Emmi AG mit Sitz in Luzern ist die grösste Molkerei der Schweiz. Das börsennotierte Unternehmen erwirtschaftet derzeit über die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Zur Emmi-Gruppe gehören in der Schweiz zahlreiche Produktionsbetriebe. Ausserhalb der Schweiz hat Emmi Produktionsbetriebe u. a. in Chile, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Spanien, Tunesien, Brasilien, Kanada und den USA. Emmi gehört zu den 500 grössten Unternehmen in der Schweiz.
Geschichte Zentralschweizer Milchproduzenten 1907 gründeten 62 milchbäuerliche Genossenschaften aus dem Kanton Luzern den Zentralschweizerischen Milchverband Luzern (MVL). Nach der Aufnahme eines Verbands aus dem Kanton Zug wurde der MVL 1916 in Zentralschweizerischen Milchverband (ZMV) umbenannt. Erster vollamtlicher Geschäftsführer der ZMV wurde Franz Moser-Schär, der das Amt bis 1935 ausübte und gleichzeitig Präsident war. 1947 wurde in Emmen erstmals Weichkäse unter dem von Emmen abgeleiteten Markennamen Emmi produziert. Im darauffolgenden Jahr wurde das Emmi-Yoghurt lanciert. 1999 änderte der ZMV seinen Namen in Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). 2021 wurde Thomas Grüter (Die Mitte) Präsident der ZMP. Die ZMP ist Mitglied der Schweizer Milchproduzenten sowie Hauptaktionär der Bergkäserei Marbach AG in Escholzmatt-Marbach.
Emmi AG Aus der 1982 gegründeten Nova Reformprodukte AG wurde 1993 die Emmi AG, um die kommerziellen Tätigkeiten von den Verbandsaktivitäten zu trennen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen über 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von rund CHF 496 Millionen.
1997 wurde daraus die Emmi Schweiz AG und als Holdinggesellschaft wurde die (neue) Emmi AG gegründet. 1998 wurde die Emmi Deutschland GmbH gegründet, mit Eintragung ins Handelsregister im Folgejahr. Der damalige Unternehmenssitz war die Gemeinde Willstätt in Baden-Württemberg. Im Jahr 2000 übernahm Emmi 35 % an der von Edwin Baer gegründeten Baer AG, 2008 wurden die Anteile an Lactalis verkauft.
Durch Übernahmen wurde Emmi 2001 der grösste Milchverarbeiter in der Schweiz. Im gleichen Jahr firmierte die Josef Hosp GmbH, mit Unternehmenssitz in Nüziders, in Emmi Österreich GmbH um. 2002 übernahm Emmi das Käsegeschäft der Swiss Dairy Food in der Schweiz und in Deutschland. Im gleichen Jahr hat Emmi erstmals Käse nach Russland exportiert. Seit Dezember 2004 ist das Unternehmen an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange im Segment Schweizer Aktien kotiert. Im gleichen Jahr gründete Emmi eine Niederlassung in Frankreich. Im Jahr 2005 entstand die Mittelland Molkerei AG (MIMO) in Suhr durch den Zusammenschluss der Emmi-Tochter Butterzentrale Luzern mit der AZM Aargauer Zentralmolkerei, die zuvor Teil des Aargauer Milchverbands gewesen war. Von Beginn an hielt Emmi eine Beteiligung von 60 % an MIMO, während die AZM Verwaltungs AG, eine Tochter der Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (MPM), die restlichen 40 % hielt. 2006 wurde eine Tochtergesellschaft in Schweden gegründet.
Der Aargauer Milchverband (AMV) wurde 2007 zur Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (MPM), mit Einzelmitgliedschaft der Milchproduzenten. 2009 akquirierte Emmi die Firma Roth Käse in den USA, die dort bereits lokale Käse produzierte und vertrieb.
Ab 2009: Weitere Akquisitionen im Ausland 2009 akquirierte Emmi die Firma Roth Käse in den USA, die dort bereits lokale Käse produzierte und vertrieb. Ende 2010 übernahm Emmi die Markenrechte für Onken von der Oetker-Gruppe. Im selben Jahr erhielt Emmi die Rechte an der Marke Le Petit Chevrier in der Schweiz und stieg damit ins Geschäft mit Ziegenmilch ein. In den 2010er-Jahren wurden einige weitere Akquisitionen getätigt, wie z. B. der Ziegenkäsehersteller Cypress Grove in den USA (2010), der italienische Desserthersteller A-27 S.p.A. (2011) oder die italienische Dessertmarke Rachelli (2013). Der defizitäre italienische Joghurthersteller Trentinalatte (Umsatz zuletzt CHF 43 Mio.) wurde Ende 2014 an die Industrieholding Livia des Finanzinvestors Peter Löw verkauft.
Im Jahr 2016 stockte Emmi ihre Anteile an der Mittelland Molkerei AG, die zu diesem Zeitpunkt einen Jahresumsatz von rund CHF 500 Millionen erzielte, auf 100 % auf. Für den Verkauf ihrer Anteile erhielt die MPM neben einem Baranteil von CHF 34 Millionen weitere Aktien der Emmi AG.
2019 wurde die österreichische Firma Leeb übernommen, die Bio-Schaf- und Ziegenmilchprodukte herstellt und über die Firma Hale auch biologisch-pflanzliche Milchalternativen unter der Marke MyLove-MyLife vertreibt. Im Juli 2019 wurde der Kauf der italienischen Pasticceria Quadrifoglio verkündet, der im selben Jahr erfolgte. Im August 2019 schloss sich die chilenische Tochtergesellschaft Surlat von Emmi mit Quillayes zusammen, wodurch sie zur Nummer vier im chilenischen Milchmarkt wurden.
2020er Jahre: Jüngere Entwicklungen Im November 2020 wurde bekannt, dass Emmi beabsichtigt, die Käserei in Emmen durch einen Neubau zu ersetzen. Dessen Fertigstellung und Inbetriebnahme erfolgte 2022. Die Käserei Studer, eine Tochtergesellschaft von Emmi, investierte 2021 in Hefenhofen in einen Käsereineubau, um einer erhöhten Marktnachfrage zu entsprechen.
Im September 2021 übernahm Emmi den amerikanischen Marktführer im Fetakäse-Bereich, Athenos, von Lactalis. Im März 2022 stellte Emmi als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine nach eigenen Angaben das Geschäft mit Russland ein.
2023 übernahm Emmi in Zusammenarbeit mit der Sortenorganisation Sbrinz die Vermarktung des Schweizer Sbrinz-Käses. Im Jahr 2023 wurde im italienischen Campogalliano ein neues Werk für die Herstellung von italienischen Desserts eröffnet.
2024 erwarb Emmi die Mehrheit an der brasilianischen Molkerei Verde Campo, die besonders im Proteinbereich tätig ist. Zudem übernahm Emmi im selben Jahr die Luzerner Kaffeerösterei Hochstrasser, im Besonderen für die Herstellung von Emmi Caffè Latte. Im Oktober 2024 schloss Emmi die Übernahme der französischen Desserts-Produzentin Mademoiselle Desserts ab. Mademoiselle Desserts betreibt Stand 2024 zwölf Produktionsstätten in Frankreich, England, den Niederlanden und Belgien; sie erzielt mit rund 2000 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von EUR 420 Millionen. Der Verwaltungsrat der Emmi AG schlägt der Generalversammlung vom 9. April 2026 Alexander Kühnen, seit 2023 CEO der Bahlsen Gruppe, zur Wahl in den Verwaltungsrat vor, da Verwaltungsrätin Monique Bourquin nicht mehr zur Wiederwahl antritt.
Unternehmensstruktur mini|Hauptsitz von Emmi in Luzern Die Leitung des Unternehmens besteht aus einem neunköpfigen Verwaltungsrat, der als oberste Leitung fungiert sowie Kontroll- und Aufsichtsaufgaben übernimmt, und einer achtköpfigen Geschäftsleitung, die das operative Geschäft führt. Mehrheitsaktionär des Unternehmens ist die Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten, ein Zusammenschluss von Milchproduzenten aus der Zentralschweiz.
Präsidenten und Geschäftsführer Zwischen 1982 und 1993 war Bruno Affolter Präsident der damaligen Nova Reformprodukte AG. Von 1993 bis 2003 war der MVL-Präsident Franz Jung Verwaltungsratspräsident der Emmi Schweiz AG, bezw. ab 1997 der Emmi AG. Von 2003 bis 2009 übte Fritz Wyss (seit 2010 Ehrenpräsident des Emmi Verwaltungsrats) dieses Amt aus. An der Generalversammlung vom 20. Mai 2009 wurde Konrad Graber zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der Emmi AG gewählt, der das Amt die folgenden 14 Jahre innehatte.
CEO ist seit Januar 2023 Ricarda Demarmels. Sie folgte auf Urs Riedener, der das Unternehmen seit März 2008 leitete und 2023 Verwaltungsratspräsident wurde. Ihm als CEO vorausgegangen sind Walter Huber (2004–2008) und Fritz Wyss (1998–2004).
Aktionärsstruktur Emmi ist als Aktiengesellschaft an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange im Segment Schweizer Aktien kotiert. Aktien an Emmi AG halten (Stand 2025, Nominalkapital): Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten, Luzern, 53,3 % (über die 100-%-Tochtergesellschaft ZMP Invest AG) Zentralschweizer Käsermeister Genossenschaft, Sursee, 4,0 % MIBA Milchverband der Nordwestschweiz, Aesch, 3,1 % Übrige 39,6 % im Streubesitz
Die Aktionärsgruppe, bestehend aus der ZMP Invest AG, der Zentralschweizer Käsermeister Genossenschaft und der MIBA Genossenschaft hat sich per 7. November 2025 aufgelöst. Bereits im Juni 2025 verkaufte die Miba Genossenschaft 110'000 Namenaktien. Am 3. Mai 2024 meldete die UBS Fund Management (Switzerland) AG einen Anteil von 3,322 %. Die Capital Group Companies Inc. meldete per 7. Juni 2016 einen Anteil von 5,019 %.
Standorte Die Emmi Gruppe ist organisatorisch in die Divisionen „Schweiz“, „Europa“, „Americas“ und „Global Trade“ aufgeteilt und hat ihren Hauptsitz in Luzern. In der Schweiz hat das Unternehmen Stand 2025 insgesamt 25 Standorte, davon grössere in Dagmersellen, Emmen LU, Kaltbach LU, Kirchberg BE, Langnau im Emmental, Ostermundigen und Suhr.
Die Unternehmensgruppe hält Tochtergesellschaften und Beteiligungen in 15 Ländern, wobei das Auslandsgeschäft besonders in den Nachbarländern der Schweiz sowie in Nord- und Südamerika stattfindet. In den Vereinigten Staaten gehören Emmis Tochtergesellschaft Emmi Roth beispielsweise mehrere Produktionsstätten in Wisconsin für den nordamerikanischen Markt. Daneben gibt es auch Geschäftstätigkeiten in Asien, Afrika (Tunesien) und Südamerika. Auf dem brasilianischen Markt ist Emmi beispielsweise mit den Unternehmen Laticinios Porto Alegre und Verde Campo vertreten.
Produkte
Emmi bietet Milchprodukte wie Milch, Butter, Käse, Joghurts, Desserts und Milchgetränke an. Auch pflanzliche Milchalternativen werden von Emmi produziert, etwa Hafer-, Soja- und Mandelmilch.
Seit März 2004 ist Caffè Latte, ein Mischgetränk aus Milch und Kaffee, Teil des Produktangebotes. Es ist das erfolgreichste Markenprodukt von Emmi, als Erfinder gilt Erich Kienle. Das Produkt wird in mehreren Varianten verkauft, darunter pflanzenbasiert und in Bio-Suisse-Qualität. Im April 2019 wurde bekannt, dass für einige Märkte der Name Caffè Latte gegen Emmi Republic of Blends ersetzt wird, da der bisherige Name auch von der Konkurrenz verwendet wird. Bei den kalten Kaffees war Emmi nach Angaben von 2019 mit 17,2 % Marktanteil Marktführer in Westeuropa. 2026 wurde die Verpackung auf das In-Mold-Verfahren umgestellt, wodurch die bisher verwendete bedruckte PET-Ummantelung entfällt.
Ende 2010 übernahm Emmi die Markenrechte für Onken von der Oetker-Gruppe. Im selben Jahr akquirierte Emmi die Marke Le Petit Chevrier in der Schweiz und stieg damit ins Geschäft mit Ziegenmilch ein. Seither wurden einige weitere Akquisitionen, auch im Bereich Schafmilch, getätigt. 2019 wurde die österreichische Firma Leeb übernommen, welche durch die Firma Hale auch biologisch-vegane Milchersatzprodukte unter der Marke MyLove-MyLife vertreibt. 2020 wurde die Marke Beleaf für vegane Milchersatzprodukte lanciert. Bei Beleaf-Hafermilch setzt Emmi seit 2021 auf Schweizer Hafer. Während diese IP-Suisse-Qualität aufweist, wurde für die Coop-Eigenmarke Karma ab 2023 eine Hafermilch aus Schweizer Biohafer produziert, welche Bio-Suisse-Qualität aufwies.
2023 übernahm Emmi die Vermarktung des Käses Sbrinz AOP. Eine weitere bekannte Käsemarke von Emmi ist Kaltbach Käse, der in einer Sandsteinhöhle im Weiler Kaltbach im Kanton Luzern gereift wird. Überdies ist Emmi einer der grössten Glaceproduzenten der Schweiz, produziert wird in der Fabrik in Ostermundigen.
Zahlen und Fakten Mit dem Zusammenbruch von Swiss Dairy Food (SDF) Mitte 2002 wurde Emmi zum führenden Lebensmittelkonzern in der Schweizer Milchwirtschaft. 2024 hatte Emmi Tochtergesellschaften in 15 Ländern. Im Jahr 2020 beschäftigte das Unternehmen knapp 8700 Mitarbeiter, davon über zwei Drittel im Ausland. Der Nettoumsatz nach Produktgruppen teilte sich im Jahr 2024 wie folgt auf: 29,6 % Frischprodukte 29,0 % Käse 25,6 % Molkereiprodukte 5,9 % Frischkäse 4,4 % Pulver/Konzentrate 5,5 % übrige Produkte/Dienstleistungen