Güter ( oder auch als fester Ausdruck)Im ESA 2010 und ESVG 2010 in Punkt 3.01 wird parallel zu Güter definiert. Im SNA 2008 heißt es in Punkt 2.27: sind in der Wirtschaftswissenschaft alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsobjekte, die der Bedürfnisbefriedigung der Wirtschaftssubjekte dienen.

Allgemeines Die Güterwirtschaft als das Wirtschaften mit Gütern ist eines der wichtigsten Untersuchungsobjekte der Volkswirtschaftslehre. Wirtschaften ist die Disposition „über knappe Güter, soweit sie als Handelsobjekte (=Waren) Gegenstand von Marktprozessen sind (oder zumindest potenziell sein können).“ Güter werden auf den Gütermärkten gehandelt, auf denen das Güterangebot der Hersteller und Händler auf die Güternachfrage der Verbraucher trifft. Die Gegenleistung der Nachfrager besteht bei modernen Gütermärkten in Geld, früher bestand sie beim Naturaltausch in anderen Gütern. Diesen Bestandsgrößen stehen im Wirtschaftskreislauf die Stromgrößen der Güterströme und der Geldströme gegenüber, die in der Realwirtschaft bzw. der Finanzwirtschaft fließen.

Wirtschaftliches Gut kann man einteilen in: lang- und kurzlebiges Gut, Verbrauchs- und Gebrauchsgut, die als Konsumgut zusammengefasst werden, Vorleistungs- und Investitionsgut, die zu den Produktionsmitteln gezählt werden. Im engeren Sinn versteht man Güter als Wirtschaftsgüter; diese werden über ihre Knappheit definiert (deshalb auch knappe Güter genannt): es handelt sich um ein Gut, das nicht zu jeder Zeit und an jedem gewünschten Ort in der gewünschten Qualität und Menge zur Verfügung steht.knappes Gut – Definition im Gabler Wirtschaftslexikon. Wichtige Eigenschaften von Wirtschaftsgütern sind die Tausch- und Marktfähigkeit.

Bedeutung In den Wirtschaftswissenschaften geht man davon aus, dass die Menschen unendlich viele Bedürfnisse haben („Unersättlichkeitsaxiom“). Das heißt, die Bedarfsmenge ist immer größer als die Angebotsmenge. Die infolge dieser Knappheit definierten Wirtschaftsgüter bilden die Grundlage der Definition des Wirtschaftens. Da die Bereitstellung von Gütern Kosten verursacht, sind wir zu wirtschaftlichem Handeln gezwungen.

Unter Wirtschaften versteht man das Entscheiden über knappe Güter. Dieser Tatbestand wird von vielen als ein konsistenter, raum- und zeitunabhängiger sowie ideologieindifferenter Fragenkreis betrachtet, der den betriebswirtschaftlichen Erkenntnisgegenstand operational und angemessen präzise bestimmt.

Güter sind also ein zentrales Element jeder wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchung. Aufgrund ihrer allgemein gehaltenen Definition erfassen die Wirtschaftswissenschaften de facto alle Mittel und Leistungen als „Gut“, die irgendeinen Nutzen stiften. Somit sind es letztlich auch Güter, die aus volkswirtschaftlicher Sicht die ökonomische Wohlfahrt bestimmen.

Aufgrund ihrer Wohlfahrtswirkungen besteht eine grundlegende Aufgabe der Wirtschaftspolitik darin, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die eine möglichst optimale Zuteilung von Gütern auf die Nachfrager ermöglichen.

Bereitstellung und Verteilung Was die Marktteilnehmer motiviert, Güter zu produzieren oder bereitzustellen und zu verteilen, lässt sich wie folgt systematisieren:

Bereitstellung Am erfreulichsten wäre es, wenn die Güter als Gaben der Natur (Naturprodukte) oder aus Spaß und Altruismus bereitgestellt würden. Eine weitere Möglichkeit sei autoritärer Zwang. Diese Gründe allein würden aber in modernen Industriegesellschaften nicht ausreichen eine zufriedenstellende Güterversorgung sicherzustellen. Unbedingt nötig seien Anreize; neben nichtmonetären Anreizen wie Lob, Orden oder Prestige käme es hier auf finanzielle Anreizsysteme an – siehe auch Anreiz-Beitrags-Theorie von Simon, March und Barnard. Gemeint sind konkret erzielbare Einkommen oder mögliche Einsparung von Ausgaben.

Verteilung Die Arbeitsteilung und die damit einhergehende Tatsache, dass kaum jemand mehr in der Lage ist, auch nur ein Gut allein herzustellen, veranlassen uns zum Tausch. Aufgrund der Knappheit der Güter muss eine Rationierung stattfinden. Es gibt vier große Prinzipien, nach denen die Verteilung erfolgen kann: + Markt. In einer kompetitiven Ökonomie, in der alle Güter auf Märkten frei getauscht werden, wird eine Pareto-effiziente Allokation der Ressourcen erreicht. Es gilt das Prinzip der Zahlungswilligkeit: Wer den Marktpreis bezahlt, bekommt das Gut. Autorität. Eine Form von Zwang: mittels selbst gewählter oder demokratisch bestimmter Kriterien werden Gesetze erlassen, die die Verteilung bestimmen. Probleme sind hier mögliche Korruption oder die faktische Unmöglichkeit einer Autorität, alle Bedürfnisse der Betroffenen zu kennen. Verhandlung. Ein durch Diskussion herbeigeführter Einigungsprozess. Hier bleibt fraglich, ob alle Betroffenen sich tatsächlich treffen können oder durch Repräsentanten vertreten werden. Nicht geringen Einfluss haben Machtpositionen oder individuelles Verhandlungsgeschick; sogar die Tradition kann ein eigenständiges Prinzip der Zuteilung sein. Wahl. Die Betroffenen entscheiden zwischen einer Auswahl Alternativen direkt. Auch hier gestaltet sich die Umsetzung als kompliziert.

Die einzelnen Prinzipien sind nie in Reinform anzutreffen – so ist die Soziale Marktwirtschaft eine Kombination aus Marktmechanismus und Teilkontrolle durch den Staat, z. B. bei der Bereitstellung öffentlicher Güter und beim Einsatz von Steuer oder Subvention.

Gütertypologie Güter lassen sich wie folgt typisieren:

Merkmal Güterart Beispiel Verwendungszweck Investitionsgüter Konsumgüter Betriebs- und Geschäftsausstattung Haushaltsgeräte Häufigkeit der Verwendung einmalig: Verbrauchsgüter mehrmalig: Gebrauchsgüter Lebensmittel Fahrzeuge physische Beschaffenheit Sachgüter immaterielle Güter digitale Güter virtuelle Güter Handelswaren Dienstleistungen Software Computerspiele Funktionale Austauschbarkeit zu anderen Gütern Komplementärgüter Substitutionsgüter Kraftfahrzeug und Kraftstoff Schafwolle und Baumwolle Eigentümer öffentliche Güter private Güter Verkehrswege Kleidung Knappheit freie Güter knappe Güter Luft Luxusgüter Mobilität bewegliche Güter unbewegliche Güter Mobilien Immobilien Nachfrageänderung durch Einkommensänderung normale Güter inferiore Güter positive Einkommenselastizität negative Einkommenselastizität

Gemeingüter können entweder private Güter (Einfamilienhaus) oder echte Gemeingüter sein. Zu letzteren gehören Allmendegüter (Turnhalle eines Sportvereins), Klubgüter (Pay-TV) oder öffentliche Güter (Wikipedia).

Oft werden den Gütern die Dienstleistungen gegenübergestellt, obwohl letztere ebenfalls zu den Gütern gehören. Das liegt daran, dass sich in der Betriebswirtschaftslehre die Produktionsprozesse beider unterscheiden. Während Güter aus der Kombination klassischer Produktionsfaktoren am Ende eines Produktionsprozesses als Produkte entstanden sind, erfolgt bei Dienstleistungen die Leistungserstellung erst bei der Nachfrage vor allem durch den Kunden als externem Produktionsfaktor (etwa der Kunde beim Friseur).

Erläuterungen Wesentliche Inhalte der Klassifikation gehen auf Erich Kosiol zurück. Das sind unter anderem die Unterscheidung nach Real- und Nominalgütern, materiellen und immateriellen Gütern, abgeleiteten und ursprünglichen Gütern.

Nach Verfügbarkeit Hier lassen sich freie und knappe Güter unterscheiden.

Freie Güter

Ein Gut ist frei, wenn es im betreffenden Gebiet zur betrachteten Zeit in so großer Menge vorhanden ist, dass jeder Mensch so viele Einheiten des Gutes konsumieren kann, wie er will, beziehungsweise bis seine Sättigungsmenge erreicht ist.

Als Beispiele werden häufig Luft zum Atmen oder Wasser genannt. Diese pauschalen Beispiele sind problematisch, denn es sollte bei einer Betrachtung keiner der drei in der Definition genannten Aspekte vernachlässigt werden. So ist die Luft im Jahr 2011 in Deutschland an der Ostsee frei – in manchen Städten wird sie aber indirekt bewirtschaftet (siehe Umweltzone). Ferner denke man an die Luft in der Internationalen Raumstation, deren Transport und Aufbereitung Kosten verursacht.

Da freie Güter in einem ausreichenden Maße zur Verfügung stehen, haben sie keinen Preis. In einem marktwirtschaftlichen System ist der Preis der Indikator für die Knappheit eines Gutes. Ergo gilt: je knapper ein Gut, desto höher sein Preis. Die Begriffe Preis und Kosten müssen hier weit gefasst werden, da ein Einzelner oft für die Nutzung eines Gutes nicht zu bezahlen braucht.

Freie Güter sind nicht zu verwechseln mit Gemeingütern. Diese sind zwar für alle Nachfrager frei zugänglich, ihre Bereitstellung ist jedoch meistens mit Kosten verbunden. So kann beispielsweise eine Gemeinde oder ein privater Betreiber eines Supermarkts Parkplätze für Autofahrer kostenfrei anbieten. Das Angebot an Parkplätzen ist jedoch naturgemäß begrenzt und kann deshalb knapp sein (→ Tragik der Allmende).

Knappe Güter

Im Gegensatz zu den freien Gütern stehen knappe Güter (auch ökonomische Güter, wirtschaftliche Güter oder Wirtschaftsgüter) nicht in einem ausreichenden Maß zur Verfügung. Knappe Güter müssen durch die wirtschaftliche Tätigkeit von Menschen erzeugt oder bereitgestellt werden. In einem marktwirtschaftlichen System erfolgt der Ausgleich zwischen dem knappen Güterangebot und der weitaus höheren Nachfrage meist über den Preis. So wird bei einem hohen Preis ein Gut in der Regel weniger nachgefragt als bei einem niedrigeren Preis. Wirtschaftliche Güter werden in Realgüter (Sachgüter, Dienstleistungen und Rechte) sowie Nominalgüter (Geld und geldwerte Zahlungsmittel) eingeteilt.

Nach Ausschließbarkeit und Rivalität Güterarten nach dem Kriterium der Ausschließbarkeit (Exkludierbarkeit) anderer potenzieller Nutzer

Hier kann man unterscheiden in Ausschluss ermöglichende Güter und Ausschluss nicht ermöglichende Güter. Die meisten Güter des täglichen Lebens machen es möglich, Personen von ihrem Konsum auszuschließen. Nicht der Fall ist dies jedoch bspw. bei Luft; um eine Person vom Konsum der Luft auszuschließen, müsste die in ihrem Umfeld befindliche Luft abgepumpt werden. Typische andere Beispiele für Güter, die keinen Ausschluss einzelner Personen ermöglichen, sind Landesverteidigung (man kann nicht einen einzelnen Bürger davon ausschließen, dass er im Falle eines Angriffs militärisch verteidigt wird) oder Deiche (alle Menschen, die hinter einem Deich wohnen, werden vor Hochwasser geschützt – der Ausschluss einzelner ist nicht möglich). Jedoch zeigt sich eine Tendenz zu zunehmender Ausschließbarkeit: Güter wie Fernsehen oder die Benutzung von Straßen erlauben heute, anders als früher, den Ausschluss einzelner (über Pay-TV und Maut). Anders ausgedrückt: Das Erreichen von Ausschließbarkeit ist lediglich eine Frage des Aufwandes – durch erhöhte Aufwendungen (meist Kosten) könnte der erwähnte Deich beispielsweise um ein bestimmtes Haus herum gebaut werden. Das wiederum würde es vom Schutz ausschließen.

Güterarten nach der Rivalität im Konsum