architektur Ein miḥrāb besteht aus einem von zwei oder mehr Säulen getragenen Bogen oder Gewölbe. Der Raum zwischen den Säulen ist flach oder zurückgesetzt, wodurch der Eindruck einer Tür oder eines Durchganges entsteht. Viele Mihrab-Nischen sind in die Wand integriert und treten nach außen nicht in Erscheinung.

Ursprung und Funktion der Nische in der Levante mini|hochkant|Wandbild einer halbkreisförmigen Nische in der Synagoge von Dura Europos, dessen Form und Zentralität ein Vorbild für die Einführung des Mihrab gewesen sein könnte. In römisch-hellenistischer Zeit wurden Nischen als hervorgehobener Ort für den Herrscher, als Bauschmuck oder als Rahmen für Statuen, etwa für die Götterstatue im Tempel () gebaut.

Die Orientierung beim Gebet ist wesentlich eine jüdische Idee.Géza Fehérvári: Miḥrāb. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Band 7, 1993, S. 8 Hierfür benutzte das vom Hellenismus stark beeinflusste Judentum sakrale Nischen. Der , der Torah-Schrein, mag hierfür das beste Beispiel sein; er findet sich in jeder Synagoge. Er dient sowohl dem Schutz als auch der Hervorhebung der heiligen Schrift. Seine Positionierung in der Richtung nach Jerusalem hat er erst im 3. Jahrhundert gefunden, zumindest gibt es keine älteren archäologischen Belege für diese Funktion. Der älteste Fund einer solchen „richtungweisenden“ Nische ist die Synagoge von Dura Europos im heutigen Osten Syriens am Ufer des Euphrat aus dem 3. Jahrhundert.Lorenz Korn: Die Moschee. Architektur und religiöses Leben. C.H. Beck, München 2012, S. 30 Trotz dieses Alters könnte diese Nischenabbildung während der Entstehung des islamischen Formenkanons im 8. Jahrhundert den Zeitgenossen bekannt gewesen sein. In viel stärkerem Maße waren Nischen in christlichen Kirchen zu finden: als die den Altar beherbergende Apsis (bzw. den „Chor“), in der sich der Priester während der sakralen Teile des Gottesdienstes aufhält.

Nischen wurden also von dem sich bildenden islamischen Baustil aufgegriffen. So finden sich in fast allen weltlichen Bauten aus der Frühzeit des Islam Nischen, wobei einige, wie die in Qusair 'Amra im heutigen Jordanien, auch Darstellungen von in Nischen thronenden Herrschern zeigen. Daraus lässt sich schließen, dass die frühen umayyadischen Kalifen in ihren Wüstenschlössern in hervorgehobenen Nischen, bzw. Apsiden, in den Audienzsälen thronten.

Der Mihrāb in der Moschee mini|hochkant|Mihrāb in der Moschee von Qus, Oberägypten Der Mihrāb ist der Ort des Imams während der täglichen Gebete und des Freitagsgebetes. Durch verschiedene Elemente zeigt er die Gebetsrichtung, die , an. Das kann ein Steinblock wie im Hause Mohammeds in Medina sein oder ein farbiger Strich oder eine mit Zeichen versehene Steinplatte, wie in der Moschee des 'Amr in Fustat. Manchmal benutzte man auch eine in den Boden gesteckte Lanze; so in den „Feldmoscheen“ von Kufa und Basra.

Der erste Nischenmihrāb entstand beim Neubau der Moschee in Medina unter al-Walīd I. in den Jahren 709–710. Wie dieser ist auch der dritte NischenmihrābK. A. C. Creswell: Early Muslim Architecture. Teil 2: Early Abbāsids, Umayyads of Cordova, Aghlabids, Ţūlūnids and Sāmānids A.D. 751–905. Clarendon Press, Oxford 1940. in der großen Moschee von Damaskus (705–15) nicht erhalten. Der älteste erhaltene Nischenmihrāb befindet sich in der Moschee des Umar vom Ende der umayyadischen Zeit in Bosra.

In der Grotte unter dem Felsendom in Jerusalem befindet sich ein 1,3 m × 0,8 m großer Flachmihrāb aus Marmor, der häufig als der älteste erhaltene mihrāb präsentiert wird.

Literatur

S. Flury: Notes on the Miḥrāb of Mashhad-i-Misiriyān. In: Arthur Upham Pope, Phyllis Ackerman (Hrsg.): A Survey of Persian Art from Prehistoric Times to the Present. Oxford 1938–1939, S. 2721–2725.

Titus Burckhardt: Vom Wesen heiliger Kunst in den Weltreligionen. Origo, Zürich 1955. Stark erweiterte Neuausgabe als: Heilige Kunst in den Weltreligionen. Chalice, Xanten 2018, ISBN 978-3-942914-29-1. Seiten 127–162.

Weblinks

Einzelnachweise

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