Iberien oder Iberia (), in den georgischen historischen Quellen auch Königreich Kartli () genannt, ist ein antiker georgischer Staat im Kaukasus. Das Zentrum dieses Staates lag östlich des Lichi-Gebirges im Tal der Kura.
Geschichte Entstehung des Königreichs Iberien Nach den Einfällen der Kimmerer und Skythen in Kleinasien im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. entstanden vermutlich mehrere kleine Staaten auf dem Gebiet des heutigen Georgien. Im 6. Jahrhundert v. Chr. bildete sich der Staat Iberien heraus. Dieser lag in direkter Nachbarschaft zum persischen Achämenidenreich und unterlag daher noch mehr als der zur gleichen Zeit entstandene Nachbarstaat Kolchis einem starken persischen Einfluss in Politik und Kultur. Die frühe Hauptstadt war möglicherweise Uplistsiche, eine in Innerkartlien gelegene, in Fels gehauene befestigte Stadt, die schon verhältnismäßig früh angelegt worden war.Fähnrich, 1993, S. 46 f.
In Iberien gab es schon bald eine große soziale Differenzierung zwischen Arm und Reich, wie Grabfunde belegen. Die Bautechnik, insbesondere der Festungsbau, war weit fortgeschritten, und es gab mehrere bedeutende Städte wie Chowle, Kaspi, Sarkine, Urbisi und Odsrche.
Eroberung durch Ason und Einigung durch Parnawas mini|Iberien unter Parnawas Nachdem Alexander der Große Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. das Perserreich erobert hatte, fiel nach seinem Tod auch sein Reich in sich zusammen. Iberien, das durch die Vernichtung Persiens unabhängig wurde, wurde daraufhin durch die neu entstandenen Staaten Armenien und Pontos bedroht. Aus Pontos kam ein gewisser Ason, wahrscheinlich ein in Pontos gebürtiger Georgier. Die Berichte, er wäre von Alexander dem Großen eingesetzt worden, lassen sich nicht bestätigen, da dieser zudem nie in Georgien war. Ason eroberte die Kolchis und Iberien, das von ihm eroberte Gebiet reichte vom Schwarzen Meer bis zu den Grenzgebieten Iberiens in Heretien und am Fluss Berdudshi. Er machte Mzcheta zu seiner Hauptstadt. Die Mauern der Städte ließ er schleifen, doch baute er die Burgen aus, in denen seine Truppen stationiert waren. Seine Herrschaft soll grausam und blutrünstig gewesen sein, so versuchte er, das alte Herrschergeschlecht Iberiens auszurotten und konnte es zumindest vertreiben.Fähnrich, 1993, S. 48 ff.
Der letzte Sohn der Familie, Parnawas, floh nach Persien. Bald darauf kehrte er zurück und verbündete sich mit Kudschi, dem Herrscher von Kolchis. Auch die Osseten und Völkerschaften Dagestans beteiligten sich daraufhin an dem Angriff auf Ason, da sie ihm nicht mehr tributpflichtig sein wollten. Auch liefen Teile der Truppen Asons zu Parnawas über. So wurde Ason in die Festungen von Klardschetien vertrieben und Parnawas eroberte erst Mzcheta, dann den Rest Iberiens. Es gelang ihm, sich mit dem Seleukiden Antiochos zu verbünden, so dass er Unterstützung aus Armenien bekam. Im Jahr darauf erhielt Ason seinerseits "griechische" Verstärkung, die wohl von den Feinden des Seleukiden (siehe Diadochenkriege) entsandt worden war. So kam es bei Nakalakewi bei Artini zur Schlacht, die die Georgier und Seleukiden gewannen. Daraufhin wurde Ason getötet und Parnawas verheerte das griechisch besiedelte Gebiet von Andsiandsor bis Eklezi und eroberte Klarschetien. Mzcheta wurde auch seine Hauptstadt.
Das Reich des Parnawas war, ähnlich wie das Perserreich, in Verwaltungsdistrikte gegliedert, denen Eristawis vorstanden. Sein Staat umfasste ganz Ost- und Südgeorgien und große Teile Westgeorgiens. Kolchis war ihm freundschaftlich verbunden. Er schaffte die Grundlage für das Entstehen eines georgischen Volkes und eines gemeinsamen Staates. Durch Heiratspolitik festigte er die Verbindungen zu den Osseten und Durdsuken, seine Schwester gab er dem kolchischen König Kudschi zur Frau. Es wurden während seiner Zeit viele Nachbargebiete unter iberische Kontrolle gebracht, vor allem in Nordkaukasien und Albania. Mit dem Seleukidenreich verband Iberien eine enge Freundschaft.
Auch die Kultur wurde gefördert und die georgische Sprache verbreitet. Die georgische Schrift wurde einigen Quellen nach von Parnawas geschaffen, wahrscheinlich aber nur überarbeitet und vereinheitlicht. Auch entfaltete sich eine rege Bautätigkeit. Parnawas ließ Mzcheta mit einer neuen Stadtmauer befestigen und alle von Ason zerstörten Burgen wiederaufbauen. Auch begann er mit der Anlage der Residenz der iberischen Könige, Armasziche. Auf der Höhe vor Mzcheta errichtete er eine große Statue für die Gottheit Armasi. Unter dieser wurde er nach 65 Jahren Regentschaft auch bestattet. Mzcheta war zu dieser Zeit eine Weltstadt, am Hof wurde neben Georgisch vor allem Griechisch und Aramäisch gesprochen.
Unter den Parnawasiden Parnawas gründete die Dynastie der Parnawasiden, die Iberien über Jahrhunderte beherrschte. Parnawas Sohn und Nachfolger Saurmag musste sich einem Aufstand der Eristawis erwehren, was ihm nur mit Hilfe der Osseten und Durdsuken gelang. Nach ihm begannen Kriege in Iberien und die Einheit geriet in Gefahr. Die Kolchis wurde ganz unabhängig, und unter König Mirwan drangen die Durdsuken in Iberien ein und verwüsteten die nördlichen und östlichen Landesteile. Daraufhin griff Mirwan die Durdsuken an, besiegte sie und zerstörte ihre Hauptstadt Tschartali. mini|Iberien zur Zeit der größten Ausdehnung Armeniens. Im 2. Jahrhundert v. Chr. verlor Iberien die südlichen Provinzen Kisiqien, Meschetien, Klardschetien und Teile von Niederkartlien an Armenien. Pontos konnte sich unter Mithridates VI. Eupator die Kolchis einverleiben. Unter König Parnadshom entwickelte sich rege Bautätigkeit, unter anderem ließ er nahe Mzcheta die Burg Saden errichten. Nachdem er die Religion der Perser angenommen hatte, erhoben sich erneut die Eristawis, die die alte Religion behalten hatten, und töteten ihn mit Hilfe der Armenier. Unter seinem Nachfolger Arschak lehnte sich Iberien stark an Armenien an.
Als im dritten mithridatischen Krieg 66 v. Chr. die Römer Pontos endgültig besiegten, unterwarf der römische Feldherr Gnaeus Pompeius darauf auch Armenien und zog dann nach Iberien, welches mit Pontos verbündet gewesen war. König Artag versuchte, die Römer zu einer friedlichen Lösung zu bewegen, scheiterte aber an deren Siegeswillen. Die Römer kamen überraschend schnell und konnten so das Gebiet südlich des Kura rasch einnehmen. Bald darauf eroberten sie einige Gebiete nördlich des Flusses, während Artag ihnen nur auswich. Als es dann doch zur Schlacht kam, erlitten die Iberier eine schwere Niederlage. Nachdem ein für die Römer verlustreicher Kleinkrieg begonnen hatte, rodeten sie die Wälder, um den Iberiern den Schutz zu nehmen. Auch entdeckten die römischen Soldaten viele Frauen unter den Kriegern, weshalb man in Rom glaubte, Pompeius kämpfe gegen die Amazonen. Bald darauf gab Artag endgültig auf. Nachdem er seine Söhne als Geiseln nach Rom geschickt hatte, wurde Iberien Verbündeter und Vasall Roms. Bald darauf eroberte Pompeius auch Kolchis und Albania.
Zwischen Rom und Persien Erst im 1. und 2. Jahrhundert konnte sich Iberien wieder erholen. Das erneute Erstarken Iberiens wurden durch Armeniens Schwäche und den Kampf zwischen Rom und dem Partherreich begünstigt. Auch die guten Beziehungen zu den Alanen (Osseten) wirkten sich positiv aus. In den dreißiger Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. gelang es nach einem Aufstand des parthischen Adels und mit der Zustimmung Roms sogar, große Teile des zwischen Rom und Parthien umstrittenen Armeniens zu besetzen. Daraufhin entbrannte ein Krieg zwischen Iberien und Parthien um Armenien, in dem sich Albania mit Iberien verbündete und die Sarmaten auf beiden Seiten kämpften. Iberien unter dem Feldherrn Parsman, Sohn des Königs, gewann diesen Krieg und König Mirdat setzte seinen Sohn Mirdat als armenischen König ein. Nachdem der parthische (Gegen-)König Tiridates III. gestürzt war, versuchte sein Nachfolger Artabanos II. erneut erfolglos, Armenien zurückzuerobern. Doch bald darauf wurde Mirdat von Armenien nach Rom bestellt und dort gefangen genommen. Kaiser Claudius ließ ihn wieder frei. Mirdats Bruder Parsman griff, nachdem er König Iberiens geworden war, Armenien an und stieß Mirdat vom Thron.Fähnrich, 1993, S. 59 ff.
Parsmans Sohn Mirdat führte in den siebziger Jahren des ersten nachchristlichen Jahrhunderts erneut Krieg in Armenien, wobei er, wie bei den Iberiern üblich, sein Heer mit Truppen der Alanen verstärkte. 114 halfen die Iberier den Römern im Krieg gegen die Parther, so dass Armenien und Mesopotamien erobert werden konnten. Pharasmanes II. führte in den dreißiger bis fünfziger Jahren des 2. Jahrhunderts Krieg gegen die Parther und gegen römische Besitzungen. Die Römer behandelten Iberien in dieser Zeit mit äußerster Vorsicht, Trajan bezeichnete Iberien als Freund und Verbündeten. Das gute Verhältnis verschlechterte sich jedoch, nachdem die Georgier die Römer vollständig aus Armenien vertrieben, erfolgreich gegen das Partherreich kämpften und öffentlich Spott gegen Rom trieben. Allerdings erkannte Rom unter Antoninus Pius die Grenzen Iberiens von der Südostküste des Schwarzen Meeres bis zum Unterlauf des Mtkwari und vom Kaukasus bis zum Araxes an, was die Beziehungen wieder verbesserte. Auch in der Folgezeit konnten die Parther Iberien nicht erobern und auch die Sassaniden, die 224 die Herrschaft in Persien übernahmen, operierten zunächst erfolglos. mini|Iberien um 300 n. Chr. Unter König Amasasp wurde der Einfluss der Perser stärker, es entwickelte sich aber ein freundschaftliches Verhältnis. Allerdings griffen während seiner Regierungszeit die Osseten mehrfach an. Es gelang Amasasp, die Osseten zu besiegen und gemeinsam mit Verstärkung aus Armenien ihr Land nördlich des Kaukasus zu verwüsten. Durch sein starkes Bündnis mit den Persern gegen Kolchis, Armenien und Rom am Ende seiner Regierung fielen die südlichen Eristawis ab. Nach Amasasps Niederlage und Tod kam Iberien wieder in den römischen Einflussbereich.
In der nachfolgenden Zeit orientierte sich Iberien wieder mehr an Rom, da Persien seine Grenzen direkt bedrohte. Nach dem Friede von Nisibis (298) dominierte zunächst Rom den Kaukasusraum. Im Jahr 337 erklärte König Mirian das Christentum zur offiziellen Religion Iberiens. Spätere Legenden bringen die Annahme des Christentums in Verbindung mit den Taten der Kappadokierin Nino. Jedoch gab es in den Gebirgsregionen teils starken Widerstand gegen die Christianisierung, so dass auch militärische Mittel eingesetzt wurden.Fähnrich, 1993, S. 77 ff. Die Perser konnten den römischen Eunfluss nach 363 wieder zurückdrängen, verstärkten zu dieser Zeit ihre Angriffe auf Iberien, konnten 368 den iberischen König Saurmag vertreiben und Aspagur als König einsetzen. Als Saurmag mit römischer Hilfe zurückkam, kam es für kurze Zeit zur Teilung des Landes. Saurmag beherrschte den südwestlichen Teil mit Mzcheta, Aspagur den nordöstlichen, der an Albania grenzte. In den siebziger Jahren gelang es den Persern wieder, ganz Iberien unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie entsandten einen Pitiachschi, der die Tributzahlungen eintrieb. Anfang des 5. Jahrhunderts gingen die Perser zeitweise auch gegen die georgische Kirche vor und verbreiteten den Mazdaismus. Ab 540 versuchten die Sassaniden verstärkt, die Georgier zu assimilieren und sich Iberien, aber auch Armenien und Albanien, endgültig einzuverleiben. Dabei ging man auch gegen die georgische Sprache und Kultur vor und nutzte das Verlangen des Feudaladels nach mehr Macht aus.Fähnrich, 1993, S. 82 ff.