Die Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf war eine sächsische Schmalspurbahn im mittleren Erzgebirge. Die knapp 30 Kilometer lange Bahn diente neben dem Berufs- und Ausflugsverkehr vor allem der Papier- und Textilindustrie. Die Strecke mit 750 mm Spurweite verlief von Schönfeld über Geyer und Thum nach Meinersdorf und war Teil des sogenannten „Thumer Netzes“. Eröffnet wurde die Strecke in drei Abschnitten, 1888 von Schönfeld nach Geyer, 1906 erfolgte die Verlängerung bis Thum an die Schmalspurbahn Wilischthal–Thum und 1911 folgte das letzte Teilstück Thum–Meinersdorf. Auf dem Abschnitt Papierfabrik Schönfeld–Thum wurde 1967 der Verkehr eingestellt und zwischen Thum und Meinersdorf 1974/75. Lediglich ein Restgüterverkehr bis zu Papierfabrik Schönfeld blieb bis 1985 erhalten, danach wurde das Teilstück auf Normalspur umgespurt. Hier wurde in den 1990er Jahren der Verkehr eingestellt. Auf der Trasse verläuft heute teilweise ein Radweg, zudem hat Geyer 1976 die Lok 99 534 samt einigen Wagen als Denkmal aufgestellt.
Geschichte Bahnbau und Eröffnung In den 1850er Jahren entstanden erste Pläne für eine Bahnverbindung von Chemnitz nach Annaberg. Zahlreiche Städte und Gemeinden der betreffenden Gebiete wünschten, dass diese Strecke über ihr Gemeindegebiet führen sollte. Schlussendlich wurde die 1866 eröffnete Strecke Chemnitz–Flöha–Annaberg durch das Zschopautal geführt, damit erhielt das Gebiet um Thum und Geyer ebenso wie bei der 1875 eröffneten Bahnstrecke Chemnitz–Adorf noch keinen Bahnanschluss. Erst in den 1880er Jahren wurden weitere ernsthafte Pläne gefasst, die am Ende gebaute Strecke Buchholz–Schwarzenberg berührte aber Geyer ebenfalls nicht. Stattdessen wurde 1887 per Dekret der Bau einer Schmalspurbahn von Schönfeld nach Geyer beschlossen, nachdem 1886 schon eine Schmalspurbahn Wilischthal–Ehrenfriedersdorf mit einem Abzweig nach Thum eröffnet wurde. Die Vorarbeiten für die Strecke Schönfeld–Geyer liefen schon seit 1885, die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Dezember 1887. Eröffnet wurde der Abschnitt Schönfeld–Geyer am 1. Dezember 1888.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 10 ff.
Bereits kurz nach der Streckeneröffnung wurde über eine Verbindung von Geyer nach Ehrenfriedersdorf diskutiert. Beschlossen wurde der Bau 1898, die Bauarbeiten begannen aber erst 1904. Zugleich mit der Verbindung Geyer–Thum im Zuge der Erweiterung erhielt Thum auch einen neuen Bahnhof, der in Zukunft den Streckenmittelpunkt bilden sollte. Ebenso wurde der Abschnitt Herold–Ehrenfriedersdorf hinfällig, der Verkehr auf dem Teilstück am 30. April 1906 eingestellt und die Strecke anschließend abgebaut. Die Verlängerung bis Thum ging am 1. Mai 1906 in Betrieb, nachdem der neue Thumer Bahnhof bereits seit April 1906 von Wilischthal aus angefahren wurde.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 14 f.
Ebenfalls Ende der 1880er Jahre gab es Vorhaben für eine Verbindung von Thum nach Meinersdorf, 1900 wurde das Projekt beschlossen und die Arbeiten an diesem Streckenteil begannen 1908. Allerdings zogen sich die Bauarbeiten schleppend hin, so wurden 1909 nicht einmal 500 m Gleis eingebaut. Am 1. Oktober 1911 ging der Streckenteil nach Meinersdorf in Betrieb.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 15 ff.
Betrieb mini|O&K Rollwagen Nr. 15 zur Beförderung regelspuriger Eisenbahnwagen auf Schmalspurgleisen, Station Schönfeld-Wiesa.Mitteilungsblatt der Vereinigung von höheren technischen Beamten der Preussisch-Hessischen Staatseisenbahn-Verwaltung und des Vereins für Eisenbahnkunde zu Berlin. Nr. 35/39, 1918. S. 163 (d. h. S. 193 der PDF-Datei) Er war ein Privatwagen der Schönfelder Papierfabrik, wurde 1912 gebaut und entspricht der Zeichnungsnummer 833 der K.Sächs.Sts.E.B. mini|Beförderung regelspuriger Eisenbahnwagen auf Schmalspurgleisen Die Strecke gehörte zu den ersten Schmalspurbahnen Sachsens, wo Rollbockbetrieb durchgeführt wurde. Die ersten wurden noch 1888 von Unternehmern mit eigenen Anschlussgleis gekauft, bevor die Staatsbahn später auch auf eigene Kosten Rollböcke beschaffte. Nach 1900 wurden die Rollböcke schrittweise durch betriebssichere Rollwagen abgelöst.
Problematisch war auch der Verkehr in den schneereichen Wintern im Erzgebirge, insbesondere um Hormersdorf. Trotz Schneeschutzzäunen blieben mehrfach Züge stecken und der Verkehr fiel oft tagelang aus.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 39 ff.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Betriebe in größeren Industrieregionen bombardiert. Daraufhin wurden viele Produktionen in ländlichere Regionen verlegt, daher wurden ab 1944 in den kriegsbedingt leerstehenden Textilfabriken in Auerbach, Hormersdorf und Thum Rüstungsgüter produziert. Anfänglich entstanden Flugzeugrümpfe für die Focke-Wulf Fw 190, in der zweiten Jahreshälfte 1944 wurde die Produktion auf Rümpfe der Focke-Wulf Ta 152 umgestellt. Noch während des Produktionsanlaufs wurden die Fertigung auf Flugzeugrümpfe der Messerschmitt Me 262 geändert. Durch verschiedene Probleme wurden aber nur wenige Stück produziert und mit der Schmalspurbahn versandt.Dieter Bäzold: Das Thumer Schmalspurnetz, S. 20 Trotz der Rüstungsproduktion überstand die Schmalspurbahn den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, einziger größerer Schaden war eine durch Tiefflieger beschädigte Dampflok.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 39.
Im Sommer 1974 wurden auf dem Abschnitt Meinersdorf–Thum für drei Wochen Schienenersatzverkehr durchgeführt, weil das Fernsehen den Opernfilm Fra Diavolo drehte. Dazu wurden zwei Lokomotiven der Baureihe 99.51–60 nach Thum umgesetzt und mit mehreren Wagen passend gestaltet sowie Jahnsbach als Terracina umdekoriert.
Stilllegung Der Verkehrsträgerwechsel wurde ab 1965 geplant, als Termin wurde 1969 festgelegt. Insbesondere der noch immer starke Güterverkehr sollte bis dahin stückweise auf andere Normalspurbahnhöfe verlegt werden. Aufgrund des äußerst schlechten Oberbauzustands wurden noch 1965/66 immer längere Langsamfahrstellen eingerichtet. So brauchten 1967 die Züge für die Strecke Schönfeld-Wiesa–Thum etwa 90 Minuten, da auf 9 km Streckenlänge nur noch 10 km/h erlaubt waren. Am 15. August 1967 erfolgte die Stilllegung des Abschnitts von Schönfeld-Wiesa nach Thum. Nur ein Restgüterverkehr zwischen Schönfeld-Wiesa bis zur Papierfabrik Schönfeld bei km 1,45 blieb weiterhin bestehen. Die Strecke wurde in Etappen abgebaut. Im Jahre 1968 baute man das Gleis zwischen dem Anschluss Papierfabrik und Haltestelle Tannenberg im Zuge einer Straßenverbreiterung ab, 1970 wurde Geyer erreicht. Von Sommer 1971 bis 5. Oktober 1972 baute man den Abschnitt Geyer–Thum ab.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 172 ff.
Nachdem 1972 auch der Verkehr auf der Wilischthalbahn beendet wurde, blieb nur noch die Strecke Meinersdorf–Thum übrig. Doch auch hier sollte recht bald der Verkehrsträgerwechsel durchgeführt werden. Am 29. September 1974 wurde der Personenverkehr eingestellt, während der Güterverkehr noch bis zum 31. Dezember 1975 fortgeführt wurde.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 178 ff.
Aufgrund des starken Gefälles vom Bahnhof Schönfeld-Wiesa zur Papierfabrik Schönfeld mussten weiterhin Dampflokomotiven eingesetzt werden und somit war der Zugbetrieb für die Deutsche Reichsbahn extrem unwirtschaftlich. Da die Papierfabrik nicht auf den Eisenbahnanschluss verzichten konnte, sollte der verbliebene Anschluss auf Normalspur umgebaut werden. Dies war aber erst 1985 möglich, als die Papierfabrik mehrere Monate für Umbauarbeiten die Produktion unterbrach. Am 15. April 1985 wurden die letzten Fahrten durchgeführt.
Streckenbeschreibung
mini|Vereinfachtes Höhenprofil der Strecke Betriebsstellen Schönfeld-Wiesa mini|Bahnhof Schönfeld-Wiesa, Empfangsgebäude (2016)
Die Station trug vier verschiedene Namen, im Einzelnen waren dies: bis 30. November 1888: Schönfeld bis 23. Dezember 1904: Schönfeld Bahnhof bis 30. April 1908: Schönfeld (Zschopautal) Bahnhof ab 1. Mai 1908: Schönfeld-Wiesa
Die Station wurde 1866 zusammen mit der Strecke von Chemnitz nach Annaberg eröffnet. Zunächst noch unbedeutend, wurde der Bahnhof mit dem Schmalspurbau umfassend erweitert. Die drei Bahnsteiggleise – zwei für die Regelspur und eins für Schmalspur – wurden 1906 um ein weiteres regelspuriges Bahnsteiggleis ergänzt, damit einher ging eine Erweiterung der Bahnanlagen nach Norden. Obwohl der Bahnhof komplett auf dem Gemeindegebiet von Wiesa lag, wurde er zunächst nach dem etwas entfernt liegenden Ort Schönfeld benannt. Erst auf Bestreben der Gemeinde Wiesa erhielt er den Doppelnamen Schönfeld-Wiesa.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 81 ff.
Nach der 1967 erfolgten Streckenstilllegung zwischen der Papierfabrik Schönfeld und Thum wurde von hier aus ein Restgüterverkehr bis zur Papierfabrik Schönfeld bis zum 15. April 1985 aufrechterhalten. Nachdem im Sommer 1985 dieser Streckenrest umgespurt wurde, wurde die Anschlussbahn bis Anfang der 1990er Jahre bedient. 2007 wurde die Station an der Zschopautalbahn durch den ortsnaheren Haltepunkt Wiesa ersetzt.
Schönfeld (Zschopautal) mini|Lage des ehem. Hp Schönfeld (Zschopautal), links (2016) Der Haltepunkt erhielt zur Streckeneröffnung 1888 keinerlei Hochbauten. 1912 wurde ein Freiabtritt errichtet und Ende der zwanziger Jahre eine Wartehalle. Bis zum 23. Dezember 1904 wurde er als „Schönfeld (Zschopautal) Haltepunkt“ bezeichnet und ab 1908 als „Schönfeld (Zschopautal)“ geführt.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 87 Die Station befand sich nahe der heutigen Bushaltestelle „Schönfeld, Zschopautal“ in einer Kurve zwischen der „Annaberger Straße“ und der „Tannenberger Straße“ in Schönfeld. Von ihr sind heute keine Überreste mehr vorhanden. Der Bahndamm ist mit Gebüsch zugewachsen.
Tannenberg Ost mini|Bahnhof Tannenberg Ost, Blick Richtung Thum (2016) Hier wurde 1927 ein Kunstseidenveredelungswerk mit eigenem Gleisanschluss errichtet. Ein dabei entstandenes Baugleis wurde 1928 zur nichtöffentlichen Kreuzungsstelle ausgebaut. Ab 1950 fand hier auch Personenverkehr statt, ab 1951 wurde der die Station als Tannenberg Ost bezeichnet. In den letzten Betriebsjahren wurde das Kreuzungsgleis kaum noch genutzt und war 1967 schon nicht mehr vorhanden.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 92 ff.Dieter Bäzold: Das Thumer Schmalspurnetz, S. 29
Tannenberg mini|Haltestelle Tannenberg (2016) Die Station lag unmittelbar neben der Zschopau, die für die Einrichtung der Haltestelle verlegt wurde. Die anfangs vorhandene Wartehalle und der Freiabtritt wurden in den 1920er Jahren durch ein Dienstgebäude mit angebautem Güterschuppen ersetzt. An Gleisanlagen bestanden neben dem durchgehenden Hauptgleis nur ein Kreuzungsgleis.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 94 ff.
Obertannenberg
Der Haltepunkt Obertannenberg war äußerst spartanisch ausgestattet, er bestand nur aus einem Bahnsteig und einem Stationsschild. Aufgrund der geringen Nutzung wurde er 1924 geschlossen, allerdings später erneut für den Personenverkehr eröffnet. Auch kam später noch eine Bude mit einem Fernsprecher hinzu.Stephan Häupel, Eberhard Schramm: Schmalspurbahnen um Thum, S. 97 Auf der gegenüber liegenden ehemaligen Bahnhofsgaststätte ist noch die einstige Beschriftung erhalten geblieben.
Siebenhöfen mini|Ehemaliger Standort des Haltepunkts Siebenhöfen (2016) Der Haltepunkt Siebenhöfen wurde mit Inbetriebnahme der Strecke nach Geyer 1888 ohne Hochbauten eröffnet. Die gegenüber liegende Spinnerei, auch als Evans-Fabrik bekannt, hatte