mini|hochkant|Walter Kasper (2007) miniatur|hochkant|Walter Kardinal Kasper (links) und Godfried Kardinal Danneels (2008) Walter Kardinal Kasper (* 5. März 1933 in Heidenheim an der Brenz) ist ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Theologe. Er ist emeritierter Kurienkardinal und ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Zuvor war er von 1989 bis 1999 Bischof von Rottenburg-Stuttgart.
Leben Kasper lebte von 1938 bis 1946 in Wäschenbeuren, Landkreis Göppingen, wo sein Vater Volksschullehrer war, und anschließend in Wangen im Allgäu. Er machte 1952 am Gymnasium Ehingen an der Donau das Abitur. Anschließend studierte er Katholische Theologie und Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, im Wilhelmsstift Tübingen und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1956 schloss er sein Studium ab und wurde ein Jahr später am 6. April 1957 in Rottenburg zum Priester geweiht. Von 1957 bis 1958 absolvierte er sein Vikariat in der Gemeinde Herz Jesu in Stuttgart unter Pfarrer Ernst Hofmann. Von 1958 bis 1961 war er als Repetent am Wilhelmsstift Tübingen tätig.Lebensgeschichte Kardinal Walter Kasper 1961 wurde er nach Anfertigung einer Dissertation mit dem Titel Die Lehre von der Tradition in der Römischen Schule. (Giovanni Perrone, Carlo Passaglia, Clemens Schrader) an der Universität Tübingen zum Dr. theol. promoviert; 1964 habilitierte er sich nach einer Assistentenzeit bei Hans Küng.
Im selben Jahr erhielt Kasper einen Ruf als Professor für Dogmatik an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster und war dort im Sommersemester 1970 Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät. Während seiner Münsteraner Zeit gehörte Kasper zu den Begründern des kirchenreformerisch orientierten Freckenhorster Kreises und wurde 1969 zu einem von dessen ersten Sprechern gewählt.
Zusammen mit Karl Lehmann, Joseph Ratzinger, Karl Rahner und anderen plädierte er im Februar 1970 mit dem Memorandum zur Zölibatsdiskussion für eine eindringliche Überprüfung und differenziertere Betrachtung des Zölibatsgesetzes der lateinischen Kirche.
Ab 1970 lehrte Kasper Dogmatik an der Universität Tübingen und war 1979/80 an dem kirchlichen Streit um Hans Küngs Lehrerlaubnis beteiligt, wobei er sich am Ende für dessen Ausschluss aus der Fakultät aussprach.Hans Küng: Umstrittene Wahrheit. Erinnerungen. München 2007, S. 640–642. 1983 war er Gastprofessor an der Catholic University of America (CUA) in Washington, D.C. Er war Spezialsekretär der außerordentlichen Bischofssynode 1985, außerdem Mitglied der Kommission Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK und der Internationalen Theologenkommission in Rom. In den Jahren 1993 bis 2001 gab er die dritte Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche heraus.
Zu den Schülern Kaspers zählen u. a. die Theologen Hans Kessler, Arno SchilsonVgl. u. a. das gemeinsame Werk: Arno Schilson/Walter Kasper, Christologie im Präsens. Kritische Sichtung neuer Entwürfe. Herder, Freiburg i. Br. 1974, Peter Walter, Eberhard Schockenhoff, Thomas Pröpper, Leonhard Hell und George Augustin.
miniatur|hochkant|Bischofswappen Walter Kaspers miniatur|hochkant|Kardinalswappen (2001) Am 4. April 1989 wurde Kasper als Nachfolger von Bischof Georg Moser zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewählt, am 17. April durch Papst Johannes Paul II. ernannt und am 17. Juni 1989 in Rottenburg zum Bischof geweiht. Die Bischofsweihe spendete ihm der Erzbischof von Freiburg im Breisgau, Oskar Saier. Mitkonsekratoren waren der Mainzer Bischof Karl Lehmann und Franz Josef Kuhnle, Weihbischof in Rottenburg-Stuttgart. Sein Wahlspruch lautet Veritatem in caritate („Wahrheit in Nächstenliebe“). Bischof Kasper war Vorsitzender der Kommission Weltkirche und Stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz.
Am 16. März 1999 ernannte Papst Johannes Paul II. Bischof Kasper zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Kasper trat daher mit Wirkung vom 31. Mai 1999 als Bischof von Rottenburg-Stuttgart zurück. Mit der Aufnahme der Tätigkeit im Dienst des Heiligen Stuhls erhielt er die vatikanische Staatsbürgerschaft, die funktionsbezogen und in der Regel auf die Dauer der Funktion im Vatikan beschränkt ist. Da sie grundsätzlich kumulierbar ist, wird sie zusätzlich zu einer bereits vorhandenen erworben.
Am 21. Februar 2001 wurde Kasper von Johannes Paul II. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Ognissanti in Via Appia Nuova in das Kardinalskollegium aufgenommen. Im gleichen Jahr, am 3. März, ernannte Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten des für die Ökumene-Fragen und für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständigen Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Am 21. April 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. in seinem Amt bestätigt und am 21. Februar 2011 unter Beibehaltung seiner pro hac vice zur Titelkirche erklärten Titeldiakonie in den Rang eines Kardinalspriester erhoben. Kardinal Kasper war bis zur Vollendung seines 80. Lebensjahres Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und des Päpstlichen Rates für die Kultur.
2005 wurde zu Ehren von Walter Kardinal Kasper das Kardinal-Walter-Kasper-Institut an der Vinzenz-Pallotti-Universität Vallendar gegründet, das sich besonders der Forschung zur Ökumene und Einheit der Kirchen widmet.
Am 1. Juli 2010 nahm Papst Benedikt XVI. sein aus Altersgründen vorgebrachtes Rücktrittsgesuch vom Amt des Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen – nach zweimaliger Ablehnung 2008 und 2009 – an und ernannte den Basler Bischof Kurt Koch zu seinem Nachfolger.
Kasper nahm als Kardinal an dem Konklave teil, das am 19. April 2005 Joseph Ratzinger zum Papst wählte. Da er erst nach dem Beginn der Sedisvakanz am 28. Februar 2013 das 80. Lebensjahr vollendete, konnte er noch am Konklave zur Wahl des Nachfolgers Franziskus teilnehmen.
An Palmsonntag 2017 feierte Walter Kasper in der römischen Kirche Santa Maria dell’Anima sein diamantenes (60-jähriges) Priesterjubiläum.
Bei seinem ersten Angelus-Gebet meinte der neue Papst Franziskus, Kasper sei ein großartiger Theologe, sein Buch zur BarmherzigkeitBarmherzigkeit: Grundbegriff des Evangeliums - Schlüssel christlichen Lebens. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2012, ISBN 978-3-451-30642-6 habe ihm in diesen Tagen sehr gut getan. In seinem ersten Kardinalskonsistorium am 21. Februar 2014 erklärte Franziskus, er habe in der Arbeit Kardinal Kaspers tiefe Theologie und unbeschwertes Denken gefunden. Dies bedeutete es, „Theologie auf den Knien zu machen“.
Kasper gehörte zu den Kritikern des Synodalen Wegs der Katholischen Kirche in Deutschland. Insbesondere kritisierte er die Haltung der deutschen katholischen Kirche zum Zölibat und zur Priesterweihe für Frauen als nicht katholisch.
Stand 2023 lebt Kardinal Kasper weiterhin in Rom.
Ehrungen Ehrendoktorwürden 1990: Katholische Universität von Amerika, Washington, D.C. 1991: St. Mary’s Seminary and University, Baltimore 2000: Universität Straßburg 2001: Sacred Heart University, Fairfield 2002: St. John’s University, Jamaica (New York City) 2002: Universität Sofia, Bulgarien 2002: University of Notre Dame du Lac, South Bend 2003: Katholische Universität Löwen 2003: Universität Laval, Québec 2003: Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar 2003: Center for Theological and Spiritual Development at the College of Saint Elizabeth (CSE), Morristown 2004: Päpstliche Universität Comillas, Madrid 2004: Seattle University 2004: Babeș-Bolyai-Universität Cluj, Rumänien 2005: Fordham University, New York 2006: University of Durham, Vereinigtes Königreich 2006: Duquesne University, Pittsburgh 2007: Universität Opole, Polen 2007: Universität Uppsala, Schweden 2007: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 2007: Nationale Universität Kiew-Mohyla Akademie, Ukraine 2011: Saint Joseph’s University, Philadelphia 2011: Katholische Universität Portugal, Lissabon 2012: Katholische Universität Korea 2015: Università Vita-Salute San Raffaele, Mailand 2017: Université Catholique du Congo, Kinshasa 2020: Päpstliche Akademie Alfonsiana, Rom
Honorarprofessuren 2001: Eberhard Karls Universität Tübingen
Mitgliedschaften Römische Kurie Der Kardinal ist Mitglied folgender Einheiten der Römischen Kurie: Kongregation für die Glaubenslehre (seit 2001) Kongregation für die orientalischen Kirchen (seit 2001) Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur (seit 2002) Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte (seit 2004) Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog (seit 2007) Päpstlicher Rat für die Kultur (seit 2001)
Akademisches 1985: Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1991: Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste 1995: Akademische Verbindung Alania zu Stuttgart im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) 2007: Katholische Akademische Verbindung Capitolina zu Rom im CV
Ehrenbürgerschaften 2003: Wangen im Allgäu 2008: Rottenburg am Neckar
Auszeichnungen 1976: Martinus-Medaille der Diözese Rottenburg 1987: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 1995: Großkreuz des Malteserordens 1998: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 1999: Bonifatiusmedaille in Gold der Deutschen Bischofskonferenz 2001: Andreaskreuz des Ökumenischen Patriarchats 2002: Distinguished Service Award der Catholic Theological Union, Chicago 2002: Crucea Patriarchala Bukarest 2002: Orden „Stara Planina“ der Republik Bulgarien 2003: Große Staufermedaille in Gold 2003: Interfaith Medallion „Peace through Dialogue“ 2003: Anerkennung der Deutschen Comenius-Gesellschaft 2004: Großoffizier des Sterns von Rumänien 2004: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband 2005: Anti-Defamation League’s Dr. Joseph Lichten Award 2006: Theologischer Preis der Salzburger Hochschulwochen (für sein theologisches Gesamtwerk) 2006: Premio letterario Basilicata 2006: Bonum Commune Award, St. Augustine College of South Africa 2007: Sankt-Eriks-Plakette des Erzbischofs von Uppsala 2007: Ökumenepreis der Katholischen Akademie in Bayern 2007: Premio Internazionale Bonifacio VIII, Anagni, Italien 2008: Ehrenring der Görres-Gesellschaft (für sein ökumenisches Engagement) 2008: Premio Capo Circeo der Associazione Italia-Germania 2008: Premio Internazionale della Pace, della Cultura e della Solidarietà des Centro Studi G. Donati, Pistoia 2009: Protektor der Stiftung PRO ORIENTE 2009: Pax Christi Award Saint John’s Abbey Collegeville 2010: Großkreuz des Verdienstordens der Republik Zypern 2011: Lambeth Cross von Erzbischof von Canterbury 2011: Jesaiah Award des American Jewish Committee 2011: Cardinal Bea Award der Congregation of our Lady of Sion 2011: Europäischer Kultur-Kommunikationspreis 2011 der Stiftung Pro Europa 2012: Buchpreis „Premio Capri - S. Michele 2012“ für die italienische Ausgabe von „Katholische Kirche“ (Chiesa cattolica. Essenza-Realtà-Missione, Queriniana, Brescia 2012) 2012: Thomas-a-Kempis-Ehrenstele 2012: Huésped Distinguido, Salamanca 2014: Deutscher Kulturpreis der Stiftung Kulturförderung, München 2014: Quasten Award der Katholischen Universität von Amerika, Washington D.C. 2017: Steiger Award für Toleranz, Dortmund 2018: Civitas Dei Medal der Villanova University Pennsylvania 2020: Gesicht Europas für seine Verdienste um die Europäische Einigung
Gebäude
Pflegeheim Kardinal-Kasper-Haus, Wäschenbeuren ()
Schriften (Auswahl) Das Absolute in der Geschichte. Philosophie und Theologie der Geschichte in der Spätphilosophie Schellings. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1965. Gesetz und Evangelium. In: Sacramentum mundi. Theologisches Lexikon für die Praxis, Band 2, 369–373. Glaube und Geschichte. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1970.