mini|Blick auf Kirchheimbolanden vom Donnersberg aus mini|Breitstraße in Kirchheimbolanden
Kirchheimbolanden (pfälzisch: Kerschem) ist eine Stadt im Südosten von Rheinland-Pfalz und zugleich Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden sowie Kreisstadt des Donnersbergkreises. Der staatlich anerkannte Erholungsort ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Lage Kirchheimbolanden liegt in der Pfalz an der Übergangsstelle des Nordpfälzer Berglandes zum östlich angrenzenden Alzeyer Hügelland. Die Kernstadt befindet sich rund vier Kilometer – Luftlinie – nordöstlich des Donnersbergs.
Das zusammenhängend bebaute Gebiet der Stadt weist beträchtliche Höhenunterschiede auf. Die Altstadt liegt auf 286 Metern Höhe, die Spanne reicht von 244 Metern in der Edenbornerstraße bis zum bebauten Gipfel des Kupferberges auf 373 Metern. Vom Kupferberg bietet sich eine Fernsicht in Richtung Nordosten, unter guten Bedingungen sind von dort die Frankfurter Skyline und dahinter das Kinzigtal bei Hanau erkennbar.
Die Gemarkung von Kirchheimbolanden umfasst weite Teile des sogenannten Bürgerwaldes, einer Gebirgskette im Nordpfälzer Bergland.
Erhebungen Der höchste Punkt der Gemarkung ist der Gipfel des 502 Meter hohen Eichelbergs im äußersten Westen.TK25, Kartenblatt 6313 Dannenfels Weiter östlich erstreckt sich der 430,7 Meter hohe Kuhkopf. Die Bebauung befindet sich am Hang des Wartbergs, alternativ Schillerhain genannt. Im Nordwesten der Gemarkung erhebt sich der 399,7 Meter hohe Albertskreuz und nordwestlich des Siedlungsgebiets der 354,1 Meter hohe Steinkopf. Im Südosten befindet sich die bis zu 302 Meter hohe Hügelkette Hungerberg.
Gewässer Im Stadtgebiet entspringt in Form des Ziegelwoogs der Leiselsbach, ein linker Zufluss der Pfrimm.Verwaltungsgebiete der Bundesrepublik Deutschland (PDF; 1 MB) Im Tal des Gutleutbach, der den südlichen Stadtrand streift, befindet sich der tiefste Punkt des Stadtgebiets in 230 Metern Höhe.TK25, Kartenblatt 6314 Kirchheimbolanden Im äußersten Westen der Gemarkung entspringt der Gerbach, der bereits nach kurzer Zeit die Stadtgemarkung verlässt, ebenso wie der im Süden entspringende Goldbrunnengraben.
Ebenfalls im Westen der Gemarkung entspringt außerdem der Wiesbach. Kurz vor dessen Mündung in den Wiesbach setzt der Steindellerbach auf die Stadtgemarkung über. Anschließend nimmt sie von rechts den Schanzengraben, von links den Goßenbach und erneut von rechts den Ambach auf. In letzteren mündet zuvor von links der Bach vom Hermannskopf. Der von links in den Wiesbach mündende Kernbach bildet größtenteils die Gemarkungsgrenze zu Kriegsfeld. Der Hoferbach bildet die Grenze zu Ruppertsecken.
Stadtgliederung mini|Blick auf den Stadtteil Haide
Kirchheimbolanden gliedert sich in die Kernstadt mit dem Ortsteil Haide, dem Kupferberg und die Gemeindeteile Ambach, Bolanderhof (Teil), Edenbornerhof, Hessenhütte, Neuhof, Rothenkircherhof und Schillerhain. Weitere Wohnplätze sind Bahnposten 2262, Brunnenberg, Ziegelwerk Ebert, Kohlhütte und Ziegelhütte.
Nachbargemeinden An Kirchheimbolanden angrenzende Orte sind – im Uhrzeigersinn – die Gemeinden Oberwiesen, Orbis, Morschheim, Bischheim, Gauersheim, Bolanden und Dannenfels, die Stadt Rockenhausen, sowie die Gemeinden Ruppertsecken und Kriegsfeld. Eine weitere Nachbargemeinde ist das östlich gelegene Rittersheim.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 585 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Die Firma MeteoGroup – früher Meteomedia – betreibt eine Wetterstation am Ort. An der Finanzierung beteiligten sich die Gemeinde und die Ortsgruppe Donnersberg des Vereins Pollichia. Die Daten der Station werden auf einer elektronischen Schautafel in der Stadtmitte angezeigt. Sie gehen zusätzlich in den Wetterbericht ein, der von dem Unternehmen im Fernsehprogramm der ARD und des SWR3 täglich präsentiert wird. Bemerkenswert ist ein an dieser Station gemessener hoher Wert der jährlichen Sonnenscheindauer von 1940 Stunden, die dem Mittelwert von 2010 bis 2017 entspricht; der langjährige Mittelwert in Deutschland beträgt 1595 Stunden.
Geschichte Mittelalter mini|Wappen der Grafen Philipp und Adolf und der Stadt Kirchheim von 1551 am Rathaus
Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort Kirchheim den Herren von Bolanden. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert. Dazu zählte der Edenbornerhof.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538). Ende des 13. Jahrhunderts kam Kirchheim durch Erbschaft in den Besitz der Sponheimer Nebenlinie Sponheim-Bolanden-Dannenfels. Graf Heinrich II. von Sponheim-Bolanden ließ das Dorf 1368 zur Stadt erheben und machte diese zu seiner Residenz. Er befestigte sie und erbaute daselbst eine Burg. Über seine Enkelin Anna von Hohenlohe († 1410) und ihren Mann Philipp I. von Nassau-Saarbrücken-Weilburg fielen schließlich Kirchheimbolanden und der gesamte Sponheim-Bolander Familienbesitz an das Haus Nassau, das ihn bis zum Ende der Feudalzeit besaß.Hans Döhn: Kirchheimbolanden: Die Geschichte der Stadt. Stadtverwaltung Kirchheimbolanden, 1968 und 1993, S. 81–93.
Frühe Neuzeit mini|Das Schloss Kirchheimbolanden in seiner heutigen Form als Seniorenresidenz Im Jahr 1461 überfiel Herzog Ludwig von Veldenz die Stadt und nahm Graf Philipp II. von Weilburg gefangen. Graf Philipp III. und Graf Adolf führten 1556 die Reformation in ihrer Herrschaft Kirchheim und Stauf ein. Graf Adolf wählte Kirchheim zu seiner Residenz; er und seine Gemahlin sind in der Peterskirche beigesetzt.
Carl August von Nassau-Weilburg verlegte 1737 seine Residenz von Weilburg nach Kirchheim. Carl Christian von Nassau-Weilburg besaß zeitweise ein eigenes Infanterieregiment (1755–1759) in Mannheim beim Kurfürsten der Kurpfalz und war zeitweise General der Niederlande, dort Gouverneur. Friedrich Wilhelm (1788–1816) von Nassau-Weilburg verließ 1793 wegen der Französischen Revolution die Stadt und ging nach Bayreuth. Damit endete die Zeit als Residenzstadt für Kirchheimbolanden, damals nur Kirchheim genannt.
Seine größte Blütezeit erlebte es unter den Fürsten Carl August (1719–1753) und besonders unter Carl Christian (1753–1788) des Hauses Nassau-Weilburg und seiner reichen, klugen und musikalischen Ehefrau Karoline Prinzessin von Oranien-Nassau-Diez.
Ab dem 19. Jahrhundert Nach 1792 hatten französische Revolutionstruppen die Region besetzt und nach dem Frieden von Campo Formio (1797) das linke Rheinufer annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Kirchheim zum französischen Departement Donnersberg und war Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons.
Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen und einem Tauschvertrag mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Ab 1818 war Kirchheim Sitz eines Landkommissariats im bayerischen Rheinkreis.
mini|Gefecht bei Kirchheimbolanden 1849
Als die Rheinhessische Legion während des pfälzischen Aufstandes am 14. Juni 1849 Kirchheim eilig vor einer preußischen Übermacht räumte, blieben pfälzische Freischärler im Schlossgarten unbenachrichtigt zurück. Im Gefecht bei Kirchheimbolanden in Gegenwart des Prinzen von Preußen fielen 17 Freischärler.Wilhelm Blos: Die Deutsche Revolution. Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849. Dietz, Stuttgart 1893, S. 576.
Ab 1939 war der Ort Bestandteil und Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kirchheimbolanden innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte die Stadt 1969 in den neu gebildeten Donnersbergkreis und zu dessen Sitz; drei Jahre später wurde Kirchheimbolanden in die ebenfalls neu entstandene gleichnamige Verbandsgemeinde eingegliedert.
Ortsname Der 1099 erstmals sicher genannte Ort hieß bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Kirchheim. Um ihn bei Bedarf von Kirchheim an der Weinstraße zu unterscheiden, fügte man einen beschreibenden Zusatz hinzu (z. B. 1370 „Kirchheim by Bolanden“, 15. Jh. „Kirchheim unter Bolanden“, 1507 „Kirchheim uff dem gauwe“, 1584 „Kirchem underm Dondersberg“). Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Namensform Kirchheim-Bolanden bzw. Kirchheimbolanden üblich.Martin Dolch, Albrecht Greule: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz. Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Speyer 1991, S. 257.
Mundartlich wird die Stadt bis in die Gegenwart Kerchem genannt. Die Einwohner nennt man daher ebenso Kerchemer. Abgekürzt wird die Stadt bisweilen Kibo genannt.
Bevölkerung Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Kirchheimbolanden; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 37,4 % der Einwohner evangelisch, 16,9 % römisch-katholisch und 45,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Kirchheimbolanden, Zensus 2022 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken, während der Anteil der Einwohner mit sonstiger Konfession oder ohne Konfession zugenommen hat. Mit Stand März 2026 waren von den Einwohnern 32,3 % evangelisch, 14,5 % katholisch und 53,2 % gehörten einer sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Kirchheimbolanden, abgerufen am 12. April 2026
Christentum
mini|Protestantisches Dekanat in Kirchheimbolanden Kirchheimbolanden ist Sitz des protestantischen Dekanats Donnersberg. Als eine der wenigen Städte dieser Größenordnung in Deutschland verfügt Kirchheimbolanden über zwei Pfarrkirchen – die Paulskirche und die Peterskirche.
In der katholischen Kirche ist Kirchheimbolanden Sitz des katholischen Dekanats Donnersberg. 2016 wurden die Pfarreien in Kirchheimbolanden, Bolanden, Kriegsfeld und Stetten zu einer Großpfarrei mit Sitz in Kirchheimbolanden zusammengefasst.
Judentum Die einst vor Ort ansässige jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge, die 1938 den Novemberpogromen zum Opfer fiel.
Politik Stadtrat
Der Stadtrat in Kirchheimbolanden besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU GRÜNE FDP LINKE FWG WfK WGS Gesamt 2024 5 8 2 1 – 7 – 1 24 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2024, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2019 5 8 4 1 – 4 2 – 24 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 8 9 2 1 – 3 1 – 24 Sitze 2009 7 9 3 1 1 3 – – 24 Sitze 2004 6 11 2 1 – 4 – – 24 Sitze
Für weltweite Aufmerksamkeit sorgte 2019 die Wahl der zu der Zeit 100-jährigen Lisel Heise (* 12. März 1919; † 20. Mai 2022, Wir für Kibo) in den Stadtrat von Kirchheimbolanden.Hochbetagt in die Politik: Das unglaubliche 101. Lebensjahr der Lisel Heise – Stern.de Nur ein Jahr später gab sie am 10. Juni 2020 im Alter von 101 Jahren ihren Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt.
Stadtbürgermeister
mini|Rathaus Die bisherigen Stadtbürgermeister von Kirchheimbolanden:
Amtszeit Name Parteium 1849Reinhard Becker 1905–1906 Ulrich Brunck NLP 1906 bis 1945 fehlen 1945 Ferdinand Schardt SPD 1946–1956 Karl Fittler SPD 1956–1960 Hermann Frambach SPD 1960–1961 Hans Schabler WGR 1961–1971 Friedrich Bettenhausen 1971–1972 Eugen Zänger WGR 1972–1974 Edmund Reichert CDU 1974–1999 Lothar Sießl SPD 1999–2019 Klaus Hartmüller CDU 2019– Marc Muchow CDU