Luanda [portugiesisch ] (ursprünglich São Paulo da Assunção de Loanda, Schreibweise bis ins 19. Jahrhundert auch Loanda) ist die Hauptstadt Angolas und hat etwa 9 Millionen Einwohner (Stand 2022). Diese Zahl bezieht sich auf das Gebiet, das verwaltungstechnisch zu Luanda gehört. Tatsächlich ist die Stadt jedoch erheblich über diese Grenzen hinaus gewachsen und hat dabei bestehende Siedlungskerne absorbiert.
Inzwischen gehört Luanda zu den größten Städten Afrikas und ist auch die drittgrößte portugiesischsprachige Stadt hinter São Paulo sowie Rio de Janeiro und vor Lissabon sowie Maputo.
Geographie
Geographische Lage Luanda liegt in der Provinz Luanda nördlich der Mündung des Flusses Cuanza in den Atlantik.
Luanda wird in zwei Teile geteilt, die Baixa de Luanda (das untere Luanda, die Unterstadt, die alte Stadt) und die Cidade Alta („obere Stadt“, Oberstadt, neuer Stadtteil). Die Baixa de Luanda befindet sich in der Nähe des Hafens, wo es noch enge Straßen und alte Gebäude der Kolonialzeit gibt. Die Küste wird durch die Baía de Luanda (Bucht von Luanda) geprägt, geformt durch den Schutz des kontinentalen Litorals durch die vorgelagerte Halbinsel Ilha do Cabo. Im Süden des Stadtkerns liegt die Baía de Mussulo (Bucht von Mussulo), die durch das Riff von Mussulo gebildet wurde.Zur Situation, die in der kolonialen Endphase erreicht war, siehe Ilídio do Amaral: Luanda: Estudo de geografia urbana. Junta de Investigações do Ultramar, Lissabon 1968
Seit der Unabhängigkeit ist die Bevölkerung auf mehr als das Dreifache angewachsen, so dass sich die Stadt seit 1975 auf ein Mehrfaches der Fläche ausgedehnt hat.Cristina Lucena & Jochen Oppermann…
Stadtgliederung mini|Typisches Straßenbild im Zentrum von Luanda, 2013 Das 1576 gegründete Luanda hatte 1605 erste Stadtrechte erhalten und war seither Sitz eines eigenen Kreises. Nach der Unabhängigkeit 1975 wurde der Kreis aufgelöst und das Stadtgebiet erst in drei, später in neun Kreise aufgeteilt. Dies waren Cazenga, Ingombota, Kilamba Kiaxi, Maianga, Rangel, Samba, Sambizanga, Cacuaco und Viana. Cazenga und Viana waren die bevölkerungsreichsten.Artikel vom 25. Juli 2011 zur neuen Verwaltungsgliederung Luandas, Zeitung O País, abgerufen am 29. April 2014
Durch Zuzug wuchs die Stadt beträchtlich, während des Bürgerkriegs (1975–2002) und im Verlauf des danach einsetzenden Wirtschaftswachstums. Seither sind mit Luanda Sul und Kilamba neue Satelliten-Städte gebaut worden. In Camama, Zango sowie Kilamba Kiaxi wurden weitere Hochhaussiedlungen erbaut. Andererseits haben sich – wohl noch stärker – die Slums („musseques“) ständig ausgedehnt.Sebastian Kasack: Perspektiven fur partizipatives Squatterupgrading in Luanda/Angola. Universität Bonn, 1992, Doktorarbeit. Die Hauptstadt Luanda wächst damit teilweise über die Provinzgrenzen hinaus.
In dem Zusammenhang wurden Änderungen in der Verwaltungsgliederung nötig. Neue Kreise und Gemeinden entstanden und wurden neu zugeordnet. Seit 2011 ist Luanda nun wieder ein eigener Kreis (Município) innerhalb der Provinz Luanda. Die weiteren Kreise der Metropolregion Luanda seit einer Neugliederung im November 2016 sind: Belas, Cacuaco, Cazenga, Kilamba Kiaxi, Talatona und Viana, die Provinz Luanda umfasst zusätzlich die ländlich geprägten Kreise Ícolo e Bengo und Quiçama. auf der offiziellen Website zur Volkszählung 2014; abgerufen am 28. April 2014.Luanda passa a ter nove municípios. redeangola.info, 29. November 2016; abgerufen am 17. September 2019.
Der Kreis Luanda wird aus sieben Stadtbezirken gebildet:A nova divisão político-administrativa da província de Luanda. evandroamaral.blogs.sapo.ao, 11. Februar 2018; abgerufen am 17. September 2019. Ingombota (ehemaliges Município) – das historische, politische, kommerzielle und kulturelle Zentrum von Luanda Rangel (ehemaliges Município) Sambizanga (ehemaliges Município) Samba (ehemaliges Município) Maianga (ehemaliges Município) Neves Bendinha Ngola Kiluanje
Klima Luanda befindet sich in der tropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 24,4 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 368 Millimeter im Mittel. Die wärmsten Monate sind Februar bis April mit durchschnittlich 26,7 bis 27,0 Grad Celsius, die kältesten Juli und August mit 20,2 bis 20,4 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt in den Monaten März und April mit durchschnittlich 97 bis 124 Millimeter, der wenigste zwischen Juni und Oktober mit null bis sieben Millimeter im Mittel.
Umweltprobleme Trinkwasser Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser gehört zu den zentralen Umweltproblemen. Nach Unicef-Angaben verfügen nur 22 % der ländlichen Bevölkerung Angolas über einen Zugang zu sauberem Wasser, in den Städten sind es 57 %.Percentagem de agregados familiares com acesso à água potável no período 2006-2014 e objectivos do Governo para 2017. (PDF) unicef.org, S. 3; abgerufen am 22. Mai 2019. Doch besonders in den ausgedehnten Slums (musseques) von Luanda, in denen 70–80 % der Einwohner leben, (PDF) unhabitat.org, S. 4, 21. März 2018; abgerufen am 22. Mai 2019. ist die Lage problematisch; die Bevölkerung ist ständig von Cholera-Epidemien bedroht.
Müllentsorgung Ein weiteres Problem in Luanda ist die Müllentsorgung. Vielerorts in der Stadt türmen sich die Müllansammlungen, da es einen Mangel bei der Müllabfuhr gibt. Besonders nach starken Regenfällen entstehen dadurch enorme Umweltschäden.Lixo em Luanda: Um dos problemas a resolver pelo novo governador. dw.com, abgerufen am 22. Mai 2019. Jeder zweite Haushalt in Luanda entsorgt seinen Müll „im Freien“.Angola: Luanda tem 6.945.386 habitantes – dados definitivos do Censo. angop.ao, 22. September 2016; abgerufen am 22. Mai 2019.
Geschichte Am 11. Februar 1575 11. Januar 2011 (portugiesisch) landete der portugiesische Kapitän Paulo Dias de Novais an der Ilha do Cabo mit einer ersten Gruppe portugiesischer Siedler. Es waren insgesamt rund 700 Personen, darunter 350 bewaffnete Männer, Geistliche, Kaufleute und Beamte. Da sich die Ilha do Cabo schlecht verteidigen ließ, ließen sich die Siedler auf dem gegenüber liegenden Morro de São Miguel nieder. Dieser Hügel hatte strategisch eine ideale Position und verfügte auch über Quellen. Am 25. Januar 1576 wurde die Stadt als São Paulo da Assunção de Loanda (Übersetzt ungefähr: „Heiliger Paulus von Maria Himmelfahrt zu Loanda“) gegründet. cidadeluanda.com (portugiesisch); abgerufen am 24. Januar 2012. Die Portugiesen verbündeten sich mit den Kriegerverbänden der Jaga. Mit deren Hilfe griffen sie Ndongo an und setzen den König abDaniel B. Domingues da Silva: The Atlantic Slave Trade from West Central Africa, 1780–1867, Cambridge, Cambridge University Press 2017, 146. Dies führte zu einer Reihe von dynastischen Auseinandersetzungen (Angola-Kriege), die das Hinterland von Luanda verwüsteten. Kriegsgefangene wurden von den Portugiesen als Sklaven nach Brasilien verschifft.Daniel B. Domingues da Silva: The Atlantic Slave Trade from West Central Africa, 1780–1867, Cambridge, Cambridge University Press 2017, 146 Luanda wurde 1627 das Zentrum der portugiesischen Präsenz auf dem Territorium des heutigen Angola und behielt diese Funktion bis zum Ende der Kolonialzeit im Jahre 1975 bei (mit Ausnahme der Jahre 1641 bis 1648, als sie von den Niederlanden besetzt war).Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit. Band 5: Staaten. Die nationale Dimension der Weltgeschichte. (=rororo-Handbuch 6239), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-16239-3, S. 426.
Die Stadt blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein Zentrum des Sklavenhandels nach Brasilien, in die Karibik und die USA. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1836 erlitt Luanda eine wirtschaftliche und soziale Krise. Zahlreiche Europäer verließen daraufhin die Stadt. Der Bau der Eisenbahnstrecke nach Funda im Jahr 1888 brachte durch den Warenaustausch mit dem Hinterland einen wirtschaftlichen Aufschwung. Damals zählte Luanda erst 15.000 Einwohner, darunter 3000 Portugiesen.127 de anos de Caminhos de Ferros de Luanda redeangola.info, 1. November 2015, abgerufen am 6. Oktober 2019 Mit dem Aufschwung zogen nun viele Afrikaner in die Stadt und bauten sich dort ihre traditionellen Lehmhütten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Bauvorschriften eingeführt, was zum Abriss der nicht standardgemäßen Behausungen führte. Die ärmere Bevölkerung wurde an die Peripherie der Stadt umgesiedelt. Es entstanden die ersten Musseques.
mini|Verlassene Schiffe (2019) Im Jahr 1930 wurde in Luanda die Elektrizität eingeführt, die entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung war. Dadurch wuchs auch die weiße Bevölkerung in der Stadt an, die nun den Raum vom Zentrum bis zur Peripherie einnahm. 1942 wurde von der Stadtverwaltung der erste städtebauliche Masterplan herausgegeben, der die Schaffung verschiedener, durch ein verzweigtes Transportnetz verbundener Gartenstädte sowie den Bau von fünf Satellitenstädten vorsah, um die überzählige Bevölkerung unterzubringen. 1945 wurde der neue Hafen und viele Straßen gebaut. Ein schnelles wirtschaftliches und industrielles Wachstum setzte ein, was zu einem weiteren Anstieg der Bevölkerung und einer Ausdehnung der Stadt führte. In den 1960er und 70er Jahren wurden für die ärmeren Weißen und die schwarze Arbeiterklasse sogenannte „Volksviertel“ (Bairros Populares) errichtet, die sich später jedoch zu Musseques entwickelten.Luanda: Estratégias de Regeneração Urbana através da criação de novos espaços públicos (PDF) Universidade de Lisboa, 2016, S. 10–26
Nach der Unabhängigkeit Angolas 1975 verließ ein Großteil der portugiesischen Bevölkerung Angola, also auch Luanda. Durch den langjährigen Bürgerkrieg in Angola litt auch die Hauptstadt. Ihre Bevölkerungszahl stieg aufgrund einer starken Binnenwanderung stark. Seit dem Ende des Kriegs im Jahr 2002 erlebt Luanda einen Aufschwung, der am deutlichsten durch ein ausgedehntes Flächenwachstum, den rasanten Bau von modernen Hochhäusern und den Ausbau der Infrastruktur ins Auge fällt.
Bevölkerung Religionen Das Christentum hat in Luanda seit der Missionierung und Kolonisierung Fuß gefasst, die Katholiken seit dem 16. Jahrhundert, die Protestanten seit Ende des 19. Jahrhunderts. Die erste Kirche von Angola wurde 1575 in Luanda gebaut. 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Katholiken. Bei den traditionellen Protestanten (vor allem Methodisten, Baptisten und Kongregationalisten) liegt die Zahl zwischen 15 und 20 Prozent; dazu kommen seit der Unabhängigkeit zahlreiche Erweckungskirchen und Sekten, die großen Zulauf haben.Die Bedeutung der Erweckungskirchen wurde eindringlich durch eine Massenpanik am 31. Dezember 2012, bei der zehn Menschen getötet wurden. Die Opfer, vier Kinder und sechs Erwachsene, wurden im Gedränge vor dem Estádio Cidade Universitária niedergetrampelt und erstickten am Boden. Siehe Treze mortos é o balanço da tragédia do Estádio da Cidadela (portugiesisch). Bei der Veranstaltung waren über 200.000 Menschen (statt der erwarteten 80.000) zu einem Gottesdienst der Igreja Universal do Reino de Deus in das Stadion geströmt. Siehe sowie Público (Lissabon, 2/1/2012). Weil nur zwei der vier Tore aus und in das Stadion geöffnet waren, kam es zu dem tödlichen Gedränge. Treze mortos é o balanço da tragédia do Estádio da Cidadela em Luanda (portugiesisch). Mindestens 120 Menschen sind bei der Tragödie verletzt worden. ponto-final.net (portugiesisch). Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen gibt es in Luanda nicht mehr.Quellenangaben finden sich im Artikel Angola. Die bisher völlig unbedeutende Zahl der Moslems ist durch Einwanderer aus Westafrika und anderen Ländern in den letzten Jahren leicht gestiegen und dürfte bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung liegen.