Die Schmalspurbahn Wilischthal–Thum (auch: Wilischtalbahn) war eine sächsische Schmalspurbahn im mittleren Erzgebirge. Sie begann im Bahnhof Wilischthal an der Bahnstrecke Annaberg-Buchholz unt Bf–Flöha und führte entlang der Wilisch nach Ehrenfriedersdorf. Eine Zweigbahn führte von Oberherold nach Thum. Der Abschnitt Oberherold–Ehrenfriedersdorf wurde 1906 infolge des Baues der Strecke Geyer–Thum aufgegeben.

Geschichte Vorgeschichte & Eröffnung Bereits seit 1855 sollte die Stadt Annaberg einen Bahnanschluss erhalten, daraufhin begannen 1858 Planungen, die neben anderen Streckenführungen auch einen Verlauf durch das Wilischtal über Thum und Ehrenfriedersdorf untersuchten. Stattdessen wurde aber der Entwurf durch das Zschopautal favorisiert, der dann 1866 mit der Chemnitz-Annaberger Bahn auch umgesetzt wurde. Daraufhin schien ein Bahnanschluss für das Wilischtal lange unerreichbar, erst in den 1880er Jahren beschäftigte sich der Sächsische Landtag wieder mit dem Problem auf Druck der zahlreichen Papier- und Textilfabrikanten, die sich von einer Eisenbahn einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung versprachen. 1883/1884 wurde schließlich der Entwurf einer Schmalspurbahn ausgehend von Wilischthal nach Thum bzw. Ehrenfriedersdorf beschlossen.

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten, die im September 1885 begonnen hatten, konnte am 14. Dezember 1886 die Wilischthalbahn feierlich eröffnet werden.

Betrieb Für die ab 1904 gebaute Verbindung mit der Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Geyer entstand in Thum ein neuer Bahnhof. Noch vor der Inbetriebnahme der neuen Verbindung Richtung Geyer wurde ab 18. April 1906 ein vorläufiges Verbindungsgleis vom vorherigen Haltepunkt zum neuen Thumer Bahnhof von den Zügen der Wilischthalbahn genutzt. Die Strecke nach Geyer wurde am 30. April 1906 eröffnet, mit der Aufnahme des regulären Verkehrs einen Tag später – am 1. Mai 1906 – wurde die kurze Stichstrecke von Oberherold zum Bahnhof Ehrenfriedersdorf stillgelegt, da an der neuen Strecke nach Geyer ein neuer Bahnhof für Ehrenfriedersdorf eingerichtet worden war. Während des Streckenbaus war die Stichstrecke nach Ehrenfriedersdorf als Anschlussgleis für mehrere Nutzer geplant, da diesen aber die Kosten für die Nutzung zu hoch waren, zerschlug sich dieses Vorhaben.

Der Rollwagenverkehr wurde 1912/13 eingeführt, zur Schaffung der notwendigen Profilfreiheit waren diverse Umbauarbeiten notwendig.

Die Strecke trug zusammen mit der Verbindung Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Der Güterverkehr nahm ständig zu und erreichte Anfang der sechziger Jahre mit ca. 300.000 Tonnen im gesamten „Thumer Netz“ seinen Höhepunkt. Es wurden hauptsächlich Kohle und Baustoffe transportiert, außerdem Baumwolle, Papier, Zellulose, Garn, Strümpfe, Schuhe, Holz und vieles mehr. Einen großen Anteil am Güterumschlag hatte der Bahnhof Gelenau mit über 20 %. Die Anzahl der beförderten Personen auf der Strecke pro Jahr war sehr unterschiedlich.

Ab Mitte der sechziger Jahre wurden Kohletransporte auf die Straße verlagert, was zu einem deutlichen Rückgang des Güterverkehrs führte. Gleichzeitig war faktisch kein Bedarf an Personenverkehr zwischen Wilischthal und Gelenau mehr vorhanden. Die Züge fuhren aufgrund des vernachlässigten Oberbaues extrem langsam.

Stilllegung mini|99 1778-2 mit Personenzug zwischen Venusberg-Spinnerei und Gelenau am 27. Mai 1972 Die Wilischthalbahn wurde am 28. Mai 1972 stillgelegt und bis 1976 schrittweise von Thum bis zum Anschlussgleis der Papierfabrik Wilischthal abgebaut. Lediglich der Anschluss Papierfabrik wurde bis 1992 von Wilischthal aus noch mit Rangierfahrten bedient. Im Dezember 1991 fanden letztmals mit einer IV K, einem Gepäck- und einem Reisezugwagen einige Sonderfahrten statt, veranstaltet von der IG Preßnitztalbahn aus Jöhstadt.

Streckenbeschreibung Verlauf mini|Vereinfachtes Höhenprofil der Schmalspurbahn Wilischthal–Thum Ausgehend vom Bahnhof Wilischthal an der Zschopautalbahn verlief die Bahnstrecke bis Oberherold im Tal der Wilisch. Vor dem Umbau des Netzes lief sie in diesem Tal nach Ehrenfriedersdorf weiter, nach 1906 verlief sie ab Oberherold im Tal des Jahnsbachs weiter zum Bahnhof Thum, wo sie Anschluss an die Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf hatte.

Betriebsstellen mini|Letzter Zug Thum-Wilischthal

Wilischthal

Am 1. Dezember 1874 wurde der Bahnhof Wilischthal an der normalspurigen Bahnstrecke Annaberg-Flöha errichtet. Der schmalspurige Teil des Bahnhofs wurde 1886 eröffnet. Das bestehende Empfangsgebäude der Zschopautalbahn wurde dabei um einen Anbau erweitert. Neu errichtet wurden ein einständiger Lokschuppen, ein Kohleschuppen mit Aufenthaltsraum und einer angrenzenden Wasserstation, mit einem ca. 4 Meter ausladenden Wasserkran. Weiterhin eine Verladerampe für Schmalspurfahrzeuge und eine 1887 errichtete Rollgrube, die 1913 für die Verwendung von Rollfahrzeugen umgebaut wurde. Ab 1906 diente der Lokschuppen im Winter nur noch für anfallende Wagenreparaturen. Lokomotiv- und Kohleschuppen waren bei Einstellung des Betriebs nach Thum im Jahr 1972 bereits nicht mehr vorhanden.

Wilischau mini|Haltepunkt Wilischau, ehemaliger Standort (2017) Die Station in der Nähe einer Spinnerei auf dem Gebiet der Gemeinde Grießbach wurde am 1. Juni 1888 als Haltepunkt Weißbach ohne Hochbauten eröffnet. Ab 1915 wird sie als Haltepunkt Wilischau bezeichnet, später erhielt sie eine Wartehalle mit Nebenraum. Von 1925 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war der Haltepunkt Wilischau Bedarfshalt. Mit dem Sommerfahrplan 1966 wurde der er mangels Bedarfs als Betriebsstelle aufgegeben. Von der Station sind heute keine Überreste mehr vorhanden.

Grießbach (Wilischthal) mini|Haltestelle Grießbach (Wilischthal), ehemaliger Standort (2017) Die Haltestelle Grießbach wurde am 25. Dezember 1886 eröffnet. Im Jahr 1905 erfolgte die Widmung zum Bahnhof und im Jahr 1910 die Umbenennung in Grießbach (Wilischthal). An der Station im Tal der Wilisch, die jeweils zwei Kilometer von den Orten Weißbach und Grießbach entfernt lag, waren zunächst keine Hochbauten vorhanden. Ab 1912/13 wurde eine Wartehalle mit einem Raum für den Güteragent sowie ein Nebengebäude mit Freiabort errichtet. In Richtung Thum befand sich hinter der Straßenkreuzung das Bahnhofsrestaurant. Im Jahr 1933 erfolgte die Herabstufung zur Haltestelle. Die Nebengleise existierten bis 1946/47. Danach diente der nunmehrige Haltepunkt nur noch dem Personenverkehr. In Richtung Thum folgte nach der Bahnhofsausfahrt eine ca. 20 Meter lange geländerlose Brücke über die Wilisch. Von der einstigen Station existieren heute nur noch Fundamentreste der Wartehalle. In der Nähe befindet sich heute eine Bushaltestelle.

Gelenau

Die Haltestelle Gelenau wurde 1886 mit Eröffnung der Bahnstrecke als Haltestelle mit Wartehäuschen, Güterschuppen und Freiabtritt in Betrieb genommen. Zum Bestand zählte ein Anschlussgleis für das „Textil-Syndikat“.

Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommen wurde die Haltestelle im Jahr 1905 zum Bahnhof erhoben, an dem nun auch Zugkreuzungen stattfinden konnten. Das Wartehäuschen wurde nun durch ein massives Gebäude ersetzt. Eine Besonderheit war die „spitze“ Hausecke wegen einer angrenzenden Straße. Ende der 1920er Jahre erhielt der Bahnhof ein zweites Ladestraßengleis. Am 29. Mai 1972 ging der Bahnhof Gelenau außer Betrieb.

Venusberg mini|Ehemaliger Haltepunkt Venusberg (2017) Der Haltepunkt Venusberg wurde im Jahr 1888 auf Wunsch der Firma Gebr. Schüller eingeführt, um für die Arbeiter der Spinnerei Venusberg I eine Haltestelle zu errichten. Im Jahr 1902 erfolgte auf Antrag der gleichen Firma die Verlegung einen Kilometer nach Süden in den Ort Spinnerei. Das von Streckengleis nach links abzweigende Anschlussgleis bestand noch bis in die 1930er Jahre. Er endete nach der Querung der Wilisch an den Gebäuden.

Venusberg-Spinnerei

Der Haltepunkt Venusberg-Spinnerei wurde im Jahr 1902 von der nördlicher im Wilischtal gelegenen Spinnerei Venusberg I hinter die nach Gelenau führende Straße bei der Spinnerei Venusberg II im Venusberger Ortsteil Spinnerei verlegt. Die Station besaß einen Fabrikanschluss. 1956/57 wurde dieser zum umfangreichsten Anschluss des Thumer Netzes erweitert und durch den Anschlusskunden mit einer eigenen Diesellok vom Typ Ns 4, die sich heute im Besitz der IG Preßnitztalbahn befindet, bedient. Im Zuge des Umbaus wurde das Wartehäuschen und der 1912 erbaute Freiabort in Richtung Thum versetzt und ein Lokschuppen errichtet. Auf dem Areal im Norden von Spinnerei befindet sich heute ein Parkplatz. Der ehemalige Lokschuppen der Anschlussbahn wird heute als Garage genutzt. In Richtung Thum wurde hinter der Station die Herolder Straße gekreuzt.

Unterherold mini|Ehemaliger Haltepunkt Unterherold, Blick in Richtung Thum (2017) Am 15. Dezember 1886 wurde die Haltestelle Unterherold eröffnet. 1910 wurde diese abgebaut und etwa 70 Meter in Richtung Thum hinter die Straßenkreuzung verschoben. Sie besaß einen Bahnsteig von 130 Metern Länge. Zwischen 1925 und 1928 war die Station geschlossen.Der Haltepunkt Unterherold auf www.sachsenschiene.net

Der Haltepunkt war dafür berühmt, das angeblich kleinste Empfangsgebäude der DR zu besitzen. Als Unterstellmöglichkeit diente ein zweiachsiger Wagenkasten der Gattung 760/761 ohne Schiebetür. Erst Anfang der 1990er Jahre wurde er abgerissen.Eisenbahnstationen in Sachsen, abgerufen am 5. Dezember 2013, abgerufen am 6. Dezember 2013

Mittelherold mini|Ehemaliger Haltepunkt Mittelherold, Blick in Richtung Thum (2017) An diesem Haltepunkt Mittelherold existierten zunächst keine Hochbauten. Ab 1927/28 gab es ein Wartehäuschen und ein Nebengebäude mit Freiabort. Das Nebengebäude wurde später abgerissen. Die hölzerne WartehalleDer Haltepunkt Mittelherold mit Wartehalle auf www.stillgelegt.de wurde im Jahr 2005 abgerissen.Der Haltepunkt Mittelherold auf www.sachsenschiene.net

Herold (Erzgeb)

Die ursprüngliche Haltestelle Oberherold bestand seit der Streckeneröffnung. An Hochbauten waren ein Warteraum mit Güteragentur, ein Nebengebäude mit Freiabtritt sowie ein zweiständiger Lokschuppen vorhanden. Die Haltestelle war der erste Knotenpunkt des Thumer Netzes und der erste schmalspurige Knotenpunkt im Erzgebirge. Aus Richtung Wilischthal verkehrten die Züge zum alten Bahnhof nach Ehrenfriedersdorf, in Oberherold zweigte die Strecke nach Thum ab. Im Jahr 1905 wurde die Station zum Bahnhof erhoben. Mit der Stilllegung der Strecke nach Ehrenfriedersdorf im Jahr 1906 verlor der zweiständige Lokschuppen mit Wasserstation seine Bedeutung. Durch den Ausbau des Streckennetzes verlagerte sich der Knotenpunkt von Oberherold nach Thum.

Ab dem Sommerfahrplan 1942 wurde die Station als Bahnhof Herold (Erzgebirge) bezeichnet. Das Ensemble aus Empfangsgebäude, hölzernem Abort und Lokschuppen sind in restauriertem Zustand erhalten.Der Bahnhof Herold (Erzgeb) auf www.sachsenschiene.net Nach der Stilllegung der Station am 29. Mai 1972 übernahmen die „Herolder Heimatfreunde“ die Gebäude. Nach der Gründung der „Herolder Eisenbahnfreunde“ im Jahr 1997 werden die Gebäude schrittweise saniert und von diesen genutzt.Webseite der IG Thumer Netz Im September 1999 wurde ein einflügeliges Gittermastformsignal von der aufgelassenen Station Königswalde (Erzgeb) ob Bf an der Bahnstrecke Weipert–Annaberg-Buchholz unt Bf nach Herold (Erzgeb) umgesetzt.Die Güterbahnstrecke Königswalde–Annaberg-Buchholz ob Bf auf www.bimmelbahn.de Der Bahnhof ist Station der Dampfbahn-Route Sachsen.

Ehrenfriedersdorf (bis 1906) mini|Bahnhof Ehrenfriedersdorf (bis 1906), Empfangsgebäude (2017)