mini|Heinrich Rantzau, 60-jährig, mit Elefanten-Orden, Rantzau-Kapelle Heinrich Rantzau, auch H(e)inrich Ranzow, Pseudonym Christianus Cilicius Cimber (* 11. März 1526 auf der Steinburg; † 31. Dezember 1598 auf Schloss Breitenburg), war von 1556 bis 1598 Statthalter (produx cimbricus) des dänischen Königs für die königlichen Anteile am Herzogtum Schleswig und am Herzogtum Holstein. Er war ein bedeutender Vertreter der Renaissance und des Humanismus im deutsch-dänischen Bereich und trat als Finanzier und politischer Berater unter drei dänischen Königen hervor, außerdem als Ökonom und Bauherr, als Verbesserer der Gutswirtschaft, als Geograph, als Autor und als Korrespondent bedeutender Zeitgenossen. In seinem Entwurf eines europäischen Generalfriedens auf der Grundlage der Glaubens- und Gewissensfreiheit war er seiner Zeit weit voraus.

Leben Heinrich war der älteste Sohn von Johann Rantzau und dessen Nichte Anna Walstorp. Die Familie Rantzau gehörte zu den Equites Originarii, dem Uradel der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Geboren wurde Heinrich nach einem Vermerk seines Vaters „vom Sontag auf dem montage Laetare zwischen zehen und eilf schlegen des nachts“.Günther Oestmann: Heinrich Rantzau und die Astrologie. Disquisitiones Historiae Scientiarum. Braunschweiger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte 2, Braunschweig 2004, Seite 102. Der Sonnenstand auf dem ersten Widdergrad belegt den Frühlingspunkt nach dem julianischen Kalender. Der zeitlebens Astrologie-affine Sohn ließ die Geburtszeit seines Horoskops später von Fachleuten auf 22:10:36 Uhr präzisieren.Oestmann: Heinrich Rantzau und die Astrologie. Seiten 104–105.

Heinrich wurde von seinem Vater als Zwölfjähriger an der Universität Wittenberg eingeschrieben. Dort erhielt er unter Anleitung seines Hofmeisters Johannes Saxonius eine so gute Ausbildung in der lateinischen Sprache, dass er sich ihrer zeitlebens als Autor und neulateinischer Dichter bedienen konnte. Saxonius lenkte sein Interesse außerdem auf die Gebiete der Rhetorik und der Rechtswissenschaft. Zeitweise verkehrte der junge Rantzau zusammen mit Saxonius und seinem etwas jüngeren Cousin Daniel Rantzau im Hause Martin Luthers.

Ab 1548 befand sich Heinrich gemeinsam mit Daniel im Gefolge Adolfs I. von Schleswig-Holstein-Gottorf am Hof Kaiser Karls V. Dort eignete er sich jene Weltläufigkeit an, die ihm später als dänischem Staatsmann zugutekam. Außerdem erhielt er hier konkreten Anschauungsunterricht in den unauflöslich miteinander verschränkten konfessionellen und nationalen Konflikten des nachreformatorischen Europa, z. B. bei der vergeblichen Belagerung von Metz, das vom französischen König Heinrich II. auf Grund von dessen rechtswidrigem Vertrag von Chambord mit Moritz von Sachsen und anderen protestantischen Reichsfürsten besetzt worden war.

Ehe und Kinder Im Jahre 1554 heiratete Heinrich Rantzau Christine von Halle aus Rahden bei Minden. Die Tochter eines reichen Söldnerführers soll eine Mitgift von vier Tonnen Gold in die Ehe eingebracht haben – was als damalige Bezeichnung für rund 400.000 Gulden zu verstehen ist –, zum großen Teil bestehend aus Schuldverschreibungen,Detlef Dreessen: Die Legende vom unermesslichen Reichtum der Christine von Halle. Auf https://www.heinrich-rantzau.de/de/Forschung.php eine der Grundlagen späterer Kreditgeschäfte Rantzaus und seiner Frau. Das Paar hatte zwölf Kinder, sieben Söhne und fünf Töchter, von denen sieben die Eltern überlebten: mini|280px|Die Arx Segeberga aus den Civitates orbis terrarum von Braun und Hogenberg, Köln 1588. Rechts vom Berg das von Heinrich Rantzau errichtete Stadtpalais. Frantz Rantzau (* 28. August 1555; † 21. Februar 1612), Herr zu Schönweide (Kreis Plön), ⚭ Anne Rosenkrantz Johann Rantzau (1597–1638) Heinrich Rantzau der Jüngere Breide Rantzau (1556–1618) Frants Rantzau (1604–1632) ⚭ Anna Cathrine, älteste Tochter von Kirsten Munk und Christian IV. Gerhard Rantzau (* 18. Oktober 1558; † 28. Januar 1627) Christian zu Rantzau Magdalene Rantzau (1559–1635) ⚭ 1573 Claus von Ahlefeldt (1543–1616) auf Gut Gelting Carl von Ahlefeldt (1576–1634) Claus von Ahlefeldt Theodor Rantzau (1562–1573)Sein Epitaph befindet sich im Lübecker Dom. Vollständiger lateinischer Text mit Erläuterung und Übersetzung bei: Adolf Clasen: Verkannte Schätze – Lübecks lateinische Inschriften im Original und auf Deutsch. Lübeck 2002, S. 70 ff., ISBN 3-7950-0475-6. Catharine Rantzau (1563–1587) ⚭ 28. Januar 1582 Friedrich von Ahlefeldt Øllegaard Rantzau (1565–1619) ⚭ 1582 Bendix von Ahlefeldt Elisabeth Rantzau (1567–1646) ⚭ 7. Mai 1587 Cai von Rantzau (1566–1607) Margarethe von Rantzau (1568–1629) ⚭ 13. Oktober 1583 Balthasar von Ahlefeldt

Amtmann von Segeberg und Statthalter des dänischen Königs mini|links|Heinrich Rantzau setzte 1562 dieses Epitaph seinem Großvater mütterlicherseits, Gerhard Walstorp (Marienkirche in Bad Segeberg).Hans Siemonsen: Die Segeberger Friedhöfe. In: Beiträge zur Heimatkunde. Beilage zur Segeberger Zeitung Heimat zwischen den Meeren. Bad Segeberg 1955, S. 25–27.

König Christian III. ernannte den noch nicht 30-Jährigen 1554 zum königlichen Rat, ein Jahr später zum Amtmann von Segeberg. Als solcher bezog er die königliche Burg auf dem Kalkberg, begann aber bald mit der Errichtung eines eigenen Stadthauses. Dann bestellte Christian III. ihn am 1. März 1556 auch zu seinem Statthalter (produx) in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, starb aber bald darauf.

Als der Kopenhagener Hof 1559 durch die Thronbesteigung von König Friedrich II. mit sich selbst beschäftigt war, sah Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf die Gelegenheit gekommen, um die Schmach von Hemmingstedt zu tilgen und sich das reiche Dithmarschen zu unterwerfen. Heinrich Rantzau bewies hier zum ersten Mal sein staatsmännisches Geschick. Er informierte zunächst seinen Vater Johann Rantzau und dann die weiteren Regenten Schleswig-Holsteins, nämlich den eben inthronisierten König Friedrich II. sowie Herzog Johann d. Ä. von Schleswig-Holstein-Hadersleben, so dass es zum gemeinsamen und diesmal erfolgreichen Angriff auf die Bauernrepublik kam, die unter den drei Siegern aufgeteilt wurde. Eine Beschreibung dieses Feldzugs, an dem er persönlich teilgenommen hat, veröffentlichte er 1570 in Basel unter dem Pseudonym Christianus Cilicius Cimber in lateinischer Sprache.

Nach dieser Letzten Fehde erfreute sich Schleswig-Holstein der bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein währenden pax danica. Heinrich Rantzau konnte seine umfassende Bildung für friedliche Zwecke, zur Hebung von Wirtschaft und Kultur im Land und als Unterhändler für Dänemark im Frieden von Stettin einsetzen, in dem 1570 der Dreikronenkrieg beendet wurde, der sich im Süden Schwedens abgespielt hatte. Die Politik Kopenhagens wurde über vier Jahrzehnte von den mehr als 1000 schriftlichen Relationen des Statthalters beeinflusst, der über sein ausgedehntes Korrespondentennetz immer ausgezeichnet informiert war. Friedrich II. erkannte Rantzaus Verdienste an, indem er ihm 1580 den Elefanten-Orden verlieh, den höchsten dänischen Orden, mit dem Rantzau auf vielen Porträts abgebildet ist.

Letzte Lebensjahre Die letzten Lebensjahre Rantzaus wurden überschattet durch den Tod von vieren seiner Kinder: Johann, 16, starb als Student in Heidelberg an der Pest; Friedrich, 30, in französischen Kriegsdiensten, wurde von Räubern überfallen, ausgeplündert und ermordet; Kai, 29, in diplomatischer Mission, erlag ebenfalls der Pest; den Tod seiner 24-jährigen Tochter Katharina will Rantzau im Traum vorausgeahnt haben (wie er in De somnibus schreibt). Am tiefsten aber griff 1588 der Tod seines Dienstherrn und Freundes König Friedrich II. von Dänemark in sein Leben ein. Während der Unmündigkeit des Nachfolgers Christian IV. (er war elf, als sein Vater starb) übernahm die Königinwitwe Sophie die Regentschaft und drängte darauf, dass das Land erneut unter ihre Söhne aufgeteilt werde. Das Land war durch die bisherigen Teilungen bereits zersplittert genug, weshalb Rantzau sich diesem Plan als erster Vertreter der einheimischen Ritterschaft entgegenstellen musste. 1598 kam es zum Konflikt und Heinrich Rantzau wurde durch den jungen König seiner Ämter entbunden und starb kurz darauf in der Neujahrsnacht 1599.Siemonsen S. 155f Sein Sohn Gerhard Rantzau wurde sein Nachfolger als königlicher Statthalter.

1588 wurde von Rantzau auf der Suche nach vorzeitlichen Riesen der Langben Rises Høj ausgegraben.

Ökonom mini|220px|Blick über Plön hinweg nach Süden, östlich des Sees (links oben) der von Heinrich Rantzau 1590 käuflich erworbene Stammsitz seiner Familie, Gut Rantzau, mit der von ihm im italienischen Stil darauf errichteten Burg. Aus Braun und Hogenberg: Civitates orbis terrarum

Rantzau mehrte das ererbte und erheiratete Vermögen gezielt, indem er sich u. a. auf dem Kieler Umschlag als Kreditgeber betätigte. Seinem Dienstherrn Friedrich II. finanzierte er dessen Beteiligung im Dreikronenkrieg vor. Der Zinssatz belief sich auf durchschnittlich 6 Prozent im Jahr. 1596 zahlte Danzig einen Kredit von 50.000 Talern zurück, auch andere bedeutende Städte waren Rantzaus Schuldner. Eine seiner größten Transaktionen, ein Kredit an die Stadt Antwerpen in Höhe von rund 200.000 Talern, scheiterte infolge der kriegerischen Verwicklungen mit Spanien, die Stadt Antwerpen zahlte ihn nie zurück.Rantzaus diplomatischen Bemühungen um Rückzahlung sind auch Gegenstand seiner Korrespondenz 1585/86 mit dem Syndikus der Hanse Heinrich Sudermann. Die Hanse hatte unter der Verantwortung von Sudermann das Hansekontor in Brügge nach Antwerpen verlegt. Es belegt Rantzaus Finanzkraft, dass er diesen Verlust verschmerzte. Konsequenz daraus mag gewesen sein, dass er mehr und mehr Grundbesitz aufkaufte, was im Zuge der Umschichtung des Grundbesitzes durch die Reformation einfacher war denn je. Als Bewirtschafter zahlreicher Güter profitierte Rantzau außerdem von der Preisrevolution des 16. Jahrhunderts: Der Getreidepreis hatte sich binnen weniger Jahrzehnte fast verdreifacht. Die starke Teuerung wirkte sich zuungunsten kleinerer Bauern aus, die verkaufen mussten und wohl oder übel in die Leibeigenschaft gingen. Freilich musste Rantzau beim Erwerb eines neuen Gutes, z. B. von Holmekloster (dem heutigen Brahetrolleborg auf Fünen), selbst einen stark gestiegenen Preis akzeptieren.Vgl. Reimer Hansen: Vom Holmekloster zu Rantzausholm (1566–68). Geschichte und geschichtliche Bedeutung eines Gutskaufs. passim Als Dürre das Getreide in Italien und Spanien verknappte, waren Rantzaus Schiffe schneller dort als die der Hanse. mini|links|Gedenkstele aus Sandstein in der Nähe von Winseldorf zur Wiederansiedlung der Tanne in Schleswig-Holstein. Dem Raubbau am Wald trat Rantzau mit einer Baumschule entgegen. Vom Kurfürsten von Brandenburg bezog er Sämereien für Nadelhölzer, um deren Wirtschaftlichkeit zu erproben. Rantzau war gegen Ende des 16. Jahrhunderts der erste, der in Schleswig-Holstein und damit außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes Kiefern anpflanzte.Karl-Ernst Behre: Landschaftsgeschichte Norddeutschlands. Neumünster 2008, S. 210. Wichtige Einnahmequellen waren die Schweinemast und der Betrieb von Mühlen für Getreide, Papier, Kupfer, Öl und Pulver. Auch der Abbau des Segeberger Gipses war für Rantzau eine „Goldgrube“. Zu seinem Lebensende war er etwa 20facher Gutsherr und hatte sein Vermögen nahezu verdreifacht.