Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH bildet eine nicht landeseigene Universitätsklinik am Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Es gehört zur Unternehmensgruppe der BG Klinikenhttp://www.bg-kliniken.de/.
Geschichte Bau und frühe Jahre Zwischen 1888 und 1890 entstand das Bergmannsheil (damals: Bergbau-Berufsgenossenschaftliche Krankenanstalten Bergmannsheil) als Spezialklinik zur Unfallversorgung der Bergleute des Ruhrgebietes.Zur Entstehung vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904), 2. Band, Die Revision der Unfallversicherungsgesetze und die Praxis der Unfallversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 2009, S. 2, 51–57, 74 f., 272. Es gilt als die älteste Unfallklinik der Welt.Josef Boyer, Bergmannsheil 1890–1990, in: 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 37ff. Verantwortlich war die Bergbau-Berufsgenossenschaft (damals Knappschafts-Berufsgenossenschaft), die mit der Neugründung auf die seinerzeit hohen Unfallzahlen im Ruhrbergbau reagieren wollte.100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 38 ff.
Die spezielle unfallmedizinische Ausrichtung der Klinik war zu jener Zeit ein Novum und äußerte sich auf vielerlei Weise: Damit Unfallverletzte beispielsweise möglichst schnell in die Klinik befördert und dort versorgt werden konnten, wurde von Anbeginn ein Krankentransportwagen vorgehalten – anfangs noch von Pferden gezogen, später motorisiert. Seit 1892 gab es ein sogenanntes „Medico-mechanisches Institut“, das die Nachbehandlung und Rehabilitation von verunfallten Patienten zu verbessern half. 1896 folgte die Einrichtung eines „Röntgen-Cabinets“, wodurch diese noch sehr junge diagnostische Methode im Bergmannsheil zur Anwendung kam.
Kriegszeit und Zerstörung Während und nach dem Ersten Weltkrieg behandelte das Bergmannsheil viele verwundete Soldaten und Kriegsverletzte. Seit 1918 wurden Prothesen für amputierte Patienten in einer eigenen orthopädischen Werkstatt hergestellt. Im Jahr 1919 wurden eine Prosektur und 1920 eine „Innere und Nervenabteilung“ eingerichtet, die 1929 ein eigenes Gebäude bezog. Die Prosektur ging später in das Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil über. Außerdem wurden eine eigene Apotheke und eine Krankenpflegeschule eingerichtet, daneben wurde auch der chirurgische Kernbereich neu strukturiert.100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 41 ff.
Während des Zweiten Weltkriegs legte die Organisation Todt unter dem Bergmannsheil ein System von Stollen zum Schutz gegen Luftangriffe an. In der Bombennacht des 4. November 1944 wurde das Krankenhaus vollständig zerstört.
Wiederaufbau Nach dem Wiederaufbau, der unter anderem durch Kompensation von Kohle, die beim Bau der Stollen gefunden worden war, gegen Baumaterialien finanziert werden konnte, wurde das medizinische Spektrum noch mehr erweitert: Zu nennen sind hier zum Beispiel die Abteilung für Querschnittgelähmte (1952) und der Aufbau einer Abteilung für Schwerbrandverletzte (1964), der heutigen Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte. Weiterhin wurden Abteilungen für Anästhesie sowie Radiologie und Nuklearmedizin gegründet sowie mehrere Abteilungen für Inneren Medizin. Diese gewannen zunehmend an Bedeutung, differenzierten sich und entwickelten sich zu eigenständigen Abteilungen und Kliniken. Dies ging einher mit der Veränderung des Patientenklientels des Bergmannsheil und seiner Entwicklung von einem Spezial- zu einem Allgemeinkrankenhaus. Den Hintergrund bildeten Bergbaukrise und Zechensterben: Denn mit den Beschäftigtenzahlen im Bergbau sanken auch die Arbeitsunfälle kontinuierlich, die stetig verbesserten Maßnahmen zur Unfallprävention und zum Arbeitsschutz der Berufsgenossenschaften taten ihr Übriges. Die Klinik öffnete sich verstärkt für andere Patientengruppen – allerdings ohne ihre historisch begründeten Schwerpunkte in der Chirurgie und Unfallmedizin aus dem Blick zu verlieren. Heute ist das Bergmannsheil ein Krankenhaus mit Maximalversorgungsstandard.100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 78 ff.
Seit dem Jahr 1977 ist das Bergmannsheil eine Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum im Rahmen des Bochumer Modells. Dieses anfangs mit weiteren Bochumer Krankenhäusern als Provisorium gestartete „Bochumer Modell“, das anstelle einer ursprünglich geplanten Campus-Klinik die Medizinerausbildung für die Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität sicherstellte, wurde schließlich zur dauerhaften Lösung erklärt. Durch die Anbindung an die Medizinische Fakultät konnte das Bergmannsheil auch seine Aktivitäten in Wissenschaft und Forschung nun in einem universitären Kontext fortführen und intensivieren.Website des UK RUB/Historie
Seit 1. Januar 2007 firmiert das Bergmannsheil nach Umwandlung der Rechtsform zunächst als „Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH“, am 1. Januar 2016 erfolgte die Umfirmierung als „Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH“. Am selben Tage wurde das Bergmannsheil durch Übertragung von 74,9 % der Geschäftsanteile von den Gesellschaftern auf die Muttergesellschaft als eine Tochtergesellschaft in den neu gegründeten Konzern „BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH“ übernommen.Konzern-Website der BG Kliniken - Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH
Ausbau Ein neues achtstöckiges Bettenhaus, dessen Baukosten rund 50 Millionen Euro betrugen, wurde im Dezember 2006 eröffnet. Das Haus, das alle anderen Gebäude überragt, stellt 2 Hubschrauberlandeplätze, 253 Bettenplätze mit sehr hohem Komfort und 41 Intensivüberwachungsbetten bereit. Großteilig finanziert wurde dieser Bau sowie das ganze Klinikum durch seinen früheren Träger, die Bergbau-Berufsgenossenschaft, die die gesetzliche Unfallversicherung aller deutschen Bergbau-Unternehmer war. Sie hat sich im Januar 2010 mit anderen Berufsgenossenschaften zur heutigen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) vereinigt.
Im April 2008 wurde mit dem Bau eines mehrstöckigen Forschungsgebäudes zwischen den Häusern 2 und 10 begonnen. Der viergeschossige, kubusförmige Anbau schließt an Haus 10 an wurde im November 2009 fertiggestellt. Er gehört zum Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, einem Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA).
Im September 2010 wurde der Spatenstich gesetzt zum Bau eines neuen Funktionstraktes und Bettenhauses am Bergmannsheil. Der neue Funktionstrakt entstand zwischen den Häusern 1 und 3 und enthält eine interdisziplinäre Notfallaufnahme, ein OP-Zentrum, neue und erweiterte Intensivkapazitäten sowie Funktionseinrichtungen. Auch das alte Bettenhaus 2 wurde abgerissen und macht einem Neubau Platz. Das Bauprojekt wird in zwei Bauabschnitten realisiert. Der erste Bauabschnitt wurde im Juni 2013 eingeweiht. Der zweite Bauabschnitt wurde 2018 fertiggestellt. Die Baukosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf rd. 150 Mio. Euro, die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und dem Bergmannsheil getragen werden. Presseinfo vom 4. Dezember 2018
Mit der Fusion der neun berufsgenossenschaftlichen Akutkliniken der gesetzlichen Unfallversicherung wurde das Bergmannsheil am 1. Januar 2016 Teil des Konzerns der BG Kliniken.Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung: (23.02.2016)
Großbrand am 30. September 2016 In der Nacht vom 29. auf den 30. September 2016 zerstörte ein von einer Patientin in suizidaler Absicht gelegter Brand mehrere Stockwerke und das Dach des 1986 eröffneten Bettenhauses 1. Zwei Menschen wurden getötet und sieben schwer verletzt. Der Bochumer Berufsfeuerwehrmann und Sprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft Udo Lipp kritisierte später, es seien in der ersten Phase viel zu wenig Feuerwehrleute vor Ort gewesen, sodass kein koordinierter Löschangriff möglich gewesen sei. Der zuständige Amtsleiter der Stadt Bochum, Dirk Hagebölling, widersprach dieser Kritik.
Infolge des Brandes gingen sechs Stationen mit zusammen 200 Bettplätzen, was etwas mehr als einem Viertel der Gesamtkapazität des Klinikums entspricht, verloren. Der Verlust wurde zunächst teilweise durch temporäre Auslagerung zweier Stationen (Schmerzmedizin und Teile der Neurologie) in das Haus Börnig des Marienhospitals Herne ausgeglichen. Seit 2018 ist ein Ersatzbettenhaus (Haus 51) auf dem Gelände eines ehemaligen Mitarbeiterparkhauses fertiggestellt. Wie mit dem schwer beschädigten Haus 1 weiter verfahren werden sollte, war lange Zeit unklar.WDR: Bochumer Krankenhaus: Großbrand auch fünf Jahre später noch sichtbar. 30. September 2021 Im Juli 2024 wurde bekannt, dass für 2026 der Abriss der oberen sechs Geschosse des Bettenhauses 1 geplant sei; der Rest des Gebäudes (Erdgeschoss und erster Stock) werde saniert.
Zahlen und Fakten In 23 verschiedenen Kliniken und Fachabteilungen werden bis zu 638 Patienten gleichzeitig stationär behandeltQuelle: Jahresabschluss 2021. Das Bergmannsheil verfügt über vier spezialisierte Intensivstationen, eine interdisziplinäre Intermediate-Care-Station und 18 Normalstationen, darüber hinaus über eine Notfallaufnahme, mehrere Polikliniken und verschiedene Spezialambulanzen. Dadurch sichert die Klinik ein breites, hoch differenziertes Spektrum an medizinischen Leistungsbereichen ab. Das Bergmannsheil ist zertifiziert als überregionales Traumazentrum und ist Gründungsmitglied im Traumanetzwerk Ruhrgebiet. Ca. 63.000 ambulante und rund 19.000 stationäre Patienten behandelt das Klinikum Bergmannsheil jährlich, über 10.000 Operationen, fast 3.000 Notarztwageneinsätze und 250 Hubschrauberanflüge gibt es pro Jahr. Mehr als 2.500 Mitarbeitende sind an dem Universitätsklinikum beschäftigt. Drei angeschlossene Institute sowie zahlreiche Tochterfirmen, Einrichtungen und kooperierende Praxen zur Weiterbehandlung der Patienten sind auf dem Bürkle-de-la-Camp-Platz, dem Klinikgelände mit einer Größe von über 72.000 m², konzentriert.
Kliniken und Institute Chirurgische Klinik und Poliklinik Chirurgische Klinik – Unfall- und Wiederherstellungschirurgie sowie Orthopädie Chirurgische Klinik – Abteilung für Rückenmarkverletzte Chirurgische Klinik – Septische Chirurgie Chirurgische Klinik – Viszeralchirurgie Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerzmedizin Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerzmedizin – Abteilung für Schmerzmedizin Medizinische Klinik I – Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sowie Gastroenterologie und Hepatologie Medizinische Klinik I – Abteilung für Allgemeine Innere Medizin Medizinische Klinik I – Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie Medizinische Klinik I – Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie Medizinische Klinik II – Kardiologie und Angiologie Medizinische Klinik III – Pneumologie, Allergologie und Beatmungsmedizin Neurologische Klinik und Poliklinik Neurologische Klinik – Abteilung für Neurologische Traumatologie und Neurorehabilitation Abteilung für BG Rehabilitation Notfallzentrum Institut für Radiologische Diagnostik, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin Institut für Klinische Chemie, Tranfusions- und Laboratoriumsmedizin Apotheke und klinische Pharmazie