Tottenham Hotspur (offiziell: Tottenham Hotspur Football Club; ) – auch oft unter der Kurzform Spurs bekannt – ist ein 1882 gegründeter Fußballverein aus dem Stadtteil Tottenham des Nordlondoner Bezirks Haringey.

Im Jahre 1961 war Tottenham der erste englische Verein im 20. Jahrhundert, der die Meisterschaft und den FA Cup in einer Saison gewann. 1963 gewann der Club außerdem als erste britische Mannschaft einen europäischen Vereinswettbewerb, den Europapokal der Pokalsieger, und 1972 die allererste Austragung des UEFA-Pokals. Weitere Erfolge im UEFA-Pokal bzw. der UEFA Europa League folgten 1984 und 2025.

Das Motto des Vereins ist Audere est Facere (). Der Name „Hotspur“ (deutsche Entsprechung Heißsporn) bedeutet „ungestüme, unbesonnene Person“ und bezieht sich auf einen adeligen Militärführer aus dem Spätmittelalter.

Geschichte 1882–1908 Gründerjahre und erster Triumph im Cup-Finale

Der Verein wurde 1882 von jungen Männern aus dem Cricket-Verein Hotspur und dem örtlichen Gymnasium gegründet, um sich über die Wintermonate, in denen kein Cricket gespielt wurde, fit zu halten. Ursprünglich war der Verein unter dem Namen Hotspur Football Club bekannt, der auf den im 14. Jahrhundert lebenden Sir Henry ‚Hotspur‘ Percy zurückzuführen ist. Der Legende nach soll das Treffen für die Namensfindung unter einer Straßenlaterne an der Ecke Park Lane und Tottenham High Road, wo sich die heutige Clubzentrale befindet, stattgefunden haben. Um sich von einem anderen Verein namens London Hotspur zu distanzieren, wurde 1884 der Verein in Tottenham Hotspur Football and Athletic Club umbenannt. Das offizielle Gründungsdatum wird mit dem 5. September 1882 angegeben, dem Tag, an dem die ersten Mitglieder registriert wurden. Die Mannschaft hat aber mindestens ein Spiel schon vor diesem Datum ausgetragen, das sie am 30. August gegen eine Elf namens The Radicals 2:0 verlor. 1887 traf Tottenham in einem Freundschaftsspiel zum ersten Male auf seinen späteren Stadtrivalen Arsenal. Das Spiel wurde beim Stande von 2:1 für die Spurs auf Ansinnen der Spieler von Woolwich Arsenal, die damals noch im Londoner Süden beheimatet waren, wegen einbrechender Dunkelheit 15 Minuten vor dem regulären Ende abgebrochen.

1888 zog der Verein von seinem ehemaligen Spielort für Heimspiele in den Sumpfgebieten des River Lea nach Northumberland Park, weil dort Eintrittsgeld verlangt werden konnte. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde die Football League gegründet. Die Spurs aber spielten erst vier Jahre später Ligafußball und auch da nur auf Amateurbasis. 1895 lieh der Club seinem Spieler Ernie Payne Geld, um sich seine verlorenen Fußballstiefel wiederzubeschaffen. Diese Nachricht veranlasste den Fußball-Verband FA dazu, Tottenham wegen Profimachenschaften für zwei Wochen zu sperren. Wütend wurde deshalb der Entschluss gefasst, ab Weihnachten 1895 als nunmehr offizieller Proficlub in der Southern Football League zu spielen, wo regelmäßig bis zu 15.000 Zuschauer kamen. 1898 wurde Charles Roberts zum Präsidenten gewählt, was er bis 1943 bleiben sollte.

1899 zog der Verein erneut um, diesmal in seine heutige Heimspielstätte in der Nähe einer ehemaligen Gärtnerei an der High Road. Eine der Tribünen vom Northumberland Park wurde gleich mitgenommen. Das Eröffnungsspiel war ein 4:1-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Notts County, mehr als doppelt so viele sahen das erste Pflichtspiel der Southern League Saison gegen die Queens Park Rangers. Im Laufe der Jahre wurde das Stadion nach einer angrenzenden Durchgangsstraße als White Hart Lane bekannt. Zur Saison 1899/1900 spielte man außerdem zum ersten Mal in Anlehnung an den damals sehr erfolgreichen Verein Preston North End in weißen Trikots und marineblauen Hosen.

Tottenham war einer der wesentlichen Profiteure langanhaltender Auseinandersetzungen innerhalb der Association Footballers’ Union, einem Vorgänger der heutigen Professional Footballers’ Association, indem die beiden Everton-Spieler John Cameron und John Bell verpflichtet wurden. Nicht zuletzt dank der neuen Stars sicherte man sich 1900 den Meistertitel in der Southern Football League und krönte 1901 die Entwicklung mit dem Gewinn des FA Cups als erstes Nichtmitglied der Football League seit deren Gründung im Jahr 1888. Vor dem FA-Cup-Finale 1901 wurden die Spurs als Vertreter aus dem Süden milde belächelt und gingen als krasser Außenseiter in die Partie gegen Sheffield United, den Meister von 1898 und FA-Cup-Sieger von 1899. Tottenham erspielte sich vor der Rekordkulisse von 110.000 Zuschauern im Crystal Palace ein 2:2-Unentschieden, wobei Sheffields zweites Tor sehr umstritten war, und gewann im zweiten Aufeinandertreffen 3:1 im Burnden Park zu Bolton. Dieser Sieg erschütterte den britischen Fußball bis ins Mark: Nicht nur, dass zum ersten Mal ein Verein, der nicht zur Football League gehörte, gewann, es war auch das erste Mal seit den Gründertagen der Football League, dass kein Club aus dem Norden oder den Midlands siegte, sondern einer aus dem belächelten Süden. Während der Feierlichkeiten waren weiße und blaue Schleifen an den Pokal gebunden – eine Tradition, die bis heute nicht nur in England überlebt hat.

1908–1915 Beitritt zur Football League und der harte Ligaalltag Nachdem viele Londoner Rivalen wie Woolwich Arsenal, Chelsea, Fulham und Clapton Orient der Football League beigetreten waren und dadurch größere Zuschauerzahlen generieren konnten, war es an der White Hart Lane letztlich auch zu der Entscheidung gekommen, sich um die Aufnahme in den elitären Kreis zu bewerben. Der Antrag wurde zunächst abgelehnt. Weil Stoke aber verzichtete, wurden die Spurs dann doch zur Saison 1908/09 in die Football League aufgenommen.

Die Spurs wurden in die Second Division eingeteilt und schafften in ihrer ersten Football-League Saison Platz 2 in der Second Division, was den direkten Aufstieg in die First Division bedeutete. Im gleichen Jahr wurde an der White Hart Lane eine neue Westtribüne gebaut, die 1910 mit dem Vereinssymbol, der Figur eines Hahns, der auf einem Fußball steht, gekrönt wurde. Bald musste man aber an der White Hart Lane erfahren, dass das Niveau in der höchsten Spielklasse sehr hoch war. Bis zur Unterbrechung des Spielbetriebs zum Ende der Saison 1914/15 aufgrund des Ersten Weltkriegs kämpften sie ständig gegen den Abstieg. Die Saison 1914/15 schlossen sie auf dem letzten Tabellenplatz ab. Zu allem Überfluss siedelte auch noch der F.C. Arsenal, damals als The Arsenal bekannt, vor der Saison 1913/14 von Plumstead im Süden Londons in den Londoner Norden nach Islington um. Somit war den Spurs über Nacht ein ernstzunehmender Konkurrent um die Gunst der Nord-Londoner Zuschauer in der direkten Nachbarschaft entstanden.

1919–1939 Zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs zur Saison 1919/20 stockte die Football League die First Division um zwei Vereine von 20 auf 22 auf. Die zusätzlichen Startplätze wurden an den FC Chelsea – welcher als 19. der Saison 1914/15 eigentlich mit Tottenham abgestiegen wäre – und an den FC Arsenal vergeben. Arsenal wurde vor dem Krieg eigentlich nur 5. in der Second Division, weswegen die Entscheidung der Football League kontroverse Diskussionen hervorrief und die bis heute anhaltende Rivalität zwischen den Spurs und den Gunners zementierte. Diese speist sich hauptsächlich aus dem Umstand, dass der Umzug von Arsenal aus dem ärmeren Woolwich im Süden Londons in den wohlhabenderen Norden im Jahre 1913 von den Spurs als Wilderei betrachtet wurde. Zu dieser Zeit stellten die Ticketeinnahmen die Haupteinnahmequelle der Profiteams dar. Ein weiteres Team im Einzugsgebiet war daher Gift für die Einnahmen und zuweilen eine veritable Existenzbedrohung.

In der Saison 1920/21 wurde Tottenham Meister der Second Division und gewann zudem am 23. April 1921 durch einen 1:0-Sieg gegen die Wolverhampton Wanderers zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den FA Cup. Belegte man in der Saison 1921/22 noch hinter Liverpool den 2. Platz der First Division, folgten bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs harte Jahre. So stieg man 1928 auch wieder in die Second Division ab.

1945–1976 Nach dem Krieg erreichte der Fußball in England einen enormen Beliebtheitsgrad. Unter ihrem neuen Manager Arthur Rowe pflegten die Spurs ab 1949 als erste Mannschaft überhaupt den Doppelpass als spielerische Variante. Dank der neuen taktischen Mittel und Spielern wie Alf Ramsey, Ted Ditchburn, Bill Nicholson, Eddie Baily, Ron Burgess, Len Duquemin und Sonny Walters schaffte man zunächst den Aufstieg in die First Division und konnte sich in der Saison 1950/51 zum ersten Mal den Meistertitel der Football League holen.

Bill Nicholson fing 1936 als Lehrling im Verein an und füllte in den kommenden 68 Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 2004 alle nur erdenklichen Ämter bis hin zum Vereinspräsidenten aus. Bei seinem ersten Spiel als Tottenham-Manager am 10. Oktober 1958 gewannen die Spurs 10:4 gegen Everton, was damals Vereinsrekord war. In den Folgejahren führte er sein Team mit Spielern wie Danny Blanchflower, John White, Dave Mackay, Cliff Jones und Jimmy Greaves zu mehreren Titeln. In der Saison 1960/61 schaffte es die Mannschaft als erste im 20. Jahrhundert, das so genannte Double – bestehend aus Meisterschaft und Gewinn des FA Cups – zu erreichen. 1962 drang man bis ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister vor. 1963 holten die Spurs den Europapokal der Pokalsieger. Das 5:1 im Finale gegen Atlético Madrid war dabei der höchste Endspiel-Sieg in der Geschichte dieses Wettbewerbs.

Nach 1964 löste sich die erfolgreiche Formation um die bekannten Stars jedoch auf, und Nicholson baute ein neues Team um Spieler wie Alan Gilzean, Mike England, Alan Mullery, Terry Venables, Joe Kinnear und Cyril Knowles auf, welches 1967 Chelsea im FA-Cup-Finale schlug und Dritter der Liga wurde.

Nicholson konnte zwei weitere Ligapokaltitel (1971 und 1973) sowie 1972 einen UEFA-Pokal erringen, bevor er zu Beginn der Saison 1974/75 aufgrund eines schlechten Ligastarts als Manager zurücktrat. Als weiteren Grund führte er Ausschreitungen von Anhängern der Spurs bei der UEFA-Pokal-Finalniederlage im Jahr 1974 gegen Feyenoord Rotterdam an.

Er hatte mit acht Titeln in 16 Jahren Tottenham die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte beschert und wünschte sich als Nachfolger ein Trainerduo bestehend aus Johnny Gils und Danny Blanchflower. Der Aufsichtsrat entschied sich jedoch gegen diesen Vorschlag und machte den ehemaligen Arsenal-Spieler Terry Neill zum neuen Manager. Dieser konnte am Ende der Saison den Abstieg nur knapp verhindern. Neill wurde von den Fans nie wirklich akzeptiert und verließ deshalb den Club schon wieder im Jahr 1976. Als Nachfolger wurde sein bisheriger Assistent Keith Burkinshaw gewählt.

1977–1991 Nach 27 Jahren Erstligafußball stiegen die Spurs am Ende der Saison 1976/77 wieder in die Second Division ab. Wenig später verkaufte man den Stammtorwart und nordirischen Nationalspieler Pat Jennings an den FC Arsenal, was bei den Fans für große Proteste sorgte und sich noch als katastrophaler Transfer herausstellen sollte, da es bis 1981 dauerte, ehe man mit Ray Clemence einen ebenbürtigen Nachfolger fand.

Trotz des Abstiegs und der schlechten Transferpolitik hielt man an Burkinshaw fest und konnte bereits in der Folgesaison wieder aufsteigen. Im Sommer 1978 schockte Burkinshaw die Fußballwelt mit der Verpflichtung der argentinischen WM-Stars Osvaldo Ardiles und Ricardo Villa, deren Transfers ein Novum im englischen Fußball waren. Dennoch sollte es einige Zeit dauern, bis man aus guten Einzelspielern ein starkes Team formen konnte.