Tansania ([], auch []; amtlich , deutsch Vereinigte Republik Tansania; ) ist ein Staat in Ostafrika. Er liegt am Indischen Ozean und grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die DR Kongo im Westen und Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Tansania hat etwa die zweieinhalbfache Fläche Deutschlands. Es ist mit rund 62 Millionen Einwohnern das nach Bevölkerung fünftgrößte Land Afrikas. Hauptstadt des Staates ist Dodoma, die größte Stadt ist jedoch die Küstenstadt Daressalam; weitere große Städte sind Mwanza, Arusha, Mbeya, Morogoro und Tanga. In Tansania werden etwa 125 Sprachen gesprochen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen; Verkehrssprachen sind hingegen Swahili und Englisch. Die meisten Tansanier sind entweder Christen oder Muslime.

Tanganjika (das Festlandgebiet inkl. der Insel Mafia) wurde am 9. Dezember 1961 von der Mandatsmacht Vereinigtes Königreich unabhängig und verband sich 1964 mit Sansibar und Pemba (Inseln Pemba und Unguja) zu Tansania, dessen Landesname als Kofferwort aus Tanganjika, Sansibar sowie der Bezeichnung Azania zusammengesetzt ist. Tansania ist seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich 1961 Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations.

Geographie mini|Kibo, der höchste Berg Afrikas

Das tansanische Festland besteht aus einer 16 bis 64 Kilometer breiten Küstenebene mit tropischer Vegetation, der zwischen 200 und 1100 Meter hoch gelegenen Massai-Savanne im Norden und einem Hochplateau im Süden (900–1200 Meter), das bis zum Malawisee reicht. Der Zentralafrikanische Graben berührt Tansania im Westen, der Ostafrikanische Graben verläuft zentral durch das Land. Zeugen der geologischen Vorgänge in dieser tektonischen Bruchzone sind riesige Krater und Vulkane wie der Mount Rungwe (2960 m), der Mount Meru (4562 m) und der höchste Berg Afrikas, der Kibo (5895 m). Das Staatsgebiet von Tansania grenzt an drei der größten Seen Afrikas: im Norden an den Viktoriasee, im Westen an den Tanganjikasee und im Süden an den Malawisee. Im Norden Tansanias liegt die Serengeti (Massai-Sprache: „weites Areal“, „große Ebene“, „unendliches Land“), einer der bekanntesten Nationalparks Afrikas.

Feucht- und Trockensavannen mit Schirmakazien und Baobab-Bäumen dominieren einen Großteil Tansanias. Halbwüsten und Küstenebenen (zum Teil mit Mangrovensümpfen) machen die übrige Landschaft aus.

Im Nordosten des Landes, unweit der Grenze zu Kenia, erhebt sich das höchste Bergmassiv Afrikas, das Kilimandscharo-Massiv, dessen höchste Stelle – der Uhuru Peak – auf dem Berg Kibo () liegt.

Klima 200px|mini|Klimazonen in Tansania

Entlang der flachen Küste herrscht ein tropisches Tieflandklima, während in den Bergen im Norden, Süden (Mbeya-Range, Poroto-Berge, Livingstone-Berge, Kipengere-Berge, Kitulo-Plateau) und Westen das Klima gemäßigt ist. Von Januar bis März und von Juni bis Oktober herrscht Trockenzeit (±27 °C). Im April und Mai sowie im November und Dezember wird die Trockenzeit durch die Regenzeit abgelöst (±25-27 °C).

Hydrologie Tansania hat eine vielseitige Hydrologie. In etwa einem Viertel der Landesfläche, vor allem im Norden, verbleibt der Niederschlag in abflusslosen Becken, aus denen er wieder verdunstet. Im Osten und Süden des Landes führen mehrere Flüsse ostwärts zum Indischen Ozean. Dagegen fließen die großen Seen an der Westgrenze in Flüsse außerhalb Tansanias ab: der Victoriasee nach Norden in den Nil zum Mittelmeer, der Tanganjikasee nach Westen über den Kongo zum Atlantik und der Njassasee nach Süden bis zum Unterlauf des Sambesi zum Indischen Ozean. Von diesen hat nur der Tanganjikasee ein größeres Einzugsgebiet in Tansania, etwa halb so groß wie das der Flüsse nach Osten.The status of the fishery ressource in, the wetlands of Tanzania. (PDF; 594 kB, englisch).

Humangeografie Territoriale Gliederung Tansania ist in 31 Verwaltungsregionen (mkoa) gegliedert, davon entfallen fünf auf den Teilstaat Sansibar:

Arusha Daressalam Dodoma Geita Iringa Kagera Katavi Kigoma Kilimandscharo Lindi Manyara Mara Mbeya Morogoro Mtwara Mwanza Njombe Pemba Kaskazini Pemba Kusini Pwani Rukwa Ruvuma Shinyanga Simiyu Singida Songwe Tabora Tanga Unguja Kaskazini Unguja Kusini Unguja Mjini Magharibi

300px|mini|Distrikte in Tansania, Stand 2023 Die Regionen untergliedern sich in Distrikte, diese in Bezirke (Councils/Wards).

Städte Im Jahr 2023 lebten 37 Prozent der Einwohner Tansanias in Städten. Die größten Städte sind (Stand Zensus 2022):TANZANIA: Regions and Cities. In: citypopulation.de (deutsch, englisch). Daressalam: 5.383.728 Einwohner Mwanza: 1.104.521 Einwohner Dodoma: 765.179 Einwohner Sansibar: 709.809 Einwohner Arusha: 617.631 Einwohner Mbeya: 541.603 Einwohner Morogoro: 471.409 Einwohner Kahama: 453.654 Einwohner Tanga: 393.429 Einwohner Geita: 318.006 Einwohner

Bevölkerung Demografie

Bei der Volkszählung 2022 hatte Tansania 61,74 Millionen Einwohner. Damit hat sich die Bevölkerungszahl seit 1967 mehr als verfünffacht. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 35,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,0 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,7, die der Region Ost- und Süd-Afrika betrug 4,3. Die Lebenserwartung der Einwohner Tansanias ab der Geburt lag 2022 bei 66,8 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 16,8 Jahren. Im Jahr 2023 waren 43,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,1 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur mini|Bevölkerungsdichte (2022)

Die Bevölkerung auf dem Festland besteht zu 99 Prozent aus afrikanischen Ethnien (darunter 95 % Bantu), die sich mehr als 130 verschiedenen Ethnien zuordnen lassen. In: The World Factbook (englisch). Größte einzelne Volksgruppe sind die Sukuma (12 % der Bevölkerung); die meisten anderen stellen jeweils um die 5 %. Nächstgrößte Volksgruppen sind die Nyamwezi, die wie die Sukuma im besonders dicht besiedelten Gebiet um den Viktoriasee leben (etwa 9 %), die Hehe/Bena (8 %), die Haya (etwa 7 % der Gesamtbevölkerung), die Swahili an der Küste (6 %), die Chagga am Kilimandscharo (etwa 6 %) und die Makonde im Süden.University of Pennsylvania African Studies Center: East Africa Living Encyclopedia: Tanzania Ethnic Groups. In: africa.upenn.edu (englisch). Die Massai stellen etwa 3 % der Bevölkerung.

Seit Jahrhunderten gehören zur Bevölkerung auch Menschen, deren Vorfahren aus arabischen Ländern wie etwa dem Oman und aus Indien einwanderten. Die meisten indischen Migranten kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem damals unter britischer Herrschaft stehenden Indien. 2017 lebten in Tansania rund 60.000 von ihnen.Daria A. Dronova: Historical Memory and Current Status of Indians in Tanzania. In: Dmitri M. Bondarenko, Marina L. Butovskaya (Hrsg.): The Omnipresent Past. Historical Anthropology of Africa and African Diaspora. LRC Publishing House, Moskau 2019, S. 369–383, hier S. 369 (englisch). Es leben auch noch wenige Nachfahren europäischer Siedler im Land. Hinzu kommen Ausländer, unter ihnen 431.000 Flüchtlinge aus Burundi und 96.000 aus der DR Kongo.

Sprachen In Tansania werden insgesamt 125 verschiedene Sprachen gesprochen.Tanzania. Ethnologue.com (abgerufen am 4. Juni 2015). Etwa 90 Prozent der Einwohner sprechen Bantusprachen; dabei sind benachbarte Bantusprachen oft gegenseitig verständlich, so dass man, gäbe es unter ihnen ausgeprägte Standardsprachen, eher von deren Dialekten sprechen würde. Im nördlichen Teil des Landes werden nilotische Sprachen, südkuschitische Sprachen, die Khoisan-Sprachen Hadza und Sandawe und insbesondere auf Sansibar Arabisch gesprochen. Somit sind in Tansania alle vier großen Sprachgruppen Afrikas vertreten. Es gibt keine de jure festgelegte Amtssprache; de facto ist Swahili die Nationalsprache. Sie wird als Verkehrssprache und für offizielle Angelegenheiten verwendet.

Die deutsche Kolonialverwaltung (siehe Liste deutscher Bezeichnungen tansanischer Orte) förderte maßgeblich die Verwendung einer „Landessprache“, eben Swahili. Swahili wurde vom ersten Präsidenten Julius Nyerere als „nationale Sprache“ deklariert, ohne dass dies je gesetzlich fixiert wurde; Publikationen der Regierung nennen es auch „offizielle Sprache“. In: tanzania.go.tz, Offizielle Website der tansanischen Regierung (swahili, englisch). Das Englische, das während der britischen Herrschaft zur Verwaltung des Mandatsgebietes verwendet wurde, wird heutzutage nicht mehr im öffentlichen Dienst, im Parlament oder in der Regierung verwendetJ. A. Masebo, N. Nyangwine: Nadharia ya lugha Kiswahili 1. ISBN 9987-676-09-X, S. 126 (swahili). und ist daher keine Amtssprache im engeren Sinne; Tansania gehört damit zu den wenigen afrikanischen Staaten, in denen eine einheimische Sprache gegenüber der Kolonialsprache an Bedeutung gewann. Englisch ist allerdings weiterhin Gerichtssprache der höheren Gerichte.

Laut der offiziellen Sprachpolitik Tansanias, wie sie 1984 verkündet wurde, und der damit verbundenen Gesetzgebung ist Swahili die Sprache des gesellschaftlichen und politischen Bereichs, der Grundschulbildung sowie der Erwachsenenbildung; das Englische ist laut Gesetz für die Bereiche der höheren Schulbildung, der Universitäten, der höheren Gerichte und der Technologie vorgesehen. Obwohl der Gebrauch des Englischen in Tansania mit Millionenbeträgen von der Regierung des Vereinigten Königreichs gefördert wurde, wurde das Englische in den letzten Jahrzehnten immer weiter aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgedrängt. So unterhielten sich noch in den 1970er Jahren tansanische Studenten untereinander gewöhnlich auf Englisch; heutzutage unterhalten sie sich untereinander fast nur noch auf Swahili. Selbst der Unterricht an weiterführenden Schulen und Universitäten, der offiziell ausschließlich auf Englisch sein sollte, wird manchmal auf Swahili oder auf einem Swahili-Englisch-Gemisch gegeben.