mini|Fotografieren in einer gotischen Kathedrale Die Architekturfotografie beschäftigt sich mit der fotografischen Abbildung von Architektur. Sie ist die Wechselwirkung von visueller Raumwahrnehmung und fotografischer Raumdarstellung.
Die Architekturfotografie steht in einer engen Beziehung zu den Genres der Sachfotografie, Industriefotografie und Landschaftsfotografie. Die Architekturfotografie als Genre ist so alt wie die Fotografie selbst und wurde bereits von den Pionieren als Thema gewählt. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Teilbereich der fotografischen Ausbildung.
Objekte der Architekturfotografie Die Bandbreite der Objekte beginnt bei Baumhäusern, Gartenlauben und Architekturmodellen bis hin zu Objekten aus der Liste der Weltkulturdenkmäler. Dies bedeutet die Abbildung von Miniformaten bis zur Chinesischen Mauer. Auch Innenräume gibt es in allen Dimensionen vom Dachzimmer bis zur Fußball-Arena.
Motive der Architekturfotografie können alle Arten von Bauwerken und Immobilien sein, wie u. a. öffentliche Bauten, Häuser, Sakral-Bauten, Burgen, Schlösser, Ruinen, Funktionsbauten, Brücken, Verkehrsbauten, Türme, Sportanlagen, Hafenanlagen, Talsperren und Industriebauten. Dies bezieht sich auf Innen- und Außenansichten dieser Objekte.
Kategorien und Genres Objektkategorien Architektur ist Teil einer Kulturlandschaft, die der Mensch geschaffen hat. Daher ergibt sich eine sehr breite Objektpalette mit unterschiedlichen Anforderungen an die einzusetzende Fotoausrüstung. Die Objektpalette umfasst:
Stadtlandschaften Stadtansichten einzelne architektonische Objekte Architekturdetails Stadtmobiliar, Straßenkunst, Denkmäler u. a. Exterieur und Interieur (Außen- und Innenansichten).
Je nach Anwendung werden andere Anforderungen an Ausrüstung, Komposition, Perspektive u. a. gestellt, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.
Objektgenres Für die Architekturfotografie stehen eine Reihe von Spielarten oder Genres zur Wahl:
Gesamtästhetischer Ansatz: Das spontane Foto als Zugang zum Objekt ideeller Ansatz: Assoziationen zur Funktion oder Lage des Gebäudes fokussierender Ansatz: Details werden herausgearbeitet integrativer Ansatz: Einbettung ins Umfeld, Menschen, Panorama, kontrastierende Elemente, Wetter etc. lichtbasierter Ansatz: Lichtsituation je nach Jahreszeit und Tageszeit künstlerischer Ansatz: Verfremdung, HDR, Schwarzweißfotografie etc. perfektionistischer Ansatz: starke Nachbearbeitung bei Arbeiten für Auftraggeber.
Zusammenspiel von Formen, Farben, Plastizität, von Licht, Schatten, Spiegelungen können ausgewogen, spannungsreich oder expressiv umgesetzt werden.
Anwendungsbereiche Die professionellen Anwendungen werden von ausgebildeten Fotografen abgedeckt, die sich auf das Thema spezialisiert haben. Theoretische Ausbildung, Ausrüstung und praktische Erfahrung sind entscheidend für gute Resultate.
Architekturfotografie im Auftrag von Architekten Der wichtigste Auftraggeber eines Architekturfotografen ist der Architekt. Architekten nutzen diese Bilder als Referenzen, um ihren eigenen Marktwert zu steigern und neue Projekte anzubahnen. Das Architekturfoto ist der Werbebotschafter des Architekten. Der Architekt legt dabei Wert auf eine Inszenierung und Wirkung seiner architektonischen Aussagen. Dies stellt höchste Ansprüche an die Umsetzung des Fotografen. Dieser Bereich hat die höchste wirtschaftliche Bedeutung aller Anwendungsgebiete und oft wird die gekonnte Inszenierung durch den Auftrag selbst zur Kunst. Die Auftragskunst „Architektur“ wird zur Vorlage für die Auftragskunst „Architekturfotografie“.
Architekturfotografie in der Bauwirtschaft mini|Aus der Fußgängerperspektive fotografiertes Architekturmodell veranschaulicht eine Planung In der Entwurfs- und Planungsphase umfasst dies die Fotografie von Modellen zur Darstellung des geplanten Bauvorhabens. Zur Darstellung wird heute allerdings überwiegend das Architekturrendering zur Visualisierung eingesetzt. In der Ausführungsphase wird der Entstehungsprozess eines Bauwerks auf der Baustelle fotografisch dokumentiert. Nach der Fertigstellung wird das Bauwerk in seinem aktuellen Zustand dokumentiert. Neben der künstlerisch-dokumentarischen Abbildung von Bauwerken kommt dem Einsatz fotografischer Methoden in der Vermessungstechnik Bedeutung bei. Insbesondere ist durch stereoskopische Aufnahmen eine räumliche Vermessung möglich.
Architekturfotografie in der Immobilienwirtschaft Für die Immobilienwirtschaft und Bauherren hat die Architekturfotografie große Bedeutung, wenn es gilt Objekte zu verkaufen oder zu vermieten.
Architekturfotografie für Unternehmen und Institutionen Für Institutionen und Unternehmen kann die Architekturfotografie große Bedeutung haben. Oft geht es darum, die Bedeutung oder die Funktionalitäten eines Unternehmens zu thematisieren. Dabei können auch Innenaufnahmen von Betriebseinrichtungen Bedeutung haben.
Architekturfotografie für Dienstleistungen mini|Zur Vermarktung eines Hotels in Katalogen oder für Internet-Auftritte leistet die Architekturfotografie wichtige Hilfe Die Architekturfotografie spielt auch in der Gastronomie, Hotellerie und Tourismuswirtschaft eine Rolle, wenn es darum geht Objekte in Kataloge oder im Internet attraktiv in Szene zu setzen.
Architekturfotografie als Zielgruppenthema der Fotogerätehersteller mini|Bekannte Architekturbeispiele werden von Amateuren zigtausendfach fotografiert (Sphinx in Gizeh, Ägypten) Hersteller von Fotogeräten finden in der Architekturfotografie ein breites Betätigungsfeld zur Marktplatzierung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Einerseits bezieht sich dies auf professionelle Fotografen mit anspruchsvollen Wünschen hinsichtlich der Ausrüstung bis in den Großformatbereich, andererseits auf eine Nachfrage einer Vielzahl von Amateurfotografen, die sich der Architekturfotografie als Thema für Städtereisen, Ausflüge oder Reisen generell widmen.
Architekturfotografie zur Dokumentation mini|Baufortschritte Kloster Chorin in 2009, die unterschiedlichen Bauschritte werden farbig gekennzeichnet Wenn Gebäude unter Denkmalschutz stehen ist Fotografie wichtig um den Bauzustand zu dokumentieren. Das gilt für das gesamte Gebäude, aber auch für Details. Wenn Gebäude abgerissen werden sollen, kann zuvor die Fotografie das Objekt historisch festhalten. Fotografie wird auch häufig eingesetzt, wenn ein Gebäude umgebaut oder modernisiert werden soll. Sonderfälle sind die Nutzung von Architekturfotografien von Architekturkritikern, Bauhistorikern und Historikern oder von Medien oder Verlagen für Publikationen.
Architekturfotografie aufgegebener Gebäude Fotografie von verlassenen und verfallenden Gebäuden (sog. Lost Places) nennt man Ruinen-Fotografie.
Funktionen der Architekturfotografie Die Architekturfotografie hat neben dem Nutzen für Architekten und Bauherren auch viele verschiedene gesellschaftliche Funktionen:
Aufklärungsfunktion: Architekturfotografie macht Bauwerke unabhängig vom Standort des Rezipienten sichtbar und erfüllt damit eine Aufklärungsfunktion. Dass beispielsweise viele Menschen das Empire State Building in New York beschreiben können, ohne jemals dort gewesen zu sein, ist unter anderem auch ein Verdienst der Architekturfotografie.
Informationsfunktion: Architekturfotografie erfasst und transportiert Informationen über ein Bauwerk, z. B. Form, Farbe, Baustil, verwendete Materialien etc.
Dokumentationsfunktion: Architekturfotografie dokumentiert den Zustand eines Bauwerks im Kontext der Zeit. Der Gebäudezustand wird damit vergleichbar. Erst durch die Dokumentation des Gebäudes wird eine historische Betrachtung und die Bildung von Stilepochen möglich.
Vermittlungsfunktion: Architekturfotografie transportiert den konzeptionellen bzw. künstlerischen Gedanken eines Bauwerkes. Durch Architekturfotografie wird ein Gebäude auch ohne Beschreibung „lesbar“ – seine Aussage wird erfahrbar.
Künstlerische Funktion: Die künstlerische Komponente in der Architekturfotografie interpretiert ein Gebäude bewusst abweichend von der Wirklichkeit. Dazu stehen Architekturfotografen die Werkzeuge der Fototechnik und Bildbearbeitung zur Verfügung.
Lenkungsfunktion: Architekturfotografie kann den Blick des Rezipienten auf bestimmte Details oder Muster lenken, z. B. bestimmte Details werden fokussiert oder es werden Linien, Muster und Strukturen herausgearbeitet. Kommentarfunktion: Der Architekturfotograf kommentiert die Architektur eines Bauwerks. Dabei schlüpft er in die Rolle eines Architekturkritikers. Er analysiert und interpretiert das Bauwerk. Die Formsprache des Architekten kann der Fotograf unterstreichen, interpretieren oder abstrahieren. Ergänzungsfunktion: Aufnahmen aus der Architekturfotografie werden häufig dazu verwendet, journalistische, kommerzielle oder öffentlichkeitswirksame Texte mit Bildern anzureichern. Inspirationsfunktion: Architekturfotografie liefert visuelle Vorlagen als Inspiration für neue Architekturprojekte. Sowohl Architekten, als auch Bauplaner lassen sich von Architekturaufnahmen inspirieren. Wertsteigerungsfunktion: Häufig werden Architekturfotografen damit beauftragt, Gebäude im Idealzustand zu fotografieren. Architekten nutzen diese Bilder als Referenzen, um ihren eigenen Marktwert zu steigern und neue Projekte anzubahnen. Immobilienmakler und Bauherren nutzen sie, um den Wert des Gebäudes zu steigern. Obwohl die Bausubstanz im Laufe der Zeit an Wert verliert, kann die Fotografie eine Werterhaltung bzw. -steigerung suggerieren.
Besondere Phänomene Sequenzerfahrung in der Architekturfotografie Mehrere Fotografien ein und desselben Gebäudes können darüber zu einer Sequenzerfahrung führen. Der Betrachter nimmt Teilinformationen (z. B. die Vorderseite und die Rückseite eines Gebäudes) Bild für Bild wahr und setzt die Bruchstücke gedanklich zusammen. So ergibt sich eine zeitliche Abfolge von Erfahrungen mit dem Objekt, ähnlich wie eine Abfolge von Szenen im Film.
Technische Grundlagen Aspekte der Perspektive In der Architektur trifft man auf eine Vielzahl von Vertikalen und Horizontalen, auf Strukturelemente, Reflexionen oder ungewöhnliche Lichtverhältnisse. Vor allem die Linien ergeben gedachte „Fluchtpunkte“ in der Verlängerung, die es zu beherrschen gilt. Innerhalb der Komposition spielt daher die Perspektive eine zentrale Rolle.
Methoden zur realitätsnahen Wiedergabe der Proportionen Prinzipiell sind, bei gegebener Ausrüstung, für eine realitätsnahe Wiedergabe der Proportionen ein drei Wege möglich:
eine erhöhe Kameraposition, der richtige Abstand zum Objekt, die Wahl einer leichten Seitenansicht.
Details ergeben sich nun aus den Perspektivregeln.
Perspektivregeln Horizontale Perspektive Für das Fotografieren von Architektur sind horizontale Perspektiven zu unterscheiden:
Frontale Zentralsicht: Man sieht eine flächige Fassade (Horizontalen und Vertikalen), aber noch keine räumliche Tiefe (Diagonalen) Leichte Überecksicht („Kavaliersperspektive“): Man sieht die Fassade (Horizontalen und Vertikalen), und eine leichte räumliche Tiefe (Diagonalen) Stärkere Überecksicht: Man sieht nun weniger die Fassade (Horizontalen und Vertikalen), und eine starke räumliche Tiefe (Diagonalen).
Man muss sich also zwischen einem 2D- und einem 3D-Eindruck entscheiden. Letztlich auch zwischen einer plastischen und einer maßstabsgetreuen Darstellung.
Vertikale Perspektive