Malawi [] (; ) ist ein Binnenstaat in Südostafrika, der am 6. Juli 1964 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erlangte. Malawi hatte im Jahr 2020 etwa 20,9 Millionen Einwohner; die Hauptstadt ist Lilongwe.
Geographie Lage Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 867 km, die West-Ost-Ausdehnung 350 km. Die Außengrenze hat eine Länge von 2881 km, 475 km zu Tansania im Norden, 1569 km zu Mosambik im Osten, Süden und Südwesten sowie 837 km zu Sambia im Westen. Die Landesfläche beträgt rund ein Drittel von Deutschland.
Landesnatur Die Landesfläche umfasst 118.484 km² (Weltrang 99), davon 31 % Wald und Buschland, 25 % Wasserfläche, 20 % Ackerland, 15 % Wiesen und Weiden.
Malawi liegt nahezu vollständig im Bereich des ostafrikanischen Grabenbruchsystems. Die Landschaftsgestalt wird von Hochflächen, die von einzelnen Inselbergen überragt werden, weiten Ebenen und dem Malawisee (früher Njassasee, njassa = „See“ auf Chichewa) bestimmt. Die nördliche Region ist bergig; die höchsten Gipfel steigen hier bis zu 3000 Meter über dem Meeresspiegel an. Mit einer Fläche von etwa 29.600 km², 570 Kilometer Länge und einer Breite bis zu 80 Kilometern ist der Malawisee der größte See Malawis und zugleich das drittgrößte Binnengewässer Afrikas; er gehört überwiegend zum malawischen Staatsgebiet. Die Inseln Chizumulu und Likoma gehören zu Malawi, liegen aber als Enklave im Hoheitsgewässer von Mosambik. Südlich des Sees setzt sich der Grabenbruch fort.
Das aus einer Ebene mit grünen Teeplantagen herausragende Mulanje-Massiv bildet die höchste Erhebung des Landes, der höchste Berg ist der Sapitwa mit 3002 m Höhe. Der längste Fluss ist der Shire mit 402 km Länge. Als südlicher Abfluss des Malawisees durchströmt der Shire zunächst den Malombesee und erreicht an der Grenze zu Mosambik den niedrigsten Punkt in Malawi (37 m Höhe über dem Meeresspiegel), bevor er in Mosambik in den Sambesi mündet.
Klima In Malawi herrscht tropisches Klima mit vier Jahreszeiten: kühle Saison zwischen Mai und Mitte August; heiße Zeit zwischen Mitte August und November; Regenzeit zwischen November und April, in dieser Zeit kann die Luftfeuchtigkeit morgens fast 100 % betragen; Nachregenzeit zwischen April und Mai. Im Allgemeinen ist es im Hochland kühler und feuchter, während es in den tiefer gelegenen Gebieten heißer und schwüler ist. Am Malawisee ist es am wärmsten, jedoch weht meistens ein kühlender Wind. Die durchschnittlichen Temperaturen schwanken zwischen 19 °C und 32 °C von November bis April und zwischen 14 °C und 24 °C von Mai bis Oktober. Der Juli ist der kühlste Monat. Die Nächte können kalt sein, besonders im Bergland. Es besteht ein Niederschlagsgefälle von rund 2000 mm pro Jahr im äquatornäheren Norden zu knapp 1000 mm im Süden; die im Regenschatten liegende Grabensohle erhält örtlich kaum 600 mm.
Hydrologie Der Malawisee, dessen Einzugsgebiet bis hinein nach Tansania und Mosambik reicht, dominiert das Land. Fast ganz Malawi (etwa 90 %) entwässert über den Shire, den Abfluss des Malawisees, in den Sambesi. Die westlichen Einzugsgebietsgrenzen des Shire sind praktisch deckungsgleich mit der Landesgrenze. Im Südosten des Landes gibt es kleinere Bereiche, die entweder in den Rovuma oder in den Chilwa-See entwässern.FAO – The Zambezi River basin
Pflanzenwelt Die Flora der Region ist sehr unterschiedlich. Vorherrschende Vegetationsformationen in den trockenen Ebenen sind Savannen und offene Grasfluren sowie lichter Trockenwald. Geschlossene Wälder kommen nur in Gebirgslagen und auf den waldreichen Hochplateaus vor. Der Waldbestand des Landes wurde früher in den Siedlungsgebieten abgeholzt, wird aber inzwischen wieder großflächig aufgeforstet.
Natursehenswürdigkeiten Sehenswert sind die Kapichira-Wasserfälle, der Malawisee, der Malombesee und der Berg Mulanje. Nationalparks und Naturschutzgebiete in Malawi sind Kasungu, Malawisee-Nationalpark, Lengwe, Majete Wildlife Reserve, Mwabvi Wildlife Reserve, Liwonde, der Nyika-Nationalpark auf dem Nyika-Plateau, Vwaza Marsh Game Reserve und Nkhotakota Wildlife Reserve. Der Elefantenbestand in Malawi wurde 1977 auf 2800 bis 3200 Tiere geschätzt, 1979 und 1981 auf 4500, aber 1987 nur noch auf 2400.
Humangeografie Verwaltungsgliederung mini|Die drei Regionen und die Distrikte Malawis Malawi ist in drei Verwaltungsregionen, Regions genannt und darunter liegend in insgesamt 28 Distrikte unterteilt. Die Regions werden durch einen Regional Administrator vertreten, wogegen die Distrikte von einem District Development Committee (DDC) unter Vorsitz eines District Commissioner geführt werden. Die politische Willensbildung und Bürgerbeteiligung findet dezentralisiert in den Distrikten und in einigen wenigen größeren Städten in den sogenannten Town- bzw. City-Assemblies statt, nicht aber auf der Regionalebene.NEAP – Environment and Development in Malawi, Department of Environmental Affairs, abgerufen am 2. Dezember 2009
Regionen Northern Region mit dem Verwaltungszentrum Mzuzu und den 6 Distrikten: Chitipa, Karonga, Likoma, Mzimba, Nkhata Bay, Rumphi. Central Region mit dem Verwaltungszentrum Lilongwe und den 9 Distrikten: Dedza, Dowa, Kasungu, Lilongwe, Mchinji, Nkhotakota, Ntcheu, Ntchisi, Salima. Southern Region mit dem Verwaltungszentrum Blantyre und den 13 Distrikten: Balaka, Blantyre, Chikwawa, Chiradzulu, Machinga, Mangochi, Mulanje, Mwanza, Neno, Nsanje, Phalombe, Thyolo, Zomba.
Städte Im Jahr 2023 lebten 18 Prozent der Einwohner Malawis in Städten. Die größten Städte sind (Stand 2018, Volkszählung):City Population: Einwohnerzahlen der Städte in Malawi 1977 bis 2018 (englisch) Lilongwe (989.318 Einwohner) Blantyre (800.318) Mzuzu (221.272) Zomba (105.013) Karonga (61.609) Kasungu (58.653) Mangochi (53.498)
Bevölkerung Demografie
Malawi hatte 2023 20,9 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,5 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 32,6 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,9 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,8, die der Region Ost- und Süd-Afrika betrug 4,3. Die Lebenserwartung der Einwohner Malawis ab der Geburt lag 2022 bei 62,9 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 16,8 Jahren. Im Jahr 2023 waren 42,0 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 2,5 Prozent der Bevölkerung betrug.
Bevölkerungsstruktur Die meisten der etwa 20 Millionen Einwohner (Stand: 2023) gehören verschiedenen Bantuethnien an. Es werden insgesamt 13 verschiedene Kultur- und Sprachgruppen unterschieden.
Mit 49,3 % stellen die namensgebenden Maravi die Titularnation: Dazu zählen die Chewa (32,6 %), die Tumbuka (8,8 %), die Nyanja (5,8 %) und die Tonga (2,1 %). Die Lomwe stellen 17,6 % der Bevölkerung, die Yao 13,5 % und die Ngoni machen 11,5 % aus. Die Sena und die Ngondo sind mit 3,6 % respektive 1 % eine Minderheit. Andere Volksgruppen stellen zusammen insgesamt 3,5 % der Gesamtbevölkerung.
Im Jahre 2017 waren 1,3 % der Bevölkerung Ausländer. Die meisten Ausländer im Land kamen aus Mosambik, Sambia und Simbabwe.
Sprachen Verbreitet sind Bantusprachen. Amtssprache ist Englisch als Erbe der Kolonialzeit. Die Bantusprache Chichewa ist Nationalsprache.Website der Regierung (englisch), abgerufen am 1. August 2015 Außerdem werden regional die Bantusprachen Lomwe, Chiyao, Tumbuka, Chinkhonde, Chisena, Chitonga, Chinyakyusa, Chimambya, Chisenga, Chisukwa, Chingoni, Chimambwe und Chinamwanga gesprochen.Edrinnie Lora-Kayambazinthu: Language Rights and the Role of Minority Languages in National Development in Malawi, in Current Issues in Language Planning (2003) Die Vorsilbe Chi bedeutet so viel wie „Sprache der …“.
Daten aus dem Jahr 2000 des National Statistical Office of Malawi ergaben dabei folgende Sprachzusammensetzung für Malawi:
Sprache gesamt auf demLand in derStadt NorthernRegion CentralRegion SouthernRegion Gesamt 9.933.868 8.498.432 1.435.436 1.233.560 4.066.340 4.633.968 Chichewa 5.679.482 4.633.360 1.016.152 66.977 3.697.115 1.915.390 Chinyanja 1.272.205 ≈1.178.000 94.225 10.647 34.253 1.227.305 Chiyao 999.024 921.709 77.319 9.915 112.087 877.022 Chitumbuka 939.109 812.930 126.179 793.610 120.350 25.149 Chilomwe 241.576 224.337 17.239 2.102 10.939 228.535 Chinkhonde 84.000 66.086 17.914 76.154 3.258 4.588 Chingoni 74.198 56.499 17.699 4.189 18.525 51.484 Chisena 264.172 242.646 21.526 543 5.742 257.887 Chitonga 165.654 148.352 17.302 128.296 28.739 8.619 Chinyakusa 24.824 22.956 1.868 17.260 3.867 3.697 Chilambya 44.385 39.143 5.242 39.879 2.740 1.766 Chisenga 19.959 18.554 1.405 317 17.301 2.341 Englisch 17.479 6.314 11.165 835 7.192 9.452 Portugiesisch 2.458 1.669 789 250 699 1.509 Andere 105.343 95.931 9.412 82.586 3.533 19.224
Religionen Etwa 82,6 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Christentum, mit 13 Prozent hat Malawi einen höheren Anteil Muslime als die anderen Länder im südlichen Afrika.Auswärtiges Amt – Länderinformationen Die verbleibenden Anteile entfallen auf Bahai, Atheisten (2,5 Prozent) und Anhänger von traditionellen Religionen, wobei deren mythologische Vorstellungen teilweise in die Weltreligionen mitgenommen wurden und bestimmte Rituale unter anderen Namen dort weiterhin praktiziert werden. Christen haben im gesamten Norden bis zur Hälfte des Landes einen Bevölkerungsanteil von über 90 Prozent, das Siedlungszentrum der Moslems liegt im Osten südlich des Malawi-Sees. Traditionelle Religionen werden offiziell nur noch in einzelnen kleinen Gebieten im äußersten Süden, besonders im Distrikt von Nsanje praktiziert. (PDF; 19,04 MB) Im Alltag leben die Religionen wohlwollend nebeneneinander. Traditionelle Religionen wurden integriert in die durch Missionare und Einwanderung eingebrachten Religionen und haben darin weiterhin einen größeren Einfluss und leben in den Familien und Dorfgemeinschaften weiter.
mini|hochkant=1.2|Kirche bei Limbe Christentum
Die größte christliche Gemeinde bilden mit etwa 23 Prozent die Katholiken, es folgen gemäß einer Umfrage von 2004 mit knapp 19 Prozent die Church of Central Africa (CCAP), die zu den Presbyterianern gehört. Die Gruppe der African Independent Churches (AIP) machen etwa 17 Prozent aus und sind ebenso wie Evangelikale und Pfingstler – zusammen etwa ein Drittel der Christen – stark zunehmend; die letzten beiden gewinnen besonders in den Städten Anhänger. Es gibt außerdem etwa 2,5 Prozent Anglikaner und gut 6 Prozent Siebenten-Tags-Adventisten und malawische Baptisten für beide sowie die Minderheiten der Zeugen Jehovas und der Gerechten Christen.Malawi Demographic and Health Survey 2004. National Statistical Office, Zomba, Malawi, Dezember 2005, S. 26 (PDF-Datei; 3,99 MB).