Die Pestwurz-Sommerwurz (Orobanche flava) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sommerwurzen (Orobanche) innerhalb Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae). Sie wird auch als Hellgelbe Sommerwurz bezeichnet.
Beschreibung
mini|links|Illustration aus Atlas de la flora alpine, Tafel 397 mini|Habitus im Habitat mit Wirtspflanze
Vegetative Merkmale Die Pestwurz-Sommerwurz ist eine zweijährige krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern erreicht. Der einfache Stängel ist wachsgelb.
Generative Merkmale Mit einer Blütezeit reicht von Juni bis August. Die Blüten befinden sich in einem ährigen Blütenstand.
Die zwittrige Blüte ist zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die Krone ist blass- bis hellgelb, seltener ockergelb. Die Oberlippe ist rötlich und beim Vertrocknen braun werdend. Kronen-Rücken und Kronen-Oberlippe haben keine kammförmige Erhebung. Die Kronen-Oberlippe ist tief zweilappig, Zipfel erst vorgestreckt, zuletzt zurückgeschlagen. Der Mittellappen der Kronen-Unterlippe ist helmförmig (konvex). Die Staubfäden sind vier bis sechs Millimeter über dem Grund der Kronröhre eingefügt. Der Griffel ist kahl bis spärlich drüsenhaarig.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 38.
Ökologie Die Pestwurz-Sommerwurz ist ein Vollschmarotzer, der auf Petasites-Arten, besonders auf Petasites paradoxus, und auf Arten der Gattungen Adenostyles, Tussilago und Aconitum parasitiert. Sie besitzt keine Chloroplasten und kann keine Photosynthese betreiben, sie ist daher vollständig auf die Ernährung durch ihre Wirte angewiesen (Holoparasit). Ihr schnelles Wachstum wird durch die in der Wurzelknolle gespeicherten Reservestoffe ermöglicht.
Vorkommen Von Orobanche flava gibt es Fundortangaben für Frankreich, Italien, Kroatien, Slowenien, Serbien, Rumänien, die Ukraine, Österreich, Deutschland, die Schweiz, Tschechien, Ungarn, Polen, die Slowakei, den Kaukasusraum und Marokko.
Standorte sind oft kalkreiche Felsschuttfluren, da Orobanche flava auf Pflanzenarten der Gattung Pestwurzen (Petasites) parasitiert – besonders auf Petasites paradoxus. Weiters auch auf Arten der Gattungen Alpendost (Adenostyles), Huflattich (Tussilago) und Eisenhut (Aconitum). Die Pestwurz-Sommerwurz ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Klasse der Steinschutt- und Geröll-Gesellschaften (Thlaspietea rotundifolii), sie kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Mesobromion vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für Orobanche flava agg.: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäíg wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
In Österreich gedeiht sie in der montane bis subalpinen Höhenstufe. In Österreich kommt sie in den Nördlichen Kalkalpen häufig, sonst zerstreut vor und fehlt im Burgenland sowie in Wien. In Deutschland kommt die Pestwurz-Sommerwurz nur im Süden (Alpen) vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Bayern zwischen Dietersbachalpe und Älpele bis zu einer Höhenlage von 1650 Metern auf.
Taxonomie und Systematik Die Erstbeschreibung von Orobanche flava erfolgte 1829 durch Friedrich Wilhelm Schultz in Beitrag zur Kenntniss der deutschen Orobanchen, Seite 9, Figur 5. Schultz übernahm den Namen von Carl Friedrich Philipp von Martius.
Je nach Autor gibt es etwa zwei Varietäten: Orobanche flava var. doriae (Syn.: Orobanche doriae ): Sie kommt in Marokko vor. Nach POWO wird sie sogar als eigenständige Art angesehen. Orobanche flava var. flava.
In der Schweizer Flora wird Orobanche flava mit Orobanche lycoctoni zum Aggregat Orobanche flava agg. zusammengefasst.
Literatur Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. Konrad Lauber, Gerhart Wagner: Flora Helvetica. 4. Auflage. Haupt-Verlag, Bern 2007, ISBN 978-3-258-07205-0.
Einzelnachweise
Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 488.
Weblinks
Thomas Meyer: Sommerwurz Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Kategorie:Sommerwurzen