mini|Rex Stout, 1975 Rex Todhunter Stout (* 1. Dezember 1886 in Noblesville, Indiana; † 27. Oktober 1975 in Danbury, Connecticut) war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Er wurde bekannt durch seine Kriminalromane um den übergewichtigen Privatdetektiv Nero Wolfe. Zwischen 1933 und 1975 verfasste er insgesamt 33 Romane und 41 Erzählungen dieser Serie. Bevor er mit 46 Jahren seinen ersten Nero-Wolfe-Roman schrieb, war er erfolgreicher Geschäftsmann. Zeitlebens trat er für die Wahrung individueller Freiheitsrechte ein und machte sich insbesondere um die Urheberrechte von Schriftstellern verdient. Während des Zweiten Weltkriegs betrieb er als Vertreter verschiedener Organisationen in Radiosendungen, Zeitungsartikeln und Reden Öffentlichkeitsarbeit gegen Nazi-Deutschland. Er war ein „genuin politischer Autor“Josef Quack: Die Grenzen des Menschlichen. Über Georges Simenon, Rex Stout, Friedrich Glauser, Graham Greene. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, S. 8., dem die Nero-Wolfe-Serie als Vehikel politischer Kommentare diente.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 459.

Leben Die jungen Jahre 1886–1910 Rex Stout, der einer Familie von Quäkern entstammte, war das sechste von neun Kindern von John Wallace Stout (1848–1933), einem Lehrer, und Lucetta Elizabeth Stout, geb. Todhunter (1853–1940).Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 42. Er war noch kein Jahr alt, als die Familie sich auf einer Farm in Kansas niederließ, die sein Großvater bewirtschaftete.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 37–47. Früh zeigte er eine erstaunliche geistige Entwicklung. Mit anderthalb Jahren – so sein späterer Weggefährte und Biograf John McAleer – lernte er lesen, mit vier las er die Bibel und The History of the Decline and Fall of the Roman Empire von Edward Gibbon, und wenig später übersetzte er das Novum Organum von Francis Bacon ins Englische.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 55 f. Mit neun machte er in Begleitung eines Lehrers eine Tournee durch Kansas, um an Schulen seine außergewöhnliche Fähigkeit vorzuführen, überaus schnell lange Zahlenreihen zu addieren.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 77 f. Zwei Jahre später wurde er „spelling champion“John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 65., also Buchstabiermeister von Kansas. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr las er alle 1126 Bücher der väterlichen Bibliothek und lernte sämtliche Sonette Shakespeares auswendig.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 55 f. 1899 zog die Familie nach Topeka, wo er bis 1903 die High School besuchte und nebenbei als Bürogehilfe für die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway arbeitete.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 82–85. Sein Aufenthalt an der University of Kansas in Lawrence war nur von kurzer Dauer. Noch im selben Jahr trat er eine Stelle als Buchhalter in einer kleinen Firma an und arbeitete zusätzlich als Platzanweiser in einem Theater.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 85–93. 1905 ließ er sich von der Navy anwerben und diente von 1906 bis 1908 als YeomanEin Yeoman bei der United States Navy ist ein Marineunteroffizier, der mit Verwaltungsarbeiten betraut ist. Siehe Verwendungsbezeichnungen der United States Navy. auf der Jacht des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt. An Bord der „USS Mayflower (PY-1)“ segelte er nach Santo Domingo, Puerto Rico, Guantánamo, Havanna, Französisch-Guayana, Barbados, Port-au-Prince, Martinique und Argentinien.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 97–109.

Nach seinem Ausscheiden aus der Navy zog Stout zunächst nach New York und ging in den folgenden Jahren unzähligen Tätigkeiten in verschiedenen Bundesstaaten nach. So arbeitete er u. a. als Buchhalter, warb für Zeitschriften, war Angestellter in einem Kaufhaus und Ausrufer auf Stadtrundfahrten durch Manhattan, er war Klempnergehilfe in Pittsburgh, Pennsylvania, fischte Shrimps vor New Orleans, Louisiana, verkaufte Körbe und Decken in New Mexico, war Fremdenführer in Albuquerque und in Colorado Springs, Hotelpage in Spokane, Washington, und Koch in Duluth, Minnesota, er verkaufte Bücher in Chicago, Illinois, und führte ein Hotel in St. Louis, Missouri.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 119–122. Im Nachruf auf Rex Stout in The Washington Post, 29. Oktober 1975, wird Stout zitiert, er habe in 30 Jobs gearbeitet.

Anfänge als Schriftsteller 1910–1916 In den Jahren 1910 und 1911 – Stout verdiente seinen Lebensunterhalt noch immer mit Gelegenheitsarbeiten – veröffentlichte er drei Gedichte in der Literaturzeitschrift The Smart Set,Bereits mit 17 Jahren hatte Stout ein Gedicht an The Smart Set verkauft, das aber nicht gedruckt worden war und später verlorenging. Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 92. ehe er 1912 seine erste Kriminalgeschichte, A Professional Recall, bei der Zeitschrift The Black Cat unterbrachte und nach Burlington in Vermont zog, um dort vier weitere Geschichten zu Papier zu bringen. Zurück in New York, widmete er sich ganz dem Schreiben und verfasste seinen ersten Fortsetzungsroman, Her Forbidden Knight, der zwischen August und Dezember 1913 im All-Story Magazine veröffentlicht wurde.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 125 f. Bis 1916 erschienen in derselben Zeitschrift drei weitere Fortsetzungsromane und in verschiedenen Magazinen insgesamt 32 Short Stories, darunter auch Science-Fiction-, Abenteuer- und Liebesgeschichten.Zwei der Geschichten erschienen 1917. Zweimal verwendete Stout das Pseudonym Evans Day. Die Zeitschriften, in denen er veröffentlichte, waren The Black Cat, Lippincott’s Monthly Magazine, The Smart Set, All-Story Magazine, All-Story Weekly, All-Story Cavalier Weekly und Smith’s Magazine. Stout wurde nach Wörtern bezahlt und lebte von der Hand in den Mund. Mittlerweile dreißig Jahre alt, steckte er in einer Sackgasse, denn trotz der Entbehrungen, die er auf sich nahm, kam er seinem Ziel, ein ernsthafter Schriftsteller zu werden, keinen Schritt näher. Er beschloss, das Schreiben einstweilen aufzugeben und erst wieder damit anzufangen, wenn er finanziell unabhängig wäre.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 145. Stout verstummte bis 1929.

Erfolg als Geschäftsmann 1916–1927 1916 begegnete Stout Fay Kennedy, der sechs Jahre jüngeren Schwester eines Schulfreundes aus Topeka, der er eine Woche lang New York zeigte, um ihr auf der Stelle einen Heiratsantrag zu machen. Am 16. Dezember 1916 traten die beiden in Chicago vor den TraualtarVgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 161 f. – für Stout ein Grund mehr, sein Leben auf eine solidere Basis zu stellen.

Stouts acht Jahre älterer Bruder John Robert („Bob“) hatte die Idee zu einem Schulsparkassensystem. Stout arbeitete einen Plan aus, und gemeinsam gründeten sie den „Educational Thrift Service“. Während Bob von New York aus das prosperierende Unternehmen leitete, reiste Stout mit seiner Frau quer durchs Land von Schule zu Schule, um für das neuartige Sparkassensystem zu werben und es einzurichten. 1918 war es bereits in über zweihundert Gemeinden eingeführt.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 162–181. 1919 – mittlerweile übernahmen Angestellte den Außendienst – ließ sich das Ehepaar in New York nieder. Stout führte von nun an das Leben eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Tagsüber arbeitete er in seinem Büro im Woolworth Building, und nach Feierabend dinierte er in vornehmen Restaurants, lud zu Partys, besuchte Konzerte, ging ins Theater und zu Lesungen. Er hatte Zugang zum kulturellen und politischen Establishment New Yorks und wurde Mitglied in der American Civil Liberties Union. Zu seinen Bekannten gehörten Schriftsteller, Journalisten, Kritiker und Politiker wie John Dos Passos, Ford Madox Ford, Dorothy Parker, Robert E. Sherwood, Edmund Wilson, Heywood Broun, Paul Robeson, Norman Thomas, Alfred E. Smith, Scott Nearing, Thorstein Veblen und Carl van Vechten.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 182–187 und 198 f.

1925 betreute der „Educational Thrift Service“ drei Millionen Schüler in über dreißig Bundesstaaten. Stout war ein gemachter Mann, der es sich nun leisten konnte, arbeitsmäßig ein wenig kürzerzutreten und sich verschiedenen anderen Projekten zuzuwenden. Zusammen mit einem seiner engsten Freunde, Egmont Arens, gab er eine zwölfbändige Luxusausgabe der Memoiren Casanovas in der Übersetzung von Arthur Machen mit eigens hierfür von Rockwell Kent angefertigten Illustrationen heraus – angesichts der Zensur ein gewagtes Unternehmen. Es waren eher Liebhaberei und Abenteuerlust als Profitstreben, die ihn dazu bewogen, 24.000 US-Dollar zu investieren. Trotzdem warf das Geschäft Gewinn ab.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 188–190. 1926 steuerte Stout 4.000 US-Dollar zur Gründung des linksgerichteten Magazins The New Masses bei und wurde Vorstandsmitglied.Andere Vorstandsmitglieder waren u. a. Egmont Arens, John Dos Passos und John French Sloan, als Spender traten u. a. in Erscheinung William Carlos Williams und Robinson Jeffers. Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 196. 1928 kehrte er der Zeitschrift den Rücken, weil er mit ihrer immer radikaler werdenden Ausrichtung nicht einverstanden war.Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 197 f. Von 1926 bis 1928 war er Vorsitzender von „Vanguard Press“1926 wurden 100.000 US-Dollar aus dem „Garland Fund“ (bekannter Name für den „American Fund for Public Service“), der 1922 von Charles Garland mit 918.000 US-Dollar ins Leben gerufen worden war, für die Gründung von „Vanguard Press“ zur Verfügung gestellt. Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 196., einem Verlag, der Klassiker der Literatur zu erschwinglichen Preisen neu auflegte und Bücher mit nach links tendierenden Inhalten publizierte.Stout verlor 1928 den Posten an der Spitze von „Vanguard Press“, nachdem der Verlag aufgekauft worden war, blieb aber bis 1931 Vizepräsident. In dieser Zeit erschienen z. B. Erewhon von Samuel Butler, Werke von Henry George und Scott Nearing, aber auch die ersten drei ernsthaften Romane Stouts: How Like a God (1929), Seed on the Wind (1930) und Golden Remedy (1931). Vgl. John McAleer: Rex Stout: A Biography. Little, Brown and Company, Boston, Toronto 1977, S. 196 f.

Reise nach Europa 1927–1929