mini|König Baudouin (Foto, 1960) Baudouin – gebürtig , , – (* 7. September 1930 auf Schloss Stuyvenberg, Laeken; † 31. Juli 1993 in Motril, Spanien) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha war von 1951 bis 1993 König der Belgier. Er folgte auf seinen Vater Leopold III., der am 16. Juli 1951 als König abdankte.Jiri Louda, Michael MacLagan: Les Dynasties d’Europe. Bordas, 1995, ISBN 2-04-027115-5, Tafel 82. Im Jahr 2024 eröffnete Papst Franziskus ein Verfahren zur Seligsprechung Baudouins.Vatikan: Seligsprechung von Belgiens König Baudouin

Leben Bis zur Thronbesteigung 1951 Die königliche Familie wurde nach der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 von den Deutschen zunächst ins sächsische Hirschstein und im März 1945 nach Strobl in Österreich verschleppt.König Baudouin, Monarchie.be, abgerufen am 10. Februar 2025. Am 7. Mai 1945 erfolgte die Befreiung durch US-amerikanische Truppen. Ein Großteil der Belgier hielt König Leopold III. vor, im Krieg gegen die Deutschen zu früh kapituliert zu haben. Er konnte deshalb zunächst nicht nach Belgien zurückkehren. Mit der Begründung, dass sich sein Bruder in „der Unmöglichkeit zu regieren“ befinde, hatten die Vereinigten Kammern dem Bruder des Königs, Prinz Karl von Belgien, bereits am 20. September 1944 die Regentschaft übertragen.Prinzregent Charles, Monarchie.be, abgerufen am 10. Februar 2025.

Da man keine politische Lösung der Kontroverse um den König fand, gab es eine Volksabstimmung für oder gegen die Rückkehr des Königs, wobei 58 % der Wählerschaft zu Gunsten des Königs stimmten, mit starken regionalen Unterschieden. Am 22. Juli 1950 kehrte der König nach Brüssel zurück. Doch nach schweren Unruhen, vor allem von wallonischen Arbeitern, dankte Leopold III. ab und schlug vor, seine königlichen Befugnisse seinem Sohn Prinz Baudouin zu übertragen. So legte dieser am 17. Juli 1951 seinen Eid auf die Verfassung ab und wurde der fünfte König der Belgier.

Regierungszeit 1951 bis 1993 mini|hochkant|König Baudouin und Königin Fabiola (1969) Im Sommer 1960 besuchte Baudouin Léopoldville, die Hauptstadt des Kongo. Am 29. Juni, einen Tag vor der Unabhängigkeit des Kongo von Belgien, machte der deutsche Fotograf Robert Lebeck das berühmt gewordene Foto vom Degendieb von Léopoldville, das später zu einem Symbol für das Ende des Kolonialismus in Afrika wurde.

Anlässlich seines 25-jährigen Thronjubiläums 1976 wurde die König-Baudouin-Stiftung ins Leben gerufen, die sich die Verbesserung der Lebensbedingungen der belgischen Bevölkerung zum Ziel gesetzt hat.

Baudouin heiratete am 15. Dezember 1960 die spanische Adelige Fabiola Mora y Aragón (* 11. Juni 1928 in Madrid; † 5. Dezember 2014 in Brüssel), eine ehemalige Krankenschwester und Kinderbuchautorin. Die Ehe blieb kinderlos, da alle Schwangerschaften der Königin mit Totgeburten endeten.

Baudoin und Fabiola waren streng katholisch.Baudouin I.: König mit Mission. Belgien gedenkt Baudouin I. – Er verstand sich vor allem als Katholik., in: Die Tagespost, 27. August 2023 Weil er das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, weigerte sich Baudouin 1990, ein Gesetz zu unterzeichnen, das eine Fristenregelung für Schwangerschaftsabbruch vorsah. Die Regierung erklärte Baudouin deshalb auf dessen eigenen Wunsch hin am 4. April 1990 für regierungsunfähig. Für diesen Fall sieht die Verfassung vor, dass die gesamte Regierung die Funktion des Staatsoberhauptes übernimmt. Nachdem alle Regierungsmitglieder das Gesetz unterzeichnet hatten, erklärte die Regierung am nächsten Tag, dem 5. April 1990, Baudouin wieder für regierungsfähig.Gerard Cremer: 25 Jahre Abtreibungsgesetz in Belgien: Für Erzbischof Léonard „ein Drama“. In: Ostbelgien Direkt, 5. April 2015, abgerufen am 10. Februar 2025.

mini|hochkant|Grabstätte König Baudouins in der Liebfrauenkirche (Laeken) Baudouin regierte 42 Jahre bis zu seinem Tod am 31. Juli 1993 im Alter von 62 Jahren, als er in der Villa Astrida in Motril in Südspanien an Herzversagen starb. Die Trauer um den Tod des „einzigen Belgiers“ wurde in der Bevölkerung über alle Sprachgrenzen hinweg tief empfunden. Baudouin wurde in der königlichen Gruft in der Liebfrauenkirche zu Laeken, Belgien, beigesetzt. Da er keine Kinder hatte, wurde Baudoins Bruder Albert sein Nachfolger.

Nachleben Eine im Jahre 2002 einberufene Kommission des belgischen Parlaments untersuchte die Ereignisse um die Ermordung des ersten kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba einschließlich der Rolle von König Baudouin.Annelies Verdoolaege, Paul Kerstens: The South African Truth and Reconciliation Commission and the Belgian Lumumba Commission: A Comparison. In: Africa Today, , Jg. 50 (2004), Nr. 3, S. 75–91, hier S. 83.

Papst Franziskus verehrte König Baudouin.Thomas Gutschker: Franziskus verurteilt „ein mörderisches Gesetz“. Der Papst will den früheren König Baudouin seligsprechen – und spaltet damit Belgien. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. September 2024, S. 4. Bei seiner Reise nach Belgien im September 2024 wich er vom Protokoll ab, um am 28. September die Königliche Krypta zu besuchen und am Grab Baudouins und Fabiolas zu beten.Jean Lannoy: Le pape a prié sur la tombe du roi Baudouin et salué son courage face à l’avortement, Radio chrétienne francophone (RCF), 28. September 2024, abgerufen am 10. Februar 2025. Während einer Messe am folgenden Tag kündigte er an, dass er das Verfahren zur Seligsprechung des verstorbenen Königs einleiten werde.

Titel und Ehrungen Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich Christusorden, letzter lebender Ordensträger König-Baudouin-Basis in der Antarktis

Vorfahren Ahnentafel Baudouin, König der Belgier von 1951 bis 1993Ururgroßeltern30px|Belgische Königskrone Leopold I., König der Belgier(1790–1865) ⚭ 1832 PrinzessinLouise d’Orléans(1812–1850)FürstKarl Anton (Hohenzollern)(1811–1885) ⚭ 1834 PrinzessinJosephine von Baden(1813–1900)HerzogMax Joseph in Bayern(1808–1888) ⚭ 1828 PrinzessinLudovika Wilhelmine von Bayern(1808–1892)KönigMichael I. (Portugal)(1802–1866) ⚭ 1851 PrinzessinAdelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg(1831–1909)KönigOskar I. (Schweden)(1799–1859) ⚭ 1823 PrinzessinJosephine de Beauharnais von Leuchtenberg(1807–1876)HerzogWilhelm I. (Nassau)(1792–1839) ⚭ 1829 PrinzessinPauline von Württemberg(1810–1856)KönigChristian IX. (Dänemark)(1818–1906) ⚭ 1842 PrinzessinLuise Wilhelmine von Hessen(1817–1898)KönigKarl XV. (Schweden)(1826–1872) ⚭ 1850 PrinzessinLuise von Oranien-Nassau(1828–1871)UrgroßelternPrinzPhilippe, Graf von Flandern (1837–1905) ⚭ 1867 PrinzessinMaria Luise von Hohenzollern-Sigmaringen (1845–1912)HerzogCarl Theodor in Bayern (1839–1909) ⚭ 1874 PrinzessinMaria Josepha von Portugal (1857–1943)KönigOskar II. (Schweden) (1829–1907) ⚭ 1857 PrinzessinSophia von Nassau (1836–1913)KönigFriedrich VIII. (Dänemark) (1843–1912) ⚭ 1869 PrinzessinLouise von Schweden (1851–1926)Großeltern30px|Belgische Königskrone Albert I., König der Belgier (1875–1934) ⚭ 1900 Elisabeth, Herzogin in Bayern (1876–1965)Prinz Carl von Schweden, Herzog von Västergötland (1861–1951) ⚭ 1897 Prinzessin Ingeborg Charlotte von Dänemark (1878–1958)Eltern30px|Belgische Königskrone Leopold III., König der Belgier (1901–1983) ⚭ 1926 Prinzessin Astrid von Schweden (1905–1935)30px|Belgische Königskrone König Baudouin (1930–1993)

Siehe auch Geschichte der Demokratischen Republik Kongo

Literatur

Vincent Dujardin: Boudewijn. De biografie. Lannoo, Tielt 2026, ISBN 978-90-599-6639-0. José-Alain Fralon: Baudouin. L’homme qui ne voulait pas être roi. Fayard, Paris 2001, ISBN 2-213-60578-5. Christian Koninckx (Hrsg.): Le roi Baudouin. Une vie, une époque. Racine, Bruxelles 1998, ISBN 2-87386-138-X.

Weblinks

Lebenslauf

Archiv Baudouin Belgien, Königliches Museum für Zentralafrika Edda Dammmüller: 31.07.1993 - Todestag des belgischen Königs Baudouins I. WDR ZeitZeichen, 31. Juli 2013 (Podcast)

Einzelnachweise

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