Troja ( oder , beides ; auch , „die Ilios“ oder , „das Ilion“; oder Ilium; ) war eine Stadt im Altertum. Sie war Schauplatz des Trojanischen Krieges, wie er in den – dem Dichter Homer zugeschriebenen – Epen Ilias und Odyssee geschildert wird. In diesen beiden Werken wird die Stadt allerdings als Ilios bezeichnet, während der Name Troja dort die umgebende Landschaft meint. Bereits seit der Antike ist Troja jedoch zur Bezeichnung der im Trojanischen Krieg umkämpften Stadt geworden. Durch die beiden homerischen Epen ist der Ort in die Weltliteratur eingegangen und für Geschichten wie das Trojanische Pferd bekannt. Die Stadt Troja lag nach heutiger Lehrmeinung in der Landschaft Troas im Nordwesten der heutigen Türkei, einer verbreiteten Forschungsmeinung zufolge auf dem Hisarlık Tepe in der Provinz Çanakkale. Die dortigen Ruinen werden seit dem 19. Jahrhundert erforscht und wurden mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erklärt. Ob Troja tatsächlich dort zu verorten ist und in der bei Homer beschriebenen Form überhaupt jemals existiert hat, ist jedoch umstritten. In den Altertumswissenschaften wird die lateinische Schreibweise Troia verwendet, die der altgriechischen Schreibweise entspricht.. Eberhard Karls Universität Tübingen

Hypothesen um „Troja“ mini|Landkarte der Troas mini|Umgebung von Troja nach Heinrich Schliemann Historizität Die Frage, ob ein Krieg zwischen Griechen und Ilios (Troja) tatsächlich stattgefunden hat, ist bislang nicht abschließend zu beantworten. Von der Frage nach einem solchen Krieg ist die Frage zu trennen, ob es die Stadt Ilios (Troja) gegeben hat. Homer wird als Gründer der abendländischen Literatur angesehen, seine gewaltigen Versepen haben sich schon im Altertum größter Beliebtheit erfreut, und die Frage nach dem realen Troja zog jahrhundertelang viel Interesse auf sich.

Lage In der Zeit der griechischen Antike gab es eine reale Stadt Ilion. Sie wurde damals mit dem berühmten Troja Homers gleichgesetzt. Da die Überlieferung abgebrochen ist, geriet auch die Lage dieses Troja in Vergessenheit. Seit dem 18. Jahrhundert wird vermutet, dass das Troja Homers sich auf dem Hügel Hisarlık befindet. Dort hat im 19. Jahrhundert der Deutsche Heinrich Schliemann im großen Stil gegraben. Es wurden seitdem Siedlungen gefunden, die über einen langen Zeitraum entstanden sind: vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. In der Mitte der heutigen Türkei lag das Zentrum des Reichs der Hethiter, das große Teile Kleinasiens und Syriens beherrschte und im frühen 12. Jahrhundert v. Chr. zusammenbrach. In hethitischen Quellen wird zwischen ca. 1400 und ca. 1200 v. Chr. mehrmals eine Stadt oder Region namens Wiluša erwähnt. Es gibt Hinweise, denen zufolge diese Stadt möglicherweise identisch ist mit der Anlage auf dem Hisarlık. Erstmals wurde eine Gleichsetzung von Wiluša und Ilios/Troja 1924 durch Paul Kretschmer vertreten. Seit der Übersetzung und Interpretation eines 1986 gefundenen hethitischen StaatsvertragsHeinrich Otten: Die Bronzetafel aus Boğazköy. Ein Staatsvertrag Tutḫalijas IV. Studien zu den Boǧazköy-Texten, Beiheft 1, Wiesbaden 1988. ist die geopolitische Situation im Süden und Westen Kleinasiens während des 13. Jahrhunderts v. Chr. wesentlich besser bekannt. Aufgrund der Angaben dieses Vertrags und auch der Entzifferung der Felsinschrift von Karabel durch John David Hawkins kamen Hawkins und Frank Starke zu dem Schluss, dass Wiluša ganz im Nordwesten Anatoliens, im Bereich der Troas gelegen haben muss.Frank Starke: Troia im Kontext des historisch-politischen und sprachlichen Umfeldes Kleinasiens im 2. Jahrtausend. In: Studia Troica. 7, 1997, S. 447–487. Unabhängig davon kam John David Hawkins: Tarkasnawa, King of Mira, Boğazköy sealings and Karabel. Anatolian Studies 48, 1998, S. 1–31 nach Auswertung der Karabel-Inschrift und Auswertung weiterer Quellen zu einem ähnlichen Ergebnis. Gegen diese Lokalisierung von Wiluša und eine Gleichsetzung mit Ilion wurden allerdings auch Bedenken geäußertSiehe vor allem Susanne Heinhold-Krahmer: Ist die Identität von Ilios mit Wiluša endgültig bewiesen? Studi micenei ed egeo-anatolici. 45, 2004, S. 29–57. und auch nach der Auswertung des Staatsvertrags und anderer Quellen eine Lokalisierung Wilušas an ganz anderen Orten vertreten.So tritt Vangelis D. Pantazis für eine Identifizierung Wilušas mit dem westanatolischen Beycesultan ein: Vangelis D. Pantazis: Wilusa. Reconsidering the Evidence. KLIO, 91, 2009, S. 291–310, besonders S. 303 ff. (drive.google.com).

Es ist vorherrschende Meinung, die in geringerem Teil auch in den Altertumswissenschaften gelehrt wird, dass das Troja Homers mit einer Siedlungsschicht auf dem Hügel Hisarlık identisch ist. Der Hügel besteht jedoch aus vielen Siedlungsschichten, die aus einem Zeitraum von mindestens 3500 Jahren stammen. Welche Schicht mit dem von Homer beschriebenen Troja übereinstimmt, konnte bisher nicht geklärt werden. Auch die Frage, ob es einen Trojanischen Krieg zwischen Griechen und Trojanern gegeben hat, ist nach wie vor umstritten.

Ein Streitpunkt in der Tübinger Troja-Debatte ab 2001/2002 war ferner, wie groß die Anlage um den Hisarlık gewesen ist. Manfred Korfmann hatte bei Ausgrabungen abseits des Burgberges eine Unterstadt entdeckt, die deutlich größer war als der zuvor meist erforschte Hügel. Diese Entdeckungen und ihre Interpretation spielen eine wichtige Rolle bei der Frage, ob die Siedlungen des Hisarlık tatsächlich eine überregionale Bedeutung (wie das Troja Homers) hatten. Vor allem der Althistoriker Frank Kolb vertritt die Ansicht, die Siedlungen des Hisarlık seien eher unbedeutend gewesen, was gegen eine Gleichsetzung von Troja und Hisarlık spräche. Sprache/Ethnizität Die Sprache Trojas ist – schon wegen der umstrittenen Lage – ungeklärt. Ausgeschlossen wird zumeist, dass die Trojaner Griechen waren. Unter der Voraussetzung, dass Ilios einer Siedlungsschicht auf dem Hisarlık Tepe entspricht, gibt es folgende Überlegungen: Griechischer Einfluss Eine nachbarschaftliche griechische Beeinflussung ist durchaus möglich. Insbesondere wird hier die Ähnlichkeit der Namen Alaksandu und Alexander angeführt. Anatolischer Einfluss Immer wieder wird die Vermutung vertreten, dass die Trojaner eine Anatolische Sprache verwendeten. Jedenfalls ist ein Austausch mit anatolischen Sprachen wahrscheinlich. Insbesondere ist hier die Hethiter-These von Joachim Latacz zu nennen. Tyrsenische Hypothese Der Leidener Sprachwissenschafter Alwin Kloekhorst vermutet eine Zugehörigkeit zu den Tyrsenischen Sprachen. In seine Theorie würde die Vermutung passen, dass die ebenfalls tyrsenischen Etrusker geflüchtete Trojaner entweder waren oder aufnahmen, was dem Aeneasmythos einen wahren Kern verliehe.

Hypothese von Raoul Schrott mini|hochkant=0.8|Stadtmauer von Karatepe Der Komparatist und Schriftsteller Raoul Schrott nimmt insbesondere aufgrund assyrischer Texte an, dass Homer ein des Griechischen kundiger Schreiber in assyrischen Diensten in der Provinz Kilikien gewesen sei. Er habe für das dortige Publikum einen älteren griechischen Stoff vom Trojanischen Krieg auf die lokale Umgebung übertragen. Schrott behauptet nicht, dass Troja in Kilikien gelegen habe; vielmehr habe sich der Dichter ein Objekt der Anschauung gesucht, das ihm geeignet schien, um in seinem Epos die Festung nach diesem Vorbild auszumalen. Dieses Objekt sei der Burghügel Karatepe-Arslantaş gewesen. Dessen riesige Burgruine verfüge mit ihrem starken Wall und vielen Wehrtürmen auf einem 225 m hohen Hügel nicht nur über die „Krone mit Türmen“ aus Homers Ilias, sondern auch – im Gegensatz zu Schliemanns Troja – über die zwei aus der Erzählung bekannten gewaltigen Tore im Süden und Norden sowie die in der Ilias erwähnten schneebedeckten Berge im Hinterland und einen langen Strom mit wilder Furt und warmen Quellen weiter östlich. Wichtigster Kritiker dieser Annahme ist der Altphilologe Joachim Latacz.

Hypothese von Eberhard Zangger Eine der von der Fachwissenschaft allgemein abgelehnten Lokalisierungshypothesen zu Atlantis wurde von dem Geoarchäologen Eberhard Zangger in seinem 1992 erschienenen Buch Atlantis – Eine Legende wird entziffert entwickelt. Sie besagt, Platons Atlantis weise archäologisch nachweisbare Merkmale des historischen Troja auf und sei das durch die Griechen vernichtete Troja gewesen.

In späteren Publikationen baute Zangger seine Deutungen zum Trojanischen Krieg aus, mit denen er im Gegensatz zu großen Teilen der Fachwelt steht. Er verbindet den Trojanischen Krieg unter anderem mit den Seevölkern und den von ihnen ausgelösten Umbrüchen im Mittelmeerraum sowie mit dem Großreich der Luwier. In diesem Zusammenhang glaubt er auch Funde wie den Diskos von Phaistos erklären zu können.Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. Droemer Knaur, München 1994, ISBN 3-426-26682-2; Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Orell Füssli, Zürich 2017, ISBN 978-3-280-05647-9 (siehe dazu etwa die Rezension von Luise Loges auf Spektrum.de vom 21. Februar 2018).

Geographie

Troja befand sich sehr wahrscheinlich auf dem 15 Meter hohen Siedlungshügel Hisarlık ( für „Burghügel“) an den Dardanellen. Möglicherweise kontrollierte die Siedlung seit der Bronzezeit den Zugang zum Schwarzen Meer. Die Schiffe konnten damals noch nicht gegen den Wind kreuzen. Nach Ansicht von Manfred Korfmann warteten sie daher im Hafen der Festung auf günstige Winde, und der Wegzoll sowie die Lotsen- und Schutzgebühren, welche die Schiffe an Troja entrichten mussten, brachten der Stadt Reichtum. Diese Ansicht ist allerdings umstritten: Es wird sowohl das Vorliegen einer substantiellen Schifffahrt vom Mittelmeer ins Schwarze Meer während der späten Bronzezeit bezweifelt als auch die Tatsache, dass dafür der Hafen der Festung angesteuert worden sei.

Berühmtheit erlangte der Ort in der Antike durch die Dichtung Ilias von Homer und den dort beschriebenen sagenhaften Trojanischen Krieg. Noch in der Spätantike wurden der Ort und seine sagenhaften Helden im Römischen Reich hoch verehrt (siehe Aeneis), und der Hügel Ilium war weitbekannt. Mit dem Beginn des christlichen Mittelalters geriet Troja (und damit auch die Lage der Stadt) in Vergessenheit.

Die Existenz und die Lage Trojas gehören seit zwei Jahrhunderten zu den umstrittenen Themen der Archäologie. Die auseinandergehenden Meinungen mündeten schließlich in die Troja-Debatte (siehe unten). Heute ist die Mehrheit der Altertumswissenschaftler der Ansicht, dass eine Siedlungsschicht auf dem Hisarlık das von Homer beschriebene Troja ist. Bei Homer wird der Ort vor allem Ilios (griech. Ἴλιος) genannt und an einer Stelle Ilion (Ἴλιον). Unklar bleibt, inwieweit Homers Schilderung eines Krieges zutrifft.

Siedlung auf dem Hügel Hisarlık Der Kern der Stadt lag auf dem Siedlungshügel Hisarlık, der oft auch als Zitadelle bezeichnet wird. Hier können sieben Schichten unterschieden werden, die in die Bronzezeit von 3000 bis 1000 v. Chr. datieren. Es ist unsicher, inwieweit die Umgebung des Hügels auch besiedelt war. In griechisch-römischer Zeit stand hier eine mittelgroße Stadt, deren Bebauung viele frühere Reste zerstörte.

Bronzezeit mini|Goldenes Gefäß aus dem Schatz des Priamos