Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (), kurz Vereinigtes Königreich (englisch , Abkürzung: UK), ist ein auf den Britischen Inseln vor der Nordwestküste Kontinentaleuropas gelegener Staat, der den größten Inselstaat Europas bildet.
Das Vereinigte Königreich ist eine Union aus vier Landesteilen, die auf Englisch meist als countries (Länder) oder nations (Nationen) bezeichnet werden: England, Wales, Schottland und Nordirland. Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt des Vereinigten Königreichs sowie eines der größten Kultur-, Medien-, Handels- und Finanzzentren der Welt ist London. Weitere politisch, wirtschaftlich oder kulturell bedeutende Städte sind Birmingham, Manchester, Edinburgh, Glasgow, Liverpool und Belfast.
Das vom 17. bis 20. Jahrhundert unter der Herrschaft des Vereinigten Königreichs bestehende Britische Weltreich gilt als größtes Kolonialreich der Geschichte. In der Industrialisierung im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Vereinigte Königreich zum ersten Industriestaat und war ab dem Machtverlust Frankreichs nach den Napoleonischen Kriegen im frühen 19. Jahrhundert bis zum Aufstieg der Vereinigten Staaten im späten 19. Jahrhundert die führende Weltmacht (Pax Britannica).
Heute steht das Vereinigte Königreich mit seinen knapp über 68 Millionen Einwohnern unter den bevölkerungsreichsten Staaten Europas an vierter Stelle, nach Russland, Deutschland und Frankreich. Der bevölkerungsreichste Landesteil ist England mit etwa 56 Millionen Einwohnern, während Schottland rund 5,5 Millionen, Wales 3,1 Millionen und Nordirland 1,9 Millionen Einwohner zählen. Es ist gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt nach Indien und vor Frankreich die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt und nach Deutschland die zweitgrößte Europas. Darüber hinaus genießt der Staat einen hohen Lebens- und Bildungsstandard sowie eine hohe Lebenserwartung.
Das Vereinigte Königreich ist Gründungsmitglied der NATO sowie der Vereinten Nationen. Es ist Atommacht, ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates und einer der G7-Staaten. Von 1973 bis zu seinem Austritt 2020 war es Mitglied der EWG bzw. später der Europäischen Union.
Staatsname Der Staatsname lautet seit dem 12. April 1927 United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland.Peter Cottrell: The Irish Civil War 1922–23. Osprey Publishing, Oxford 2008, ISBN 978-1-84603-270-7, S. 85. Zuvor war der Staatsname United Kingdom of Great Britain and Ireland, da ganz Irland Bestandteil des Vereinigten Königreichs war.
Die amtliche Langform des Staatsnamens lautet in Deutschland und Österreich Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, in der Schweiz und in Liechtenstein wird die Variante Vereinigtes Königreich von Grossbritannien und Nordirlandwww.eda.admin.ch, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. (ohne ß und mit „von“) gebraucht.
Im nicht-offiziellen Sprachgebrauch findet sich die Bezeichnung Großbritannien als alternative Abkürzung der Langform – auch bei Politikern, Medien, Bildungseinrichtungen und den britischen Botschaften selbst. Die Briten selbst bezeichnen ihren Staat in der Alltagssprache als UK oder kurz Britain, als Great Britain dagegen seltener. Die lateinische Bezeichnung Britannia stammt von dem keltischen Wort brith und bedeutet buntfarbig oder gefleckt.
Großbritannien ist jedoch eigentlich nur der Name für die größte der Britischen Inseln – oder für das frühere Königreich Großbritannien (bis 1801), das die Königreiche Schottland und England einschließlich Wales umfasste. Auf der zweitgrößten Insel – Irland – befinden sich Nordirland und die Republik Irland.
Als Adjektiv zum Staatsnamen steht trotz allem nur die Form „britisch“ zur Verfügung.
Die synekdochische und sachlich falsche Bezeichnung England für das gesamte Vereinigte Königreich findet sich vor allem auf dem europäischen Festland. Sie ist auf die historische Dominanz Englands sowie die im gesamten Vereinigten Königreich gegebene Amtssprache Englisch zurückzuführen.
Mit dem Vereinigten Königreich verbundene Gebiete Eine Reihe von Territorien stehen in enger Verbindung zum Vereinigten Königreich, sind aber völkerrechtlich von ihm abzugrenzen. Dies betrifft zum einen die Isle of Man und die Kanalinseln, die Besitzungen der britischen Krone, aber kein Bestandteil des Vereinigten Königreichs sind. Zum anderen bestehen 14 Überseegebiete, die unter britischer Souveränität stehen, aber ebenfalls kein Teil des Vereinigten Königreichs sind.
Durch die Britische Monarchie steht das Vereinigte Königreich ferner in einer indirekten Beziehung zu 14 weiteren Commonwealth Realms, deren Staatsoberhaupt der britische Monarch jeweils auch ist; sie sind jedoch nicht nur selbstständige Staaten, sondern bilden auch jeweils eigenständige Monarchien.
Geographie
Das Vereinigte Königreich besteht aus der Hauptinsel Großbritannien und etwa einem Sechstel der Insel Irland. Um die Hauptinsel liegen ungefähr 800 kleinere Inseln; die wichtigsten Inselgruppen sind Shetland und Orkney in der Nordsee nördlich von Schottland, die Äußeren Hebriden und die Inneren Hebriden im Atlantischen Ozean westlich von Schottland, Anglesey in der Irischen See nördlich von Wales, die Scilly-Inseln in der Keltischen See südwestlich von England sowie die Isle of Wight im Ärmelkanal vor der englischen Südküste. Die einzige Landgrenze besteht auf der Insel Irland zur Republik Irland; sie ist 360 Kilometer lang.
Landesteile
+ Landesteile des Vereinigten Königreichs Landesteil Flagge Fläche(km²) Anteil anGesamtfläche Einwohner(2024)Population estimates for the UK, England and Wales, Scotland and Northern Ireland: mid-2024. Anteil an Gesamt-einwohnerzahl Hauptstadt England 130.395 53,5 % 58.620.101 84,6 % London Schottland 78.772 32,3 % 5.546.900 8,0 % Edinburgh Wales 20.779 8,5 % 3.186.581 4,6 % Cardiff Nordirland 13.843 5,7 % 1.927.855 2,8 % Belfast Vereinigtes Königreich (Gesamt) 243.789 100,0 % 69.281.437 100,0 % London
England
mini|Sicht auf das Swaledale bei Muker in North Yorkshire
Größter Landesteil ist England mit einer Fläche von 130.395 Quadratkilometern und rund 54,3 Millionen Einwohnern. England bedeckt rund 59 Prozent der Insel Großbritannien und besteht zum größten Teil aus Tiefebenen, die von Hügelketten durchzogen sind. Die Tees-Exe Line, eine zwischen den Flüssen Tees in Yorkshire und Exe in Devon gezogene imaginäre Linie, unterteilt England in zwei unterschiedliche Regionen.
Der Nordwesten und der Norden sind geprägt von Mittelgebirgen aus metamorphen und magmatischen Gesteinen. Dazu gehören die Cumbrian Mountains und die Pennines. Aus älteren Sedimentgesteinen besteht der südlich an die Pennines anschließende Peak District in Mittelengland. Weitere Mittelgebirge sind Dartmoor und Exmoor im äußersten Südwesten.
Im Süden und entlang der Ostküste liegen bedeutend flachere Hügelzüge aus jüngeren Sedimentgesteinen. Dazu gehören einerseits die Kalksteinhügel der Yorkshire Wolds, der Lincolnshire Wolds, der Cotswolds und der Isle of Purbeck, andererseits die Südenglische Kreideformation, bestehend aus Salisbury Plain, Chiltern Hills, North Downs und South Downs. Der höchste Berg Englands ist mit 978 Metern der Scafell Pike in den Cumbrian Mountains.
Die wichtigsten Flüsse sind Themse, Severn, Trent, Great Ouse und Humber. Die größten Städte sind London, Birmingham, Manchester, Sheffield, Liverpool, Leeds, Bristol und Newcastle upon Tyne.
Wales
mini|Der Gipfel des Crib Goch in Snowdonia in Gwynedd
Westlich an England grenzt Wales (), das 20.779 Quadratkilometer groß ist und mehr als drei Millionen Einwohner zählt. Das Land besteht fast gänzlich aus metamorphen Mittelgebirgen, wobei die Erhebungen von Norden nach Süden generell niedriger werden. Höchster Berg ist der Snowdon (Yr Wyddfa) mit 1085 Metern. Nach diesem ist Snowdonia benannt, die nördlichste der walisischen Gebirgsregionen. Im zentralen Landesteil liegen die Cambrian Mountains und in Südwales die Gebirgsgruppen im Bannau-Brycheiniog-Nationalpark mit u. a. den Brecon Beacons.
Der längste Fluss des Vereinigten Königreichs, der Severn, entspringt in Zentralwales in den Cambrian Mountains. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf einen schmalen Küstenstreifen entlang des Bristolkanals im Süden mit den Städten Cardiff, Newport und Swansea sowie auf die vom Küstenstreifen abzweigenden südwalisischen Täler.
Schottland
mini|Landschaft auf der Isle of Skye
Schottland () ist 78.772 Quadratkilometer groß, zählt rund 5,3 Millionen Einwohner und umfasst den nördlichen Teil Großbritanniens. Das Land besteht aus drei Teilen; den Highlands im Norden und Westen, dem Central Belt im Zentrum und den Southern Uplands im Süden.
Die Geologie Schottlands ist weitgehend metamorph, Sedimente sind relativ selten. Magmatisches Gestein hingegen ist vor allem in den südlichen Highlands und auf den Inneren Hebriden in zahlreichen Gegenden zu finden. Ebenfalls das Ergebnis urzeitlicher vulkanischer Aktivität ist der Ben Nevis in den Grampian Mountains, mit 1345 Metern der höchste Berg Schottlands und der gesamten Britischen Inseln. Die nördlichen, etwas flacheren Highlands sind vom Rest des Landes durch den Great Glen geteilt, einer tektonischen Verwerfung.
Im Central Belt, in den Ballungsgebieten der Großstädte Glasgow, Edinburgh und Dundee, konzentriert sich der größte Teil der Bevölkerung. Einzige Großstadt außerhalb dieser Region ist Aberdeen an der Nordostküste. Am südlichsten liegen die dünn besiedelten Southern Uplands; sie erstrecken sich entlang der englischen Grenze von der Irischen See zur Nordsee. Central Belt und Southern Uplands werden zusammen auch als die Lowlands bezeichnet.
Die Westküste Schottlands ist stark zergliedert, dies aufgrund vieler vorgelagerter Inseln und zahlreicher tief in das Landesinnere reichender Fjorde (die in Schottland als Firths bezeichnet werden). Die bekanntesten dieser Meeresarme sind der Firth of Clyde und der Solway Firth. Hingegen ist die Ostküste wenig zergliedert, mit Ausnahme des Firth of Forth, des Firth of Tay und des Moray Firth, die aber mehr den Charakter großer Ästuare haben.
Nordirland
Kleinster Landesteil ist Nordirland (), das 13.843 Quadratkilometer groß ist, rund 1,8 Millionen Einwohner zählt und den nordöstlichen Teil der Insel Irland umfasst. Das Gelände ist zumeist wellig. Die höchsten Mittelgebirge sind die im Südosten gelegenen Mourne Mountains, der höchste Berg ist hier der Slieve Donard mit 849 Metern, sowie die zentral gelegenen Sperrin Mountains mit dem 678 m hohen Sawel Mountain. Ungefähr in der Mitte Nordirlands liegt der Lough Neagh, mit einer Oberfläche von 388 Quadratkilometern der größte Binnensee der Britischen Inseln. Die größten Städte sind Belfast und Derry (Londonderry).
Städte
mini|Satellitenbild von London mini|Birmingham
Die Urbanisierungsrate im Vereinigten Königreich betrug 2016 82,8 % womit es zu den am stärksten urbanisierten Ländern der Welt zählt. Die größte Stadt des Vereinigten Königreichs ist die Hauptstadt London mit über 10 Millionen Einwohnern im Metropolraum. Das Land ist stark auf seine Hauptstadt konzentriert, in der ein Sechstel der Bevölkerung lebt und die knapp ein Viertel der Wirtschaftsleistung erbringt. London ist das unumstrittene wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des Vereinigten Königreichs und gilt als eine der einflussreichsten Städte weltweit. Weitere große Metropolregionen sind Manchester (2,7 Mio. Einwohner), Birmingham (2,6 Mio.), Leeds (1,9 Mio.) und Glasgow (1,0 Mio.). Die meisten Ballungsräume liegen im dicht besiedelten Landesteil England.United Kingdom: Countries and Major Urban Areas.