mini|Altenkirchen (Westerwald), Luftaufnahme (2015) mini|hochkant|Privilegierte Apotheke in der Wilhelmstraße, eines der ältesten Gebäude Altenkirchens

Altenkirchen (Westerwald) () ist die Kreisstadt des Landkreises Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz und Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld. Die Stadt ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie Geographische Lage Altenkirchen liegt im Nordwesten des Westerwaldes im Naturraum Altenkirchener Hochfläche. Es befindet sich an der Einmündung des Erbachs in die direkt südlich der Kernstadt vorbeifließende Wied.

Jenseits der Wied erhebt sich der Johannisberg (), auf dessen westlichen Hochlagen der Altenkirchener Bismarckturm steht.

Wenige Kilometer entfernt liegen im Südwesten der Naturpark Rhein-Westerwald und im Nordwesten der Naturpark Bergisches Land.

Nächstgelegene Großstädte sind Siegen (35 km NO), Koblenz (36 km SW), Bonn (38 km W), Bergisch Gladbach (50 km NW) und Köln (55 km NW).

Stadtgliederung Altenkirchen hat folgende Stadtteile: Bergenhausen Dieperzen Honneroth Leuzbach

Nachbargemeinden An Altenkirchen grenzen folgende Gemeinden (in Uhrzeigerrichtung, von Norden beginnend): Bachenberg, Obererbach (Westerwald), Mammelzen, Sörth, Michelbach, Gieleroth, Fluterschen, Almersbach, Schöneberg, Neitersen, Helmenzen, Kettenhausen und Busenhausen.

Geschichte

Mittelalter Erstmals erwähnt wird Altenkirchen 1131 in einer Urkunde von Papst Innozenz II., der dem Bonner Stift St. Cassius und Florentius die beiden Höfe zu Birnbach und Altenkirchen bestätigte.

Schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts wird Altenkirchen in den Besitz der Grafen von Sayn gelangt sein, die die Vögte des Stiftes St. Cassius waren und hier das Schloss Altenkirchen errichteten. Am 16. Dezember 1314 verlieh König Ludwig der Bayer Altenkirchen Stadtrechte.Abbildung der Stadtrechtsurkunde und quellenkritische Edition bei Marcel Oeben/Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung an Altenkirchen, Hachenburg und Weltersburg. Mit Edition der Urkunde von 1314. In: Nassauische Annalen 125 (2014), S. 53–65. Zum geschichtlichen Hintergrund der Stadtrechtsverleihung siehe Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung 1314 im Rahmen der Reichspolitik. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 57 (2014), S. 103–110. Siehe auch Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 41 (2015), S. 33–49. Kaiser Karl IV. bestätigte am 4. Februar 1357 die Altenkirchener Stadtrechte, nur wenige Tage bevor dem wiedischen Almersbach auf dem gegenüberliegenden Ufer der Wied ebenfalls die Stadtrechte verliehen wurden.

Neuzeit In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts traten in Altenkirchen 1574 und 1584 die Landtage der saynischen Landstände zusammen.Daniel Schneider: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie in Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 33 (2007), S. 219–228. 1561 kam es zur Einführung der Wittenberger Reformation durch die Grafen von Sayn. Graf Heinrich IV. ließ 1586 das Altenkirchener Schloss errichten, das 1862 abgerissen wurde. Mit ihm starben 1606 die Grafen von Sayn im Mannesstamm aus. Als am 12. September 1605 Wilhelm III. Graf von Sayn-Wittgenstein-Sayn die Regierung der Grafschaft übernahm, verfügte er den Übergang zum reformierten Bekenntnis. Sayn-Wittgenstein-Sayn starb 1636 im Mannesstamm aus. Die Erbtöchter Sayn-Wittgenstein-Sayns teilten in mehreren Teilungsverträgen ab 1652 die Grafschaft.Daniel Schneider: Die Landesteilung der Grafschaft Sayn in Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg. In: Nassauische Annalen 133 (2022), S. 119–133. Ernestine, verehelicht mit dem Burggrafen von Kirchberg erbte Sayn-Hachenburg, Johannetta, verheiratet seit 1661 mit Herzog Johann Georg von Sachsen-Eisenach, erhielt Sayn-Altenkirchen. So fiel die Stadt über die Heirat 1661 an das Herzogtum Sachsen-Eisenach.Daniel Schneider: Die Landesteilung der Grafschaft Sayn in Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg. In: Nassauische Annalen 133 (2022), S. 127. Daniel Eberlin, später Schwiegervater von Georg Philipp Telemann, war zwischen 1665 und 1668 Hofmusiker am Altenkirchener Schloss.

1728 brannte die Stadt fast gänzlich nieder. 1741 erbten die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach die Grafschaft Sayn-Altenkirchen, 1791 traten diese die Grafschaft an Preußen ab, das Sayn-Altenkirchen infolge des Reichsdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 an das Herzogtum Nassau abgeben musste. Mit dem Wiener Kongress 1815 fiel Sayn-Altenkirchen mit weiten Teilen von Sayn-Hachenburg und anderen Gebieten wieder an Preußen und ging als Kreis Altenkirchen im preußischen Regierungsbezirk Koblenz auf. Kirchspiel und Stadt Altenkirchen wurden der Bürgermeisterei Altenkirchen zugeordnet.

Während der Revolutionskriege kam es am 4. Juni 1796 zwischen den französischen Truppen unter General Jean-Baptiste Kléber und den kaiserlichen Habsburgern unter Befehl Herzog Ferdinand von Württemberg zur Schlacht bei Altenkirchen. Bei weiteren Kämpfen wurde im Herbst 1796 der französische General François Séverin Marceau so schwer verwundet, dass er in Altenkirchen starb.Daniel Schneider: Die Schlacht von Altenkirchen 1796 in ihrem historischen Kontext. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen, Band 55 (2012), S. 183–194. Das lange kaum genutzte Schloss wurde 1862 zum Abbruch verkauft; die verbliebenen Reste wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört. Heute erinnert lediglich der Altenkirchener Schlossplatz noch an das Gebäude.

Ein Großfeuer zerstörte am 23. April 1893 insgesamt 59 Wohnhäuser, 33 Nebengebäude und die evangelische Kirche, die 1822–1827 nach den Plänen des Architekten und obersten preußischen Baubeamten Karl Friedrich Schinkel anstelle des romanischen Vorgängerbaus errichtet worden war. mini|Bebauung der 1920er Jahre in der Parkstraße, im Hintergrund links das neue Finanzamt

20. Jahrhundert 1939 wurden die Orte Leuzbach und Bergenhausen nach Altenkirchen eingemeindet.

Am 7. März 1945 kam es zu mehreren Luftangriffen, die die Stadt nahezu vollständig zerstörten, über 200 Menschen wurden getötet. 193 Häuser der Stadt waren total zerstört, 120 weitere Gebäude beschädigt. Beide Kirchen, die Schulen, der Bahnhof und das alte Gebäude des Amtsgerichts lagen in Trümmern. Die Wilhelmstraße war unpassierbar, so dass die einrückenden amerikanischen Panzer den Weg nach Wissen über den Damm der Bahn nach Hachenburg erreichten. Erst 1965 war der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen.

Mit dem Landkreis Altenkirchen kam Altenkirchen 1946 zu Rheinland-Pfalz. Am 10. Juni 1979 wurde die bislang selbständige Gemeinde Dieperzen mit dem Hofgut Honneroth eingemeindet. Auf dieser Fläche entstand in den 1980–1990er Jahren der neue Stadtteil Honneroth.

Altenkirchen war bis zur Wiedervereinigung die kleinste Kreisstadt der Bundesrepublik, danach wurde es zunächst Seelow, die vormals kleinste Kreisstadt der DDR. Heute ist Cochem die kleinste deutsche Kreisstadt.

Einwohnerstatistik

Konfessionsstatistik Laut dem Zensus 2011 waren 43,2 % der Einwohner evangelisch, 21,0 % römisch-katholisch und 35,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem beträchtlich gesunken. Ende September 2025 hatten 28,2 % der Einwohner die evangelische Konfession und 16,1 % die katholische. 55,7 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Stadt Altenkirchen Gemeindestatistik, abgerufen am 28. Oktober 2025.

Politik Stadtrat

Der Stadtrat in Altenkirchen besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem. + Sitzverteilung im Stadtrat Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 5 8 2 2 5 22 Sitze 2019 6 7 3 2 4 22 Sitze 2014 7 8 2 1 4 22 Sitze 2009 6 9 2 2 3 22 Sitze 2004 6 11 2 1 2 22 Sitze 1999 7 10 1 1 3 22 Sitze

Bürgermeister mini|Verbandsgemeindeverwaltung in Altenkirchen Ralf Lindenpütz (CDU) wurde am 5. Oktober 2022 ehrenamtlicher Stadtbürgermeister von Altenkirchen. Bei der Direktwahl am 18. September 2022 war er – als einziger Kandidat – mit einem Stimmenanteil von 79,88 % gewählt worden. Am 9. Juni 2024 wurde Lindenpütz erneut als einziger Bewerber mit 75,7 % der Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,9 %.

Der Vorgänger von Lindenpütz, Matthias Gibhardt (SPD) hatte das Amt 2019 übernommen. Er war am 16. Juni 2019 in einer Stichwahl für fünf Jahre gewählt worden. Im Mai 2022 kündigte er jedoch an, das Amt aus persönlichen Gründen zum 31. Mai 2022 vorzeitig niederzulegen. Vom 1. Juni 2022 an wurden daher die Amtsgeschäfte vorübergehend durch den Ersten Beigeordneten Paul-Josef Schmitt (CDU) übernommen.

Siehe auch Liste der Bürgermeister von Altenkirchen (Westerwald)

Wappen und Stadtflagge Wappen

Beschreibung der Flagge Die Stadtflagge ist längsgestreift, rot-gold, wobei beide Streifen gleich breit sind. In der Mitte trägt die Flagge das oben näher bezeichnete Wappen.

mini|Kreisverwaltung Altenkirchen mini|Schlossplatz mit evangelischer Christuskirche mini|Marktplatz

Städtepartnerschaften Altenkirchen unterhält eine Partnerschaft mit dem französischen Tarbes und der polnischen Gemeinde Olszanka im Powiat Brzeski.

Öffentliche Einrichtungen mini|Saynstraße mit Blick auf den Neubau der Kreissparkasse Die Kreisstadt Altenkirchen ist als voll ausgestattetes Mittelzentrum Sitz zahlreicher Behörden und öffentlicher Einrichtungen: Kreisverwaltung Altenkirchen Stadt- und Verbandsgemeindeverwaltung Altenkirchen Amtsgericht Altenkirchen Finanzamt Altenkirchen-Hachenburg AOK Rheinland-Pfalz, Regionaldirektion Altenkirchen Forstamt Altenkirchen Verbandsgemeindefeuerwehr Altenkirchen DRK-Krankenhaus Altenkirchen-Hachenburg (Verbundkrankenhaus der Regelversorgung mit den Standorten Altenkirchen und Hachenburg) Fachklinik für suchtkranke Frauen der REHA Fachkliniken GmbH Sportzentrum Altenkirchen mit Hallenbad

Wirtschaft und Infrastruktur mini|hochkant|Blick von der Wilhelmstraße in die Kölner Straße Seit dem 27. November 2015 führt Altenkirchen den Titel Fair-Trade-Stadt und war zum Zeitpunkt der Verleihung eine von 382 Städten in Deutschland die ihn führten.

Ansässige Unternehmen Das Unternehmen WERIT Kunststoffwerke W. Schneider GmbH & Co. KG hat seit 1949 seinen Hauptsitz in der Kreisstadt Altenkirchen. Es ist auf die Herstellung von Lager- und Transportbehälter, Industrietanks, Heizöltanks und Zubehör für Elektroinstallationen spezialisiert. Zwischen Altenkirchen und Almersbach findet sich im Wiedtal die Papierfabrik Interface Solutions GmbH (ehemals Ahlstrom Altenkirchen GmbH davor Jagenberg). Ferner hat der Omnibusbetrieb Martin Becker seinen Sitz in Altenkirchen. Das Unternehmen betreibt Öffentlichen Personennahverkehr in den Kreisen Altenkirchen, Rhein-Lahn, Neuwied, im Westerwaldkreis und darüber hinaus Reisebusverkehr.

In den letzten Jahren entstanden mit dem Industrie- und Gewerbegebiet Graf-Zeppelin-Straße und den Gewerbegebieten Siegener Straße, Rudolf-Diesel-Straße und Auf den sechs Morgen Flächen zur weiteren Ansiedlung von mittelständischen Unternehmen.

Verkehr mini|Der Bahnhof von Altenkirchen Die Kreisstadt Altenkirchen liegt am Schnittpunkt der Bundesstraßen 8, 256 und 414.

Der Bahnhof Altenkirchen liegt an den Bahnstrecken Engers–Au und Limburg–Altenkirchen. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 90 Westerwald-Sieg-Bahn (Kreuztal–Siegen–Kirchen-Betzdorf–Au–Altenkirchen–Hachenburg–Westerburg–Limburg (Lahn)) bedient, die von der Hessischen Landesbahn als Teil des Rheinland-Pfalz-Taktes im Stundentakt betrieben wird.