mini|hochkant|Stammwappen der Waldburg in der Zürcher Wappenrolle, ca. 1340 mini|Die Waldburg in Oberschwaben Das Haus Waldburg ist ein hochadeliges schwäbisches Adelsgeschlecht. Die Stammburg des ursprünglich welfisch-staufischen Ministerialengeschlechts, das seit der Mitte des 12. Jahrhunderts urkundlich belegt ist, ist die Waldburg auf der Gemarkung der Gemeinde Waldburg im Landkreis Ravensburg in Oberschwaben.

Ursprünge des Hauses Waldburg Erstes namentlich bekanntes Mitglied der Familie ist Cono von Waldburg (auch Cuno oder Kuno), Abt des Klosters Weingarten (1108–† 1132). Er schrieb den Augustinuskommentar und wahrscheinlich die Genealogia Welforum. Für das Jahr 1123 ist außerdem ein Gebhard von Waldburg genannt worden.Max Wilberg: Regententabellen. Frankfurt/Oder 1906. Unveränderter Nachdruck im Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-709-4

Heinrich (1140–1173) und Friedrich (1147–1183) von Waldburg sind möglicherweise Söhne eines Bruders des Abtes Cono. Cono von Waldburg, Abt von Weingarten 1108–† 1132 Heinrich, 1140–† 1173 Friedrich, 1147–† 1183

Der 1183 verstorbene Friedrich hatte zwei Söhne: Heinrich, seit 1183 Truchsess und seit 1198 Reichstruchsess Friedrich, seit 1192 Truchsess und seit 1198 Reichstruchsess († 1198 bei einem Aufstand in Viterbo erschlagen)J. G. D. Memminger: Württembergische Jahrbücher für vaterländische Geschichte – Sagen von dem Ursprunge der Familie von Waldburg, S. 147, 1834, Erstes Heft

Mit dem Tod der beiden erlosch das ältere Haus Waldburg 1210 im Mannesstamm.Max Graf zu Waldburg-Wolfegg (Hrsg.): Die Waldburg in Schwaben. Thorbecke, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-1069-1, S. 18

Frühgeschichte des jüngeren Hauses Waldburg mini|Wappenfahne auf der Waldburg Die Dienstmannen von Tanne übernahmen Besitz und Ämter des älteren Hauses Waldburg. Höchstwahrscheinlich waren sie mit jenem verwandt. Die von Waldburg und von Tanne gehörten zu den Dienstmannen, also „Ministerialen“ der Welfen. Nach dem Tod Welfs VI. im Jahr 1191 wurden sie Ministerialen der staufischen Herzöge.

Eberhard von Tanne-Waldburg (1170–† 1234) gilt als der eigentliche Stammvater des Hauses Waldburg, das seit 1217 diesen Namen führte.Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Dritter Band. K. G. Saur Verlag. 2. Auflage. Lizenz Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-708-6, S. 3018 Eberhard wurde 1225 erstmals Reichstruchseß genannt. Sein Neffe war Schenk Konrad von Winterstetten. Beide waren von 1220 bis 1225 als Vormünder und Ratgeber König Heinrichs (VII.) tätig. Zu jener Zeit wurden die Reichskleinodien auf der Waldburg verwahrt.

Unter der Regierungszeit Kaiser Friedrichs II. und seiner Söhne sind folgende Persönlichkeiten bekannt: zwei Bischöfe von Konstanz, Eberhard II. Truchseß von Waldburg, Erzbischof von Salzburg 1200–† 1246, Graf von Regensberg 1269–† 1291, Bischöfe von Brixen, Straßburg und Speyer. Des Weiteren stellten sie für lange Jahre den kaiserlichen Protonotar. Dies entspricht dem Statthalter des Königs.

Um 1214 wurde dem Haus die Verwaltung des Truchsessenamtes im Heiligen Römischen Reich übertragen. Von 1419 bis 1806 war das Amt Bestandteil des Namens (Truchsess bzw. ab 1525 Reichserbtruchsess von Waldburg). Neben dem Truchsessenamt hatten sie seit 1196 das Amt des Schenken und seit 1198 auch das Amt des Marschalls.

Nach dem Niedergang der Staufer gelang es dem Haus Waldburg, sich als reichsunmittelbares Adelsgeschlecht zu etablieren. Im 14. Jahrhundert befanden sich die Waldburger in der Gunst Kaiser Ludwigs des Bayern als auch der Habsburger. Sie brachten die Stadt Isny, die Herrschaft Trauchburg und die Herrschaft Zeil in ihren Besitz und erlangten 1406 zudem die Pfandschaft der fünf Städte Mengen, Munderkingen, Riedlingen, Saulgau und Waldsee. Somit war das Territorium der Waldburger im Laufe des 14. Jahrhunderts beträchtlich angewachsen.

Das Haus Waldburg nahm mit einem Kontingent am 9. Juli 1386 an der Schlacht bei Sempach auf der Seite der Habsburger teil, wobei Otto von Waldburg fiel. Sein Wappen ist in der Schlachtkapelle von Sempach abgebildet und in der Liste der gefallenen Adeligen auf Habsburger Seite in der Schlacht bei Sempach verzeichnet.

Im 15. Jahrhundert waren Vertreter des Hauses Waldburg häufig Landvögte in Ober- und Niederschwaben.

Führende Vertreter des jüngeren Hauses Waldburg bis zur Erbteilung 1429 mini|hochkant|Wappen von Tanne Die Geschichte des Hauses Waldburg war von zahlreichen Erbteilungen gekennzeichnet, deren bedeutendste die des Jahres 1429 wurde. Die nachfolgende Aufstellung nennt die Abfolge der wichtigsten Vertreter des Hauses bis zu der Teilung: Werner von Thann/Tanne um 1100 Eberhard I. Tanne-Waldburg, 1170–1234 ⚭ (1) Adelheid von Waldburg, Tochter des Heinrich von Waldburg ⚭ (2) Frau Adelheid von Klingen Berthold I. von Trauchburg, 1170/71 Friedrich von Waldburg, c. 1171–1197 (bzw. Truchseß 1214, † 1227 ?) Heinrich von Tanne (* um 1190; † 1248) Berthold II. von Tanne † 1212 Berthold III. von Trauchburg † 1245 Otto Berthold, Truchseß von Waldburg, 1234 – c. † 1269 (bzw. † 1276 ?) Eberhard II. Fürstbischof von Konstanz † 1274 Eberhard II., c. 1269–1291 ⚭ Elisabeth von Montfort Johannes I., 1291–1338/1339 ⚭ Klara Eberhard III., 1338–1361/1362 ⚭ Agnes von Teck Johannes II. von Waldburg, vor 1362–† 1424Rudolf Beck: Die Mediatisierung des Hauses Waldburg. In: Adel im Wandel. Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart Band 1, Thorbecke, Sigmaringen 2006, ISBN 3-7995-0219-X, S. 268 ⚭ vermählt in erster Ehe mit Elisabeth von Habsburg-Laufenburg in zweiter Ehe mit Catarina von Cilli, in dritter Ehe mit Elisabeth von Montfort (1399) und in vierter Ehe mit Ursula von Abensberghttps://genealogy.euweb.cz/waldburg/waldburg1.html#J2

Es besteht möglicherweise eine Verbindung zu den Herren von Dahn (Than) und der Dahner Burgengruppe.

Teilung des Hausbesitzes von 1429 Im Jahr 1429 fand die große Teilung des Hausbesitzes in drei Linien statt. Der Truchsess Johannes II. (bzw. Hans II.) hinterließ bei seinem Tode 1424 drei erbberechtigte Söhne. Sohn Eberhard I. (1424–1479) begründete die bereits 1511 erloschene Sonnenbergische Linie. Dessen Bruder Jakob (oder auch in der Schreibweise Jacob, † 1460) war der Stammvater der Jakobischen Linie, in deren Besitz die Herrschaft Trauchburg mit Kißlegg und Friedberg-Scheer nebst Dürmentingen gelangte. Die Jakobische Linie erlosch in Schwaben 1772, wohingegen die seit der Reformation in Ostpreußen bestehende evangelische Seitenlinie Waldburg-Capustigall erst 1875 im Mannesstamm ausstarb. Der dritte der an der Teilung des Jahres 1429 beteiligten Brüder hieß Georg I. († 1479). Er begründete die Georgische Linie, die sich 1595 in die Linien Zeil (heute noch bestehend als Waldburg zu Zeil und Trauchburg) und Wolfegg (heute als Waldburg-Wolfegg-Waldsee) teilte.

Die Verbindung zwischen den drei großen Linien Waldburg-Sonnenberg, Waldburg-Trauchburg und Waldburg-Wolfegg-Zeil bestand somit durch diese drei genannten Brüder mit ihren Ehefrauen: Eberhard I. 1424–1479 (Bruder von Jakob), 1. Reichsgraf von Sonnenberg 1463 ⚭ Kunigunde von Montfort Jakob Waldburg-Trauchburg 1424–1460 ⚭ Magdalena von Hohenberg Georg I. von Waldburg-Zeil, † 1467 ⚭ Eva von Bickenbach

Übersicht zu den Teilungen alternativtext=Relief einer liegenden Person in Ritterrüstung, der Helm liegt rechts neben dem Kopf, der auf einem Kissen liegt. Die Person hat lange Haare. Auf der anderen Seite des Kopfes ist ein Wappen zu sehen.|mini|Grabmal von Georg I., Truchseß von Waldburg (vergoldetes Bronzeepitaph) in der Stiftskirche St. Peter in Bad Waldsee Sowohl die Burg als auch die Herrschaft Waldburg galten als Reichslehen. Auch der Eigenbesitz Trauchburg wurde 1429 in ein Reichslehen umgewandelt. Außerdem gelangte das Haus Waldburg im Laufe des 14. Jahrhunderts in den Besitz habsburgischer Pfandschaften. Dazu zählten die Herrschaft Kallenberg, die Grafschaft Friedberg, die Herrschaft Scheer, die Herrschaft Bussen sowie die Donaustädte Saulgau, Mengen, Riedlingen und Munderkingen. Die betroffenen Bewohner in den Pfandschaften fühlten sich jedoch weiterhin als Untertanen des Hauses Habsburg und sträubten sich deshalb jahrhundertelang mit wechselnder Intensität durch Gehorsams- und Steuerverweigerung gegen die Herrschaft des Hauses Waldburg. Insbesondere die Jakobische Linie mit den Grafschaften Trauchburg und Friedberg-Scheer geriet in den folgenden Jahrhunderten der frühen Neuzeit in einen nicht enden wollenden Strudel von erdrückenden Schulden und damit verbundenen Auseinandersetzungen mit den Untertanen, die sich hart besteuert sahen. Kennzeichnend war das Festhalten aller oberschwäbischen Linien des Hauses Waldburg am Katholizismus. Katholisch zu sein und im Dienste von Kaiser und Reich zu stehen, gehörte zum Selbstverständnis des Hauses. Lediglich die Linie Waldburg-Capustigall in Ostpreußen war in der Reformation evangelisch geworden und brachte eine Reihe von preußischen Landhofmeistern, Ministern und Generälen hervor.

Sonnenbergische Linien

Die Eberhardische oder Sonnenbergische Linie währte nur kurze Zeit und endete mit der Ermordung des Grafen Andreas. Die Vertreter der Linie besaßen die Grafschaften Sonnenberg und Friedberg-Scheer. Als bedeutendster Abkömmling der Linie gilt der humanistisch gebildete Graf Otto, der 1475 bis 1491 das Bistum Konstanz leitete. Johannes II., 1361–1424 Eberhard I., † 1479, I. Reichsgraf von Scheer und Sonnenberg Andreas, † 1511, IV. Reichsgraf Otto, Bischof von Konstanz, 1475–1491 Konstanzer Bistumsstreit

Jakobische Linien

Die Jakobische Linie bestimmte über Jahrhunderte die Politik des Hauses Waldburg im oberschwäbischen Raum mit und brachte zudem mit der Linie Waldburg-Capustigall einen Ableger in Ostpreußen hervor. Als bedeutende Vertreter der Linie Waldburg-Trauchburg gelten Wilhelm der Ältere, dessen Sohn Otto sowie der gescheiterte Kurfürst Gebhard von Köln. Die notorisch hoch verschuldete Jakobische Linie starb 1772 kurz vor dem Ende des Heiligen Römischen Reichs aus. Das Erbe traten die späteren Fürsten von Waldburg-Zeil an. Johannes II., 1361–1424 Jakob, † 1460, von Waldburg-Trauchburg ⚭ Ursula von Hachberg-Sausenberg Johann d. Ä. von Waldburg-Trauchburg, † 1505, ⚭ Anna zu Oettingen Wilhelm der Ältere von Waldburg-Trauchburg, † 1557, ab 1526 Reichs-Erb-Truchsess Wilhelm d. J. von Waldburg-Trauchburg, † 1566 Christoph von Waldburg-Trauchburg, † 1612 Wilhelm von Waldburg-Friedberg-Scheer, seit 7. September 1628 Reichsgraf von Waldburg, † 1652, siehe Absatz Reichsgrafen von Waldburg I Friedrich von Waldburg-Trauchburg, † 1636, siehe Absatz Waldburg-Trauchburg ab 1612 Gebhard von Waldburg-Trauchburg, Erzbischof von Köln 1577–1583, Truchsessischer Krieg Otto von Waldburg-Trauchburg, Bischof von Augsburg 1543–1573 Friedrich von Waldburg-Capustigall, † 1554, siehe Absatz Waldburg-Capustigall

Reichsgrafen von Waldburg I

mini|hochkant=1.2|Schloss Scheer Wilhelm von Waldburg-Friedberg-Scheer, seit 7. September 1628 Reichsgraf von Waldburg, † 1652 Otto Reichsgraf von Waldburg, † 1663 Maximilian Wunibald Reichsgraf von Waldburg, † 1717 (Linie stirbt aus)

Linie Waldburg-Trauchburg ab 1612

mini|Ruine der Burg Alt-Trauchburg, im Hintergrund die Landesgrenze und Isny Friedrich von Waldburg-Trauchburg, † 1636 Johann Ernst von Waldburg-Trauchburg, † 1687 Christoph Franz von Waldburg-Trauchburg, † 1717 Joseph Wilhelm von Waldburg-Trauchburg, † 1756 Leopold Augustus von Waldburg-Trauchburg, † 1764 Franz Karl Eusebius von Waldburg-Friedberg und Trauchburg, Bischof von Chiemsee † 1772

Linie Waldburg-Capustigall

mini|Schloss Waldburg-Capustigall (heute Nikolajewka (Kaliningrad)) Friedrich von Waldburg-Capustigall, † 1554 Johann Jacob von Waldburg-Capustigall, † 1585 Friedrich von Waldburg-Capustigall, † 1624 Heinrich Friedrich von Waldburg-Capustigall, † 1629 Friedrich von Waldburg-Capustigall, † 1678 Wolfgang Christoph von Waldburg-Capustigall, † 1688, ab 1686 Reichsgraf